I.01 - Tödliche Wahrheit

(Eine rothaarige Frau wird von zwei uniformierten Männern unter Wasser gehalten. Die Männer schlagen sie und befragen sie auf Taiwanesisch. Einer der Männer wirft sie auf einen Stuhl und schlägt ihr ins Gesicht. Sein Kollege fesselt die Frau mit Handschellen an den Stuhl. Von draußen dringen Geräusche in den Raum. Die Frau starrt voller Angst auf die Tür.)

(Die Universität. Ein Professor betritt einen Raum und geht auf eine junge Frau zu, die an einer Prüfung teilnimmt.)
PROFESSOR: Sydney, die Zeit ist um. SYDNEY: Okay. (schreibt weiter) Ich will... nur noch... meinen... letzten Satz zu Ende schreiben. (blickt auf und lächelt) Danke.
(Sie gibt ab.)

SYDNEY (VO): Und deshalb bekomme ich bestimmt nur eine Vier.
(Sydney und Danny verlassen die Universität, gehen über den Campus. Danny kramt in seiner Tasche.)
DANNY: Ach was, du kriegst keine Vier.
SYDNEY: Doch, ich glaub schon. Ich habe höchstens 64 von 100 Punkten.
DANNY: Syd, du hast noch nie eine Vier bekommen.
SYDNEY: Doch, ich hatte schon mal eine.
DANNY: Wann hattest du denn eine Vier?
SYDNEY: Auf der High School, Hauswirtschaftslehre. Weißt du nicht mehr?
DANNY: Ach ja, was hattest du denn da gemacht? Irgendetwas auf ein T-Shirt gestickt?
SYDNEY: Ein Sweatshirt, das war die Aufgabe.
DANNY: Da hast du doch bestimmt was Obszönes über den Lehrer geschrieben.
SYDNEY: Ach, das war ein sexistisches Schwein, dafür hätte ich ein Stipendium verdient.
DANNY: W-Warte mal eine Sekunde.
SYDNEY: Aber diesmal verdiene ich eine Vier. Ich war nicht vorbereitet. Ich hatte nicht genug Zeit.
DANNY: Darüber haben wir doch schon gesprochen. Hör in der Bank auf, wenn das mit dem Teilzeitjob nicht hinhaut.
(Danny hockt sich auf den Boden, kramt in seinem Rucksack.)
SYDNEY: Was machst du denn da?
DANNY: Noch 'ne Doppelschicht halte ich nicht durch, wenn ich das weiter für mich behalte.
SYDNEY: (kniet sich zu Danny) Hast du die Karten für Dave Matthews bekommen?
DANNY: Würdest du bitte aufstehen?
(Sydney steht auf.)
DANNY: Ich wollte damit warten bis zum Wochenende, aber... ich schaff' es nicht.
SYDNEY: Was ist los?
DANNY: Erinnerst du dich an unser erstes Date? An die Bowlingbahn? An den lauten Typen?
SYDNEY: Oh... Gott.
DANNY (beginnt zu singen): Build me up buttercup baby/ then you bring me down/ and mess me around/ and then worst of all/ you never call baby/ when you say you will/ but I love you still/ I need you/ more than anyone darling/ I know that I'm yours from the start/ build me up buttercup/ don't break my heart. (zu den Turmglocken, die zu läuten begonnen haben) Ruhe da drüben! Sydney, ich wünsche mir so sehr, dass du mich heiratest. Trotz meines Gesanges. (hält ihr eine Schatulle mit einem Verlobungsring hin)
(Sydney kniet sich zu ihm.)
SYDNEY: Ja.
(Sie küssen und umarmen sich.)
SYDNEY: Ja, ich will.
DANNY: Ich liebe dich.

(Sydney und Francie stehen vor Sydneys Wohnung, umarmen sich.)
SYDNEY: Francie...
FRANCIE: Ja, ich weiß, ich weine bei jeder Gelegenheit. Ohh, zeig' her. Oh, Süße, der ist wirklich schön.
SYDNEY: Ich weiß. Er will mich heiraten.
(Sie umarmen sich wieder.)
FRANCIE: Er will dich heiraten.
(Sie lachen.)

(In Sydneys Wohnung.)
FRANCIE: Hast du es Will schon erzählt?
SYDNEY: Wir treffen uns nachher auf dem Sportplatz. Komm doch auch!
(Sydney geht zum Esstisch und setzt sich. Francie geht zum Kühlschrank.)
FRANCIE: Oh, nein danke. Ich habe 300 Chirurgen zu füttern und keine Lust auf Training. Was meint dein Vater dazu?
SYDNEY: Ich hab' ihn noch nicht gesprochen. Ich will nicht, dass er's mir verdirbt. Das nicht, verstehst du?
FRANCIE: (setzt sich zum Tisch) Ja, ich finde du hast recht. Wenn du ihn anrufst wird er dich doch bloß wieder enttäuschen.
SYDNEY: Ja, ich weiß.
FRANCIE: Deine Mutter wäre sehr glücklich darüber gewesen. Das weißt du.
SYDNEY: Das stimmt. (Pause) Vielleicht sollte ich ihn anrufen. Er ist immerhin mein Vater.
FRANCIE: Du weißt nicht, was du willst. Aber denk' dran, wenn es nicht um den Import von Flugzeugteilen geht, hat der Mann nichts zu sagen. Soll er's erfahren, wenn er die Einladung bekommt.
SYDNEY: Er exportiert Flugzeugteile. Und er weiß es schon. Danny hat ihn angerufen um ihn um seine Einwilligung zu bitten.
FRANCIE: Danny hat ihn angerufen? Deinen Vater?
SYDNEY: Mhmm.
FRANCIE: Und wie ist es gelaufen?

(Danny steht im Krankenhaus beim Münztelefon und ruft Sydneys Vater an.)
JACK: Ja?
DANNY: Oh, ähm...Mr. Bristow?
JACK: Ja?
DANNY: Hallo, hier ist Danny Hecht. (Pause) Sydneys Freund.
JACK: Geht es ihr nicht gut?
DANNY: Oh doch, ihr...ihr geht's gut. Kein Grund zur Besorgnis. Ähm...i-ich rufe an, weil ich Sydney bitten will, meine Frau zu werden. Und äh...ich wollte Sie um Ihre Einwilligung ersuchen.
JACK: Danny, darf ich Ihnen eine Frage stellen?
DANNY: Natürlich.
JACK: Wie gut kennen Sie meine Tochter?
DANNY: Ähm, wir sind seit 2 Jahren zusammen.
JACK: Denn wenn Sie es für nötig halten, mich deswegen anzurufen habe ich den Eindruck Sie kennen Sydney keineswegs.
DANNY: Sir, ich liebe Ihre Tochter und ich...ich will sie heiraten, deshalb rufe ich an.
JACK: In Wahrheit ist Ihr Anruf doch nichts als eine höfliche Geste. Als würde man seinem Nachbarn sagen "Wir feiern heute eine Party und es könnte etwas laut werden, wenn es Ihnen nichts ausmacht." Aber eigentlich meint man doch: "Wir feiern heute eine Party und es könnte etwas laut werden."
DANNY: Äh, Mr. Bristow...
JACK: Sydney schert sich einen Dreck darum, was für eine Meinung ich habe. Interessant ist aber, dass Sie mich fragen.
DANNY: Es ist einfach Brauch, den Vater zu fragen. Das ist alles.
JACK: Schön, dann sage ich Ihnen etwas. Vielleicht werde ich Ihr Schwiegervater und das ist in Ordnung. Aber ich lasse mich von Ihnen nicht zum Gegenstand einer charmanten kleinen Anekdote machen, die Sie Ihren Freunden erzählen, damit die sehen, was für ein drolliger altmodischer Kerl Danny in Wirklichkeit ist. Haben wir uns verstanden?
DANNY: Ja, Sir.
JACK: Gut. Dann willkommen in der Familie.
(Jack legt auf. Danny sieht verwirrt aus, hängt schließlich den Hörer ein.)

(Sydney geht die Straße entlang. Sie betritt das "Credit Dauphine"-Gebäude und geht zum Lift. Im Lift sitzt ein Agent.)
SYDNEY: Hey.
AGENT: Heute nicht zu früh?
(Ein Lieferant will den Lift ebenfalls betreten.)
AGENT: Ich bedaure, nur für Führungskräfte.
LIEFERANT: Ach, kommen Sie, schmeißen Sie mich im 12. raus.
(Der Agent hebt sein Jackett an, zeigt seine Waffe. Er schließt die Tür des Lifts.)
LIEFERANT: Ach, schon gut, verdammt.
SYDNEY: Geht's Zachary besser?
AGENT: Viel besser, ja. Danke.
(Sydney nimmt hinter ihrem Rücken ihren Verlobungsring ab.)
SYDNEY (steigt aus): Bis dann.

(Sydney steht in einem weißen Raum, auf dessen Boden ein Kreis abgebildet ist. Sie bleibt in der Mitte des Kreises stehen. Das Licht des Raumes wird rot. Nach kurzer Zeit wird das Licht wieder weiß, und dann geht die Tür am anderen Ende des Raumes auf. Sydney geht durch die Tür. Sie geht durch einen Bereich, in dem es von Agenten wimmelt. Sydney geht zu ihrem Kollegen Dixon, nimmt eine Akte und blättert darin.)
DIXON: (spricht auf Hebräisch in sein Headset, beendet das Gespräch, nimmt das Headset ab und legt es auf den Tisch.) Gott, ich hasse das.
SYDNEY: Ich sag ja. Wenn Ramadan Abdallah Sallah wieder Unterricht geben würde...
DIXON: Ich rede nicht von meiner Arbeit. Dieses neue Headset kneift so am Ohr.
SYDNEY: Gib mal her. (Sydney nimmt das Headset, bearbeitet es mit einer Schere.) Irgendwas neues von Decklin?
DIXON: Seit Teheran nichts mehr. Ich red' mir immer ein, dass alles in Ordnung ist. Er ist schon öfter tagelang verschwunden, so wie jetzt. Und was ist mit dir?
SYDNEY: Nichts, wieso?
DIXON: Du...du glühst ja förmlich.
SYDNEY: Ich glühe doch nicht.
DIXON: Doch. Ha, na sowas.
SYDNEY: Hier. (reicht Dixon das Headset) Komm, Sloane wartet. Und ich glühe nicht. (Sie geht.)
DIXON (zu einem Kollegen): Was ist, glüht sie?
KOLLEGE: Na und ob.
DIXON: (ruft Sydney nach) Hörst du das? (probiert das Headset an) Ja. Besser. Gut.

(Im Besprechungsraum. Auf den Bildschirmen ist das Dossier von Vascar Mueller zu sehen.)
SLOANE: Oskar Mueller wurde letzten Monat getötet. Er fuhr auf einem Moped durch Berlin und wurde angefahren, ausgerechnet von einem Krankenwagen. Wir hatten diesen Mann schon länger observiert. Er hielt sich für eine Art modernen Alchemisten und sein IQ war laut Akten einer der höchsten der Welt.
DIXON: Und trotzdem ist er Moped gefahren...
SLOANE: Diverse Organisationen versuchten krampfhaft Muellers Pläne und Papiere an sich zu bringen, aber sie fanden nichts. Zumindest die westlichen nicht. (Sloane bringt ein Überwachungsfoto auf die Bildschirme.) Das Kultusministerium in Taipei, Hsincheng North Road, Sektor 2. Das Gebäude ist darüber hinaus eine Tarnung der FTR. Vor zwei Wochen erfuhren wir, dass einer von Muellers Plänen dort aufgetaucht ist.
SYDNEY: Wer ist der Maulwurf?
SLOANE: Antonio Quintero. (Bringt das nächste Bild auf den Bildschirm – einen Plan für einen Apparat.) Äh, das ist seine letzte Übermittlung. Die kam am 15. Die Lieferung sollte am Dienstag erfolgen. Quintero ist nicht aufgetaucht.
SYDNEY: (über den Apparat) Was ist das, hieratisch?
SLOANE: Nah dran, das dachte ich auch, aber es ist demotisch. Seine Notizen in alten Sprachen zu verfassen war nur eine von Müllers seltsamen Eigenheiten.
DIXON: Dann wurde Quintero liquidiert?
SLOANE: Das wissen wir nicht. Der Kulturbotschafter gibt am Dienstag im Nebengebäude einen offiziellen Empfang. (Er gibt Dixon und Sydney eine Akte.) Sie fliegen am Montag nach Taiwan. Sie sind Angestellte von Modira Plastics.
DIXON: (öffnet die Akte) Auf der Suche nach einem neuen Standort für ein Werk.
SLOANE: Mithilfe von Quinteros Notizen erkunden Sie den Ostflügel - Raummaße, Kameraüberwachung, Türen, den ganzen Kram. Orten Sie das Labor, in dem die Pläne liegen. Und kommen Sie zurück. Mehr nicht. Sie nehmen die Pläne nicht an sich, das können wir nicht riskieren. Marshall, Sie sind dran.
MARSHALL: Ja, danke. (steht auf) Ähm, okay. Guten Morgen. (nimmt ein Objekt aus seiner Tasche) Gut, also, das erste, was ich hier habe, ist ein... sieht aus wie ein Feuerzeug, nicht? Wie etwas, womit man, naja, seine Zigarette oder Zigarre anzündet. Aber es ist ein Hochfrequenzstörsender. Er stört alle Videosignale im Umkreis von 400 Metern. Also, wenn ich diesen Schalter umlegen würde, dann würde im ganzen Gebäude die absolute Panik ausbrechen und äh...ach was, egal... (legt den Schalter um) So. Sehen Sie, jetzt drehen hier alle total durch, ungefähr so (kichert): "Was ist denn hier los? Mein Computer ist ausgefallen! DVD läuft nicht mehr..." Und (legt den Schalter wieder um) - wir sind wieder da. So, hier ist eine 20-Volt-Zelle drin, also, die Aufladung reicht bloß für 4 Minuten. Sie wissen schon, da muss man rein und...und die Sache erledigen und äh, gleich wieder raus. 4 Minuten und danach ist man im A--äh, verloren. Sie wissen schon. Ähm, okay. (holt wieder etwas aus der Tasche) Dann hab' ich hier noch etwas, (zu Sydney) das ist für Sie. Das wird Ihnen sicher gefallen. Das ist etwas, auf das ich richtig stolz bin. Sieht aus wie ein Lippenstift, etwas, womit Sie sich...äh, Sie wissen schon. Das ist f-für Ihre Lippen, wenn Sie in der Damentoilette sie...sie...sie nachziehen. Aber: das Unglaubliche daran ist, dass er in Wirklichkeit Fotos macht. Und den Raum vermisst, und zwar in drei Achsen, von einem Standpunkt aus. Ähm, er fügt Bilder zusammen, basierend auf GPS, und erstellt einen zentimetergenauen Plan von jedem Gebäude, aber das ist nicht...oh, ähm, er hat eine Kamera, einen Kurzpulslaser und einen Gitteranalysator. Ähm, jetzt macht er noch 42 Bilder, aber ich will ihn auf 47 bringen - weil... das eine Primzahl ist.
SLOANE: Sie halten das möglicherweise für eine einfache Erkundungsoperation, aber bis wir wissen, was mit Quintero passiert ist, müssen wir davon ausgehen, dass man auf uns wartet. Also tun Sie uns einen Gefallen: kommen Sie zurück.

(Auf der Laufbahn.)
WILL: Du hast gewonnen.
SYDNEY: Danke. Sag mal, wo warst du denn gestern? Ich hab' dich angerufen.
WILL: Ach, Gott. Ich will nicht drüber reden. (Pause) Meine Schwester hat für mich ein Blind Date arrangiert.
SYDNEY: War es gut?
WILL: Für meine Begleiterin ja.
SYDNEY: Gefiel sie dir nicht?
WILL: Nein, nicht besonders. Und meine Schwester nervt mich. Das ist der Haken dabei, wenn man mit seinen Geschwistern zusammenlebt. Sie versuchen einen mit Leuten zusammenzubringen, denen man nie im Leben begegnet wäre.
SYDNEY: Was war denn an ihr so schlimm?
WILL: Der beste Film aller Zeiten ist für sie - halt dich fest - Pretty Woman.
SYDNEY: Na und, das ist doch auch ein netter Film.
WILL: Ja, stimmt wahrscheinlich.
SYDNEY: (nimmt sich Wills Wasserflasche) Danke.
WILL: Du hast recht. Aber der beste Film? Das schließt doch jeden Film ein, der je gemacht wurde. Alle, die's gibt. Ach, hast du gesehen? Heute gibt's "Lawrence von Arabien" im Kino.
SYDNEY: Ja, ich weiß.
WILL: Gehen wir hin?
SYDNEY: Würde ich gern, aber...
WILL: Danny macht Überstunden, hm?
SYDNEY: Ich bringe ihm das Essen in die Klinik.
WILL: Wir können in die Spätvorstellung. Komm schon, er läuft nur Donnerstag.
SYDNEY: Wir wollen bald heiraten.
(Pause)
WILL: Na sowas, du trägst ja... Mann, du trägst ja 'n Ring, das habe ich noch gar nicht gesehen. Ich gratuliere.
SYDNEY: Danke.
WILL: Willst du noch ein paar Runden laufen?
SYDNEY: Ach, ich hab' genug.
WILL: Gut, aber ich lauf noch ein paar. Also dann...
(Will läuft weg.)

(In Dannys Wohnung. Sydney liegt auf der Couch und lernt, während Danny mit Büchern am Tisch sitzt. Sie sieht zu ihm, er sieht sie an und lächelt. Dann kommt er zu ihr und küsst sie.)
DANNY: Ich hab' Todd angerufen. Sie haben das Haus noch nicht vermietet, falls du es dir ansehen willst. (Er küsst Sydneys Bauch.) Es ist kaum zu glauben. Eines Tages wird da drin ein Baby heranwachsen. Meine Patienten würden sich totlachen, wenn sie wüssten, dass ihr Arzt immer noch nicht glauben kann, dass Frauen schwanger werden.
(Sydney steht auf, reicht Danny ihre Hand, dreht die Musik lauter und geht mit Danny ins Badezimmer.)
SYDNEY: Zieh' dich aus.
(Die beiden steigen unter die Dusche. Danny will Sydney küssen, doch sie hält ihn davon ab.)
SYDNEY: Ich arbeite für die CIA.
(Danny lacht.)
DANNY: Das ist...
(Er hört auf zu lachen, als er merkt, dass sie es ernst meint.)
SYDNEY: Ich bin Sonderagentin bei der CIA. (Sie streiten.)

(Taiwan. Ein Mann mit Brille und Anzug betritt den Raum. Er hält eine Spritze in der Hand und kommt immer näher. Sydney versucht sich zu wehren, doch er spritzt ihr das Mittel. Sydney wird ohnmächtig.)

(Rückblende. Sydney sitzt an einem Tisch und lernt. Ein Mann kommt auf sie zu und gibt ihr eine Karte.)
SYDNEY: (VO) Es war im Herbst im ersten Jahr an der Uni. Ein Mann sprach mich an. Er sagte mir, dass die US-Regierung Interesse hätte, mit mir über einen Job zu sprechen.
(Sie sitzt in der Bibliothek, sieht sich die Karte an.)
SYDNEY: (VO) Als ich ihn fragte: "Warum ich?", sagte er mir nur, ich würde einem Profil entsprechen. Ich hatte das Gefühl, nirgends richtig hinzugehören, auch nicht an die Uni. Außerdem brauchte ich das Geld.
(Sydney steht bei einem öffentlichen Telefon und telefoniert, die Karte in der Hand.)
SYDNEY: (VO) Also habe ich mich mit ihnen getroffen und sie haben mir einen Job angeboten.
(Gegenwart. Danny und Sydney sind außerhalb der Stadt an einem abgeschiedenen Ort.)
DANNY: Einen Job bei der CIA?
SYDNEY: Nicht so ganz. Es ist... es ist eine Sonderabteilung.
DANNY: Das ist doch verrückt. Schön, also gut, eine... eine Sonderabteilung. Und wie ging's dann weiter?
SYDNEY: Nach dem ersten Monat fragte ich, ob ich den Test zur Agentenausbildung machen könnte.
(Rückblende. Sydney macht den Test.)
SYDNEY: (VO) Der Test war einfach. Sie sagten, ich sei ein Naturtalent.
(Sydney boxt und trainiert am Schießstand.)
SYDNEY: (VO) Vielleicht stimmt das ja, denn ich stieg sehr schnell auf.
(Gegenwart.)
SYDNEY: Es war aufregend.
DANNY: Das kann doch nicht wahr sein.
SYDNEY: Danny! Seit meine Mutter gestorben ist, habe ich immer gehofft, jemanden kennenzulernen, der meinem Leben einen Sinn geben würde. Dieser jemand bist du. Ich hab' nur vorher die Agency kennengelernt. Ich kann da nicht wieder raus.
DANNY: Syd, ich liebe dich. A-aber das... ich... ich muss erst mal selbst mit mir ins Reine kommen. Ich...
SYDNEY: Du darfst niemandem davon erzählen. Über das, was ich mache. Keinem Menschen.
DANNY: Ich...
SYDNEY: Danny, das ist mein voller Ernst.
DANNY: Ist schon klar. Ich muss... ich muss ein bisschen spazieren gehen. Ich ruf' dich heute abend an.
SYDNEY: Ich fliege heut' abend.
DANNY: San Diego?
SYDNEY: Ich ruf' dich an, wenn ich zurück bin.
DANNY: Pass auf dich auf.
(Danny geht weg.)

(Im Flugzeug. Sydney liest in einem Buch. Dixon sitzt neben ihr.)
DIXON: Weißt du, Sloane gefällt es nicht. Dass du noch auf der Uni bist.
SYDNEY: Ich weiß. Am liebsten wär' es ihm, wir hätten gar kein Privatleben. Ich geb' das nicht auf.
DIXON: Alles in Ordnung?
SYDNEY: Wie lange bist du schon mit Diane verheiratet?
DIXON: Elf Jah- nein, zwölf Jahre. Na so was, verdammt.
SYDNEY: Liebst du sie?
DIXON: Ja, natürlich.
SYDNEY: Und du hast ihr nie was gesagt?
DIXON: Worüber denn?
SYDNEY: Über das, was wir machen.
DIXON: Diane ist mit einem Anlageberater verheiratet, der seine Arbeit liebt. (Sydney sieht weg.) Damit schütze ich sie vor der Wahrheit.
SYDNEY: Und du hast nicht das Gefühl, dass du sie anlügst?
DIXON: Wenn es eine Regel gibt, gegen die man nie verstoßen darf, ist es diese.
SYDNEY: Wahrscheinlich wird es immer leichter, je länger man... je länger man...

(Taiwan, der Empfang des Kulturbotschafters. Sydney und Dixon sprechen mit mehreren Personen auf Taiwanesisch. Dann verlässt Sydney den Raum. Dabei geht sie an dem Mann mit Brille vorbei.)

(Eine Bar. Danny, der ziemlich betrunken ist, ruft Sydney an.)
ANRUFBEANTWORTER: (Sydney) Hallo, hier ist Sydney. (Danny) Ja, und hier ist Danny. Ich wohne hier aber nicht. (Sydney) Wenn Sie mir eine Nachricht hinterlassen, rufe ich Sie zurück. (Danny) Danke. Sie wollte noch "danke" sagen. (Sydney) Ja.
DANNY: Du bist nicht da. Naja, ich weiß, dass du nicht da bist. Weder zu Hause, noch in San Diego.

(Taiwan. Dixon täuscht einen Herzanfall vor, fällt um.)
(In der Bar.)
DANNY: Du könntest überall sein, alles mögliche tun.

(Taiwan. Sydney läuft zu einem Sicherheitsangestellten und schickt ihn zu Dixon.)
DANNY: (VO) Und genau das ist der springende Punkt an der Sache.

(Sydney betritt einen abgesperrten Bereich. Dixon aktiviert den Hochfrequenzstörsender. Im Sicherheitsraum fallen die Bilder aus. Sydney vermisst den Raum.)
DANNY: (VO) Kann ich damit leben, ohne zu wissen wo, warum, wann?

(Dixon bekommt ein Glas Wasser, Sydney vermisst noch einen weiteren Bereich.)
DANNY: (VO) Kann ich mit dieser Ungewissheit leben? Die Antwort, die einzige Antwort, die ich darauf habe, Sydney-

(In der Bar.)
DANNY: - ist ja. Syd, es ist mir egal.

(Taiwan. Sydney läuft einen Gang entlang und beobachtet Angestellte dabei, wie sie einen Raum verlassen.)
DANNY: (VO) Die ganze Welt ist sowieso ein Alptraum. Es ist alles gefährlich, egal was man macht. Ich könnte mir selbst nicht mehr in die Augen sehen, wenn ich mich von dir trennen würde, weil es ein Risiko ist.
(In der Bar.)
DANNY: Alles ist ein Risiko. I-ich... hey, aber was Kinder angeht, das... darüber müssen wir noch mal-

(Sydneys Wohnung. Dannys Anruf wird von ihrem Anrufbeantworter aufgezeichnet.)
DANNY: (VO) -sprechen. Denn ich will Kinder. Ich... ich liebe Kinder. Und sieh mal, vielleicht gibt es doch einen Ausweg-

(SD-6. Dannys Anruf wird von einem Agenten aufgezeichnet.)
DANNY: -denn niemand ist für alle Ewigkeit Spion. Irgendwann müssen die Leute sagen können, dass sie früher mal Spione waren. Du fehlst mir, Syd.
(Der Agent greift zum Telefonhörer.)

(In der Bar.)
DANNY: Komm... komm nach Hause.

(Taiwan. Sydney knackt das Schloss des Raumes, den die Angestellten verlassen haben.)

(Sloanes Büro. Das Telefon läutet, Sloane hebt ab.)
SLOANE: Ja? (Pause) Wer? (Pause) Was noch? (Pause) Ja, bringen Sie mir sofort die Aufzeichnungen. Ja.
(Sloane legt auf.)

(Taiwan. Sydney betritt den Raum, findet den Gegenstand, der auf dem Dokument abgebildet war, das Quintero übermittelt hatte, und macht eine Aufnahme davon. Ein Arzt untersucht Dixon. Die Batterie des Hochfrequenzstörsenders geht aus, der Kontrollraum bekommt wieder Bilder von den Kameras, Sydney wird entdeckt. Ein Sicherheitsangestellter verständigt den Mann mit Brille. Er fängt Sydney ab.)
SYDNEY: Ich hab' mich völlig verirrt. Oh mein Gott, ich... ich hab' die Damentoilette gesucht. Es gibt überhaupt keine Schilder, ich meine solche, die man lesen kann. Ich weiß nicht, wer dafür zuständig ist, aber...
DR. ZHANG LEE: Sie wissen, dass dieser Bereich gesperrt ist.
SYDNEY: (den Tränen nahe) Bitte, ich hab' doch nur die Damentoilette gesucht. Sie kennen wohl meinen Chef nicht. Wenn er erfährt, dass ich getrunken habe und Ärger bekommen habe, ich schwör' Ihnen, dann verliere ich meinen Job. Ich schwör's Ihnen.
DR. ZHANG LEE: Die Toilette finden Sie da vorn.
SYDNEY: Danke. Lieb von Ihnen. Eine schöne Krawatte.
(Sie geht.)

SLOANE: (VO) Wir haben einen Sicherheitsverstoß.
(Sloanes Büro.)
SLOANE: Offensichtlich hat Daniel Hecht davon erfahren, dass Sydney für uns als Agentin tätig ist. Tja. Sie verstehen, was das bedeutet.
JACK: Ja, ich verstehe. Vielen Dank, dass Sie's mir persönlich sagen.
SLOANE: Es tut mir leid, Jack.
JACK: Nicht notwendig. Sie kennen mich gut genug. Sie wissen, wem meine Loyalität gilt.

(Am Flughafen. Drei Agenten kommen auf Dixon zu.)
DIXON: Mr. Gonzalez.
GONZALEZ: Mr. Dixon. Wo ist Bristow?
DIXON: Suchen Sie das hier? (reicht ihm einen Gegenstand)
GONZALEZ: Nein, wir suchen sie. Wo ist sie?
DIXON: Sie hat sich schon verabschiedet.
GONZALEZ: Sie hat sich schon verabschiedet?
DIXON: Sie hat gesagt, sie nimmt ein Taxi. Warum? Gibt's 'n Problem?

(Dannys Wohnung.)
SYDNEY: Hey, ich bin wieder da. Ich war nicht mal bei mir zu Hause. Ich hab' ein Taxi genommen.
(Alles ist verwüstet. Sydney betritt das Badezimmer, findet Danny tot in der Badewanne. Sie beginnt zu schreien.)

(Sydney, völlig verstört und blutverschmiert, fährt zu SD-6. Sie betritt Sloanes Büro.)
SYDNEY: Was haben Sie getan?
SLOANE: Diese Frage könnte ich Ihnen auch stellen. (Sloane schließt die Tür.) Die Sicherheitsabteilung hat den Verstoß bemerkt und ihre Aufgabe erfüllt. Sie sind mit den Verhaltensregeln vertraut, Agent Bristow? Sie wussten, dass die Regeln auch für Sie gelten. Trotzdem haben Sie jeden Mann und jede Frau, die für uns arbeiten, in Lebensgefahr gebracht.
SYDNEY: (setzt sich nieder und weint) Danny war doch kein Risiko. Er war... er war nur ein Mann... er war... er war Arzt, er war doch nur...
SLOANE: Jetzt hören Sie mir zu. Informationen über diese Organisation müssen wie ein Virus behandelt werden. Es gibt nur eine Antwort auf einen Virus und die lautet Eindämmung. Sie haben uns in eine gefährliche Lage gebracht und auch wenn ich's zutiefst verabscheue, dass wir Gegenmaßnahmen-
(Sydney packt Sloane am Hals und drängt ihn gegen seinen Schreibtisch.)
SYDNEY: Hören Sie auf von "uns" zu sprechen. Sprechen Sie nicht immer von der Organisation. Sie haben den Mann getötet, den ich liebe.
SLOANE: Nein, Agent Bristow, das waren Sie.
(Sydney lässt ihn los und will gehen.)
SYDNEY: Lassen Sie mich raus.
SLOANE: Sydney, ich kann mir vorstellen, wie schwierig das für Sie ist.
SYDNEY: Sie lassen mich hier sofort raus.
SLOANE: Ehe Sie aber irgendwo hingehen, muss McCullough Sie noch sehen. Sehen Sie, Sie sind jetzt auch ein Risiko.

(Im Befragungsraum. Sydney ist an einem Gerät angeschlossen.)
MCCULLOGH: Sind Sie Agentin bei SD-6?
SYDNEY: Ja.
MCCULLOGH: Wie lange arbeiten Sie bereits bei SD-6?
SYDNEY: Sieben Jahre.
MCCULLOGH: Wie lautet Ihre Identifikations- und Klassifizierungsnummer bei SD-6?
SYDNEY: Meine Identifikations- und Klassifizierungsnummer ist...
MCCULLOGH: Waren Sie jemals von der Raffiniertheit eines Verbrechers so angetan, dass Sie gehofft haben, er würde davonkommen?
SYDNEY: Nein.
MCCULLOGH: Haben Sie jemals irgendwelche Informationen von SD-6 weitergegeben an Daniel Hecht?
SYDNEY: Nein.
MCCULLOGH: Haben Sie jemals gelogen?
SYDNEY: Nein.
MCCULLOGH: Welcher Art war Ihre Beziehung zu Daniel Hecht? Wenn jemand wegen Diebstahls festgenommen wird, dessen Komplizen aber entkommen, glauben Sie, dass er sie dann verraten sollte?
SYDNEY: Ja.
(McCullogh verlässt den Raum. Sydney geht zur Tür. Sie sieht, wie McCullogh mit Sloane spricht. Man lässt sie gehen. Als sie das Gebäude verlässt, sieht sie, wie ihr Wagen abgeschleppt wird.)

(Taiwan. Sydney, in der roten Perücke, wacht wieder auf.)
SYDNEY: Wow, wow, wow, wow. Ich weiß nicht, was in dem Zeug drin war. Wow.
DR. ZHANG LEE: Ich möchte das nicht zu schmerzhaft für Sie machen.
SYDNEY: Das finde ich auch. Danke, ich freue, dass wir uns einig sind. Das ist gut.
(Lee kommt näher.)
SYDNEY: Woahh.
DR. ZHANG LEE: Also, für wen arbeiten Sie? Ich werd' nicht noch einmal fragen.
SYDNEY: Okay. Nehmen Sie einen Stift. (Lee nimmt ein Notizbuch und einen Stift aus der Tasche.) Ich diktiere es Ihnen. E-M-E-T-I-B. Haben Sie das?
DR. ZHANG LEE: Ja.
SYDNEY: Okay, und jetzt lesen Sie's von hinten.
DR. ZHANG LEE: Leck mich.
(Sydney lacht.)
SYDNEY: Ich hab' schlechte Nachrichten für Sie. Ich bin Ihr schlimmster Feind. Ich habe nichts zu verlieren.
DR. ZHANG LEE: (öffnet eine Tasche mit Folterinstrumenten) Ich fürchte, Sie vergessen da etwas. Sie haben Zähne.

(Am Friedhof. Dannys Begräbnis. Francie streichelt Sydneys Hand. Sydney weint.)
PFARRER: (VO) Diese Fragen schwingen noch lauter mit, wenn wir jemandem bei einem sinnlosen Akt der Gewalt verlieren. Wir stellen uns immer wieder die gleiche Frage: Warum?
(Jack beobachtet von seinem Auto aus das Begräbnis.)

(In Sydneys Haus. Die Trauergäste unterhalten sich. Wills Schwester Amy umarmt Sydney. Will unterhält einen kleinen Jungen am Sofa. Francie spricht mit Sydney und umarmt sie. Sydney weint. Am Abend sitzt Sydney mit einem Glas Wein neben dem Anrufbeantworter. Sie hört sich die Nachricht an.)
ANRUFBEANTWORTER: (Sydney) Hallo, hier ist Sydney. (Danny) Ja, und hier ist Danny. Ich wohne hier aber nicht. (Sydney) Wenn Sie mir eine Nachricht hinterlassen, rufe ich Sie zurück. (Danny) Danke. Sie wollte noch "danke" sagen. (Sydney) Ja.
(Sie spricht eine neue Nachricht auf den Anrufbeantworter.)
SYDNEY: Hey, hier ist Sydney. Sie können mir eine Nachricht hinterlassen. Danke.

(Auf der Universität. Sydney sitzt in einer Vorlesung.)
PROFESSOR: Sie liebte ihren Mann und hat ihn verloren. Das ist kein neues Thema in der Literatur, aber es scheint wohl eines der beliebtesten zu sein. Zum Beispiel: Wie hat Tennyson dieses Thema bearbeitet?
(Sydney bekommt eine Nachricht von Sloane auf ihren Pager. Sie ignoriert die Nachricht.)
PROFESSOR: Auch wenn sein Werk zur Zeit ein wenig aus der Mode gekommen ist, möchte ich, dass Sie sich ansehen, was er zu diesem Thema zu sagen hat. Es scheint, dass... es scheint bei ihm...

(Am Campus. Sydney geht einen Weg entlang. Dixon steigt aus seinem Auto.)
DIXON: Sydney. Soll ich dich mitnehmen?
SYDNEY: Nein, danke. Ich wollte nur eben zur Bücherei. (Sie umarmt ihn.) Wie geht's dir?
DIXON: Ganz gut. Und dir?
SYDNEY: Gut. Besser. Danke für die Blumen, das war nett.
DIXON: Sydney, Sloane wird langsam ungeduldig. Du warst für einen Monat freigestellt, inzwischen sind's drei.
SYDNEY: Ich hab' mit Sloane geredet-
DIXON: Ja, aber offensichtlich ist er nicht zufrieden.
SYDNEY: Ich weiß, du sollst mich zurückbringen. Es tut mir leid. Ich kann es noch nicht.
DIXON: Sie haben erfahren, dass die FTL Muellers Gerät fertiggebaut hat. Sloane will es haben.
SYDNEY: Dafür brauchen die mich nicht.
DIXON: Die wollen dich.
SYDNEY: Die sollen Quintero beauftragen.
DIXON: Quintero ist tot. Letzten Donnerstag kam die Bestätigung. Syd, die wollen dich wieder einsetzen. Wenn sie zu jemandem, der so tief drinsteckt wie du, kein Vertrauen mehr haben, dann bereinigen sie das Problem.
SYDNEY: (gibt Dixon einen Kuss auf die Wange) Es tut mir wirklich leid. Also dann... (Sie geht.)
DIXON: Syd!

(Ein Restaurant. Sydney sitzt allein am Tisch. Sie beobachtet ein verliebtes Pärchen.)

(In der Tiefgarage. Sydney geht zu ihrem Auto, steigt ein, bemerkt, dass jemand auf sie zielt und kann sich gerade noch ducken. Während die Agenten schießen, fährt Sydney blind los. Die Agenten versperren ihr mit ihrem Wagen den Weg. Sydney flüchtet aus dem Wagen und läuft davon. Ein Agent folgt ihr. Sydney versteckt sich hinter einem Auto und ruft Francie an.)
(Francies Wohnung.)
FRANCIE: Hallo?
SYDNEY: Francie, hey.
FRANCIE: Oh, heute war der schlimmste Tag, den ich je...
SYDNEY: (flüstert) Kannst du mein Handy anrufen? Ich glaube, es klingelt nicht mehr.
FRANCIE: Syd, ich kann dich kaum hören.
SYDNEY: Kannst du... ruf mich gleich wieder an!
FRANCIE: Na schön.

(In der Tiefgarage. Sydneys Handy klingelt. Der Agent folgt dem Geräusch und sieht das Handy am Boden liegen. Sydney greift ihn von hinten an und schlägt ihm die Waffe aus der Hand. Die beiden kämpfen. Sydney schlägt den Mann bewusstlos. Ein Auto kommt. Sydney nimmt die Waffe und zielt auf den Fahrer. Es ist ihr Vater.)
JACK: Steig ein!
SYDNEY: Daddy?!
(Ein Wagen kommt näher.)
JACK: (öffnet ihr die Tür) Los!
(Sydney nimmt ihr Handy und steigt ein. Sie fahren davon. Der andere Wagen fährt hinterher.)

(Jack lädt seine Waffe.)
SYDNEY: Du hast eine Waffe?
(Sydneys Handy klingelt.)
FRANCIE: Hallo?
SYDNEY: Ja, es funktioniert. Ich ruf' dich nachher an.
FRANCIE: Ich hab's schon ein paar Mal probiert. Ja, ruf mich nachher an. Du glaubst nicht, was heute los war.
SYDNEY: Bei mir auch. (Sie legt auf.)
JACK: Halt dich fest.
SYDNEY: Dad, was machst du da?
(Jack bringt den Wagen ins Schleudern und fährt dann rückwärts weiter, während er auf ihren Verfolger schießt. Der Fahrer des Wagens stirbt. Sydney und Jack fahren davon.)
JACK: Es gibt vielleicht noch andere. Schnall dich an. Es wird heute Abend noch einiges passieren, was du nicht begreifst. Was du begreifen musst, ist folgendes: Die Agency vertraut dir nicht mehr. Man wird dich umbringen, wenn du nicht tust, was ich sage. Ich arbeite für SD-6, genau wie du. Jennings Aerospace ist Tarnung. Du verlässt die Stadt. Ich habe einen Flug über Frankreich in die Schweiz arrangiert. Du wirst vermutlich nicht durch die Kontrolle kommen. Ich hab' dir neue Papiere besorgt.
SYDNEY: Ich dachte immer, du verkaufst Flugzeugteile.
JACK: Ich verkaufe keine Flugzeugteile. Ich habe nie welche verkauft.
(Sie halten auf einem Parkplatz.)
JACK: Der Wagen dort fährt dich zum Flughafen. Ich muss zurück, sonst bemerken sie etwas.
SYDNEY: Wer bist du?
JACK: Sydney, steig in diesen Wagen. Er wartet nur zwei Minuten, dann fährt er, ob mit dir oder ohne dich. (Sydney testet, ob sein Gesicht eine Maske ist.) Du hast nicht die Zeit, mir zu misstrauen. Du weißt nicht, für wen du da arbeitest.
SYDNEY: Was soll das bedeuten? Für wen arbeite ich denn?
JACK: Vor zehn Jahren machte sich eine Anzahl Agenten selbstständig. Russen, Libyer, Chinesen, Äthiopier-
SYDNEY: Die Allianz der Zwölf.
JACK: Was weißt du über die Gruppe?
SYDNEY: Sie sind Feinde der Vereinigten Staaten und gefährlich. Es sind Söldner.
JACK: Ich bin einer davon. SD-6 ist keine geheime Unterabteilung der CIA. SD-6 ist eine Abteilung der Allianz. Du arbeitest für den Feind, den du zu bekämpfen geglaubt hast.
SYDNEY: Das ist einfach unmöglich.
JACK: Dann sag' mir, warum du nie in Langley warst? Du wurdest belogen. Alle rangniederen Agenten wurden belogen. Ich versuche dir zu helfen, Sydney.
SYDNEY: Du sagst also, ich arbeite für den Feind und dass du der Feind bist.
JACK: Sydney, das ist deine letzte Chance. Du musst gehen.
(Der andere Wagen fährt davon.)
SYDNEY: Wer bist du, dass du jetzt zu mir kommst und dich als Vater aufspielst? Wenn du etwas für mich tun willst, dann lass mich in Frieden.
(Sydney steigt aus und läuft davon.)

(Taiwan. Sydneys Mund wird durch eine Zange offen gehalten. Lee nimmt ein Instrument.)
DR. ZHANG LEE: Na schön. Versuchen wir's noch einmal. Also: für wen arbeiten Sie?
(Sydney deutet an, dass sie etwas sagen will. Lees Gehilfe nimmt ihr die Zange aus dem Mund.)
SYDNEY: Ich wollte nur sagen... Nehmen Sie zuerst die Backenzähne, wenn's Ihnen nichts ausmacht.
(Lee beginnt, ihr die Zähne zu ziehen. Sydney schreit.)

(Im Büro der Zeitung. Will telefoniert.)
WILL: Nein, nein. Ja. Ähm, mhm. Mhm. Ja. Moment, Moment mal, warten Sie. Darf ich...darf ich noch ganz kurz etwas sagen? Die Zeitung tut Ihnen damit einen Gefallen, ja.
(Eine Assistentin bringt Will eine Akte und einen Zettel.)
ASSISTENTIN: Ich geh' rüber in die Kantine, soll ich dir was mitbringen?
WILL: Nein, danke. Hey, ist Lidvack in ihrem Büro?
ASSISTENTIN: Was glaubst du?
WILL: Arbeitet sie überhaupt noch hier?
ASSISTENTIN: Hoffentlich nicht.
WILL: (liest den Zettel) Ich bin auf dem Dach. (Er lächelt.)

(Auf dem Dach.) WILL: Ich bin auf dem Dach? Aber das passt gut. Gerade hat ein Typ mitten im Interview aufgelegt. Ich hab' also ein bisschen Zeit, wenn du was Essen gehen willst... (bemerkt einen blauen Fleck in Sydneys Gesicht) Was ist mit deinem Gesicht?
SYDNEY: Hilfst du mir?
WILL: Syd, geht's dir gut?
SYDNEY: Ja. Ich kann es nicht erklären, also frag' nicht, sondern vertrau mir nur.
WILL: Aber natürlich.
SYDNEY: Ich brauche eine Kreditkarte von deiner Schwester mit mindestens 3000 Dollar Limit. Ich geb's ihr wieder. Kannst du das tun?
WILL: Syd, was ist los? Schuldest du jemandem Geld?
SYDNEY: Da ist noch was. Weißt du, wo Amy ihren Pass aufbewahrt?

(Eine Tankstelle. Sydney ist auf der Toilette und färbt sich ihre Haare rot. Sie malt einen Schönheitsfleck auf Amys Foto und in ihr eigenes Gesicht.)

(Am Flughafen.)
FLUGHAFENANGESTELLTE: Mit wie vielen Gepäckstücken reisen Sie nach Taipeh?
SYDNEY: Nur mit dem. Was für ein Lippenstift ist das, der ist super?
FLUGHAFENANGESTELLTE: Allex Jane Lux Concord Grape.
SYDNEY: Echt stark. Sieht spitzenmäßig aus.
FLUGHAFENANGESTELLTE: Danke. Darf ich Ihren Pass mal sehen?
SYDNEY: Hier. Haben Sie den mal ausprobiert? Er ist zu hell für mich. Was meinen Sie?
FLUGHAFENANGESTELLTE: Ich finde, er steht Ihnen.
SYDNEY: Danke.
FLUGHAFENANGESTELLTE: Fenster oder Gang?

(Sydney sitzt angespannt im Flugzeug.)

(Am Flughafen in Taipei. Sydney zieht sich auf der Toilette um. Sie verlässt den Flughafen, knackt das Auto eines Mannes, der ihr Rauch ins Gesicht geblasen hat. Damit fährt sie zum Kultusministerium. Sie steigt über einen Lüftungsschacht in das Gebäude ein. Sie versucht das Schloss des Raumes zu knacken, in dem der Mueller-Apparat ist. Ein Sicherheitsangestellter schlägt sie nieder.)

(Der Befragungsraum. Sydney kommt zu sich. Lee betritt den Raum, nimmt sich einen Sessel und setzt sich neben sie.)
DR. ZHANG LEE: Die Tablette, die ich Ihnen gegeben habe, dämpft den Schmerz. Sie wirkt gut, denn immerhin haben Sie aufgehört so laut zu schreien. Allerdings wirkt diese Tablette nur zwei Stunden lang und diese zwei Stunden sind fast vorbei. (Er steht auf.) Und nun haben Sie die Wahl: welchen Weg schlagen wir jetzt ein? (Er hält ihr Zange und Medikament hin.) Sie brauchen nur zu reden, dann bekommen Sie mehr. (Sydney murmelt etwas.) Lauter.
SYDNEY: Ich kann nicht.
DR. ZHANG LEE: (kommt näher) Für wen arbeiten Sie, Sie hübsches, kleines Schätzchen?
(Sydney schlägt ihm mit ihrem Kopf an den Schädel. Er fällt zu Boden. Sie macht einen Salto mit dem Stuhl und landet auf Lee. Sie schlägt ihn bewusstlos und nimmt sich die Schlüssel für die Handschellen aus seiner Tasche. Sie befreit sich und fesselt nun Lee an den Stuhl. Sie droht ihm die Zähne zu ziehen.)
DR. ZHANG LEE: Nein...nein...nein...nein...nein...
(Sydney sticht ihn mit der Zange. Die Tür geht auf und zwei von Lees Handlanger kommen in den Raum. Sydney schlägt sie nieder, nimmt ihre Waffen und läuft hinaus. In der Sicherheitszentrale wird sie über die Videokameras gesehen. Der Mann verständigt seine Kollegen. Sydney schießt die Tür zu dem Raum mit dem Mueller-Apparat auf und tritt die Tür ein. Sie sucht den Apparat, der mittlerweile in Benutzung ist. Ein kleiner roter Ball schwebt über dem Apparat. Als Sydney die Verbindung löst, explodiert der Ball. Sydney ist verwundert. Sie nimmt den Apparat. Zwei bewaffnete Männer laufen in den Raum. Sydney schießt auf sie, sie schießen zurück. Sydney gehen die Kugeln aus. Sie findet eine Gasleitung, die sie aufbiegt. Die Männer beginnen in Sydneys Richtung zu gehen. Sydney schleicht sich auf der anderen Seite des Raumes vorbei.)
SYDNEY: Hey, Jungs.
(Einer der Männer sagt etwas auf Taiwanesisch. Sie schießen. Es kommt zu einer Explosion. Sydney läuft davon. Sie kann mit dem Apparat fliehen.)

(Sloanes Büro. Das Telefon läutet, Sloane hebt ab.)
SLOANE: Ja. Schickt sie herein. Gleich. Ja, geben Sie Orawai Bescheid.
(Sydney geht an ihren Kollegen vorbei zu Sloanes Büro. Dixon steht auf und sieht ihr hinterher. Sydney betritt Sloanes Büro und legt ihm den Apparat auf den Tisch. Sloane öffnet das Tuch, in dem der Apparat eingewickelt ist.)
SYDNEY: Ich bin wieder da.
SLOANE: In Ordnung.
SYDNEY: Ich nehme mir eine Woche frei. Ich hab' Zwischenprüfungen.
(Sie geht.)

(Sydney geht die Straße entlang. Sie betritt ein Gebäude.)
REZEPTIONISTIN: Kann ich Ihnen helfen?
SYDNEY: Ich möchte zu Ihrem Direktor, Mr. Devlin.
REZEPTIONISTIN: Ich bedaure, Mr. Devlin ist nicht abkömmlich. Kann ich ihm etwas ausrichten?
SYDNEY: Sagen Sie ihm, er hat einen Überläufer.
REZEPTIONISTIN: (über ihr Headset) Roxanne, wir haben einen Überläufer für Mr. Devlin. Ja. (zu Sydney) Kommen Sie bitte mit.
(Sie gehen. Am Boden ist das Zeichen der CIA zu sehen.)

(Im CIA-Gebäude. Vaughn geht mit Kaffee und Donuts durch einen Raum.)
AGENT: Agent Vaughn, Sie müssen noch die-
VAUGHN: Ja, ich weiß. Ich erledige das, versprochen. Danke.
(Vaughn betritt einen Raum, in dem Sydney an einem Tisch sitzt und etwas schreibt. Hinter ihr steht ein CIA-Agent.)
VAUGHN: Hier ist noch mal Kaffee und etwas zu essen. (Sydney schreibt weiter.) Ähm, wenn Sie noch irgendetwas brauchen, sagen Sie's Mr. Weiss.
SYDNEY: Einen Stift. Der hier gibt den Geist auf.
(Weiss nimmt einen Stift aus der Tasche.)
VAUGHN: Danke.
(Vaughn legt den Stift auf den Tisch. Sydney nimmt ihn und schreibt sofort weiter. Vaughn verlässt den Raum.)

(Vaughns Büro. Sydney sitzt auf einem der Besuchersesseln und wartet. Sie sieht sich ein Foto von Vaughn und einer Frau an. Vaughn kommt herein und dreht das Foto weg. Er setzt sich nieder.)
VAUGHN: Tja, das könnte für uns interessant sein.
SYDNEY: Sie meinen, ich bin drin?
VAUGHN: Nein, noch nicht. Man überprüft Ihre Angaben. Es ist... Sie haben viel geschrieben.
SYDNEY: Ich weiß.
VAUGHN: Es ist wie ein Roman von Tolstoi. Devlin sagt, es könnte ein paar Wochen dauern. Aber ich weiß, dass wir noch einen Doppelagenten bei SD-6 gebrauchen könnten. (Sydney lächelt ein bisschen und schüttelt den Kopf.) Wir bleiben in Verbindung. Ich lasse Sie jetzt von hier wegbringen, damit Sie nicht gesehen werden. Warum schütteln Sie den Kopf?
SYDNEY: Weil Sie "noch einen" sagen.
VAUGHN: Und?
SYDNEY: Wenn Sie wirklich einen hätten, würden Sie mir das doch bestimmt erst dann verraten, wenn ich authentifiziert wäre.
VAUGHN: Es sei denn, ich hätte ein gutes Gefühl bei Ihnen.
SYDNEY: Ich wette, Sie haben keinen weiteren Doppelagenten.
VAUGHN: Vielleicht doch.
SYDNEY: Aber ich soll glauben, Sie hätten einen. Nur für den Fall, dass ich mit Ihnen ein falsches Spiel treibe, damit ich die Existenz eines Maulwurfs melde und dadurch bei SD-6 Panik auslöse.
VAUGHN: Ich will Sie bestimmt nicht reinlegen.
SYDNEY: Wir werden ja sehen.
VAUGHN: Ich traue meinem Instinkt.
(Sydney ist den Tränen nahe. Sie lächelt ein wenig. Vaughn lächelt zurück.)
VAUGHN: Sie brauchen einen Zahnarzt. Haben Sie einen? Sonst kann ich Ihnen einen nennen?
SYDNEY: Ich komme schon zurecht.
VAUGHN: Ich bin gleich wieder da.
(Er steht auf und geht.)

(Am Friedhof. Sydney steht bei Dannys Grab. Sie kniet nieder, legt ihre Hand auf den Grabstein und legt Blumen hin. Sie dreht sich um und sieht, dass Jack in der Nähe steht. Er kommt zu ihr.)
JACK: Ich wollte nur sagen, dass es mir leid tut.
SYDNEY: Das brauchst du nicht. Ich arbeite wieder, das weißt du wahrscheinlich.
JACK: Ich meinte den Tod von Danny. Ich konnte nichts dagegen tun.
SYDNEY: Ich wäre jetzt lieber allein, wenn's dir nichts ausmacht.
JACK: Ich weiß wie das ist, wenn man jemanden verliert.
SYDNEY: Ich weiß nicht, was du erwartest. Nur weil wir für die gleiche Seite arbeiten, nur weil ich jetzt die Wahrheit über dich kenne, ändert sich noch lange nichts zwischen uns. Ich akzeptiere das, was ich tue, weil ich keine andere Möglichkeit habe. Aber deshalb muss ich dich nicht akzeptieren.
JACK: (nimmt ein Handy aus der Tasche) Ich habe Devlin gefragt, ob ich es dir sagen darf. Man hat deine Angaben bestätigt. Du bist drin. Ich hab' gelesen, was du geschrieben hast. Ich möchte dir danken, dass du mich nicht erwähnt hast. Das war nett.
SYDNEY: Du gehörst zur CIA.
JACK: Du weißt nicht, wie gefährlich das ist, Sydney, so etwas zu tun. Ich wünschte, du wärst in die Schweiz geflogen.
SYDNEY: Woher soll ich denn wissen, dass du mir die Wahrheit sagst?
JACK: Wir werden wohl lernen müssen, einander zu vertrauen.
(Jack hält ihr das Handy entgegen. Sydney nimmt es. Jack dreht sich um und geht. Das Handy läutet. Sydney nimmt den Anruf entgegen.)
SYDNEY: Hallo?