I.02 - Neuanfang
(Ein Zusammenschnitt von Szenen aus verschiedenen Episoden.)
SYDNEY (VO): Vor sieben Jahren wurde ich von SD-6 angeworben, einer geheimen Unterabteilung der CIA, wie man mir sagte. Ich wurde zur Agentin ausgebildet und zu absolutem Stillschweigen verpflichtet. Ich dachte, ich würde für eine gerechte Sache kämpfen, bis ich meinem Verlobten von SD-6 erzählte und man ihn daraufhin umbrachte. Da erst erfuhr ich die Wahrheit: dass SD-6 genau der Feind ist, gegen den ich zu kämpfen geglaubt hatte. Jetzt arbeite ich als Doppelagentin für die echte CIA um SD-6 zu zerschlagen. Mein einziger Verbündeter ist ein zweiter Doppelagent. Ein Mann, den ich kaum kenne: mein Vater.
(Paris. Sydney läuft einen Gang entlang. Sie wird von zwei Männern verfolgt. Sie läuft über die Treppe in das nächste Stockwerk hinunter und kann sich dort dann gerade noch in den Lift retten, als die Männer zu schießen beginnen. Sie packt ein Instrument aus, das die Kamera im Lift deaktiviert. Dann öffnet sie die Luke zum Dach des Lifts, klettert hinaus, und lässt sich mit Hilfe eines Gerätes an einer Stange hinab. Als sich die Türen des Lifts im obersten Stockwerk des Gebäudes öffnen, finden die Männer nur einen leeren Lift vor. Sydney befindet sich nun im Keller des Gebäudes. Sie kämpft gegen einen weiteren Mann, schlägt ihn k.o., läuft davon. Außerhalb des Gebäudes wird sie von einem Auto abgeholt. In dem Auto sitzt ein Mann. Sydney übergibt ihm einen gestohlenen Gegenstand.)
SYDNEY: (VO) Das war vor zwei Jahren, da bin ich ihm zum ersten Mal begegnet: Leonard Dreyfuss. Er hilft bei der Finanzierung von SD-6-Operationen.
(In einem Wagen. Vaughn macht sich Notizen.)
SYDNEY: Der Kerl hat überall seine Finger drin. Und das nicht nur bei seinen Geschäften. Er ist widerlich. Er leitet eine Abteilung in Genf, zuständig für Transporte. Er schafft alles überall hin, und zwar schnell. Sloane verlässt sich auf ihn. Er ist ein wichtiges Ziel.
VAUGHN: Okay, gut, hören Sie zu-
SYDNEY: Außerdem gibt es eine Gruppe in Memphis, die liefern Waffen. Spezialanfertigungen. Graphit-, Titan-, Plastiksprengstoffe.
VAUGHN: Was, Memphis?
SYDNEY: Memphis, Ägypten.
(Ägypten. Ein Jeep fährt zu einem Gebäude.)
SYDNEY: (VO) Ich sag' Ihnen eins: Auch wenn ich gerade erst angefangen hab', für die CIA zu arbeiten: wenn wir SD-6 zerschlagen wollen, müssen wir ihren Waffenlieferanten eliminieren: Ineni Hassan.
HASSAN: (hält Dixon eine Waffe entgegen) Drei der Lieblingswaffen Ihrer Majestät. (gibt seinem Handlanger einen Befehl auf Arabisch, dieser gibt ihm eine Kiste) Und jetzt, wie versprochen, das neue Modell. (packt es aus) Ich habe es Benny genannt. Das ist der Name meines Sohnes. Kapazität: 12 Schuß. Halbautomatisch.
(Hassan versucht mehrmals das Magazin in die Waffe zu stecken, doch es fällt immer wieder heraus.)
HASSAN: (zu seinem Handlanger) Was ist hier los?
(Die beiden beginnen auf Arabisch zu streiten. Sydney versucht zu vermitteln, doch die Männer ignorieren sie. Hassan zieht eine Waffe, richtet sie auf seinen Handlanger.)
DIXON: Nein!
(Hassan erschießt seinen Handlanger.)
HASSAN: Das war... Verzeihung. Tut mir leid, dass das in Ihrer Gegenwart geschehen ist.
SYDNEY: (VO) Das war vor sechs Monaten. Ich habe Freunde im mittleren Osten. Hassan gehört nicht dazu.
(Im Wagen.)
VAUGHN: Das ist verständlich. Äh, hören Sie-
SYDNEY: Da ist noch mehr. Wir müssen einen Genetiker in Kuala Lumpur aufspüren. Er war beteiligt an-
VAUGHN: Einen Moment. Sie müssen jetzt mal zuhören, ja?
SYDNEY: Sie wollten doch über den Plan sprechen. Ich sag' Ihnen, was wir machen.
VAUGHN: Das ist nicht ihre Aufgabe. Ich werd' Ihnen sagen, was wir machen. Ab morgen arbeiten Sie wieder bei SD-6. Nichts darf dort anders laufen. Wenn Sie einen Auftrag bekommen, schreiben Sie die Einzelheiten auf eine Papiertüte – (hebt eine Papiertüte auf) so was hier. Dann rufen Sie diese Nummer an. (gibt ihr eine Karte) Merken Sie sich die. Nach dem dritten Klingeln drücken Sie die entsprechende Ziffer zwischen 1 und 6, die dem Mülleimer zugeordnet ist, den Sie benutzen. Wir überprüfen Ihre Informationen, entwerfen einen Gegenauftrag und nehmen Kontakt zu Ihnen auf, indem wir am Telefon "Joey's Pizza" verlangen. Irgendwelche Fragen bisher?
SYDNEY: Ja. Wie sah die Papiertüte gleich aus? Jetzt hören Sie mir zu, Mr. Vaughn. Sie haben eine Aufgabe, das verstehe ich, auch wenn ich finde, dass Sie etwas zu jung dafür sind. Sie sollen Ihre neue Doppelagentin in die Arbeit bei der CIA einweisen. Aber ich bin doch nicht hier, um mir Ihre Verfahrensweisen einzuprägen.
VAUGHN: Sydney-
SYDNEY: Ich bin nur aus einem einzigen Grund hier, und zwar zur Zerschlagung von SD-6.
VAUGHN: Hey!
SYDNEY: Danach sehen Sie mich nie wieder. Ich will nichts mehr mit diesem Spionage-Kram zu tun haben, nur deshalb bin ich hier. Also. Hören Sie mir zu, dann liefere ich Ihnen im Handumdrehen genau die Typen ohne die SD-6 zusammenbricht.
VAUGHN: Im Handumdrehen?
SYDNEY: Zwei Monate, nicht mehr. Dann bin ich weg. Ich steig' aus.
VAUGHN: Zeichnen Sie mir einen Plan. (legt ihr einen Block hin) Eine Karte mit allen Verbündeten von SD-6. Wie weit SD-6 reicht.
SYDNEY: Sehe ich aus, als wäre ich auf der Junior High? Habe ich eine Zahnspange oder ein Headgear?
VAUGHN: (gleichzeitig) Jetzt zeichnen Sie mir einfach ein Baumdiagramm.
SYDNEY: Sehen Sie bei mir einen Retentionsdefekt?
VAUGHN: Nun machen Sie schon!
(Sydney zeichnet die Karte.)
SYDNEY: Ich weiß nicht, was Ihnen an mir nicht passt. Vielleicht, dass ich eine Frau bin, oder vielleicht gefällt Ihnen ja meine Art nicht oder sonst was, und das tut mir wirklich leid. Aber ich hab' keine Lust hier Zeit zu verschwenden. Wir können die nur auf eine Art außer Gefecht setzen und zwar auf meine Art. Also verzeihen Sie mir, wenn ich zu direkt oder weiblich bin, aber nur so läuft das bei mir.
(Vaughn steht auf, nimmt eine Karte von einem Regal und breitet sie auf dem Tisch aus. Es ist eine Karte über SD-6, die bedeutend größer ist als die, die Sydney gezeichnet hat.)
VAUGHN: Seit ich bei der CIA bin, ist diese Karte immer größer geworden. Das ist der Feind, mit dem Sie's zu tun haben. Wenn wir nur die Los Angeles-Zelle zerschlagen wollten, hätten wir die Büros schon vor drei Jahren gestürmt. Hier geht es nicht darum, dem Ungeheuer einen Arm abzutrennen, wir wollen ihm den Todesstoß versetzen. Und die Arbeit, die vor Ihnen liegt, die Arbeit, die Ihr Vater auf sich nimmt, ist kompliziert. Sie ist politisch und sie ist langfristig.
(Sydney ist schockiert.)
VAUGHN: Hier, prägen Sie sich das ein. (hält ihr wieder die Karte mit der Telefonnummer hin)
SYDNEY: Schon geschehen.
VAUGHN: Gut, dann warten wir ab, bis wir von Ihnen hören.
(Sydney steht auf, will gehen.)
VAUGHN: Hey, warten Sie. (nimmt ein Smily-Pflaster aus einem Schrank) Hier. (Er klebt es ihr auf den Arm.)
SYDNEY: Danke.
VAUGHN: Gern geschehen.
(Sydney verlässt den Wagen. Es handelt sich um einen Blutspende-Wagen. Sie ist sichtlich erschüttert.)
VORBEIGEHENDER STUDENT: Hey, wir sehen uns im Kurs.
SYDNEY: Ja, klar.
(Sydney geht weg.)
(In Francies und Sydneys Wohnung. Sie packen Geschirr aus. Francie hält einen Teller in der Hand.)
FRANCIE: Ach, schade, der hat einen Sprung.
SYDNEY: Der war schon so. Die sind noch von meiner Mutter.
FRANCIE: Oh.
CHARLIE: (betritt mit einer Kiste den Raum) Wohin damit? Ist ganz schön schwer.
SYDNEY: Oh. Stell sie am besten einfach hier hin. (zeigt auf das Sofa)
CHARLIE: Kein Problem.
SYDNEY: Danke.
CHARLIE: Das war's schon fast. Ich könnte 'ne Massage vertragen.
FRANCIE: Ach, ja? Na, mal sehen.
(Will betritt die Wohnung mit einer Einkaufstüte.)
SYDNEY: Hey, na endlich.
WILL: Ich weiß, tut mir leid. Lidvack hat angerufen und ich durfte den ganzen Artikel noch mal umformulieren. (zu Charlie) Die hatten keinen Meerrettich.
CHARLIE: Nicht so wild.
SYDNEY: Na, so was Blödes.
WILL: Kann man wohl sagen. Eine Frau in Marina Del Ray isst Zeitungspapier.
FRANCIE: Sie isst es?
WILL: Äh, sie ist schwanger und offenbar ist das ein Leiden, das manche Frauen haben, bevor sie-
SYDNEY: Zeitungspapier zu essen ist ein Leiden?
WILL: Ja. Ja, über so was schreibe ich. So verdiene ich meine Brötchen. Und Lidvack meint, mein Artikel wäre zu kritisch, aber ich sag' mir: Wen kratzt das? Die Frau liest ihn sowieso nicht, sie isst ihn auf!
FRANCIE: Hey, was machst du am Donnerstag?
WILL: Wahrscheinlich schreibe ich den Artikel um.
SYDNEY: Charlie hat ein Stellenangebot.
WILL: Hey, das ist ja toll. Wo denn?
CHARLIE: Bei Fleming Letterman. Gesellschaftsrecht. Eine Kanzlei im Zentrum.
WILL: Ja, ja, ja. Ich hab' davon gehört.
FRANCIE: Wir feiern das am Donnerstag. Und du kommst hoffentlich auch.
WILL: Ja, auf jeden Fall. Gratuliere.
(In Sydneys Zimmer. Sydney räumt ihre Kleidung in den Schrank.)
WILL: Hey. Willst du denn nicht... willst du nichts essen?
SYDNEY: Doch, ich räume nur erst die Schränke ein, damit es hier etwas wohnlicher wird.
WILL: Na gut.
(Er beginnt ihr zu helfen.)
SYDNEY: Danke.
WILL: Syd, tut mir leid, ich halt's nicht aus.
SYDNEY: Ach, Will, bitte, fang nicht schon wieder damit an.
WILL: Komm, du kennst mich doch, ich kann das nicht einfach vergessen.
SYDNEY: Will, komm schon.
WILL: Hör mal, du hast Amys Pass genommen.
SYDNEY: Ich weiß.
WILL: Und ihre Kreditkarte.
SYDNEY: Das weiß ich selbst.
WILL: Du bist einfach verschwunden-
SYDNEY: Ich weiß.
WILL: -und das macht mich verrückt, Syd. Ich kann...
(Sydneys Pager beginnt zu piepsen.)
SYDNEY: Das ist die Bank.
WILL: Was war da bei Danny los? Er muss in irgendwelchen Schwierigkeiten gesteckt-
SYDNEY: Ich möchte, dass du etwas für mich tust.
WILL: Ich weiß. Ich soll den Mund halten.
SYDNEY: Ich möchte, dass du akzeptierst, was ich dir gesagt habe.
WILL: Gar nichts hast du mir gesagt, nur verworrenes Zeug.
SYDNEY: Ich... ich konnte nicht mehr klar denken und ich hab' mir Dinge eingeredet.
WILL: Egal was es war, vielleicht ist es keine Einbildung. Syd, genau das ist mein Beruf. Ich könnte etwas herausfinden, das die Polizei übersehen hat.
SYDNEY: Hör auf damit. Bitte, Will. Ich versuche, es hinter mir zu lassen. Und dazu brauche ich deine Hilfe. Okay?
(Das SD-6 Gebäude. Sydney betritt es, geht durch die üblichen Sicherheitsmaßnahmen. Sie geht zu ihrem Schreibtisch.)
MARSHALL: Oh, hey, Miss Bristow.
SYDNEY: Hey, Marshall.
MARSHALL: Ich werde normalerweise nicht übermäßig persönlich. Ich überschreite diese Grenze nicht gerne. Ich meine... Sie wissen das sicher nicht, aber ich bin eigentlich gar kein sehr geselliger Mensch. Ich meine, ich bin nicht... Ich mag nicht... I-ich meine... ich meine, ich mag meine Gesellschaft und ich fühle mich einfach nicht so unter Druck, wenn ich für mich allein bin. Kennen Sie das Gefühl?
SYDNEY: Sagen Sie mir ruhig, was Sie möchten.
MARSHALL: Okay, ich wollte Ihnen nur sagen, das mit ihrem Verlobten tut mir sehr leid. Und schön, dass Sie wieder da sind.
SYDNEY: Danke.
(Marshall lächelt und geht.)
(Im Besprechungsraum.)
SLOANE: Fangen wir mit dem an, was wir wissen. Wir haben zwei Nachrichten erhalten. (schaltet die erste auf die Bildschirme) Die erste ist dieses interne Memo vom GRU Hauptquartier. Anscheinend wurden letzte Woche gewisse Akten aus dem siebenten Stock des Aquariums als gestohlen gemeldet.
DIXON: Aus dem siebenten Stock? Der Auslandsgeheimdienst.
SLOANE: Und jetzt folgt die zweite Nachricht. (schaltet die zweite Nachricht auf die Bildschirme) Abul Hassein Navour. Militärattaché aus dem Sudan, der Ihnen (deutet auf Sydney) bestimmt noch in guter Erinnerung ist. Er ist auf dem Weg nach Moskau um diese beiden Herren zu treffen: (schaltet die Bilder auf die Bildschirme) Kasimir Cherbakov und Yuri Karpachov. Beide gehören zur russischen Mafia. Wir glauben, dass diese Männer die Dokumente gestohlen haben. Und wir glauben auf Grund des verwendeten Codes, dass sie sich auf das sowetisch-amerikanische Nukleararsenal während des kalten Krieges beziehen.
SYDNEY: Navour kauft zwanzig Jahre alte Geheimakten. Wieso?
SLOANE: Eben. Das wissen wir nicht. Sie fliegen morgen früh nach Moskau. (gibt ihnen Akten) Sie sollen die geplante Transaktion verhindern und die gestohlenen Akten herbringen. Marshall, sagen Sie uns was Sie haben.
MARSHALL: Okay. (steht auf) Wer von Ihnen hat abends Schwierigkeiten beim Einschlafen, hm? (hebt als einziger die Hand) Okay. Naja, jedenfalls finde ich es gelegentlich schwierig einzunicken, der Kopf ist voller Gedanken und so weiter. Also... (zieht sich Handschuhe an) Das hier ist sozusagen für den Schlaf zuständig. Das habe ich extra für Navour entwickelt. Also. (nimmt mit einer Pinzette eine kleine blaue Tablette) Sie sehen, es ist einfach so ein kleines rundes Ding, ziemlich cool, und sobald Sie es mit dem Finger berühren oder mit der Hand, bloß ganz leicht berühren, schon fallen Sie um und schlafen. Es ist als würde man eine Narkose bekommen. Wumms. So. Äh, man kann das Ding nur zweimal benutzen, es funktioniert nur zweimal. Sie sollten es kein drittes Mal benutzen, sonst-
DIXON: Müssen wir solche Handschuhe tragen?
MARSHALL: Oh, nein, nein. Ich ähm, Sie bekommen einen... einen... einen netten Ring oder... oder... naja vielleicht einen hübschen Manschettenknopf. Ähm, ich trag' die Handschuhe nur, weil ich das Ding neulich aus Versehen berührt hab' und mit dem Kopf gegen den Schreibtisch geknallt bin und zwanzig Minuten weg war. (deutet auf ein Pflaster auf seinem Kopf) Sehen Sie? Gut, das ist aber nicht... ähm... Ich... ich versuche mich beim Umgang mit diesen Dingen zu konditionieren. So wie Pavlov seine Hunde.
(Sydney und Dixon gehen durch das Büro.)
DIXON: Die kommen immer wieder zurück, was?
SYDNEY: Wen meinst du? Navour?
DIXON: Wie kann dieser Mann überhaupt noch laufen nach der Sache am Adbarat.
SYDNEY: Wenn er es nicht wäre, dann wär's eben ein anderer.
DIXON: Das wär' mir auch lieber. Wir strampeln uns ab um das Richtige zu tun, aber die Bösen kommen immer wieder zurück.
(Sloane kommt zu Sydneys Tisch.)
SLOANE: Sydney, haben Sie einen Moment Zeit?
SYDNEY: Ja, natürlich.
DIXON: Ich bin im Operationszentrum.
SYDNEY: Ja.
(Dixon geht.)
SLOANE: Sie werden sicher etwas Zeit brauchen um sich hier wieder einzugewöhnen. Ich möchte nur wissen, ob' s Ihnen gut geht.
SYDNEY: Es geht mir gut, danke.
SLOANE: Gut. Ich zeige Ihnen jetzt etwas.
(Sloane und Sydney gehen in einen Raum. Sydney ist entsetzt.)
SLOANE: Ich lass' Sie beide allein.
JACK: Der Raum ist sauber. Keiner hört mit, Sydney. Hallo, Sydney.
SYDNEY: Was soll das?
JACK: Was ich dir sagen will, weißt du schon. Ich arbeite angeblich für SD-6. Ich hab' Sloane um das Gespräch gebeten.
SYDNEY: Wieso?
JACK: Weil es uns unsere Aufgabe erleichtern wird, wenn sie wissen, dass du es weißt. Es wäre nicht schlecht, wenn du beim Hinausgehen überrascht wirken würdest.
(Sydney kommt näher.)
SYDNEY: Seit ich die Wahrheit über dich weiß, habe ich mir Fragen gestellt. Tausende Fragen. Aber eine Frage muss ich dir jetzt stellen. Als Danny ermordet wurde... Dad, hast du es gewusst? Hast du gewusst, dass sie ihn umbringen würden?
JACK: Ja.
(Sydney gibt ihm eine Ohrfeige.)
SYDNEY: Ich werde nie wieder ein Wort mit dir reden.
(Sie geht.)
(Ein Café. Sydney schreibt ihren Auftrag auf eine Papiertüte. Sie ruft die Nummer an, wirft die Papiertüte in einen Mülleimer.)
SYDNEY: (VO) Abul Hassein Navour versucht Akten zu kaufen, die von der russischen Regierung gestohlen wurden. Sloane schickt uns nach Moskau, um zu verhindern, dass Navour an die Akten kommt. Dixon wird sich als Navour ausgeben. Ich habe den Auftrag, in Navours Hotelzimmer einzubrechen und das Geld für den Handel zu stehlen. Wie geht's weiter?
(Sydneys Zimmer. Sydney packt Bücher aus. Sie betrachtet ein Bild von ihr und Danny. Das Telefon läutet.)
SYDNEY: Hallo?
STIMME: Joey's Pizza?
SYDNEY: Tut mir leid, Sie haben sich verwählt. (legt auf)
(Ein Geschäft. Sydney betritt das Geschäft, geht zur Getränkeabteilung. Vaughn steht mit dem Rücken zu Sydney, betrachtet eine Cerealien-Box.)
SYDNEY: Ich bin's.
VAUGHN: Wie geht's Ihnen?
SYDNEY: Wie's mir geht? Ich würde sagen, es ging mir schon mal besser. Ich arbeite mit Freunden zusammen, die keine Ahnung haben für wen sie da arbeiten.
VAUGHN: Sloane hat Sie mit Ihrem Vater sprechen lassen?
SYDNEY: Ja, das hat er. Wie lautet mein Gegenauftrag?
VAUGHN: Navour steht bereits seit sechs Monaten auf unserer Liste. Er hat versucht, von Libyen eine Atombombe zu kaufen.
SYDNEY: Wussten Sie das mit Moskau schon?
VAUGHN: Nein, noch nicht. Danke für die Nachricht.
SYDNEY: War mir ein Vergnügen. (schließt den Kühlschrank, stellt sich neben Vaughn) Ganz schön kalt. Also, was soll ich machen?
VAUGHN: Führen Sie Ihren Auftrag aus. Besorgen Sie die Dokumente. Achten Sie am Flughafen darauf, dass Sie sie in der Hand halten. (lässt sich ein Slushie herunter) Wir werden dort zwei versteckte Übergaben durchführen. Die erste direkt am Flugsteig. Wir fangen das Material ab und machen eine Kopie. Dann geben wir es Ihnen bei einer zweiten Übergabe vor dem Flughafengebäude wieder.
SYDNEY: Das war's?
VAUGHN: Das war's. (über das Slushie) Wollen Sie auch einen?
SYDNEY: Nein, danke.
VAUGHN: Er ist köstlich.
SYDNEY: Nein, danke. Ich sag' doch, mir ist kalt.
VAUGHN: Viel Glück.
(Sydney geht.)
(Das Zeitungsbüro. Will telefoniert.)
WILL: Doch, kann ich mir vorstellen. Das muss wirklich furchtbar für Sie gewesen sein. Hat er Ihnen sonst noch was gesagt, nachdem er Ihre Katze überfahren hatte? Aha. Hat er... hat er vielleicht auch gedroht? Ihnen oder Ihrer Katze? Sicher, nein, ich... okay. Sie haben ja meine Telefonnummer. Na klar, Wiederhören. (legt auf) Seine Katze wurde angefahren.
JENNY: Aha, verstehe.
WILL: Wir leben in einer Welt, in der Leute Katzen überfahren.
JENNY: Du hast meine Frage immer noch nicht beantwortet.
WILL: Welche?
JENNY: Was machst du heute Mittag?
WILL: Jenny, du bist 19 Jahre alt.
JENNY: Ich bin 20. Du weißt, dass ich gerade 20 geworden bin.
WILL: Ich will darüber nicht diskutieren. Im Vergleich zu dir bin ich uralt. Hier, sieh mich doch mal an. Siehst du, wie rot meine Augen sind?
JENNY: Du siehst gar nicht so übel aus.
WILL: Hey, tust du mir einen Gefallen? Kannst du mir die Akte über Daniel Hecht holen?
JENNY: Was, von diesem Mord? Dein Freund?
WILL: Ja. Macht's dir was aus?
JENNY: Nein, nein.
JENNY: Du nimmst mich nicht ernst, hab' ich recht?
WILL: Nein, tu ich nicht.
JENNY: Hmm.
(Sie geht.)
(Moskau. Sydney, in einer blonden Perücke und mit Brille, geht durch ein Hotel.)
SYDNEY: (über Funk) Dixon, hörst du mich?
DIXON: Wow, ist das laut.
SYDNEY: Du hast Marshall doch gesagt, dass du's lauter haben willst.
DIXON: Meine Kopfschmerzen und ich hören dich laut und deutlich.
SYDNEY: Hals- und Beinbruch.
DIXON: Gleichfalls.
(Sydney steigt in den Lift. Als sie den Lift wieder verlässt ist sie in einer Zimmermädchen-Uniform gekleidet und trägt Handtücher. Währendessen begibt Dixon sich in die Bar.)
SYDNEY: Ich bin im Fünfzehnten.
DIXON: Hol das Geld, aber schnell.
SYDNEY: Genau das hatte ich vor.
(Sydney klopft an eine Tür. Ein Mann fragt sie etwas auf Russisch und sie antwortet in derselben Sprache. Der Mann – ein Bodyguard – öffnet die Tür und lässt Sydney hinein.)
DIXON: Cherbakov und Karpachov sind gerade reingekommen. Bin auf Empfang und warte auf Bestätigung.
(Sydney macht das Bett. Sie richtet sich einen Ring zurecht. Der Ring enthält die blaue Pille. Als Sydney dem Bodyguard die Hand schüttelt, fällt er in Ohnmacht.)
SYDNEY: Wow, der Bodyguard ist K.O., Navour ist in der Dusche. Ich hole jetzt das Geld.
(Karpachov und Cherbakov winken Dixon.)
DIXON: Beeil' dich, die haben mich gefunden.
(Sydney legt den Geldkoffer aufs Bett und beginnt, das Schloss mit Werkzeug, das in ihrer Brille verborgen war, zu bearbeiten. Karpachov spricht Dixon an.)
KARPACHOV: Sind Sie mein sudanesischer Freund?
DIXON: Ah, Mr. Cherbakov.
KARPACHOV: Karpachov. Ich bin der Gutaussehende.
DIXON: Ja.
KARPACHOV: Äh, keinen Bodyguard dabei?
DIXON: Warum? Kann ich mich hier nicht sicher fühlen?
KARPACHOV: Hier? Doch, hier können Sie sich ganz sicher fühlen. Kommen Sie, setzen wir uns.
(Sie gehen zu einem Tisch und setzen sich. Sydney arbeitet weiter an dem Schloss. Ein Mann verlässt den Lift und geht auf das Zimmer zu, in dem Sydney sich befindet.)
KARPACHOV: Ich kenne den Besitzer dieses Clubs.
CHERBAKOV: Karochje.
KARPACHOV: (deutet auf Cherbakov) Er sagt mir immer, gib' nicht so an. Das stimmt, er hat recht, ja, ich gebe immer an.
(Sie stoßen an.)
KARPACHOV: Das ist das Problem mit dem Sudan. Da ist kein Platz für Spaß.
DIXON: Es ist sehr angenehm, mal aus dem Sudan rauszukommen.
CHERBAKOV: Ich dachte, Sie sind sehr oft auf Reisen?
DIXON: Ja. Aber noch nicht oft genug.
CHERBERKOV: Wenn ich richtig sehe, haben Sie das Geld nicht bei sich. Oder doch?
DIXON: Nein, ich habe es nicht bei mir. Doch ich brauche nicht lange, um es zu holen.
(Der Mann öffnet Tür. Sydney bekommt den Koffer auf. Der Mann bemerkt sie, schreit sie an, zückt seine Waffe. Sydney schlägt ihn mit dem offenen Koffer. Die beiden kämpfen, Sydney kann ihn schließlich k.o. schlagen. In diesem Moment kommt Navour aus der Dusche. Sydney spricht ihn auf Russisch an und läuft auf ihn zu, dann betäubt sie ihn mit dem Ring. Sydney sieht das am Boden verstreute Geld an. Es handelt sich um leere Zettel, die mit einem Geldschein zu Bündeln gebunden waren.)
SYDNEY: Ich hab' eine schlechte Nachricht. Es war kein Kauf geplant, sondern ein Raub. Sie wollten die Akten stehlen. Im Koffer ist kein Geld.
DIXON: Fantastisch.
CHERBERKOV: Was?
DIXON: (hebt sein Glas) Der Wodka.
(Sydney löst ihre Zöpfe auf und zieht die Uniform aus. Darunter trägt sie ein blaues Latexkleid.)
SYDNEY: Dixon, keine Panik.
(Sie zieht den Lippenstift nach.)
SYDNEY: Ich bin in zwei Minuten da.
(In Vaughns Büro. Vaughn spielt mit einer Münze. Weiss kommt herein.)
WEISS: Schon was von ihr gehört?
VAUGHN: Nein, sie wird sich wahrscheinlich erst melden, wenn sie wieder da ist.
WEISS: Hmm. (Pause) Deine Freundin heißt doch Alice, oder?
VAUGHN: Halt bloss den Mund.
WEISS: Ich frag' doch nur.
VAUGHN: (lächelnd) Raus aus meinem Büro.
WEISS: Schon gut. Verstanden.
(Weiss geht.)
(Bar.)
SYDNEY: Ich bin in der Bar. Ich kann dich sehen.
(Karpachov reicht Dixon einen Umschlag.)
SYDNEY: Sind das die Akten? Wenn ja, huste.
(Dixon hustet.)
SYDNEY: Sind es Schriftstücke?
(Dixon tut nichts.)
SYDNEY: Sind sie auf Diskette?
(Dixon hustet wieder.)
SYDNEY: Wie viele?
(Dixon hält sich zwei Finger ins Gesicht.)
SYDNEY: Bereite dich auf einen Austausch vor.
(Sydney geht zu einem Tisch und hebt zwei Bierdeckel auf. Sie nimmt sich den Drink eines Mannes, lächelt ihn an und geht weiter. Karpachov packt einen Laptop aus und stellt ihn Dixon hin.)
KARPACHOV: Genau wie ein Drogendealer. Möchten Sie das Koks kosten?
DIXON: Wie kann ich sicher sein, dass Sie keine Kopien gemacht haben?
CHERBAKOV: Die Disketten sind verschlüsselt.
(Sydney kommt zum Tisch, stolpert und gießt ihren Drink auf Cherbakov und Karpachov. In dem Durcheinander tauscht sie die Disketten mit den Bierdeckeln aus. Cherbakov, Karpachov und Sydney sprechen Russisch, dann geht sie weiter.)
CHERBAKOV: Das reicht, genug herumgeredet. Wo haben Sie das Geld?
DIXON: Sie trinken noch etwas, ich gehe das Geld holen.
KARPACHEV: Hört sich gut an.
(Dixon steht auf.)
CHERBAKOV: (steht ebenfalls auf, nimmt seine Waffe aus der Tasche und hält sie Dixon an die Brust) Wer sind Sie? Zuerst dachte ich, Navour hätte Sie vorgeschickt, aber jetzt glaube ich nicht einmal das.
(Sydney sieht, dass Cherbakov eine Waffe hat. Sie kommt zurück und wirft Karpachevs Sessel um. Dixon nützt die Gelegenheit und beginnt mit Cherbakov zu kämpfen. Die beiden Russen werden schließlich bewusstlos.)
(Der Flughafen von Los Angeles. Dixon und Sydney gehen durch das Gebäude. Vaughn kommt ihnen verkleidet als Reinigungskraft entgegen. Sydney lässt die Disketten in seinen Kübel fallen. Vaughn betritt einen Raum, in dem weitere CIA-Agenten sind.)
VAUGHN: Wir haben zwei Dreieinhalb-Zoll Disketten. Los, Beeilung!
(Sie beginnen die Disketten zu kopieren.)
AGENT: Wir benützen den dritten und vierten Kopierplan. Das dauert etwa 90 Sekunden.
VAUGHN: Sie betreten die Zollabfertigung. Es geht um Sekunden, nicht um Minuten.
AGENT: Hoffentlich sind sie nicht fehlerhaft.
(Sydney und Dixon gehen durch den Zollbereich. Vaughn zieht sich währenddessen den Overall aus – darunter trägt er einen Anzug.)
VAUGHN: Sie gehen durch die Eingangshalle.
AGENT: Immer mit der Ruhe, ich weiß.
VAUGHN: Wie lange dauert das denn noch? Beeilung!
AGENT: Wir machen so schnell wie möglich.
(Sydney und Dixon verlassen das Flughafengebäude. Sie gehen zu einem Auto.)
AGENT: Ich will die Daten sehen, sobald sie kopiert sind.
VAUGHN: Los, jetzt macht schon, raus damit!
VAUGHN: Ich sehe sie, ich sehe sie.
SYDNEY: Danke.
AGENT: Okay, hier haben sie. (gibt Vaughn eine der Disketten)
AGENT: Wo ist die andere? Ich muss los.
(Kurz bevor Sydney in den Wagen steigt, steckt ihr Vaughn die Disketten in ihre Handtasche.)
(Sydney betritt ihre Wohnung. Sie läuft in ihr Zimmer und steckt sich ihren Verlobungsring an. Etwas später nimmt Sydney ein Bad und betrachtet den Ring an ihrem Finger.)
(Ein Lokal. Francie, Charlie, Will und Wills Date sitzen an einem Tisch.)
FRANCIE: Da sagt er zu mir: "Hey, Schätzchen, ich hab' vor einer Stunde um Butter gebeten." und ich steh' da und denke "Oh, nein, du hast das andere schwarze Mädchen darum gebeten, du reicher, privilegierter Mistkerl!"
MÄDCHEN: Manche Leute gehen nur essen - das ist meine Theorie - um die Bedienung zu beleidigen.
FRANCIE: Gar keine Frage.
MÄDCHEN: Ganz schön schlimm, was? Tja, solche Menschen gibt's wohl überall.
(Sydney kommt zum Tisch.)
SYDNEY: Hallo!
FRANCIE: Hey.
SYDNEY: Entschuldigt die Verspätung. (zu Charlie) Zur Feier deiner neuen Stelle und für die Hilfe bei meinem Umzug. (stellt eine Flasche Wein vor Charlie auf den Tisch)
CHARLIE: Danke.
SYDNEY: Ich danke dir.
CHARLIE: Mann, sieh dir das an!
FRANCIE: Jetzt haben wir sogar was zu Trinken, wenn ihr zu uns kommt.
WILL: (zu Sydney) Hey, kann ich kurz mit dir reden?
SYDNEY: Klar. Ich bin gleich wieder da.
(Sydney und Will gehen in einen ruhigeren Bereich des Lokals.)
SYDNEY: Was ist denn los?
WILL: Wir kennen uns jetzt schon seit drei Jahren. Hab' ich recht?
SYDNEY: Ja, seit drei Jahren.
WILL: Aber es kommt uns doch viel länger vor, stimmt’s? Ich meine... wir kennen einander ziemlich gut.
SYDNEY: Ja, du hast recht.
WILL: Und du weißt, dass ich nie etwas tun würde, das dich verletzt. Und dass ich neugierig bin, weißt du auch.
SYDNEY: Will, was hast du getan?
WILL: Du hast mir nie was über Dannys Tod erzählt.
SYDNEY: Oh Gott, Will.
WILL: Da hab' ich mich ein wenig umgehört und ich habe auch wirklich etwas gefunden, was du vielleicht nicht weißt, vielleicht aber doch.
SYDNEY: Was?
WILL: In der Nacht als Danny ermordet wurde... wusstest du, dass er da einen Flug gebucht hatte und zwar von L.A. nach Singapur?
(Sydney scheint überrascht.)
SYDNEY: Ja, das wusste ich.
WILL: Wirklich? Du wusstest es?
SYDNEY: Ja, Danny wollte zu einem Kongress, einem Ärztekongress. Ich sollte später nachkommen und wir wollten danach zusammen für eine Woche nach Bali.
(Sie beginnt fast zu weinen.)
SYDNEY: Ich versuche jeden Tag zu vergessen, in welchem Zustand ich ihn gefunden hab'. Ich weiß, dass du's gut meinst und das ist sehr lieb von dir, aber bitte, bitte, lass es doch sein. Bitte.
WILL: Syd, es tut mir leid.
SYDNEY: Ich versteh' dich ja, aber...
WILL: Schon gut, ich hab' begriffen. Ich werde... ich erwähne es nie wieder.
SYDNEY: Okay. Ich brauch' noch 'n Moment.
WILL: Syd, ich fühle mich furchtbar.
SYDNEY: Nein, ist schon gut, wirklich... Ich muss nur... Ich komm' gleich nach, okay?
WILL: Okay.
(Will geht. Sydney wirkt nachdenklich.)
(Im Sloanes Büro.)
SLOANE: "Das jüngste Gericht 6". Das war der Name der Operation. Anscheinend wurden während des kalten Krieges sechs scharfe Atombomben in die Vereinigten Staaten geschmuggelt und hier vergraben. Im Dezember '89 wurde dieser Vorgang der US-Regierung bekannt. Es versteht sich von selbst, dass die Bomben schnell gefunden und entschärft wurden.
SYDNEY: Und das war die Information auf den Disketten?
SLOANE: Nein. Dabei geht es um eine siebente Bombe, die immer noch irgendwo in den Vereinigten Staaten vergraben liegt.
SYDNEY: Wo?
SLOANE: Das wissen wir noch nicht. Die Disketten wurden mit einer Block-Chiffre verschlüsselt. Die Analyse-Abteilung arbeitet noch daran. Mehr wissen wir im Moment nicht. (Sloane legt Sydney eine Akte hin.)
SYDNEY: (liest) "Milovich Ivanov. Buckingham, Virginia." Wer ist das?
SLOANE: Wir nehmen an, er ist der Mann, den Navour gesucht hat. Wir haben über ihn keine Akte.
SYDNEY: Und er bewacht die Bombe, meinen Sie?
SLOANE: Ja, genau. Sie fahren zu dieser Adresse und informieren sich über Ivanov. Eventuelle Decknamen, wo er wohnt, wo er arbeitet, wie er seinen Kaffee am Liebsten trinkt, alles.
SYDNEY: (steht auf) Danke.
(Sie geht.)
(Vaughns Büro. Das Telefon klingelt.)
VAUGHN: Ja?
SYDNEY: Ich fahre zu Ivanov.
VAUGHN: Wem?
(Keine Antwort.)
VAUGHN: Sydney? Sydney?
(Vaughn und sein Vorgesetzter gehen einen Gang entlang.)
VORGESETZTER: Wir haben einen Namen und eine Adresse. Wir werden hier nicht untätig herumsitzen.
VAUGHN: Sir... Sir, ich weiß, ich verstehe, aber wir können nicht handeln aufgrund dieser Information.
VORGESETZTER: Wir können und werden handeln.
VAUGHN: Dann riskieren wir Sydney Bristows Position bei SD-6 und vielleicht auch ihr Leben.
VORGESETZTER: Das wäre gut möglich. Und unter Umständen opfern wir dabei auch einen Doppelagenten.
(Sie bleiben bei Vaughns Büro stehen.)
VAUGHN: Sir, es handelt sich um einen Sleeperagenten. Sie ist schon zu ihm unterwegs.
VORGESETZTER: Mann, es geht hier um eine scharfe Atombombe! Was erwarten Sie von mir? Dass ich erst auf Bristows Anruf warte?
VAUGHN: Lesen Sie mal ihre Akte, Sir. Haben Sie ihre Akte gelesen?
(Vaughn geht in sein Büro und nimmt die Akte zur Hand.)
VORGESETZTER: Bristow ist-
VAUGHN: Lesen Sie sie, dann wissen Sie was ich meine. Sie ist wertvoll für uns. Sie macht unsere Arbeit.
VORGESETZTER: Aber sie sollte mit Ihnen Kontakt aufnehmen und Einzelheiten-
VAUGHN: Aus irgendeinem Grund konnte sie nicht. Sie ist jetzt auf dem Weg nach Virginia. Wenn wir ein Team hinschicken, fliegt ihre Tarnung auf und das können wir uns nicht leisten. Lesen Sie ihre Akte.
VORGESETZTER: Das hab' ich. Was wollen Sie von mir?
VAUGHN: Fünf Stunden. Geben Sie ihr fünf Stunden Zeit.
VORGESETZTER: Fünf Stunden.
VAUGHN: Danke.
(Der Vorgesetzte verlässt Vaughns Büro. Weiss kommt herein.)
WEISS: Beindruckend.
VAUGHN: Ja.
WEISS: Eier aus Stahl.
(Vaughn grinst.)
WEISS: Doch, so werd' ich dich ab jetzt nennen. (zu einem vorbeigehenden Agenten) Hey!
AGENT: Hm?
WEISS: (deutet auf Vaughn) Kennst du Eier aus Stahl?
(Virginia. Sydney fährt mit einem Wagen zu der Adresse "1936 Lake". Das Grundstück ist ein Friedhof. Sydney sieht ein Grab, über dem das Gras vertrocknet ist. Als sie näher kommt, sieht sie, dass auf dem Grabstein "Milovich Ivanov" steht. Sie holt sich eine Schaufel aus einem Schuppen und gräbt den Sarg aus. Als sie ihn öffnet, findet sie darin die Atombombe. Plötzlich schaltet die Bombe sich ein – der Timer zeigt an, dass die Bombe in zwei Minuten hochgeht.)
(Sydney beginnt, die Bombe zu entschärfen. Sie spricht mit jemandem über ihr Handy.)
SYDNEY: Hier ist ein roter Draht, ein gelber, ein blauer, ein blau-weißer, ein weißer Draht, ein gelb-roter, ein orange-roter.
(Marshall ist am anderen Ende der Leitung. Er ist von Modellen und Plänen umgeben.)
SYDNEY: Ein schwarzer, ein weiß-schwarzer, einer ist orange, ein lila, ein lila-weißer, ein grüner, ein grün-weißer, ein rot-weißer, ein grün-blauer, ein hellblauer...
MARSHALL: Okay, okay! Durchtrennen Sie den blau-weißen Draht.
SYDNEY: Ich durchtrenne den blau-weißen Draht, okay.
MARSHALL: Ja. Oh, äh bleiben Sie dran.
(Er legt den Plan auf den Tisch.)
SYDNEY: Was heißt dranbleiben? Ich sitze hier auf einer tickenden Atombombe!
MARSHALL: Sind da zwei Timer oder einer?
SYDNEY: Äh, ich sehe hier nur einen!
MARSHALL: Also, gut. Versuchen Sie's mit dem blauen Draht.
SYDNEY: "Versuchen"?!
MARSHALL: Nein, durchtrennen. Durchtrennen Sie ihn!
(Sydney durchtrennt den Draht. Der Timer bleibt stehen. Sydney ist erleichtert. Sie legt ihr Handy weg.)
MARSHALL: Hallo?
(Im Blutspende-Wagen.)
VAUGHN: Sie haben SD-6 statt der CIA angerufen? Das ist inakzeptabel. Sie hätten mich anrufen müssen!
SYDNEY: Sie? Was hätten Sie schon tun können?
VAUGHN: Die CIA - und das wissen Sie - hat Kontakt zu Nuklearwissenschaftern.
SYDNEY: Jetzt machen Sie mal 'n Punkt. Ich hatte zwei Minuten Zeit und Marshall-
VAUGHN: Sie fahren nach Virginia ohne uns zu kontaktieren!
SYDNEY: Ich habe Sie kontaktiert!
VAUGHN: Sie sind übereifrig. Das war absolut verantwortungslos!
SYDNEY: Ich sage Ihnen jetzt mal was, ja? SD-6 hat nun mal die Atombombe und ja, das ist meine Schuld. Nachdem ich Marshall angerufen hatte, wusste SD-6 Bescheid. Aber ich sag' Ihnen noch was: wir finden sie und holen sie wieder.
VAUGHN: Sie ist in Kairo.
SYDNEY: Was?
VAUGHN: Sobald SD-6 die Atombombe hatte, brachten sie sie per Flugzeug nach Ägypten. Und jetzt halten Sie sich fest: sie haben sie an Ineni Hassan verkauft.
(Sydney ist fassungslos. Sie setzt sich nieder. Vaughn setzt sich neben sie.)
SYDNEY: Hassan?
VAUGHN: Ja. Es wird in unseren beiden Akten natürlich vermerkt.
(Sydney sieht ihn an.)
VAUGHN: Was ist?
SYDNEY: Ich war doch schon mal bei Hassan. Ich kann noch mal hin.
VAUGHN: Nein, das geht nicht.
SYDNEY: Wieso nicht?
VAUGHN: Hassan kennt sie. Wenn jemand Sie sieht, wird Sloane davon erfahren.
SYDNEY: Dann müssen wir eben dafür sorgen, dass keiner mich sieht.
(Ein abgelegener Ort. Jack steigt aus seinem Auto aus und geht zu Sydney.)
SYDNEY: Danke, dass du dich mit mir hier triffst. Tut mir leid, dass ich die Beherrschung verloren hab'.
JACK: Du fliegst nach Kairo? Devlin hat es mir gesagt.
SYDNEY: Ja, deswegen hab' ich dich auch rufen lassen. Ich brauche deine Hilfe. SD-6 darf nicht wissen, dass ich dort hinfliege.
JACK: Dafür sorge ich schon.
SYDNEY: Dad? Du warst das doch, nicht? Der ihm das Ticket gekauft hat. Nach Singapur.
JACK: Du warst in Taipei. Ich hatte auch für dich einen Flug gebucht. Von Singapur aus hättet ihr weiterfliegen können. Ich bin zu Dannys Wohnung gefahren, aber ich bin zu spät gekommen. Wenige Minuten nur.
SYDNEY: Danke. (Pause) Ich muss jetzt gehen, so wie's aussieht.
(Sie steigt in ihr Auto und fährt weg.)
(Vaughns Büro.)
VAUGHN: (zu seiner Sekretärin) Sagen Sie Weiss, ich bin in der Operationszentrale. Und wenn Alice anruft-
(Vaughns Vorgesetzter kommt herein.)
VORGESETZTER: Kann ich Sie kurz äh?
VAUGHN: Ja, ich weiß. (zu seiner Sekretärin) Sie rufen mich, wenn was ist. (zu seinem Vorgesetzten) Ich möchte nur noch eins zu Bristow bemerken-
VORGESETZTER: Nicht mehr nötig. Und Sie brauchen sich auch nicht zu entschuldigen. Die Sache mit Virginia war meine Entscheidung.
VAUGHN: Äh, wissen Sie, sie ist... sie ist sehr vertraut mit Hassans Operationsbasis. Sie wird dort eindringen, die Bombe entschärfen und die Sache ist gelaufen.
VORGESETZTER: Darum brauchen Sie sich nicht zu kümmern. Das wollte ich Ihnen gerade sagen. Sie werden vom Fall Bristow abgezogen.
VAUGHN: Was, wieso?
VORGESETZTER: Devlin will einen ranghöheren Mitarbeiter. Offenbar hatten Sie recht. Die Frau ist ziemlich wichtig für uns.
VAUGHN: Ja, ich weiß.
VORGESETZTER: Sie sollen die CIA beim Washingtoner Gipfel zur Nichtverbreitung von Atomwaffen vertreten. Was ich unter diesen Umständen für eine ziemliche Ironie halte.
(Er geht.)
(Sloanes Büro. Das Telefon klingelt.)
SLOANE: Ja? Ja, schicken Sie ihn rein.
(Jack betritt das Büro.)
JACK: Sie haben von Sydney gehört?
SLOANE: Ja, was ist mit ihr?
JACK: Sie ist in den Norden gefahren. Sie brauchte wohl etwas Abstand.
SLOANE: Geht es ihr gut?
JACK: Sie schafft das schon. Es ist schwierig für sie, die Neuigkeit zu akzeptieren, dass ich hier arbeite.
SLOANE: Bei Ihnen alles in Ordnung?
JACK: Ja. Natürlich. Wieso?
SLOANE: Ich weiß nicht. Sie kommen mir so...
JACK: Was?
SLOANE: Ach nichts. Nichts.
JACK: Dann bis morgen.
SLOANE: Ja, okay.
(Jack geht.)
(Kairo. Sydney schleicht sich in Hassans Basis.)
SYDNEY: (über Funk) Ich bin drin.
(Sie überwältigt zwei Wachen. Dann schleicht sie sich in einen Lagerraum, in dem eine Kiste auffällig platziert ist.)
SYDNEY: Ich glaub', ich hab' sie.
AGENT: Verstanden.
(Sie öffnet den Deckel. In der Kiste befindet sich die Bombe.)
SYDNEY: Ja, ich hab' sie.
AGENT: Verstanden. Die Zerlegung beginnen.
(Sydney nimmt Instrumente aus der Tasche, legt sich einen Plan zurecht, beginnt mit der Zerlegung.)
SYDNEY: Ich hab' sie geöffnet und versuche jetzt, an den Kern zu kommen.
AGENT: Verstanden. Funkstille bis Aufgabe erledigt.
SYDNEY: Wir kennen uns zwar nur vom Flug, aber müssen Sie unbedingt wie ein Roboter reden?
AGENT: Funkstille erbeten.
SYDNEY: Sie müssen wohl.
(Sie nimmt den Kern aus der Bombe.)
SYDNEY: Das wär's, Roboter. Ich habe den Kern.
(Jemand hält ihr eine Waffe an den Kopf. Es ist Hassan.)



