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Teil 9

Sydney spürte die ersten Schweißtropfen auf dem Gesicht und ihre Waden fingen an zu brennen. Sie wollte so schnell wie möglich ihr Ziel erreichen.

Es war ruhig in den Straßen. Kein Wunder bei dieser Uhrzeit. Aber Sydney war nicht müde. Im Gegenteil, bevor sie dies nicht erledigt hatte, würde sie keinen Schlaf finden. Und jede Sekunde, die sie nicht nach Informationen suchte, was mit Jack passiert war, war eine vergeudete Sekunde. Hoffentlich hatte sie noch nicht zu viele davon vergeudet.

Sie war sich sicher, dass die SD-6-Zentrale noch offen war. Sloane würde das Gebäude wohl um nichts in der Welt unbeaufsichtigt lassen wollen. Hoffentlich war derjenige noch da, den sie suchte.

Sydneys Gedanken kreisten im Moment nur um ihren Vater. Sloane, das Blut, alles war unwichtig geworden. < Ich hole dich da raus, Dad. Wo auch immer du gerade steckst. >

Sie stand vor dem hohen Gebäude. Es war schon seltsam...andere Leute gingen an dem Gebäude vorbei, lassen das Schild "Credit Dauphin" (hoffentlich war das jetzt richtig geschrieben), ohne sich darüber Gedanken zu machen.

Sydney ging schnurstracks durch den Gang ohne sich umzusehen. Das helle rote Licht, dass sie als Mitarbeiterin bei SD-6 identifiezierte tat ihr in den Augen weh, was wohl daran lag, dass sie nicht geschlafen hatte.

Es waren nicht mehr viele Agenten da, und bei beinahe jedem schienen zwei Tassen Kaffe auf dem Tisch zu stehen. Der Platz ihres Vaters war leer.

Sydney lief geradewegs weiter, ohne viel auf ihre Umgebung zu achten. So war es kein Wunder, dass sie fast in den armen Marshall hineingelaufen wäre. Marshall vollführte eine artistische Höchstleistung, als er sich einmal um die eigene Achse drehte, ohne seinen Kaffee zu verschütten.

"Miss Bristow! Nicht dass ich mich was angehen würde, aber was machen Sie so spät noch hier? Ich meine, ich wüsste nicht, dass Sie heute nacht hier sein müssten." Marshall war anscheinend etwas verwirrt. Sydney war froh, dass ihr ausgerechnet der gute Marshall begegnet war.

"Ach, ich konnte eh nicht schlafen. Ich weiß zwar, dass mir meine Überstunden nicht bezahlt werden, aber es war immer noch besser als zu Hause zu sitzen und durchs Nachtprogramm zu zappen."

Dann hatte Sydney eine Idee. "Ist Sloane eigentlich noch hier?", fragte sie beiläufig. Marshall warf einen kurzen Blick auf die Uhr. "Wenn Sie Glück haben erwischen Sie ihn vielleicht noch in seinem Büro. Aber wenn er nicht da ist, ich meine, ich hab da noch diesen Dokumentarfilm...".

Kaum hatte Marshall den letzten Satz ausgesprochen, da war Sydney schon wieder fast weg. "Sie sind einfach großartig." Marshall drehte sich erstaunt um. "Hat sie das gerade ernst gemeint. Wau...".

Sydney ging Richtung Sloanes Büro. Sie hätte zwar auch Marshall nach ihrem Vater fragen können, aber in diesem Fall war Sloane allemal besser. Sie hatte nämlich den Eindruck, dass Sloane ihr heute Abend etwas verschwiegen hatte. Sydney klopfte mit einer Hand an die Bürotür, und öffnete dann langsam die Tür.

In dem bequemen Stuhl an dem Tisch saß Sloane. Er hatte sich zurückgelehnt, mit dem Rücken zur Tür, und sein einer Arm hing schlaff herab. Eine Hand hatte er wohl auf seinem Brustkorb liegen. Der Kopf hing schlaff zur Seite.

"Sir? Geht es Ihnen nicht gut?" Sydney trat langsam ein. Sloane gab keine Antwort. Sydney kam näher. "Sir?" Sie legte vorsichtig eine Hand auf die Rückenlehne des Stuhls.

Entweder war Sloane eingeschlafen, oder er war total abwesend. Sydney holte tief Luft und drehte den Stuhl herum. Als sie Sloane vor sich sitzen sah, wurden ihre Augen größer. Sie hätte fast geschrieen.

Sie lag mit der Möglichkeit, dass Sloane nicht wirklich anwesend war, gar nicht so falsch, aber DAS war der pure Horror. < Nicht das auch noch. >

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Jack hatte noch lange still dagesessen und darüber nachgedacht, was Dean ihm eben erzählt hatte. Es war einfach nicht zu glauben. Woher wusste Dean davon?

Es war ein gut gehütetes Geheimnis, und das sollte es auch bleiben. Die einzigen die davon wussten, waren er und Sloane, und sonst niemand. Bisher.

Und Sloane hätte es wohl ganz für sich behalten, wenn Jack nicht in einem ungünstigen Moment aufgetaucht wäre. Aber so...Sloane hatte Jack förmlich angefleht, es für sich zu behalten. Und Jack konnte sich dazu durchringen, es ihm zu versprechen.

Aber wie zum Teufel hatte Dean davon erfahren? Die einzige Möglichkeit war, dass er sehr gute Quellen hatte, dass er und Sloane abgehört worden waren. Oder dass er selbst im Schlaf geredet hatte. Vielleicht unter dem Einfluss des Stoffes, den sie ich gespritzt hatten.

Jack hatte sich schon mehrmals die Frage gestellt, warum er diese Gefahr auf sich genommen hatte. Immerhin war es seine Aufgabe und sein Wunsch, SD-6 zu zerstören. Aber nicht auf Kosten von Menschenleben.

Nicht dass er Gewissensbisse hätte. Wenn es wichtig genug war, war bereit zu töten, ohne ich groß Gedanken darüber zu machen. Aber das hier war was anderes. Sloanes Abtreten würde die Sache nicht beschleunigen.

Im Gegenteil. Die guten Kontakte zwischen Sloane und ihm und seiner Tochter hatten schon mehrmals geholfen. Und in dieser Hinsicht lohnte sich sein Tun auch für seine Interessen.

< Wenn Dean jetzt genau über unser kleines Geheimnis bescheid weiß, dann hast du ein sehr großes Problem Arvin. > Jack hoffte, dass Dean nur geblufft hatte um ich zum reden zu bringen. Aber die Chance darauf war sehr, sehr gering. Sloanes Chancen waren im Moment sehr schlecht, und durch Deans Wissen wurden sie nicht gerade besser.

Jack fragte sich, ob Sydney sein Verschwinden schon bemerkt hatte, oder ob Sloane ihr etwas gesagt hatte. Er hoffte, dass Sydney noch nichts bemerkt hatte, denn aus der Sache wollte er sie unter allen Umständen heraushalten.