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Teil 31

Jack war schon fast wieder in den leeren, trostlosen Gängen, als er feststellte, dass gerade unbewaffnet durch ein Labyrinth laufen wollte, indem es von Wachen nur so wimmelte. < Du wirst vergesslich, alter Junge. > Doch das Glück schien jetzt wieder auf seiner Seite zu sein.

Nicht nur, dass das Messer mit dem er eben Deans Laufburschen getötet hatte, eine gute Verteidigung bot. In der Jacke von Deans erstarrter Leiche fand sich außerdem noch eine kleine Halbautomatik. Das Magazin war zwar schon halb leer, aber die paar Schuss und das Messer sollten genügen.

Jack warf einen Blick nach links in den dunklen Gang, den er gestern bereits gewählt hatte. Doch die Erinnerung an die Wachen ließen ihn den Weg rechts von ihm wählen. Aber bei näherer Betrachtung sahen die Gänge genau gleich aus: Nackte, kalte Steinwände, die gewiss keine gemütliche Stimmung verbreiteten und fast ganz dunkel waren. Und das kalte Licht der veralteten Lampen, die nur hier und da kaltes Licht warfen, machten die Sache nicht häuslicher.

"Reizende Gegend", murmelte Jack, während er langsam durch die Gänge schlich. Als er nach zehn bis fünfzehn Minuten noch immer keiner Wache über den Weg gelaufen war, regte sich Misstrauen in Jack.

Das war nicht normal. < Ein Quartier des K-Direktorats ist normalerweise gut bewacht. Aber hier könnte jeder ungestört durch die Gänge laufen. Mir gefällt das nicht. > Und als würde sich seine Aussage bestätigen, zeigte sich plötzlich ein gigantischer Schatten am Ende des Ganges. Irgendjemand war da. Oder irgendetwas? Jack war etwas verwirrt, denn der Schatten konnte kaum von einem Menschen stammen.

Der deformierte Körper war gekrümmt, und die Arme waren kurz und extrem dünn. Die Ohren schienen weit vom Körper abzustehen und ein kratzendes Geräusch verwirrte jack nur weiter. Seine Hand schloss sich fester um die Waffe und er schlich, eng an die Wand gedrückt, zum Ende des Ganges, in der Hoffnung, dass diese Kreatur ihn nicht hören würde. Seine Vorsicht war völlig unbegründet.

Denn als Jack mit gezogener und geladener Waffe vor der großen Ratte stand, die vor einer einsamen Taschenlampe irgendein ein kleines Tier verspeist hatte, sah die ihn nur mit großen Augen an, gab ein verängstigtes Fiepen von sich und huschte an Jack vorbei in eine dunklere Ecke des Gangs. Jack entlud die Waffe wieder und die Erleichterung war ihm förmlich anzusehen.

Dann wandte er sich der Taschenlampe zu, das Einzige, was nicht so ganz in dieses Bild passte. Keine Wache lässt die Taschenlampe einfach auf dem Boden liegen, schon gar nicht wenn sie angeschaltet ist. < Es sei denn… >

Jack fiel das helle Blut ins Auge, dessen Spritzer den Boden an vielen Stellen rot verfärbt hatten. < Vermutlich von dem kleinen Vieh, das gerade als Frühstück für die Ratte herhalten musste…vermutlich. > Irgendetwas war hier faul, aber Jack wusste nicht genau, was es war.
Jack setzte seinen weg fort, und noch immer regte sich kein potentieller Gegner in der Dunkelheit.

Und im Nachhinein, dachte Jack, hätte er es wissen müssen. Es lief zu glatt. Kaum ließ er die Winkel der Gänge einmal aus den Augen um kurz auszuruhen, da hörte er hinter sich schon jemanden, der raschen Schrittes auf ihn zu eilte. Doch Jack blieb keine Zeit zu reagieren, dafür ging alles fiel zu schnell.

Ein kurzer, aber fester Griff, ein in dieser Stille unheimlich lautes Klicken einer entladenen Pistole und das unheimliche Gefühl, dass eine Waffe auf seinen Hinterkopf gerichtet war. Mehr war es nicht. Sein Angreifer hatte Jacks mangelnde Vorsicht direkt genutzt, ihm den Arm auf den Rücken gedreht und ihn gegen die Wand gepresst. Jack konnte sich nicht Recht entscheiden, was unangenehmer war, das Gefühl, eine Pistole im Nacken zu haben, oder sein Arm, der wohl bei der kleinsten Bewegung aus dem Schultergelenk springen würde.

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Für Sydney schien es, als würden die Minuten stundenlang dauern. Ihr jagten alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Doch Sarks schmerzhafter Griff hielt sie in der Realität. Sark schien seine Macht über Leben und Tod zu genießen, denn er ließ sich eine Menge Zeit. Diese Minuten des Wartens waren schlimmer als alles, was Sydney bisher erlebt hatte. Es war das reinste Grauen.

Sarks Atem roch nach irgendetwas undefinierbarem, und Sydney versuchte, den Geruch zu ignorieren. Wenn Sydney Sarks Gesicht gesehen hätte, wäre ihr das Herz in die Hose gerutscht.
Dieses mörderische Funkeln, dass beweißt, welche Freude Sark am Leiden und am Tod anderer hat, war beängstigend.

Sydney betete inständig, dass es nicht noch ewig dauern würde. Dieses Warten in Ungewissheit war Schrecklich. Sydney wusste nicht, ob sie mehr oder weniger Angst bekommen sollte, als Sark wieder zu reden begann. "Ist wirklich schade um Sie, Miss Bristow. Eine so talentierte und hübsche junge Frau…" Sark zog das Messer zurück und drehte es leichtfertig zwischen den Fingern. Sydney wurde langsam wirklich wütend. Er spielte mit ihr. Aber zumindest ließ ihr das etwas Zeit, um sich einen Plan zu überlegen.

Doch Planung war nicht nötig. Jemand anderes hatte bereits die Initiative ergriffen. Und ob es nun Schicksal oder einfach nur verdammtes Glück war, dieser Jemand hatte so glänzend reagiert, und jetzt schwand das Grinsen auf Sarks Gesicht plötzlich. Sydney war noch verwirrter, wenn das noch möglich war. < Was soll das jetzt wieder? Ist dem ein wichtiger Termin eingefallen, oder was? > Ihre Frage wurde mit dem Klicken beantwortet, dass jedem Menschen klarmachte, dass eine Schießerei nicht mehr fern war.

Irgendjemand entlud eine Waffe, und zwar direkt vor Sydney. Und hinter Sark. "Ok, Freundchen, Vorschlag, nimm schön brav die Hände hoch, lass das Messer fallen dreh dich rum und ich werde mir noch mal überlegen, ob ich dich durchlöchere wie Schweizer Käse." Sydney war noch nie so erfreut, diese Stimme zu hören. Und Sark schien den Vorschlag zu akzeptieren. Als Sark sich umgedreht hatte, konnte Sydney endlich einen bestätigenden Blick auf ihren Retter werfen.

"Sydney, springen Sie ins Auto. Vaughn dreht mir den Hals um, wenn wir in zehn Minuten nicht bei ihm auftauchen." Sydney ahnte, dass Vaughn seine Finger da mit im Spiel hatte. Wer sonst wäre auf die Idee gekommen, Weiss mit einer Waffe hinter ihr her zu schicken. Aber Sydney bewegte sich noch nicht. Sie deutete mit dem Kopf zu Sark. "Und was wird aus ihm?" "Das lassen Sie mal meine Sorge sein. Ihr Kopf ist voll genug." Sydney hatte Weiss soviel Professionalität nicht zugetraut.

Sark hatte die Szene still beobachtet und schien von der ganzen Sache ungerührt. Es schien ihn nicht weiter zu verunsichern. Er legte eine schon fast beunruhigende Ruhe an den Tag. Und keine zwei Sekunden später war sein Verhalten auch nachvollziehbar. Denn in der Nähe wurde ein Schuss abgegeben, in die Richtung von Sydney und Weiss. Weiss, der diese Situation tausend mal während seiner Ausbildung geübt hatte, griff wie ein Roboter nach Sydney, rollte sich auf den Boden, Sydney mitziehend, und wartete wenige Sekunden.

Erst als er nach kurzer Zeit aufsah, stellte er fest, dass das Ganze nur ein Ablenkungsmanöver war. Sark war verschwunden. Und Weiss hätte seine Dienstwaffe darauf verwettet, dass Sark jetzt in dem Wagen saß, der mit quietschenden Reifen über die Straßen von Los Angeles düste.

"Lief zwar nicht so, wie ich geplant hatte, aber ich denke, die positiven Nachrichten überwiegen doch, oder?", fragte Weiss, nachdem er sich wieder aufgerichtet hatte und den Staub von den Knien klopfte. Sydney stand auf, immer noch im Versuch, das Geschehene noch mal durchzuarbeiten, und wurde schon von Weiss zum Wagen gedrängt.

Als der Wagen durch die leeren Straßen der "Stadt der Engel" fuhr, stellte Sydney endlich die Frage, die ihr seit ihrer Rettung auf der Zunge lag. "Wie zum Teufel haben Sie mich gefunden?"
Weiss schien stolz auf seine Rettungsaktion zu sein, denn als Antwort gab er lediglich ein leise gemurmeltes "Intuition" von sich.

Sydney lehnte sich schmunzelnd zurück und starrte für eine Minuten lang ins Leere, bis sie das Schweigen brach. "Vielen Dank. Sie haben mir das Leben gerettet." Weiss schüttelte den Kopf. "Bedanken Sie sich bei Vaughn. Er hatte mich fast erwürgt, bis ich endlich im Wagen saß." < Das sieht dir ähnlich, Vaughn. > Sydney beruhigte sich merklich. Das war wirklich knapp gewesen. Sydney erschauderte noch tagelang jedes Mal, wenn Sarks Name fiel und wieder diese grauenhafte Szene vor ihr auftauchte.

"Und wohin geht's jetzt?" Sydney hatte eigentlich erwartet, dass Weiss zum Hauptquartier der CIA fahren würde. Weiss schmunzelte unwillkürlich. "Vaughn bestand darauf, dass wir den Plan in seiner Anwesenheit ausarbeiten. Er war dickköpfiger als ein kleines Kind." Sydney hob die Augenbrauen. "Den Plan?" Weiss nickte leicht. "Ja. Oder meinen Sie, Devlin würde seine beste Agentin allein auf so eine halsbrecherische Mission schicken, ohne Hilfe?" Sydney wollte gerade Luft holen, um nachzusetzen, als Weiss ihr zuvor kam. "Natürlich hat Vaughn Devlin geholfen, diese Entscheidung zu fällen", fügte er zwinkernd hinzu. Sydney konnte ihr Glück nicht fassen. Vaughn war einfach unersetzbar.