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Teil 3

Sydney zuckte kurz zusammen, als es an der Tür klopfte. Sie sah kurz zu Sloane herüber, dessen Blick sich merkwürdig getrübt hatte. Als wäre er nur noch körperlich anwesend. Oder als hätte er resigniert. Es klopfte noch mal laut und Sydney schluckte einmal und stand auf.

Sie bemerkte, dass sie zitterte. < Was mache ich, falls da jetzt wirklich irgendwelche Männer vor der Tür stehen und mich dann ausquetschen wie einen überreife Zitrone? >, fragte sie sich. Sie griff nach dem Türgriff und spürte, dass ihre Hand ganz verschwitzt war. Als sie die Tür öffnete und sah, wer da vor ihr stand, wusste sie nicht ob sie beruhigt oder noch beunruhigter sein sollte. Denn vor ihr stand jemand, den man in solchen Situationen einfach überhaupt nicht gebrauchen kann.

Vor ihr stand Will. Bei Gesprächen, die man besser geheim hält, war ein Reporter wohl fehl am Platz. Und bei Wills unendlicher Neugier, würde er die Sache bestimmt so lange verfolgen bis er irgendwann gefesselt und geknebelt irgendwo lag, weil er zu neugierig gewesen war. Sydney musste ihn loswerden, so ungern sie das auch tat.

"Hallo Will. Was bringt dich denn hierher? ", fragte sie, und versuchte gutgelaunt zu wirken. "Ich wollte nur nachsehen, ob du inzwischen wieder zu Hause bist. Du bist in letzter Zeit öfters unterwegs als zu Hause. Ich wüsste zu gern was sich dein Chef dabei denkt." Sydney dachte daran, dass Will ihren Chef geradewegs fragen könnte. < Aber ich glaube dann würde Will mich mit Fragen löchern, bis er irgendwann so weit war wie Danny. >

Sie ging einen Schritt vor die Tür und hielt die Tür soweit geschlossen, dass Will nicht hineinsehen konnte. "Tut mir leid", murmelte sie, "aber du kommst gerade etwas unpassend. Ich hab...ähm...Besuch und wir ähm...". Sie kam nicht weiter. Will hob die Hand und schüttelte den Kopf. "Verstehe. Wohlmöglich der selbe der dir unerklärlicher weise etwas zu Weihnachten geschenkt hat, hab ich recht?". Sydney verdrehte die Augen. < Einmal Reporter, immer Reporter >

Sydney versuchte krampfhaft, nicht daran zu denken, dass derjenige, der in ihrem Wohnzimmer saß, nicht im entferntesten der war, den Will vermutete. "Ok, ich hab verstanden, ihr wollt nicht gestört werden. Aber bitte tu mir den Gefallen und ruf mich später mal an, ja? Wir sehen uns dann." < Wenn du wüsstest... >, dachte Sydney und sah Will noch nach, der in diesem Moment aus ihrem Blickfeld verschwand.

Sie atmete tief durch. Das war vielleicht knapp. Sie stand noch ein paar Minuten an der Tür, bis ihr wieder in den Sinn kam, dass Sloane immer noch in ihrem Sessel im Wohnzimmer saß. Sie schloss die Tür und ging zurück ins Wohnzimmer. "Es war nur ein Bekannter. Ich habe...". Der Rest des Satzes blieb ihr im Hals stecken. In ihrem Sessel saß kein Sloane mehr. Er war weg. Sie konnte einfach nicht glauben, was sie da sah, oder, bessergesagt, was sie nicht sah.

XxXxXxXxXxXxXxXxXxXxXxXxXxXxXxX (Szenenwechsel)

Er schlug langsam die Augen auf, und wünschte sich im gleichen Moment, er hätte es nicht getan. Sein Kopf schmerzte und brummte, als sein Bewusstsein zurückkehrte. Sein Kopf war allerdings nicht das einzige, was ihm Schmerzen bereitete. Sein rechter Fuß war ganz taub geworden und seine linke Schulter schien ausgerenkt zu sein.

In den Raum, in dem er auf einer steinharten Matratze lag, war es fast ganz dunkel. Nur eine schwach leuchtende, kleine Glühbirne hingen von der Decke, aber sie reichte, um nach ein paar Minuten festzustellen, dass er gefangen war. Um sein Fußgelenk (anm.: danke an lisasimpson) war eine Kette gebunden, die in der Wand verankert war. Er versuchte, sich auf den Rücken zu drehen, und als er es endlich geschafft hatte, glaubte er, sein Kopf würde in zwei Teile springen. Er versuchte, sich zu erinnern, was geschehen war, aber er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Man hatte ihm wohl irgendetwas gespritzt, um ihn ruhig zu halten.

Er richtete sich langsam auf und saß dann mit dem Rücken an die Wand gelehnt auf dem Bett, das sich wohl kaum als solches bezeichnen ließ. Sein Kopf fing langsam an, wieder klar zu werden. Er konnte wieder den ein oder anderen klaren Gedanken fassen, ohne gleich von Kopfschmerzen daran gehindert zu werden. Seine ausgerenkter Arm war fast unbeweglich, und auch sein Fuß würde ihn keine zwei Schritte tragen. Eine Flucht war daher erst mal aussichtslos, so ungern er sich das auch eingestand.

An einer Wand des recht kleinen Raumes hing ein kleiner Spiegel, wozu auch immer. Er rappelte sich auf, und als er den tauben Fuß zum ersten Mal zu belasten versuchte, hatte er das Gefühl, ihm würde ein Dolch im Fuß stecken. < Reiß dich verdammt noch mal zusammen. > Er schleppte sich, den einen Fuß lahm hinter sich herziehend, zum Spiegel und betrachtete sein Spiegelbild.

Er sah wirklich nicht gut aus. Seine Lippe war aufgerissen und blutig, und unter seinem rechten Auge blühte ein schönes, großes Veilchen. Oberhalb der Augenbraue hatte er eine kleine Platzwunde, aus der ihm ein breites Rinnsal Blut an der Wange runtergelaufen war. Im Nachhinein konnte er ganz froh sein, eine zeitlang nicht viel mitbekommen zu haben.

Er ging zurück zum Bett und ließ sich erschöpft darauf fallen. Er hielt die Augen geschlossen, und langsam kehrte die Erinnerung zurück. Er erinnerte sich an eine leere Gasse...er war irgendjemandem gefolgt...aber wem?

Er wurde aus den Gedanken gerissen, als sich die schwere Eisentür öffnete und drei bewaffnete Männer eintraten. Ihre Gesichter konnte er nicht sehen. Nur, dass sie offenbar alle in Militärklamotten steckten. Derjenige, der in der Mitte stand, sprach ihn an. „Ah, sind Sie also endlich wach, Mr. Bristow...Verzeihung, AGENT Bristow wäre wohl treffender.“ „Wer zum Teufel sind Sie?“, fragte Jack, und er wunderte sich, dass seine Stimme so normal wie immer klang...nur mit einem sehr gereizten Unterton. „Immer mit der Ruhe, Agent Bristow...Sie haben noch sehr viel Zeit.“ Und das Lachen, das von diesem Kerl zu hören war, war so kalt, dass es Jack einen kurzen Schauder über den Rücken jagte. Seine Chancen waren im Moment nicht sehr gut. Und keiner wusste, dass er hier war. Auch nicht seine Tochter Sydney.