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Teil 29

Jack hatte nicht bemerkt, wie er in einen traumlosen Schlaf übergeglitten war. Er schien in einem Meer aus Verzweiflung und unvorstellbarer Sorge um Sydney zu ertrinken. Seine stummen Tränen trockneten irgendwann, doch da schlief er schon tief. Im Nachhinein wunderte er sich, dass er dieses Mal nicht wieder von Alpträumen gequält worden war.

Als er Stunden später wieder aufwachte, hatten die Tränen nicht nur sein Gesicht getränkt, sondern auch den verschwitzen Kragen seines durch Härte der letzten Tage verschmutzen Hemds. Er hatte sich im Schlaf, ähnlich einer Raubkatze, eingerollt und setzte sich jetzt erschöpft auf.
Er blickte zu Deans Leiche, die noch immer neben ihm auf dem Boden lag. Deans Augen waren jetzt trübe und Fliegen schwirrten um den leblosen Körper wie um Aas, das im Laufe der Zeit verwest. Jacks Situation war hoffnungslos gewesen.

Er war praktisch schon tot, ohne jede Überlebenschance, und trotzdem lag Dean jetzt tot auf dem kalten Boden, wo er in Zukunft ein nahrhaftes Nest für die Larven der Fliegen abgeben würde. <aber>

Noch während er seinen Verstand nach einer Erklärung für seinen Lebenswillen absuchte, wusste er, dass die Antwort in seinem tiefsten Innern lagerte. Irgendwo, an einem Ort, den jeder Mensch irgendwo zwischen Seele und Herz finden kann, schwebte unablässig dass Bild seiner Tochter.
Es war die Gewissheit, dass Sydney ihn brauchte, dass er einen wichtigen Platz in ihrem Leben einnahm. Er durfte sie nicht allein lassen, auch in seinem eigenen Interesse. Denn die Bindung zwischen ihnen war in letzter Zeit so eng gewesen, dass er dieses Band nicht durch seinen Tod zerreißen durfte.

Plötzlich entwickelte sich ein neuer, aufbauender Gedanke. Dem, was er gerade als Ursache für seine Zähigkeit gedeutet hatte, war vorausgesetzt, dass Sydney noch am Leben war, Jeder Zweifel daran schien absurd. Er wusste es schon die ganze Zeit, ohne es zu bemerken. Sydney lebte, das stand jetzt außer Frage. Der Gedanke ließ Jack schmunzeln und plötzlich schien jeder negative Gedanke wie weggefegt, er strahlte Zuversicht aus und zweifelte nicht mehr daran, dass er Sydney wieder sehen würde.

Als er so in Gedanken versunken in die Leere starrte, mit diesem leichten Schmunzeln auf den Lippen, war ihm gar nicht bewusst, dass einer von Deans Männern fassungslos vor Schreck in er Tür stand. Und als Jack ihn bemerkte stemmte er sich hoch, ohne das Lächeln im Gesicht verschwinden zu lassen, und lehnte sich entspannt gegen die Wand. "Was?" Er sah den jungen Mann gespielt erwartungsvoll an.
"Du…du verdammter Dreckskerl…ich…ICH MACH DICH ALLE!" Die Stimme seines potentiellen Angreifers steigerte sich von einem Flüstern zu einem Schreien und er zog ein sehr langes Messer aus seinem Stiefel hervor.

Jack baute sich kaum merklich vor seinem Gegenüber auf. "Komm nur her. Das dürfte nicht lange dauern." Jacks Hände ballten sich krampfartig zu Fäusten und entspannten sich wieder. Kraft sollte hier nicht nötig sein. Seine Erfahrenheit verschaffte ihm hier einen Vorteil.
Die vielen Jahre bei der CIA und SD-6 hatten sich zumindest in dieser Hinsicht bezahlt gemacht. Sein Gegner starrte Jack regungslos an und drehte das Messer immer und immer wieder in seiner Hand. Die Nervosität war nicht zu übersehen. Und Jack würde diesen Vorteil eiskalt ausnutzen.

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Sydney saß noch minutenlang zitternd zwischen den Büschen, unfähig, das zu erfassen, was sie gerade gehört hatte. Diese Mistkerle wollten sie umbringen, weil sie versuchte hatte, ihren Vater zu finden. Und das Schlimmste war, dass Vaughn jetzt ihretwegen im Krankenhaus lag.
Sie schüttelte energisch den Kopf, wollte diesen Gedanken loswerden, der ihr jetzt so absurd vorkam.
< Du hast keine Schuld daran! Wenn hier jemand für Vaughns Zustand verantwortlich ist, dann diese Dreckskerle und sonst keiner. > Sie musste sich zusammenreißen, um nicht aus den Büschen hervor zu stürmen und den Beiden die Köpfe einzuschlagen. Sie registrierte nicht mal, dass sie angefangen hatte, Gras auszureißen.

"Sydney? Alles in Ordnung?" Sloane hatte das Schauspiel minutenlang beobachtet und sich seiner Agentin dann ganz langsam genähert. Als Sydney bemerkte, dass er ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter gelegt hatte, fuhr sie aufgeschreckt herum. "Gibt es irgendetwas was sie mir erzählen wollen? Sie haben doch etwas auf dem Herzen."

Sydney wusste nicht, was sie mehr erstaunte. Die Tatsache, dass Sloane erkannt hatte, was in ihr vorging, oder das milde, tröstende Verständnis, dass Sydney aus seiner heraus zu hören glaubte.
Sie war kurz davor, ihm zu erzählen was sie gerade erfahren hatte, wo ihr Vater im Moment wahrscheinlich war, sie wollte ihm das anvertrauen. Doch dann brach in letzter Sekunde wieder dieses unzerstörbare Misstrauen über sie herein, dass sich in all den Jahren wie eine Mauer, die man nicht einreißen konnte, aufgebaut hatte.

"Nein, es ist nur, ich…" Plötzlich wurde ihr Satz von einer zuschlagenden Autotür und raschen Schritten unterbrochen. Sydney erschrak, als sie hörte, dass es die selben Männer waren, die vorhin das SD-6-Gebäude verlassen hatten. "Sei still, da ist was zwischen den Büschen. Ich hab Stimmen gehört."
Sydney konnte die Gesichter der Beiden nicht sehen, aber sie hätte ihr Stipendium darauf verwettet, dass der Zweite gerade die Augen verdreht hatte, denn er murmelte irgendwas von Verfolgungswahn.

Sydney wurde von Panik gepackt. Was jetzt? Sie saßen Beide in der Klemme. Und Sloane sah blass aus wie der wandelnde Tod. Er krabbelte rückwärts tiefer ins Gebüsch, und die Panik stand ihm ins Gesicht geschrieben. "Da hat's schon wieder geraschelt! Verdammt noch mal, ich wette, dass da was drin ist. Oder jemand."

Sydney sah sich Hilfe suchend um, und ihr fiel nichts Besseres ein, als den nächstbesten Stein weit in die anderen Büsche zu werfen. "Da hinten! Verdamm' mich, du hast Recht!" Die Beiden waren wirklich auf den alten Trick hereingefallen und stürmten blindlings ins Gebüsch.

Als das Geraschel laut genug war, sprang Sydney leise wie ein Raubtier nach vorne, zog Sloane mit sich und huschte ebenso lautlos um die Ecke die Gebäudes. Wie bestellt stand Sloanes Mercedes nur wenige Meter neben ihnen und Sydney und Sloane schienen gerade beide die selbe Idee zu haben. Ein kurzer Augenkontakt genügte und die Beiden huschten zum Wagen, Sydney hinters Lenkrad, und Sloane drückte ihr den Schlüssel in die Hand.

Deans Laufburschen wirbelten aufgeschreckt herum, als der Mercedes heulend erwachte und Sydney mit quietschenden reifen aus der Einfahrt raste. Fassungslos starrten sie dem Wagen nach, der jetzt in der Dunkelheit verschwunden war. </aber>