Teil 2
"Tut mir leid, dass ich so unangemeldet hier auftauche, aber es ist wichtig, Sydney. Kann ich kurz reinkommen? Wir müssen über etwas reden." Sloane schien es sehr eilig zu haben, er sah auch irgendwie gehetzt aus. Sydney war sehr überrascht. Sie hatte ihren Chef bisher immer nur als kalten und immer ruhigen Mann erlebt, der zwar ab und zu etwas in alten Zeiten schwelgt, aber nie die Fassung verliert. Aber vor ihr stand ein Arvin Sloane, der etwas außer Puste war, und irgendwie neben der Spur war.
"Kommen Sie rein, es scheint ja sehr wichtig zu sein.", sagte sie und trat einen Schritt zur Seite. Er murmelte ein kurzes Dankeschön und war keine zwei Sekunden später schon mitten in ihrer Wohnung. Sydney schloss leicht verwirrt die Tür und fragte sich, was mit ihm los war. Er schein sehr erleichtert zu sein, nicht mehr auf der freien Straße herumlaufen zu müssen.
Sie trat ins Wohnzimmer und sah einen sichtlich etwas erschöpften Sloane am Türrahmen lehnen. Ihm schien etwas sehr ernstes auf der Zunge zu liegen. "Setzen Sie sich, ich komme in 5 Minuten wieder runter.", sagte sie, kurz nachdem sie bemerkt hatte, dass sie immer noch im Bademantel vor ihm Chef stand. Sloane zeigte keine eindeutige Reaktion, aber Sydney nahm an, dass er es mitbekommen hatte, und wenn nicht, würde er sich früher oder später sowieso in ihren Sessel oder auf die Couch fallen lassen. Sie drehte sich um und ging nach oben.
Als sie sich anzog überlegte sie krampfhaft, was denn los sein könnte. War vielleicht etwas mit SD-6 geschehen? Hatte SD-6 einen harten Schlag von der CIA oder sonst wem erhalten?
< In diesem Fall >, dachte Sydney < müsste ich mich zusammenreißen um einigermaßen bestürzt auszusehen >. Ihrer Meinung nach war SD-6 das einzige, was Sloane beunruhigen könnte. Wie sollte einen so gefühlskalten Menschen sonst irgendetwas beeinflussen können. Schließlich war er auch bereit, das Leben von mehr Menschen für SD-6 zu opfern, außer Danny. Beim Gedanken an Danny musste sie sich krampfhaft zusammenreißen um nicht nach irgendetwas Schwerem zu greifen und es dann Sloane auf den Kopf zu schlagen. Sie stand vor dem Spiegel, atmete tief durch und ging wieder runter, um sich dem Gespräch mit Sloane zu stellen.
Sie kam herunter und sah Sloane auf dem Sessel sitzen, die Hände wie zum Gebet verschränkt und das Kinn darauf gestützt. Sie kam rein und setzte sich ihm gegenüber. Er schien, ihre Anwesenheit nicht bemerkt zu haben. Wie auch, er hatte die Augen geschlossen. "Sir? Was ist es, worüber sie mit mir reden wollen?", fragte sie, und er hob den Kopf und sah zu seiner Agentin hinüber.
"Am besten ist, wenn ich gleich auf den Punkt komme. Ich habe das Gefühl, das irgendjemand seine Leute auf mich angesetzt hat. Sie können doch dieses Gefühl, beobachtet zu werden, nicht wahr?" Sydney nickte kaum merklich. < Oh ja, dieses Gefühl kenne ich zu genüge. Wem habe ich das wohl zu verdanken. >, dachte sie mürrisch und dachte an die Zeit, als er sie über- wachen ließ. Dann sprach Sloane weiter. "Ich habe sie zu Hause aufgesucht, da ich nicht sicher bin, ob nicht mittlerweile mein Büro abgehört wird. Und ich befürchte, wenn ich Ihnen das, was ich jetzt sage, erzählen würde, während wir belauscht werden, dann hätten wir beide ein großes Problem."
Sydney wurde doch so langsam neugierig. Aber ihre Neugierde ging im Misstrauen gegenüber Sloane unter. Warum sollte sie ihm glauben was er ihr erzählt? "Sydney, ich rede mit Ihnen darüber, weil ich Ihnen vertraue und weil es auch Sie betrifft." Sydney beschlich auf einmal ein Verdacht. Konnte es wirklich um ihn gehen? "Es geht um Jack. Ihr Vater ist...er ist verschwunden, und wir wissen auch nicht, wo er sein könnte." Sydney schloss die Augen. Es ging wirklich um ihn. Sloane lehnte sich zurück und sah Sydney jetzt direkt an.
Bildete sie sich das nur ein, oder hatten seine Augen auf einmal wieder den selben, kühlen Ausdruck wie früher? Sie schien sich geirrt zu haben, aber dieser kurze Moment, in dem er wieder wie vorher wirkte, ließ sie nicht los.
"Sydney, wissen Sie wo er ist? Haben Sie irgendeinen Hinweis darauf wo Jack sein könnte?" Sydney schüttelte den Kopf. "Nein...es ist...eben nicht das beste Vater-Tochter-Verhältnis zwischen uns. Aber warum die ganze Geheimnistuerei? Was wäre daran so schlimm, wenn jemand anderes von seinem Verschwinden wüsste?", fragte sie, denn sie konnte sich einfach keinen Reim auf Sloanes seltsames Verhalten machen. Es sah ihm einfach überhaupt nicht ähnlich, sich über andere Leute Sorgen zu machen. Um seine Agenten schon gar nicht.
"Jack ist nicht auf einer Mission verschwunden. Er hatte keinen Auftrag, und daher sieht es SD-6 nicht für nötig, nach ihm suchen zu lassen. Jedenfalls nicht offiziell. Aber ich würde mich um einiges wohler fühlen, wenn ich wüsste, dass Ihrem Vater nichts zugestoßen ist."
Sydney verstand gar nichts mehr. Sloane machte sich Sorgen um Jack?! Warum? Sie hätte ihn gern gefragt, aber in diesem Moment klopfte es dreimal laut an der Tür.