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Teil 8

Im darauf folgenden Augenblick wurde die Tür geöffnet und ein dunkelhaariger, magerer Mann, der ebenfalls in einem weißen Kittel gekleidet war, kam herein. Nicht nur Irina sondern auch Jack war in keinster Weise überrascht über das plötzliche Auftauchen des Laboranten. Es schien beinahe so, als hätte sie ihn erwartet.
„Was…?“, fragte der Mann, verstummte jedoch, als sein Blick auf seinen Kollegen fiel, der zusammengesunken auf dem Boden liegend hinter der Russin einen Blick auf ihn freigab. Seine Augen weiteten sich angsterfüllt.

Nachdem er seine Stimme wieder gefunden hatte, fragte er merklich unfreundlich: „Wer sind Sie?“ Verwirrt wechselte der Blick des Mannes von Jack zu Irina, die ihm Beide unbewegt ansahen. Aber es war schon zu spät für den Laboranten, Jack bewegte sich auf ihn zu und beförderte ihn mit einem mühelosen und kräftigen Schlag in die Bewusstlosigkeit, die ihn lautlos zu Boden stolpern ließen. Anschließend befreite er den Mann von seinem ärzteähnlichen Kittel und streifte es sich über seine Kleidung, damit er unbemerkt den Platz des Laboranten einnehmen konnte. Der ergraute Agent durchsuchte die Innen- und Außentaschen des Mantels, auf der Suche nach einer weiteren Keycard, die sie höchstwahrscheinlich ebenso gebrauchen würden wie die andere. Seine Finger schlossen sich um einen rechteckigen Gegenstand, der nicht viel größer war als eine Visitenkarte. Er nahm sie heraus und betrachtete sie für einen kurzen Moment.   
Mit einer Haarnadel, die sie in der Tasche des Mannes gefunden hatte, steckte sich Irina mit ein paar wenigen Handgriffen ihre langen Haare zu einer Hochsteckfrisur. So wirkte sie eher wie eine Laborantin und nicht wie jemand, der versuchte eine hochgiftige Pflanze aus einem Labor zu stehlen.   
„Es kann losgehen.“, bestätigte die Russin unter einem Nicken. 
„Ganz wie du meinst, …Doktor Derevko.“ Das letzten zwei Worte betonte Jack ganz bewusst unter einem fast nicht sichtbar nach oben verzogenen Mundwinkel, was Irina angesichts der Situation zu einem kurzen Schmunzeln verleitete. Er musterte sie eingehend und schließlich nickte auch er, als er der Meinung war, dass ihr Äußeres durchaus der einer Laborantin entsprach.   

Die Beiden verließen daraufhin den Raum, fanden sich auf dem Hauptgang wieder und begaben sich von da aus nun schnellen Schrittes auf den Weg zum Labor. An einer Gabelung angekommen hielten sie sich links und erreichten dann eine kleine Nische mit einem  Terminal. Nicht weit davon gab es einen Glaskasten, der jedoch völlig leer war.
Die Russin näherte sich dem Gasschrank, betrachtete ihn und fluchte. „Verdammt, hier hängen keine Schutzanzüge! Das war der einzige Kasten auf dem Weg hierher.“
Ein weinig erstaunt wandte sich Jack vom Terminal ab und sah zu ihr herüber. „Dann haben wir ein Problem, fürchte ich. Ohne Schutzanzug ist die Gefahr zu groß sich durch das Gift zu infizieren.“       
Irina schien für einen Moment nachzudenken. „Wir werden uns hier trennen.“, informierte die ehemalige KGB-Agentin Jack dann kurzerhand darüber, obwohl es eigentlich kein Angebot von ihr war, da sie ihre Entscheidung bereits längst schon gefällt hatte. „Ich werde mich ins Labor begeben und die Pflanze holen. Wir können nicht darauf warten bis einige wieder Anzüge zur Verfügung stehen.“ Es war ihr egal, was dieser Entschluss für ihr Leben bedeuten würde, ihre Tochter war ihr in diesem Moment weitaus wichtiger. Als Mutter hatte sie eine Verantwortung gegenüber Sydney; und zwar dafür zu sorgen, dass es ihr gut ging und es ihr an nichts fehlte. Dieser Verantwortung wollte sie nun um jeden Preis gerecht werden, auch wenn sie sich  möglicherweise selbst damit in Gefahr brachte. 

„Auf keinen Fall, Irina! Das ist viel zu gefährlich.“, widersprach ihr der ergraute Agent sofort und seine Stimme klang entschlossen genug, um sie für ein paar Sekunden zum Schweigen zu bringen, als sie schon protestieren wollte. In seinen Augen zeigte sich dieselbe Entschlossenheit, die auch in seiner Stimme zu finden war. „Ich kann nicht zulassen, dass du das tust. Das Risiko ist einfach zu groß.“     
Das Funkeln in Irinas Augen nahm mehr und mehr zu. Sie wollte und würde sich eben nicht Jacks Ansichten und Entscheidungen beugen, dazu war sie selbst viel zu stur. Und das machte es nicht einfacher, für keinen von ihnen.
„Zu groß für wen? Für dich, Jack?“, fragte Irina beinahe schon sarkastisch, dennoch in der Hoffnung, er würde ihr Vorhaben schließlich akzeptieren ohne sich ein Wortgefecht mit ihr zu liefern. „Ich weiß, was du denkst. Du glaubst, es wäre taktisch unklug einer Terroristin Zugang zu einer ebenso gefährlichen wie tödlichen Pflanze zu gewähren. Denn deiner Meinung nach könnte ich dich möglicherweise ein weiteres Mal hintergehen, stimmt’s? Oder liege ich damit so falsch?“

Jacks Haltung machte deutlich, dass er nicht bereit war über dieses Thema mit ihr zu debattieren. „Im Moment ist das vollkommen irrelevant! Viel wichtiger ist, wie wir einen anderen Weg finden…“   
„Nicht aber für mich und genauso wenig ist es für dich irrelevant. Sie ist auch meine Tochter, Jack! Und ich habe keinesfalls vor sie sterben zu lassen, wenn ich es irgendwie  verhindern kann. Ich weiß, dass du dasselbe auch jederzeit für sie tun würdest.“, ergänzte Irina um einiges leiser und in ihrer Stimme schwang nun ein warmer Ton mit, der aber mit einem entschiedenen Blick einherging.   
„Ich kann dich dennoch aber nicht das Risiko eingehen lassen. Denn das würde bedeuten, dass ich dir traue und das tue ich nicht, Irina. Ich werde mich nicht noch einmal wiederholen: Wir werden zu zweit gehen, nicht alleine. Ende der Diskussion.“
Allmählich begann die Russin jedoch zu verstehen was sich tatsächlich hinter seinen Worten verbarg. Er war besorgt um ihr Wohlergehen. Nicht einmal die Äußerung von ihm, er würde ihr nicht trauen ließ Irina daran zweifeln, es bekräftigte sie eher in ihrem Wissen, er sorge sich um sie. In seinen Augen hatte sie es gleichermaßen ablesen können wie auch aus seinen unausgesprochenen Worten. Jack wollte nicht, dass sie wissentlich ihr Leben riskierte. Natürlich fragte er sich außerdem ob sie ihn erneut betrügen würde wenn er ihr die Chance gewährte einen winzigen Teil seines Vertrauens zu besitzen. Das war nur allzu verständlich.

Doch wenn sich Irina erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann ließ sie sich erfahrungsgemäß nicht mehr davon abbringen, egal, was er, Jack, auch zu tun versuchte. Die typische Sturheit der Derevko Frauen eben, die Sydney dabei eindeutig von ihrer Mutter besaß.   

„Jack, dir wird gar keine andere Wahl bleiben, als mich alleine gehen zu lassen. Nur einer von uns kann in das Labor eindringen und die Pflanze beschaffen, der andere muss sich in den Computer hacken und den Weg freigeben. Uns bleibt nicht so viel Zeit um darüber zu diskutieren, was die beste Entscheidung ist. Wenn wir nicht endlich bald etwas dagegen unternehmen wird Sydney sterben!“
Bei der Erwähnung ihrer gemeinsamen Tochter starrte Jack die ehemalige KGB- Agentin abermals für einen Moment sprachlos an, zwang sich aber zur Ruhe, sowohl nach außen hin als auch innerlich. Er wollte sich nicht mit ihr streiten. Nicht, wenn es um das Leben von Sydney ging und die Zeit, die sie damit vergeudeten eine im Grunde simple Entscheidung zu treffen. Zeit, die sie keineswegs hatten.   
Doch so leicht konnte Jack sich mit ihrer Entscheidung immer noch nicht abfinden. „Das ist mir durchaus bewusst. Aber ich lasse dich auf keinen Fall allein auch nur in die Nähe  …“

Die Russin unterbrach ihn, ließ ihn nicht einmal ausreden. „Ich weiß, du siehst keinen Grund mir zu vertrauen und wäre es umgekehrt, würde ich es vermutlich auch nicht tun. Aber dennoch bitte ich dich jetzt darum, Jack. Vertraue mir.“
Irina sah ihn mit einem intensiven und derart entschlossenen Blick an, den er aber ohne Schwierigkeit aufrechterhielt. Es hatte keinen Zweck, Jack begriff, dass sie sich nicht davon abhalten ließ ihre Entscheidung durchzusetzen. Er war gezwungen ihr dieses Mal wirklich zu glauben, ihr in dieser Sache sein Vertrauen zu schenken, auch wenn eine denkbare Möglichkeit bestand, dass sie dieses Vertrauen auf ihre Art missbrauchen und ihn verraten würde. 
Aus seiner Tasche holte er stumm die beiden Keycards heraus und reichte sie Irina. Ihre beiden Hände berührten sich dabei kurz und jeder von ihnen spürte ein eigenartiges Prickeln auf der Haut. Sie sahen sich mit einem langen Blick an, der alles zu sagen schien, was sie niemals aussprechen würden. Das besondere Gefühl der Berührung hielt noch für einige Minuten an, auch, als sie längst schon ihre Hände voneinander gelöst hatten.
„Du musst dich beeilen.“, sagte der grau melierte Agent, während er ihr in die Augen sah. „Wir treffen uns am Haupteingang. Viel Glück.“
„Dir auch.“ Irina betrachtete ihm mit einem letzten Blick über die Schulter hinweg, drehte sich um und wollte sich gerade auf den Weg begeben, als Jacks Worte sie zurückhielten.
„Irina!“, rief er und in seiner Stimme konnte man seine Zuneigung zu ihr und auch die Sorge heraushören, die er sonst ständig zu verbergen versuchte.
Irina wandte sich um. Und ihre Blicke trafen sich. Ein Moment, der unvergesslicher nicht sein könnte, widerfuhr ihnen.
„Sei vorsichtig.“, bat der ergraute Agent sanft.
Mit einem kurzen, flüchtigen Nicken versicherte sie ihm, auf sich Acht zu geben. Doch Jack sah nicht das warme Lächeln, das sich auf dem Gesicht der Russin ausbreitete, während sie ihm den Rücken zukehrte und ging.         

Nachdem sie gegangen war, wandte Jack seine ganze Aufmerksamkeit wieder dem Terminal zu. Er hackte sich in den Zentralcomputer ein, damit er einen Überblick darüber erhielt, wie schnell die Sicherheitsleute den Fehler in ihrem System ausfindig machten und ihn eventuell beseitigten. Doch mit einem Blick stellte er fest, dass die Wiederherstellung der Sicherheitskameras noch eine ganze Weile dauern würde, genug Zeit also, bis sie ihre eigene Mission beendet hatten. Jack öffnete mit Hilfe des Zentralcomputers ohne Schwierigkeit einige Türen, die sich ansonsten nur mit einer Keycard entriegeln ließen und welche Irina auf ihrem Weg zum Labor sicher passieren würde.
Wie durch Zauberhand glitt vor Irina eine weitere Tür auf, die vor wenigen Minuten noch verschlossen gewesen war und sie wusste ganz genau, wem sie das zu verdanken hatte. Ihrem Ehemann. „Danke, Jack.“, lächelte sie dankbar, schaute sich kurz noch einmal um und ging dann weiter.

Unterdessen gelangte die ehemalige KGB-Agentin dann durch die Keycard, die sie durch ein Kartenlesegerät zog und sich daraufhin eine schwere Metalltür zu öffnen begann, in das riesige Labor. Sie sah sich um. Ein Rotblühender Teppich überzog die gesamte Halle. Aberhunderte Pflanzen lagerten Reihe in Reihe, dicht an dicht aneinandergedrängt nebeneinander. Irina ging ehrfurchtsvoll ein Stück näher an eine der Blumen heran und besah sie sich genauer. Die außergewöhnliche Schönheit eben dieser war für sie derart faszinierend, schlug sie regelrecht in ihren Bann, dass sie die Gefahr, welche von ihr ausging, vollkommen ignorierte. Wie konnte eine einzelne Pflanze nur so atemberaubend schön und doch gleichzeitig so dermaßen gefährlich sein? Irina wusste es beim besten Willen nicht. Jedoch wusste sie eines ganz sicher: diese Pflanze war es, die ihrer Tochter das Leben retten würde. Das Wagnis, ihr eigenes Leben zu gefährden war letztlich nichts im Vergleich zu der unbeschreiblichen Sorge und der Angst davor, Sydney nie wieder zu sehen- sie endgültig zu verlieren.    

Die Blüte bestand aus fünf, blutroten sternförmigen Blättern, die sich allesamt wie einen Mantel um das Herzstück der Pflanze- den Kern- gelegt hatten. Die Blätter schützten den Kern, als wäre er ein überaus wertvoller Schatz, welchem es nicht erwünschten Personen keinen Einlass in seine Schatzkammer gewährte.
Schließlich riss die Russin ihren Blick von der verlockenden Blume los und lief zu dem nächststehenden aus Metall gefertigten, kleinen Regal hinüber, in dem viele unterschiedliche Chemikalien lagerten. Sie entnahm ein Gefäß mit einer durchsichtigen Flüssigkeit. Daneben waren zum Teil noch leere Reagenzgläser in einer Anordnung aufgestellt von denen sie sich mitunter zwei herausnahm. Alles was Irina jetzt noch tun musste, war, das Blütenblatt mit der Flüssigkeit zu vermischen, was sie auch sogleich tat. Daraus würde sich dann ein eher gelbliches Sedativ bilden, welches das Gegenmittel der „todbringenden Schönheit“ darstellte.
Endlich hatten sie das passende Heilmittel gefunden mit dem sie Sydney vor dem sicheren Tod retten würden, ihr helfen konnten- sofern es nicht schon zu spät dafür war. In ihr gab es eine Hoffnung, es möge noch nicht dazu gekommen sein. Irina konnte es noch immer nicht so recht fassen. Obwohl sie als Mutter bisher in etlichen Dingen, was ihre Tochter anbetraf, versagt hatte, schien sie doch zumindest dieses eine Mal das Richtige zu tun. Sie bewahrte Sydney davor zu sterben.

Völlig brutal wurde sie aus ihren Überlegungen gerissen. Sie hob ihren Kopf, als sie ein äußerst seltsames Geräusch aus unmittelbarer Nähe wahrnahm. Eine schrille Sirene setzte in genau demselben Moment ein und ließ sie alarmiert in ihrer Aktivität innehalten. Mit einem weiteren Blick bemerkte sie das rote Lämpchen, das direkt über der Tür hing und wild aufleuchtete. Man hatte sie entdeckt! Verflucht! Es würde sicher nicht lange dauern, um den Grund dafür zu  erfahren.
Irina erstarrte, hielt für einen Moment erschrocken die Luft an und blickte entsetzt zu der Metalltür. Vor wenigen Minuten noch war sie offen gewesen. Doch jetzt war die Tür im Begriff sich zu schließen. Langsam, aber sicher wurde der Abstand immer geringer und gewiss war es nur eine Frage von Sekunden bevor sie vollends versiegelt sein würde. Dann wäre sie gefangen wie eine Maus in einer tödlichen Falle. Noch dazu konnten jederzeit Wachleute auftauchen gegen die sie alleine nicht die geringste Chance hatte.
Panik erfasste sie, die sich nicht einfach abschütteln ließ. Ihr Blick glitt gehetzt in unregelmäßigen Abständen zum Ausgang hinüber, während sie sich beeilte die Flüssigkeit in das Reagenzglas zu geben. Nur ein bedrohlich minimaler Spalt blieb ihr noch übrig und trennte sie endgültig von der Gefangenschaft, die ihr hier bevorstand.  
In einem letzten verzweifelten Versuch zu entkommen, sprintete sie so schnell ihre Füße sie trugen mit dem Gegenmittel zu der metallenen Tür. Sie konnte, nein, sie musste den Ausgang erreichen! Für Sydney!, sagte sie sich. Jedoch war es zu spät.

Das breite Portal fiel mit einem dumpfen Laut ins stählerne Schloss, als Irina es erreichte. Vor Enttäuschung und Wut zugleich, hämmerte sie einige Male dagegen, doch schnell wurde ihr klar, dass es keineswegs das gewünschte Ergebnis lieferte. Es nützte nichts, auf diese Weise würde sie hier mit Sicherheit nicht herauskommen. Ihre Hand hatte bereits eine rötliche Färbung angenommen, da sie so heftig gegen das Metall geschlagen hatte. Entkräftet ließ die ehemalige KGB-Agentin die Hände sinken und sah sich stattdessen in der gewaltigen Halle um, auf der Suche nach der Lösung ihres Dilemmas. Vor Irinas Augen begannen ganz plötzlich eine Reihe von Regalen und unzählige Blumen zu verschwimmen und raubten ihr die Sicht. Alles in ihrer Umgebung schien sich auf eine unnatürliche Weise zu drehen, und das Rot der vielen Pflanzen vermischte sich zunächst mit dem weiß der Wände bis es eine unklare Kombination aus beidem angenommen hatte. Selbst sie konnte in ihrer Lage nicht erklären, ob der Einfluss der Blumen dafür verantwortlich war, dass sie solch bizarre Dinge sah oder sie bereits an der Schwelle des Wahnsinns stand. Merkliche Übelkeit machte sich in ihr breit, die ihr beinahe den Atem nahm und ihr Kopf fühlte sich noch dazu an, als würde er bersten.

Sie blinzelte verwirrt, aber in der Hoffnung dadurch würde sich ihr Blick wieder klären, taumelte schließlich zurück und versuchte Halt an einem der kargen Wände zu finden. Schwer atmend stützte sie sich ab, schloss die Augen und konzentrierte sich ganz auf ihre Aufgabe. Sie musste stark sein, Sydney zuliebe. Sydney. Obwohl ihr gesamter Körper schmerzte und jeder Atemzug schwer fiel, stahl sich ein zärtliches Lächeln auf ihre Lippen. Ihre Tochter gab ihr die dringend notwendige Stärke, die sie gegen das Gift ankämpfen ließ. Der Schwindel und mit ihm auch der Brechreiz, zogen sich langsam zurück. Irina öffnete wieder die Augen. 
Ihre Erstarrung löste sich allmählich und ihr Verstand riet ihr- schrie ihr nunmehr entgegen- Ruhe zu bewahren. Keinem würde es von Nutzen sein wenn sie sich selbst unter Druck setzte. Noch immer ein wenig schwankend, aber wild entschlossen, eilte sie wieder zur Arbeitsfläche zurück. Die Russin füllte dort auch das zweite Fläschchen mit der Flüssigkeit und verschloss es ebenso wie das erste fest in einer rechteckigen kleinen Box.

Gerade als die ehemalige KGB-Agentin sich zum Portal begeben wollte, hörte sie etwas, dass ihr unwillkürlich einen Schauer über den Rücken laufen ließ, weil sie dieses Geräusch gut kannte. 
Irina wandte sich ein weiteres Mal um. Ihr wurde sofort gewahr, dass zusätzlich zu den gefährlichen Pflanzen auch noch ein Gas aus den oberen Öffnungen der Halle ausgeschüttet worden war. Nebelhafte Schwaden strömten unaufhörlich hinein und hüllten alles ein was sich ihnen im Weg befand. Hustend und um Luft ringend, hielt Irina sich die Hand vor dem Mund um zu verhindern, dass sie ohnmächtig wurde. Innerlich dermaßen panisch bemühte sie sich indes jedoch flach zu atmen, um so wenig wie möglich das vermeintlich betäubende Gas zu inhalieren. Nach einigen vergeblichen Mühen die wuchtige Tür aus Metall manuell zu öffnen, gaben ihre Beine unter ihrem Gewicht nach und sie sank erschöpft an der Wand entlang zu Boden. Jegliche Kraft verließ ihren Körper.   

Sie würde sterben. Hier und jetzt. Diese Erkenntnis traf sie wie ein Schlag.

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Der Alarm war ausgelöst worden. Das hieß, man hatte ihre Ankunft letztendlich bemerkt, was Jack für kein gutes Zeichen hielt. Sofort überprüfte der ergraute Agent die Sicherheitskameras, seine Finger glitten dabei geschwind über das Eingabefeld des Computers. Er schaltete gekonnt zwischen den verschiedenen Kameras hin und her, immer auf der Suche nach möglichen Wachposten, die ihm entgegenkommen und ihn unter Umständen entdecken würden. Sein Misstrauen wurde geweckt, als er niemanden, nicht einen einzigen Menschen, auf dem Bildschirm vor sich sah. Irgendetwas stimmte hier nicht. Stimmte ganz und gar nicht. Sein Instinkt wies ihn deutlich darauf hin. Normalerweise verließ er sich allerdings eher auf seinen gesunden Verstand und sein strategisches Wissen, doch sein Unterbewusstsein verriet ihm in diesem Fall, er müsse vorsichtig sein. Doch was war hier wirklich los? Diese Frage sollte ihm jedoch bald beantwortet werden…

Dessen ungeachtet hoffte er, auch eine andere Person auf den Überwachungskameras zu erkennen, eine Person, die ohne jeden Zweifel in der Lage war, seine gesamte Gefühlswelt durcheinander zu bringen. Irina. Es gab nur eine wie sie. Sie war in jeglicher Hinsicht außergewöhnlich.
Er wollte sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass sie wohlauf war, weil er befürchtete, ihr könnte etwas zugestoßen sein. Tiefe Sorgenfalten bildeten sich auf seiner Stirn, da er Irina weder auf den Kameras aus den Laboren, die dort angebracht worden waren, noch in irgendeiner anderen Weise entdecken konnte. Wo war sie also?

Jack unterbrach seine Tätigkeit und schaute plötzlich auf. Sein Blick verharrte an einem entlegenen Winkel des Terminals, während Irina vor seinem geistigen Auge erschien. Sein Gefühl musste ihn trügen was ihren Gesundheitszustand anbetraf, denn mit jeder Minute, die verging, war er sich sicherer, dass irgendetwas mit ihr geschehen sein musste. Entweder das, oder sie hatte ihn schon wieder benutzt, ihn maßlos betrogen und war längst mit der „tödlichen Schönheit“ verschwunden, während sich er Sorgen um sie machte. Das war die einzige Eventualität, falls er sie nicht würde auffinden können, die ihm einfiel, er aber jedoch nicht bereit war, dies auch nur ansatzweise zu akzeptieren. Bei allem was sie Beide in der letzten Zeit hatten durchmachen müssen, zweifelte er zum ersten Mal seit langen nicht an der Aufrichtigkeit Irinas, wenn es um ihre Tochter Sydney ging.

Ohne dass es Jack überhaupt wahrgenommen hatte, war jemand hinter ihm aufgetaucht.
„Keine Bewegung!“, rief ihm ein stämmiger Wachmann drohend zu und drückte dem grau melierten Agenten hart eine Waffe an den Hinterkopf.

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Obwohl sich ihr gesamter Körper heftig dagegen wehrte, hielt sich Irina mit äußerster Mühe wach, denn sie durfte keinesfalls die Augen schließen. Dann wäre sie endgültig verloren- und tot. Keuchend und nach Luft ringend kämpfte sie gegen das Gift an, welches ihren Verstand benebelte und sie immer weniger klar denken ließ. Allerdings hatte sie nicht vor aufzugeben, auch wenn es eine ersehnenswerte Verlockung für sie war keine Schmerzen mehr zu spüren und einfach loslassen zu können.     
Doch die Gedanken an Sydney trieben die ehemalige KGB-Agentin voran und gaben ihr den Mut und die Kraft um nicht zu kapitulieren, sondern um ihr Leben zu kämpfen. Ihre Tochter war der Grund für ihre innere Stärke, durch die sie Hoffnung schöpfte und ihr sicheren Halt in düsteren Tagen gab. Das war immer schon so gewesen. Und würde nie anders sein. Selbst als sie, Irina, vor langer Zeit noch Gefangene beim KGB gewesen war, war Sydney neben Jack stets der einzige Mensch, der verhindert hatte, dass man ihren Willen brach. Sydney und auch Jack gaben der Russin ihre fast verloren gegangene Lebenskraft wieder zurück.

Die Auswirkungen des Giftes auf ihren Körper und ihren Geist fühlte sie von Minute zu Minute deutlich stärker in sich. Sie musste hier unbedingt heraus. Und zwar schnell.
Irina bemühte sich unter großen Schmerzen wieder aufzustehen um eine anderen Ausweg zu finden, was ihr nur sehr schwer gelang. Dazu suchte sie nach irgendeiner Art von Stütze mit deren Hilfe sie sich aufrichten konnte. Mit der linken presste sie sich den Stoff ihrer Kleidung gegen Mund und Nase, mit der rechten Hand tastete sie schwerfällig über den kalten Fußboden und alles was sie fand, war eine schier unscheinbare Wölbung inmitten des Bodens. Die    Russin hielt in ihrer Bewegung inne. Irgendetwas befand sich genau darunter. Ein Hohlraum? War das etwa ihre Rettung? Gab es doch noch Hoffnung? Ihr gelang es nach wenigen Augenblicken mit ihrem Messer den kleinen Abschnitt unter dem sich die Unebenheit abzeichnete zu öffnen. Im Inneren der Vertiefung verbarg sich ein Hebel, den Irina nicht lange zögerte umzulegen. 

Mit einem erleichterten und tiefen Seufzer stellte sie fest, dass die zentimeterdicke Tür aus Metall sich vor ihren Augen entriegelte. Sie benutzte ihre allerletzte Kraft um sich schnellstmöglich aus der Gefahrenzone zu bringen und kroch keuchend aus der Halle. Die ehemalige KGB-Agentin musste gegen die herannahende Bewusstlosigkeit und ihre anhaltende Atemnot ankämpfen, die sie zu übermannen drohten. Sie zwang sich ihren Körper zu kontrollieren und einem Zusammenbruch um jeden Preis zu verhindern. Das einzige, was sie jetzt nicht durfte, war ohnmächtig zu werden. Vollkommen erschöpft hoffte sie darauf, dass es früher oder später abebben würde, wenn sie sich einen kleinen Moment der Ruhe gestattete. Sie hatte es geschafft! Jedoch war es damit nicht vorbei- noch lange nicht.

Noch immer hustete und keuchte sie heftig und ihre Atemwege schienen die dringend benötigte Luft nicht aufnehmen zu wollen. Irina hatte das Gefühl langsam aber sicher zu ersticken. Nach einigen Minuten, in denen sie hilflos nach Luft rang, schwand das Erstickungsgefühl jedoch gänzlich und zurück blieb eine von den Strapazen dieser Handlung gekennzeichnete, physisch geschwächte Russin. Zu ihrer eigenen Überraschung richtete sich Irina in nur wenigen Sekunden wieder vollkommen auf und hastete so schnell wie sie in ihrem momentanen Zustand konnte, den Gang hinunter ohne Rücksicht auf ihre Lunge zu nehmen, die bei jedem Schritt höllisch brannte. Genau wie auch alles anderen ihres Körpers zu brennen schien. Sie musste sich zum Ausgang begeben. Und zu Jack. Der Gedanke an ihn machte sie stärker, sodass sie weniger an die Schmerzen dachte als an ihn.

Irina war nur wenige Schritte gegangen und alles was sie noch bei Kräften hielt, war ihre Familie. Jack und Sydney.
Plötzlich hörte sie das Geräusch von Schritten, die so leise waren, dass die ehemalige KGB-Agentin sie beinahe nicht wahrgenommen hätte. Sie blieb stehen und lauschte aufmerksam. Diesen Gang kannte sie viel zu gut, denn nur jemand wie er konnte sich so fortbewegen. Im nächsten Augenblick kam Jack in ihr Sichtfeld und sie blinzelte mehrmals, aus Furcht, es könnte sich um eine reine Einbildung handeln, die aus ihrem Kontakt mit der Pflanze zurückzuführen war. Glücklicherweise stellte Irina jedoch fest, dass es sich nicht um ein Trugbild von Jack handelte.

Sofort war er bei ihr und musterte sie besorgt. „Ist mit dir alles in Ordnung? Bist du verletzt?“, wollte Jack als erstes wissen und bot sich an, sie zu stützen, als er bemerkte, wie sie trotz ihrer Stärke, die jede der Derevko-Frauen besaß, zusammenzubrechen drohte. Es musste Irina doch viel mehr Anstrengung gekostet haben als er angenommen hatte. Er wollte noch mehr sagen, so vieles, was ihm durch den Kopf ging, aber schlussendlich beschränkte er sich für den Moment nur auf diese Fragen.
„Es geht mir gut. Mir fehlt nichts.“, antwortete die Russin, aber wusste noch im selben Moment, dass er ihre so offensichtliche Lüge schon erkannt hatte. Es ging ihr alles andere als gut, trotzdem stieß sie mit einer selbst für sie ungeahnten Energie auf sanfte, aber doch entschiedene Weise seinen Arm von sich weg. „Lass uns jetzt endlich gehen. Bitte.“  
Irina konnte es momentan nicht ertragen und war es auf Grund dessen auch nicht gewohnt, Hilfe von anderen anzunehmen. Insbesondere dann, wenn diese Person ihr Mann war. Sie war keine Invalidin- noch nicht- und konnte außerdem ganz gut alleine gehen, ohne Unterstützung dazu zu benötigen. Allerdings verlor Jack zu ihrem Erstaunen kein einziges Wort darüber, stattdessen musterte er sie nur für ein paar Sekunden schweigend.

Jack war unwahrscheinlich erleichtert, dass sie noch am Leben war und es tatsächlich geschafft hatte. Wenn er auch noch den Menschen verloren hätte, den er abgesehen von Sydney ebenfalls liebte, hätte er es sich niemals verzeihen können nichts getan zu haben um seine Frau zu retten.
„Warte, Irina.“ Er ergriff ihren Arm und zwang sie stehen zu bleiben. Dieses Mal reagierte sie darauf ohne jegliche Gegenwehr und machte nicht den geringsten Versuch der Befreiung, was Jack nur noch mehr in seiner Ansicht bestätigte, dass es ihr keinesfalls so gut ging wie Irina behauptete. Und tatsächlich fiel ihm auf, dass sie ziemlich müde und erschöpft wirkte, obgleich noch immer der einzigartige Glanz in ihren Augen zu finden war, der ihn so dermaßen  faszinierte. „Gib mir das Gegenmittel bevor wir aufbrechen.“, forderte Jack sie auf und hielt seine Hand erwartungsvoll ausgestreckt zu ihr hin.
Die ehemalige KGB-Agentin übergab ihm nach kurzem Abwägen die kleine quadratische Box, behielt die andere aber für sich.

Bei dieser Gelegenheit entriss Irina ihm seine Waffe und richtete sie nun auf Jack, der zu verblüfft war um rechtzeitig zu agieren. Mit der Waffenmündung zielte sie genau auf seinen Brustkorb.
„Es ist an der Zeit für mich zu gehen.“, äußerte sie mit einem Ansatz von Traurigkeit in der Stimme. „Kümmere dich gut um Sydney. Sie wird dich mehr denn je brauchen, viel mehr  als sie mich jemals gebraucht hat. Und sie wird Antworten von dir haben wollen. Ich weiß, du wirst ihr diese Antworten geben und alles in deiner Machtstehende tun um sie zu beschützen. Wenn es sein muss auch vor mir, stimmt’s?“
Doch Jack hielt es nicht für nötig auf die letzte Frage etwas zu entgegnen, da Irina ohnehin Recht hatte was Sydney betraf und sie dies gewiss auch wusste. Der ergraute Agent war sich nicht sicher ob er die ganze Zeit mit seinen Vermutungen nach Irinas wahrer Gesinnung richtig gelegen hatte und ob das jetzt noch irgendeine Bedeutung hatte. Sollte er sich so in sie getäuscht haben? Hatte Irina nur wieder ihre eigenen Interessen im Sinn? Oder traf sie ihre Entscheidungen nach anderen, tiefgründigeren Motiven?    

Sein Schweigen war der Russin Antwort genug. Sie brachte ein trauriges und gleichzeitig schmerverzehrtes kurzes Lächeln zustande, was sich mit ihren Leiden- sowohl körperlich als auch seelisch- vermengte.
Noch immer hatte Irina ihre Hand am Abzug der Waffe, aber sie wollte keinesfalls schießen. Was tat sie da eigentlich?! Sie bedrohte Jack mit einer 9mm! Was war nur in sie gefahren?! Doch sie hatte nicht die geringste Wahl, in diesem Fall musste sie auf diese Art handeln.  
„Ich habe nicht vor dir weh zu tun, Jack.“ Beinahe schon flehentlich sah sie ihn an und hoffte, er würde ihr dies irgendwann einmal verzeihen. „Außer du zwingst mich dazu. Ich bin mir sicher, dass du mich niemals wirst gehen lassen- egal wie sehr ich dich darum bitte, es zu tun.“
Langsam und ohne den Blick von ihm zu wenden, ging die Russin mit erhobener Waffe rückwärts in Richtung Ausgang, während Jack wehrlos stehen geblieben war und seinerseits stumm Irina beobachtete.

Gerade als die ehemalige KGB-Agentin sich weit genug entfernt hatte und sich vollends umdrehen und fliehen wollte, begann sich erneut ihre ganze Umgebung zu rotieren. Ihr wurde schwarz vor Augen. Irina wollte irgendetwas dagegen tun, doch das einzige, was sie unternehmen konnte, war, ihre Hand gegen den Kopf zu pressen und eine Sekunde die Lider zu schließen und zu hoffen, der Schwindel und die Schmerzen mögen nachlassen. Sie fühlte sich so schwach...
Es dauerte nicht lange, da kam Jack zu ihr geeilt und nahm ihr die gefährlich Waffe ab, wogegen sie sich überhaupt nicht widersetzte. Er war gerade noch rechtzeitig gekommen um Irina aufzufangen bevor sie auf den harten Fußboden gestürzt wäre. Sanft hielt Jack sie fest und schlang ihre kraftlosen Arme um seine Hals damit er sie stützen konnte.
Die ehemalige KGB-Agentin hatte weder die Kraft noch den Willen sich gegen ihn zu Wehr zu setzen, sie kämpfte gegen die Bewusstlosigkeit an, die sich immer mehr ausbreitete.
Gemeinsam verließ Jack, der die geschwächte Irina trug, den Gebäudekomplex.

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Auf dem Parkplatz der Anlage fanden sie ein Auto, welches Jack eilig kurzschloss, Irina auf den Beifahrersitz ablud und sich selbst dann hinters Lenkrad setzte. Er startete den Motor und fuhr mit quietschenden Reifen davon Richtung Landstraße, von der sie gekommen waren.
Er sah in den Rückspiegel. Unzählige Wachleute und auch Laboranten kamen aus dem ganzen Gebäude geeilt, jedoch verfolgten diese sie nicht. Es wurde auf sie geschossen! Die Geschosse sausten an ihnen vorbei wie grelle Blitze am Himmel und trafen einige Male sogar die Karosserie, aber die Reifen wurden zur Erleichterung von Jack weit verfehlt.
Sein Blick huschte für einen Augenblick zu Irina herüber und blieb kurz an ihr haften, als er bemerkte, dass sie wieder zu Bewusstsein kam nachdem sie minutenlang die Augen geschlossen hatte.

Sie hielt ihm die offene Handfläche entgegen und anscheinend erwartete sie etwas von ihm zu bekommen.
„Die 9mm, Jack. Schnell!“, verlangte Irina immer noch um Stärke bemüht zu zeigen.
Mit einem merkwürdigen Gefühl in der Magengegend händigte der ergraute Agent ihr die Waffe aus, da er wusste, dass er alleine nie die Widersacher würde bekämpfen können. Sogleich benutzte Irina die Waffe dazu, um sich auch dem geöffnetem Fenster zu neigen und mit ungeheurer Kraftaufwendung wieder und wieder Schüsse auf die feindlichen Personen abzugeben, während Jack den Wagen steuerte.

Nachdem sie nach einiger Zeit in weiter Entfernung der Pflanzenanlage waren, lehnte sich die Russin erschöpft im Sitz zurück und atmete ein paar Mal tief durch. Das Atmen bereitete ihr Schwierigkeiten und auch sonst fühlte sie sich krank.
Das Schweigen wurde von Irina gebrochen, als diese schließlich kaum hörbar flüsterte: „Warum hast du das getan? Warum hast du mich gerettet, Jack? Du hättest mich ganz einfach dort zurücklassen können.“
Die Straße schien nun unwichtig zu sein und so schweifte Jacks Blick zu Irina. Ehe er antwortete sah er kurz auf die Straße und dann wieder zu ihr zurück um seine Gedanken zu sammeln. „Ich würde dich niemals im Stich lassen, Irina. Egal, was auch geschieht.“ Das war das einzige, was er dazu sagte, allerdings war auch mehr nicht erforderlich. Jack wusste, dass sie ihn verstanden hatte, auch wenn er sich bewusst darüber war, dass sie es möglicherweise gar nicht behalten würde falls sie bewusstlos wurde.
Sie lächelte und schloss ihre Augen. Sie wollte schlafen- nur für einen kurzen Moment.
Als Jack ein weiteres Mal zu Irina hinüberblickte, hatte sie ihren Kopf zur Seite geneigt und er hörte ihren gleichmäßigen Atem in der Stille. Sie war eingeschlafen. Seine Hand strich behutsam eine Strähne aus ihrem Gesicht und berührte sanft ihre Wange, die sich so weich und gut anfühlte und streichelte sie zärtlich. Doch ihre Haut fühlte sich heiß an; sie glühte förmlich.
Äußerst besorgt beschleunigte Jack den Wagen und hoffte fest, es möge noch nicht zu spät sein um seine Frau und auch seine Tochter zu retten.