Traum oder Wirklichkeit

„So, alles erledigt.“ meinte Sydney und ließ sich erschöpft in das Sofa neben ihren Freund und Arbeitskollegen Michael Vaughn fallen.

„Francie und Will kümmern sich um das Appartement während wir weg sind und mein Schreibtisch bei der CIA ist so leer wie noch nie.“ scherzte die Agentin. So glücklich, wie in diesem Moment war sie schon lange nicht mehr gewesen. Zwar hatte sie heute Vormittag noch einen schlimmen Streit mit ihrem Vater gehabt in dem es – wie fast immer – um ihre Mutter ging…

Doch für dieses eine Wochenende, das erste gemeinsame Wochenende mit ihrem Partner, wollte Sydney alle ihre Probleme zu Hause lassen und alles, was ihre Mutter, Sloane oder Rambaldi betraf, vergessen.

Morgen in der Früh würden sie schon im Flugzeug nach Alaska sitzen. Vaughn hatte eine nette kleine Hütte in den Bergen für das Wochenende gemietet wo sie ungestört Zeit miteinander verbringen konnten.

„Was ist los? Du bist so still? Freust du dich denn gar nicht auf unser Wochenende?“ fragte Syd nach.

„Syd, bitte hör zu…“ antwortete Vaughn mit einer ruhigen, aber dennoch besorgten Stimme.

Oh nein, Syd konnte ahnen, was jetzt kommen würde. Sie kannte diesen Tonfall nur allzu gut.

„Michael bitte. Nein, das kannst du uns jetzt nicht antun. Egal was es ist. Die Arbeit muss einfach bis Montag warten. Du weißt, wie sehr ich mich auf unseren Urlaub gefreut haben.“ fiel sie ihm ins Wort.

„Sei nicht ungerecht, du weißt, dass ich mich ebenfalls schon sehr auf das Wochenende gefreut habe, aber Kendall…“ antwortete Vaughn immer noch bemüht ruhig zu bleiben.

„Weißt du was, ich habe es so was von satt! Dann fahr ich eben alleine! Wir sehen uns montags!“ sprudelte es ärgerlich aus Syd heraus und sie bugsierte Vaughn kurzerhand aus dem Appartement hinaus…


Im Flieger nach Alaska beobachtete Sydney ein bisschen neidisch ein, wie sie annahm, frisch verliebtes Paar, das in der Reihe vor ihr saß. Sie vermisste Vaughn schrecklich. Hatte sie die richtige Entscheidung getroffen? Einfach alleine wegzufahren? Wie oft hatte sie selbst ihr Privatleben schon zurückgestellt und hatte gearbeitet. Allerdings gab es außer ihr wohl kaum einen Agenten bei der CIA, bei dem sich diese zwei Lebensbereiche so oft überschnitten wie bei ihr.


Am Flughafen schnappte sich Syd sofort ein Taxi und fuhr damit zu der Ranger Station, in der bereits ein Kanu auf sie wartete, mit dem sie über den wilden Fluss zu der einsamen, aber romantisch gelegenen Hütte gelangen sollte.

Zum Glück war es kein Problem, ein kleineres Kanu zu bekommen. Nachdem Syd ihr Gepäck verstaut hatte und ein kurzes „Einführungsgespräch“ mit dem Ranger über den Fluss hinter sich gebracht hatte, konnte die Reise endlich losgehen.

Sydney paddelte gemütlich los. Sie genoss es sichtlich, die Natur auf sich wirken zu lassen. Schon nach kurzer Zeit konnte sie ihre Probleme zumindest für eine Weile hinter sich lassen und beobachtete die Wälder und Berge, an denen sie vorbeikam.

Der Fluss hatte anfangs den Schwierigkeitsgrad 2, und war demnach auch für Anfänger geeignet.

Verträumt blickte Sydney der Sonne zu, wie sie langsam aber sicher hinter den Bergen verschwand. Wie spät war es eigentlich? Hätte sie den Aussagen des Rangers zu folge nicht längst bei der Hütte ankommen müssen? Sie wurde leicht nervös und ärgerte sich über sich selbst, dass sie so gedankenlos durch die Gegend gepaddelt war. Plötzlich spritzte ihr eine Gischt des kalten Gebirgswassers mitten ins Gesicht. Der Fluss wurde mit jedem Meter wilder. Syd kam ein schrecklicher Gedanke – sie hatte es verabsäumt, in einen Seitenarm des Flusses abzubiegen. Der Ranger hatte sie davor gewarnt, denn auf dem Hauptfluss würde der höchste Schwierigkeitsgrad „High 5“ auf sie warten.

Doch Sydney war erfahren genug, um in dieser brenzligen Situation keine Panik aufkommen zu lassen. Sie versuchte so gut wie möglich, die Stromschnellen zu bewältigen. Sie paddelte bis zur Erschöpfung und als sie schon erleichtert durchatmen wollte, bemerkte sie, dass sie geradewegs auf einen Wasserfall zusteuerte. Es war bereits zu spät, um noch ein verzweifeltes Manöver um an das Flussufer zu gelangen durchzuführen. Der wilde Fluss riss das kleine Kanu und seine Insassin mit in die Tiefe…


Sydney wurde aus dem Boot geschleudert und unter Wasser gedrückt. Sie kämpfte mit allen ihr zur Verfügung stehenden Kräften um wieder an die Wasseroberfläche zu gelangen. Wie in Trance schaffte sie es schließlich, das Ufer zu erreichen. Mit allerletzter Kraft hievte sie sich auf einen Felsen, wo sie dann zusammenbrach und die Welt um sie wurde dunkel…


Ein Mann, der ein Stück weiter Fluss abwärts beim Fischen war, hatte die Szene beobachtet. Schon als er erahnte, dass das Kanu kentern würde, hatte er seine Sachen zusammengepackt und eilte flussaufwärts zu dem Wasserfall.

Bei Sydney angekommen hielt der dunkel gekleidete Mann mit den kurzen blonden Haaren kurz inne. Nein, das konnte nicht sein. Er kannte die Frau, die hier bewusstlos und völlig durchnässt vor ihm lag. Das war Sydney Bristow! Wie kam sie bloß hierher? Konnte das ein Zufall sein?

Kurzerhand packte er Sydney und trug sie zu seinem Boot. Der Fluss wurde nach dem Wasserfall wieder ruhiger und er konnte gefahrlos befahren werden. Nach kurzer Zeit kamen die beiden bei der Hütte des mysteriösen Fremden an. Da Syd noch immer bewusstlos war, trug der Mann sie zur Hütte, zog ihr die nassen Sachen aus und steckte sie in Decken eingehüllt in das Bett. Dann ging er noch einmal raus um Holz zu holen.

Als Sydney nach zwei Stunden langsam zu sich kam, brannte schon ein wohlig warmes Feuer im Kamin.

Die Agentin griff sich auf den Kopf der etwas schmerzte. Was war geschehen und wo war sie? Sie versuchte sich aufzurichten und ließ ihren Blick durch den Raum schweifen.

„Na, weilen Sie wieder unter den Lebenden?“ meinte eine ihr wohl bekannte Stimme wie immer etwas überheblich aus dem hinteren Teil der Hütte. Dann trat Er ins Licht.

„Was zum Teufel…? Wie kommen Sie denn hierher?“ entfuhr es Sydney.

„Wie es aussieht haben wir den gleichen Geschmack wenn es darum geht, unsere Urlaubsorte auszusuchen, Agent Bristow.“ antwortete der Mann und trat näher auf das Bett zu.

Sydney wollte schon in Angriffsposition gehen, als sich der Blick ihres Gegenübers plötzlich veränderte. Er blickte Sydney besorgt an und meinte dann: „Wenn ich ehrlich bin habe ich mir schon Sorgen um dich gemacht. Ich bin froh, dass du keine schweren Verletzungen hast. Der Sturz über den Wasserfall hat schlimm ausgesehen.“

Sydney blickte ihn verwirrt an. Was sollten diese sanften Töne? Sie war auf der Hut vor ihm, ließ es aber dennoch zu, dass er sich neben sie auf das Bett setzte.

Er reichte ihr fürsorglich eine Tasse heißen Tee. „Hier, trink das. Das wird dir gut tun.“

Nach kurzem zögern griff Syd nach der Tasse. Der Tee war tatsächlich eine gute Idee. „Danke … ähm …“ Sydney war verwirrt, dass sie der Mann auf einmal duzte. Sie kannte ja nicht einmal seinen Vornamen, also vollendete sie ihren Satz mit: „danke…, Mr. Sark.“


Eine peinliche Stille umhüllte den Raum. Sark saß immer noch neben ihr auf dem geräumigen Bett. Syd merkte, wie eine wohlige Wärme langsam in ihr Hoch stieg. Der Tee hatte anscheinend nicht nur aus Wasser bestanden. Sie fuhr sich an die Wange und merkte, dass diese schon rich-tig glühte. Als sie ihre Hand wieder senkte, hatte sie etwas Blut an den Fingern. Auch Sark war dies nicht entgangen. Er nahm ein sauberes Tuch und tupfte ihr die kleine Platzwunde an der Schläfe ab. Seine Berührungen waren so sanft, dass sich Syd dabei ertappte, wie sie es genoss.

Es schwirrten tausend Fragen in Sydney’s Kopf herum. Sie dachte an ihre Freunde und Verwandten zu Hause. Und an Vaughn…

Was tat sie hier eigentlich? Sie lag mehr oder weniger nackt in einem Bett und einer ihrer größten Feinde saß seelenruhig neben ihr!

Die Agentin setzte an, um Sark eine ihrer vielen Fragen zu stellen. Doch er kam ihr zuvor und bedeckte ihren Mund sanft mit dem Zeigefinger seiner linken Hand. Er hauchte ihr ein leises „Sch…“ ins Gesicht. Es war so gar nicht Syndey’s Art, sich so etwas gefallen zu lassen, doch der Ärger der letzten Tage und der mit reichlich Alkohol versehene Tee gaben ihren Beitrag dazu, dass Syd etwas zuließ, was sie nie für möglich gehal-ten hatte.

Offensichtlich wollte auch Sark über seinen Schatten springen und sein Leben für diesen einen sinnlichen Moment hinter sich lassen. Sie verstanden sich dem Anschein nach – zumindest im Bett – ohne Worte.

Sark rückte ein Stück näher und fing an, Sydneys Nacken zärtlich mit Küssen zu verwöhnen. Dann arbeitete er sich langsam zu ihrem Mund vor. Seine Küsse, anfangs sehr vorsichtig und zärtlich, wurden fordernder und seine Zunge bahnte sich unaufhaltsam ihren Weg bis sie auf Sydney’s traf.

Sydney begann damit, Sark das Hemd Knopf für Knopf aufzumachen. Als er sich endgültig seines Kleidungsstückes entledigt hatte, trafen ihre Münder wieder aufeinander.

Sark wandte sich nun den unteren Regionen von Sydneys Körper zu und sie stöhnte leicht auf.

(nähere Details überlass ich dann mal eurer Phantasie *g*)

Dieser Moment war einer der unglaublichsten in Sydney Bristows Leben. Sie konnte es nicht fassen, was hier vor sich ging und noch weniger, wie sehr sie es genoss. Einer ihrer größten Feinde, hier mit ihr im Bett! Gott, wenn dieser Augenblick doch nur für immer währte, dachte Sydney als er sie zum Höhepunkt brachte.

„Das war einfach unglaublich.“ flüsterte Sark in Sydney’s Ohr nachdem er sich erschöpft neben sie hatte fallen lassen. Er legte den Arm um sie und zog sie näher zu sich.

Sydney kuschelte sich an ihn. „Ja, das war es. Wenn die Dinge anders laufen würden…“ Sie konnte den Satz nicht vollenden und beschloss lieber zu schweigen, den Augenblick zu genießen und kurz darauf entschlummerte sie sanft…


Als Syd am nächsten morgen zu sich kam, hatte sie immer noch Kopfschmerzen. Sie setzte sich langsam auf und brauchte eine Weile, bis sie begriff wo sie sich befand.

Langsam aber sicher kamen auch die Erinnerungen an den gestrigen Tag und – die gestrige Nacht! Syd erschrak. Was hatte sie sich nur dabei gedacht?? Sicher, die Nacht war wunderschön, aber sie hatte keinen einzigen Gedanken an den nächsten Tag verschwendet.

Syd stand auf und zog sich ihre mittlerweile trockenen Sachen an. Von Sark war nirgends etwas zu sehen. Sie blickte sich in der Hütte um. Überhaupt sah es so aus, als sei er nie hier gewesen. War das alles etwa nur ein Traum gewesen? Hatte sie eine schwerere Kopfverletzung erlitten als zuerst angenommen? Aber, selbst wenn ihr ihr Erinnerungsvermögen hier einen Streich spielte und diese unglaubliche Liebesnacht mit einem ihrer größten Feinde gar nicht real stattgefunden hatte – wie war sie dann in diese Hütte gekommen? Und, wer hatte sie auf das Bett gelegt? Wo war diese Person jetzt?

Während sie einen Rundgang rund um die Hütte machte, grübelte sie noch eine Weile vor sich hin. Alles war verlassen. Nichts zeugte davon, dass außer ihr noch ein menschliches Wesen in der Nähe war.
Bis auf ihr Kanu, das am Flussufer mehr oder weniger bereits auf sie wartete.

Sie ging in die Hütte zurück und schnappte sich ihre Jacke. Dann drehte sie diesem eigenartigen Ort den Rücken zu. Ohne sich noch einmal umzusehen stieg sie in ihr Kanu und paddelte los. Sydney beschloss, zu Hause keinem etwas von ihrem Erlebten oder auch Nicht-Erlebten zu berichten. Es würde ihr kleines Geheimnis bleiben. Etwas, das sie selbst nicht ganz verstand und auch war ihr bewusst, dass ein Teil ihres eigenen Geheimnisses wahrscheinlich für immer vor ihr verborgen blieb. Eine Frage würde sich für den Rest ihres Lebens in ihr Gehirn brennen. War diese eine Nacht real? Oder hatte sie nur fantasiert? Würde sie je die Wahrheit erfahren? Vielleicht von Sark selbst? Ob sie sich wohl je wieder sehen würde? Und wenn ja, konnte sie dann seinen Worten auch glauben schenken?

Auf diese und weitere Fragen würde Sydney wohl nie Antworten bekommen. Vielleicht war das auch gut so. Und vielleicht lagen Traum und Wirklichkeit tatsächlich näher beieinander, als Sydney in dem Moment ahnen konnte…

Die Story ist NSDerevko gewidmet.