8. Loyalty Part II
Die Waffe in Nadias Hand zitterte als sie sie runter nahm. Kingsleys Kopf lag vorn über gebeugt auf dem Lenkrad. Aus seinem Hinterkopf lief Blut, das von dem Kopfschuss kam, mit dem die Agentin ihn getötet hatte.
Nicht nur Nadias Hand zitterte mittlerweile, ihr ganzer Körper begann zu zittern als ihr immer mehr bewusst wurde, was sie gerade getan hatte. Sie versuchte sich damit zu trösten, dass sie Kingsley getötet hatte um Sydney, Eric und sich selbst zu schützen, wusste die Agentin doch wie gnadenlos die Rache des Covenant sein konnte.
Die Schwarzhaarige holte das Stahlmesser aus ihrer Tasche und legte Kingsleys Kopf auf den Beifahrersitz, dann schnitt sie seinen Kopf ab, wickelte ihn in ein Tuch und ließ ihn in einer Tasche verschwinden. Anschließend zündete sie das Auto an und verließ die Garage, während hinter ihr die Leichte mitsamt Wagen explodierte. Ihr nächster Weg führte Nadia aber nicht zurück zu Katya.
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Moskau,
Russland
„So das hier ist alles.“ Sergej war hinter dem Berg aus Akten und Papier gar nicht zu sehen. Erst als er alles abstellte, konnte Irina ihn dahinter erkennen. „Mehr konnten wir über Michael Vaughn nicht finden.“ Der Russe klang selbst ein wenig frustriert. Nicht weil ihm das Schicksal von Michaels Mutter Monique sonderlich am Herzen lag, sondern vielmehr, weil der Entführer auch das Rambaldi-Artefakt hatte, das Irina und ihr Team unbedingt an sich bringen wollten, bevor der Covenant davon erfuhr.
Auch Derevko wusste, dass ihnen die Zeit davon lief, versuchte aber sich so wenig wie möglich anmerken zu lassen. Der Druck auf Sydney und Vaughn war so schon groß genug. Die ehemalige KGB-Agentin wollte ihn durch ihre Besorgnis nicht noch weiter erhöhen.
„Bist du sicher, dass wir hier finden wonach wir suchen?“ fragte Jack vorsichtig, was Irina in ihrer Aufmerksamkeit von Sergej zu ihrem Mann wechseln ließ. Sie wirkte irritiert und so fuhr der grau melierte Agent fort: „Bis jetzt wissen wir ja noch nicht mal wer Monique Vaughn und das Rambaldi-Artefakt hat.“
„Ich glaube, dass der Täter weniger an dem Artefakt interessiert war.“
Allmählich verstand Jack worauf seine Frau hinaus wollte. Der Gedanke war absolut logisch und nachvollziehbar. „Du denkst es ist ein Racheakt an Michael und um die Organisation zum Handeln zu zwingen, hat die Person auch das Rambaldi-Artefakt gestohlen.“
Ein finsterer Ausdruck fegte über Irinas Gesicht, während ihr Blick stur geradeaus gerichtet war. Plötzlich setzte sie sich in Bewegung und steuerte auf ihre Bürotür zu, ihr Mann folgte ihr. „Mich beunruhigt nur was diese Person alles über Vaughn weiß. Wenn Sydney das nächste Ziel ist…“ Die ehemalige KGB-Agentin verärgerte dieser Gedanke so sehr, dass sie den Satz gar nicht erst vollenden konnte. Sie wusste aber, dass Jack auch so verstand was sie meinte.
Auch über sein Gesicht legten sich Schatten. „So weit wird es nicht kommen.“ Es war mehr ein Versprechen, eine Drohung, als nur der klägliche Versuch seiner Frau Hoffnung zu machen. Irina wusste wozu Jack imstande war, wenn es darum ging Sydney zu schützen, ging es ihr doch nicht anders.
Die beiden Agenten erreichten das Besprechungszimmer. Und Jack, der schon den Mund geöffnet hatte um seinem Satz noch etwas hinzuzufügen, verstummte sofort als er das Bild sah, das sich ihm bot. Fotos, Protokolle und Pläne lagen ausgebreitet auf dem Tisch. Darauf hatte Sydney ihren Kopf gebettet und schlief, Michael daneben lehnte mit seinem Kopf an Sydneys Schulter.
Vater und Mutter beobachteten ihre schlafende Tochter mit einem liebevollen Gesichtsausdruck. „Ich hole Kaffee und du weckst die Beiden“ schlug Jack vor, worauf die Russin ihm mit einem Nicken antwortete.
Vorsichtig trat sie näher und berührte ihre Tochter leicht an der Schulter. „Sydney?“ sagte sie leise. Keine Reaktion, ihre Tochter regte nur den Kopf ein wenig. Es schien fast so als ob sie lächle. Am liebsten hätte Irina sie weiter schlafen lassen, aber im Moment brauchten sie jede Hilfe, die sie kriegen konnten. „Sydney?“ versuchte die ehemalige KGB-Spionin es erneut.
Endlich räkelte sich die Braunhaarige und öffnete langsam ihre Augen, genau wie der blonde Agent neben ihr.
„M-Mom?“ stammelte die CIA-Agentin.
Derevko schenkte ihr das wärmste Lächeln. „Hey“ machte sie liebevoll.
„Wie spät ist es?“ Sydney suchte ihre Armbanduhr bis ihr einfiel, dass sie sie abgenommen hatte nachdem sie und Vaughn von ihrem missglückten Einsatz zur Organisation zurückgekehrt waren.
„Früh morgens. Ihr habt die ganze Nacht gelesen und seid wohl eingeschlafen.“
Michael rieb sich die Augen und gähnte herzhaft. „Gibt es schon etwas Neues?“
„Wir verfolgen einige Spuren. Agent Vaughn, suchen sie Weiss und schicken sie ihn zu mir“ wandte sich Irina in ihrer Aufmerksamkeit von ihrer Tochter ab und dem jungen Mann zu.
Obwohl Michael lieber mehr darüber erfahren hätte was für Spuren das waren, hielt er sich zurück Irina weiter auszufragen. Immerhin, dessen war sich Michael bewusst, würde es ihm nur mit ihrer Hilfe gelingen seine Mutter zu retten. „Ja, Ma’am“ antwortete er deshalb nur, gab Sydney einen flüchtigen Kuss auf die Wange und verließ den Besprechungsraum, traf an der Tür auf Jack, der ihm einen guten Morgen wünschte. Doch Vaughn antwortete nur mit einem übellaunigen Brummen.
Kaum war der Blonde außer Hörweite und hatte Jack seiner Tochter eine Tasse Kaffee gereicht, wandte sich Derevko erneut an ihre Tochter: „Sydney, ich will ehrlich sein. Ich will Vaughns Mutter finden und das Rambaldi-Artefakt, aber ich möchte Vaughn so weit es geht aus den Ermittlungen raushalten.“
Die brünette Agentin zog überrascht die Stirn kraus. Sie war allein schon deshalb nicht mit diesem Plan einverstanden, weil sie wusste, dass sie genauso würde einbezogen wollen, läge der Fall umgekehrt und ginge es um einen Elternteil von ihr oder um ihre Schwester. „Das verstehe ich nicht.“ Sydney wechselte in ihrem Blick von Irina zu Jack.
„Wir vermuten, dass diese Aktion ein Racheakt gegen Vaughn war. Es geht um seine Mutter. Da könnten ihm Fehler unterlaufen und ihr beide könntet in große Gefahr geraten“ erklärte Jack seiner Tochter geduldig, während er sich halb auf den Tisch setzte und die Hände ineinander faltete.
„Ich bin jeden Tag in Gefahr, Dad. Das ist für mich nichts Neues. Es geht hier um seine Mutter! Ihr könnt Vaughn nicht einfach ausschließen!“ sagte die Agentin ruhig, aber bestimmt.
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Zürich,
Schweiz
„Derselbe Tisch wie immer, Mister Sloane?“ fragte ein Schweizer in gebrochenem Englisch und lächelte dem grauhaarigen Mann freundlich zu. Arvin erwiderte es und bejahte.
Der Kellner verneigte sich und bedeutete dem ehemaligen SD-6-Leiter voran zu gehen.
Ihr Weg führte die beiden Männer in einen abgeschirmten Bereich des Restaurants. Dort wo niemand Zeuge von den Geschäften Sloanes werden konnte. Niemand, nicht einmal die CIA.
Normalerweise fand Arvin seinen Platz leer vor, doch nicht dieses Mal. Jemand mit einer Speisekarte vor dem Gesicht saß an seinem Tisch und noch bevor der grauhaarige Mann fragen konnte wer sich erdreistete an seinem Platz zu sitzen, nahm die Person die Speisekarte herunter, offenbar die Frage erwartend, die Sloane auf der Zunge lag.
Das Gesicht des ehemaligen Allianz-Mitgliedes hellte sich auf, als er die Person erkannte.
„Hallo, Dad“ begrüßte ihn Nadia kühl.
„Lassen sie uns allein“ wandte sich Sloane an den Kellner und blieb eine Weile vor dem Tisch stehen, sah sie einfach nur an, während Nadia seinen Blick nur erwiderte, dabei aber keine Emotion erkennen ließ. Er wusste, dass er ihr nichts bedeutete, dass sie ihn nicht als ihren Vater akzeptierte. Aber Arvin war sich sicher, dass das mit der Zeit kommen würde. Genau wie Sydney gelernt hatte, Irina als ihre Mutter zu akzeptieren und den Umstand, dass Nadia ihre Halbschwester war.
„Willst du dich nicht setzen?“ fragte die Agentin kühl und wies auf den Stuhl, am anderen Ende des runden Tisches. Arvin nickte und nahm vorsichtig auf dem Stuhl Platz.
„Ich kann nicht glauben, dass du hier bist“ sagte er tief bewegt von der Begegnung mit seiner Tochter, wobei seine Augen sich mit Tränen füllten. Er konnte sehen wie sehr sie sich wünschte glauben zu können, dass seine Emotionen echt waren, was im Übrigen auch der Tatsache entsprach.
Sloane wusste, dass seine Tochter von seinen Methoden und Absichten rein gar nichts hielt. „Du magst von mir halten was du willst. Aber an einer Sache darfst du nicht zweifeln, Nadia: Meine Gefühle als dein Vater sind echt. Nichts davon ist gelogen.“
Sofort senkte die junge Frau ihren Blick, schnitt eine Grimasse des Schmerzes. Sie wollte es nicht hören, wollte sich von ihm nicht einlullen lassen. Verdammt! Sie hätte es wissen müssen! Von Anfang an hätte sie damit zu Sydney oder ihrer Mutter gehen sollen, statt zu dem Mann, der ihr noch vor zwei Jahren dieses grüne Zeug injiziert hatte nur um näher an Rambaldi heran zu kommen.
„Ich möchte eines klarstellen:“ Nadia war selbst überrascht wie klar und fest ihre Stimme sich anhörte, obwohl sie sich klein und unsicher fühlte. „Ich komme nicht zu dir, weil ich meine Meinung über dich geändert habe. Ich bin nur hier, weil du im Augenblick der Einzige bist, der mir helfen kann.“
Sloane faltete die Hände ineinander, sein Gesicht spannte sich merklich an, während er sich zurück lehnte. „Du sprichst von dem Mord an Kingsley, nehme ich an?“ hakte er ernst nach.
Die Agentin wirkte überrascht. Er wusste davon? Und noch bevor sie ihn fragen konnte, gab ihr Vater ihr schon die Antwort: „Sark hat mir erzählt, dass du den Auftrag hattest Kingsley zu töten.“
Nadias Augen begannen sich urplötzlich zu weiten. Dass sie es erst jetzt begriff! Eigentlich hätte sie schon misstrauisch werden sollen als Katya sie beauftragt hatte. „Das war geplant! Du und Sark. Ihr habt das eingefädelt.“
Arvin widersprach ihr nicht. Ihm war es lieber gar nichts zu sagen als ihr die Wahrheit zu erzählen, zu erzählen, dass sie Recht hatte. Nadia sprang von ihrem Tisch auf und wollte das Restaurant verlassen, doch der ehemalige Leiter von SD-6 war zeitgleich aufgestanden und hielt sie nun am Arm fest. „Geh nicht, Nadia. Wenn du es tust, werden Sydney und deine Mutter bald erfahren was du getan hast.“ Die Schwarzhaarige sah nachdenklich aus. „ Sie würden es nicht verstehen“ erklärte Sloane sanft.
Und weil Nadia keine andere Möglichkeit sah, bat sie ihn: „Hilf mir,“ wagte dabei aber nicht ihn anzusehen. Sie schämte sich plötzlich für das was sie Kingsley angetan hatte und dafür, dass sie zu einem Kerl wie ihrem Vater ging um ihn um seine Hilfe zu bitten und hoffte, dass ihre Schwester und ihre Mutter nie etwas davon erfahren würden.
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Nadia war in einer Limousine mit ihrem Vater zu dessen Büro gefahren. Dort, so behauptete Sloane, wolle er ihr etwas zeigen. Die Schwarzhaarige war mit gefahren, obwohl sie ihm nicht traute.
Ihr Vater hatte Räume im 10. Stockwerk eines Hochhauses gemietet, das zum größten Teil einer großen, schweizer Bank gehörte. Natürlich ahnte niemand in welche Machenschaften Arvin Sloane tatsächlich verwickelt war.
Der Schreibtisch am Ende des 20 Quadratmeter großen Büros, war aus Mahagoni und glänzte im Schein der Sonne. Die riesigen Fenster boten eine herrliche Aussicht auf die Stadt. Rechts neben dem Schreibtisch befand sich eine Sitzgruppe mit einem Glastisch in der Mitte. Rechts von Nadia, direkt neben der Tür befand sich ein hölzernes Bücherregal.
Sark erwartete sie bereits. Die Agentin zeigte sich keineswegs überrascht ihn zu sehen.
„Hallo, Nadia. Schön, dass du hier bist. Es ist fast so wie früher“ lächelte er und erhob sich von der Couch, die vor dem Glastisch stand.
„Bilde dir bloß nichts darauf ein. Ich weiß wohin ich gehöre!“ zischte die Agentin.
„Ja, glaub nur was du willst. Ich weiß es besser.“
Arvin machte dem Streit ein Ende, in dem er einen Laptop aus der Schublade seines Schreibtischs holte und seine Tochter bat herzukommen. Nachdem diese das getan hatte, betätigte er einen Knopf und das Video einer Überwachungskamera wurde abgespielt. Es zeigte wie Nadia Kingsley in den Hinterkopf schoss, ihn enthauptete und das Fahrzeug anschließend in Brand steckte. Von Schuldgefühlen geplagt, seufzte die junge Frau und verschränkte die Arme vor ihrer Brust, fragte ihren Vater wieso er ihr das zeigte.
„Sieh dir das an.“ Wieder betätigte Arvin einige Knöpfe. Das Video aus derselben Überwachungskamera wurde abgespielt. Doch diesmal sah man nur das Auto in Flammen aufgehen und eine Person sich vom Tatort entfernen, aber Nadia war nicht zu erkennen.
„Das ist die Aufzeichnung, die die Polizei, das FSB und die US-Behörden zu sehen kriegen werden. Niemand wird je erfahren, dass du Kingsley ermordet hast. Katya wird natürlich erfahren, dass wir dich gedeckt haben, aber wenigstens nicht Sydney und deine Mutter. Alles was du tun musst, ist ja zu sagen.“ erklärte Julian anstelle von Sloane.
Nadias Blick wechselte von Sark zu Sloane. Und obwohl sie wusste, dass nach diesem Gefallen eine Gegenleistung von ihr verlangt werden würde, antwortete sie: „Tut es,“ und mit einigem Zögern: „Danke!“
Der ehemalige Leiter von SD-6 berührte die Agentin an der Schulter. Nadia folgte seiner Hand mit ihren Augen und sah unangenehm berührt aus. „Nichts zu danken, mein Schatz. Ich bin dein Vater. Es ist meine Pflicht dich zu beschützen.“
Die Argentinierin erwiderte nichts auf diese Worte und verließ das Büro, machte sich auf den Weg zurück nach Moskau. Eigentlich müsste ich erleichtert sein, dachte sie auf dem Weg zum Aufzug. Ihr Problem war doch eigentlich gelöst. Trotzdem fühlte sich Nadia so schlecht wie nie zuvor in ihrem Leben.
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Budapest,
Ungarn
Eine Dunstwolke aus blauem Zigarettenrauch begrüßte Sydney und Irina als sie die Bar betraten. An den Billardtischen versuchten sich einige Männer bei einem Spiel, tranken reichlich Bier und machten abfällige Witze in Richtung der beiden Frauen. Lediglich an den Tischen fanden sich ein paar Frauen, die Meisten waren aber mit ihren Ehemännern oder Freunden hier.
„Was machen wir noch mal hier?“ fragte Sydney eine Grimasse schneidend. Ihr war der Ort mehr als nur unangenehm und sie konnte es kaum erwarten so schnell wie möglich wieder von hier zu verschwinden.
„Wir treffen uns mit einem Kontakt von mir“ Irina wies nickend ans Ende der Bar, an der ein grauhaariger Kerl saß, mit Vollbart und Halbglatze. Er nippte gelegentlich an dem Bier, das vor ihm stand und grinste dümmlich als sein Blick die ehemalige KGB-Agentin und ihre Tochter fand.
Als er nickte, steuerten die beiden Frauen auf ihn zu. Irina setzte sich neben ihn, während Sydney ein wenig auf Abstand ging. Das war der Kontakt ihrer Mutter. Sie würde nur im Notfall eingreifen und sich ansonsten im Hintergrund halten. So war es mit Irina abgesprochen.
„Ist eine Weile her, Irina“ bemerkte der Grauhaarige, sah zuerst Derevko an, dann fiel sein Blick auf Sydney und etwas in seinem Gesichtsausdruck, verunsicherte die CIA-Agentin. Es schien als ob er sie kenne.
„Ist das deine….?“ Fragte er und deutete dabei auf Sydney. Irina nickte nur und wollte anfangen das Geschäftliche zu besprechen damit sie und ihre Tochter so schnell wie möglich wieder nach Moskau zurückkehren konnten. Es war nur eine Frage der Zeit bis der Covenant anfangen würde misstrauisch zu werden, womit Nadias und Sydneys Tarnung in Gefahr geraten würde. „Die Jüngere oder die Ältere?“
„Die Ältere. Ich brauche Informationen, Dimitri. Richard Schneider, ein Geschäftsmann aus München, wurde gestern bestohlen. Ich bin mir sicher, dass du weißt worum es geht.“
Dimitri wirkte gänzlich uninteressiert, holte ein Päckchen Zigaretten aus der Brusttasche seines Jeanshemdes und steckte sich Eine in den Mund. „Ich habe nicht die leiseste Ahnung wovon du redest.“ Der Grauhaarige war schon dabei den Glimmstengel anzuzünden, als Irina mit einer Handbewegung einen Bündel Euros hervorzauberte und es vor die Zigarette hielt, als wolle sie sie anzünden. Dimitri blickte sich nach allen Seiten um und fischte unauffällig nach dem Bündel.
Ein wenig zu theatralisch, fand Sydney und musste ein Grinsen unterdrücken. Dieser Kerl hatte eindeutig zu viele Filme gesehen.
„Hör zu, Irina, viel weiß ich auch nicht, klar. Nur soviel, ihr sucht am falschen Ort und wenn das FBI davon erfährt bin ich geliefert.“ Den letzten Satz sagte er bewusst mit dem Blick auf Sydney gerichtet, die neugierig geworden war.
„Was soll das heißen?“ verlangte die Jüngere der beiden Frauen zu wissen.
„Das soll heißen ihr müsst weiter in die Vergangenheit, tiefer graben, wenn ihr was erreichen wollt. Das FBI hat ein Zentralarchiv, in dem alle Mordfälle der letzten 40 Jahre gesammelt werden. Verschlusssachen.“
„Die CIA bekommt Verschlusssachen nicht zu sehen. Glauben sie mir. Ich weiß es!“ sagte Sydney mit Blick auf ihre Mutter gerichtet. Sie sprach natürlich von der Prophezeiung, ihrer Festnahme durch die DSR und wie das FBI alles über die Prophezeiung und ihre Verwicklung darin zur Verschlusssache erklärt hatte. Die Agentin war bloß froh, dass die DSR bis jetzt noch nicht auf Nadias Spur gekommen war.
„Seid ihr nun Spione, oder was?! Ihr findet schon einen Weg. Entschuldigt mich.“ Damit schmiss Dimitri ein paar Scheine auf den Tresen, verabschiedete sich von den beiden Damen und vom Barkeeper, verließ dann die Spelunke.
„Na der war uns ja eine tolle Hilfe!“ schnaubte die CIA-Agentin und nahm neben ihrer Mutter Platz.
„Nun wissen wir zumindest was wir tun müssen“ erwiderte Irina, in deren Augen sich jener Glanz gelegt hatte, den Sydney nur zu gut kannte. Ihre Mutter hatte einen Plan und schien sich sehr darauf zu freuen ihn umzusetzen.
„Und was wäre das?“ wollte die Tochter wissen. „Eines steht fest: Wir kommen an Verschlussakten des FBI nicht heran. Soviel Einfluss hat nicht mal Devlin.“
„Devlin brauchen wir nicht. Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet eben zum Berg kommen.“ Ein geheimnisvolles Lächeln umspielte Irinas Mundwinkel.
Nun sah Sydney noch verwirrter aus als zuvor, was Irina zu einem breiten Grinsen veranlasste.
„Fliegen wir zurück nach Moskau. Dort erkläre ich dir was ich meine.“
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Moskau,
Russland
Krachend ließ Eric die Tür hinter sich ins Schloss fallen, warf seine Schlüssel achtlos auf die Kommode im Flur und lockerte seine Krawatte, bog in das große Zimmer ein, das als Wohn- und Schlafzimmer zugleich diente.
Er sah eine zierliche Person darin stehen. Sie stand im Dunkeln, so dass der Agent das Licht anmachte. Erstaunt stellte er fest, dass es sich um Nadia handelte. Der versteinerte, müde Gesichtsausdruck in ihrem Gesicht, machte ihm Sorgen. Vielleicht hatte Irina Recht mit ihren Sorgen.
„Nadia. Ist alles in Ordnung?“ besorgt kam er näher und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. Die Agentin brachte es nicht mal fertig ihn anzusehen, als hätte sie Angst er würde sie ansehen und in ihren Augen lesen was sie getan hatte. „Schatz.“ Sagte Weiss und legte seine Hand unter ihr Kinn, hob es ein wenig an, so dass sie ihn ansehen musste.
Sie sah die Besorgnis in seinen Augen und fühlte sich dadurch nur noch elender. Gerne hätte sie es ihm gesagt. Nadia fragte sich was ihr Freund wohl von ihr halten würde, wenn er erfährt, dass sie einen Menschen getötet hatte. Dabei hatte sie Kingsley nur in dem Glauben getötet, dass andernfalls ihr Leben, das ihrer Schwester und das ihres Freundes, der Menschen, die sie liebte, in Gefahr war. Sie hatte ja nicht ahnen können, dass das alles nur eine List von ihrem Vater gewesen war.
Nadia hätte sich selbst ohrfeigen können. Geplant von Anfang an!
„Ich will jetzt nicht reden“ stellte die Schwarzhaarige klar. Weiss wollte sich schon von ihr wegdrehen als sie ihn am Arm festhielt und eine Hand auf seine Wange legte. Ausgelöst durch ihre Berührung schloss Eric die Augen. Ihre Haut fühlte sich so weich an. „Eric küss mich!“ verlangte sie und dieser Aufforderung kam er nur zu gern nach. Sie bewegten sich langsam Richtung Couch, wo die Küsse intensiver wurden, ihre Hände langsam den Körper des Anderen abtasteten und sie sich schließlich ihrer Kleidung entledigten.
Alles nur nicht daran denken, ging es Nadia durch den Kopf, während ihre Küsse fordernder und provozierender wurden.
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Irina und mit ihr alle anderen der Gruppe sahen auf als Nadia mit erheblicher Verspätung endlich den Besprechungsraum betrat. „Entschuldigt. Ich hatte noch was zu erledigen.“ Sie beeilte sich neben Weiss Platz zu nehmen, bemerkte dabei nicht wie Irinas besorgter Blick ihr bis zu ihrem Platz folgte.
„Gut, dass wir vollzählig sind. Dann muss ich es nicht zweimal erklären. Nadia, hat Mister Weiss dich auf den neuesten Stand gebracht?“ wandte sich Derevko an ihre jüngere Tochter. Die Schwarzhaarige nickte.
„Ich weiß. Vaughns Mutter wurde entführt. Mit ihr ist auch das Rambaldi-Artefakt verschwunden, das wir uns holen wollten.“ Sie wandte sich direkt an Michael. In ihrem Blick lag ehrliches Bedauern. „Das mit deiner Mutter tut mir ehrlich leid.“
„Danke. Ich weiß das zu schätzen“ lächelte Michael ein wenig.
„Meine Mutter und ich waren in Budapest um einen ihrer Informanten zu treffen. Aber bitte erzähl du weiter, Mom“ meldete sich Sydney zu Wort.
„Danke. Dimitri Schablovski war einer meiner Mitarbeiter, der noch immer beste Verbindungen zum Untergrund hat. Er hat uns geraten tiefer in der Vergangenheit zu graben. Er sagte wir würden am falschen Ort suchen. Wir müssten die alten Verschlusssachen des FBI einsehen.“
Jack verzog das Gesicht, war sich nicht sicher, ob er den Einbruch in das FBI-Hauptquartier tolerieren sollte. Noch dazu wo dieser Einsatz Sydney in ernsthafte Schwierigkeiten bringen konnte. „Ich möchte festhalten, dass ich nach wie vor gegen diesen Plan bin“ räusperte er sich mit Blick zu seiner Frau.
Irina rollte mit den Augen und beschloss ihn vorerst zu ignorieren. Für eine Diskussion war jetzt keine Zeit. Abgesehen davon hatte sie in diesen Büros die Befehlsgewalt und Jack würde die Behörden nicht informieren, weil dadurch Sydneys Tarnung beim Covenant aufzufliegen drohte.
Sobald Sydney weg war, hatten sie noch genügend Zeit sich über Sinn und Zweck der Operation zu streiten, was sie wahrscheinlich auch tun würden. Irina musste grinsen. Dass sie sich trotz ihrer Streitereien und nach allem was gewesen war noch immer sehr liebten war schon merkwürdig, aber andererseits: Was war in ihrem Leben schon nomal?
„Da die CIA Verschlusssachen des FBI nicht einsehen darf, werden wir in deren Hauptarchiv eindringen und nach allen Dateien suchen, die irgendwie mit Michael Vaughn oder seinem Vater zutun haben. Sydney, Nadia ihr leitet die Operation.“ Irina drückte auf einen Knopf, der in den Tisch eingearbeitet war. Auf den Bildschirmen erschien der Grundrissplan des Federal Plaza, der Zentrale der amerikanischen Bundespolizei. „Es gibt natürlich jede Menge Sicherheitsvorrichtungen. Ihr werdet das Gebäude betreten. Mithilfe von speziell angefertigten Masken sorgen wir dafür, dass euch niemand erkennt. Das Zentralarchiv befindet sich in einem Tresorraum unter der Erde. Nachdem Vaughn alle Sicherheitssysteme deaktiviert hat, begebt ihr euch in den Keller. Nach ungefähr sechs Metern findet ihr eine weiße Luke auf dem Boden. Ihr müsst den Hebel drehen, dann seht ihr einen langen Schacht, an dessen Ende sich der Zentralcomputer befindet, in den ihr euch hacken müsst um die Daten herunter zu laden.“
„Die Wände und der Boden sind mit Alarmsensoren ausgerüstet. Das heisst, wer immer sich den zehn Meter langen Schacht hinunter hangelt, darf weder Boden noch Wand berühren. Denn die Sensoren lassen sich auch per Computer nicht ausschalten. Es ist so eine Art Notsicherung falls der Strom ausfällt oder Terroristen das Büro überfallen“ schaltete sich Jack ein und betätigte einen Knopf, der per Simulation zeigte was geschah, wenn man die Wand oder den Boden berührte.
Alle Ausgänge wurden geschlossen und ein Gas hineingesprüht, von dem Jack sagte, dass es dieselbe Wirkung wie Chloroform hätte und sich im Raum, dem Schacht und oberhalb ausbreiten würde.
„Ihr müsst diesmal sehr vorsichtig sein. Der Auftrag ist extrem gefährlich. Sydney, in der Mappe findest du die IP-Adresse. Wenn du für uns relevante Daten findest, lädst du sie Vaughn auf den Computer, der in einem Van vor dem Gebäude auf euch warten wird“ erklärte Sydneys Mutter.
„Wieso kann ich nicht reingehen? Nadia könnte die Operation auch vom Van aus überwachen. Nichts für Ungut.“ Mit dem letzten Satz wandte sich der Blonde an die Schwester seiner Freundin. Diese hob nur beschwichtigend die Hände als Zeichen, dass es für sie okay war. Sie konnte sich gut vorstellen was er wohl gerade durchmachte wegen seiner Mutter.
„Weil ihr Urteilsvermögen getrübt ist und ich will meine Töchter nicht dieser Gefahr aussetzen. Eure Ausrüstung bekommt ihr in der technischen Abteilung. Der Flug geht in zwei Stunden. Bitte seht euch vor.“ Jeder Diskussion hatte die Russin mit ihren Worten den Wind aus den Segeln genommen. Vaughn konnte froh sein, dass er überhaupt an der Mission teilnehmen durfte. Wenn Sydney nicht so auf ihre Mutter eingeredet hätte, wäre er nicht mal bei der Besprechung dabei gewesen.
Das schien auch Michael einzusehen, denn zusammen mit Sydney stand er auf, redete noch kurz mit Jack und verließ dann den Konferenzraum. Auch Nadia war schon drauf und dran zu gehen. „Nadia? Bleib noch.“ Wie erstarrt blieb die Agentin stehen und sah ihre Mutter an. Ob sie es wusste? Hatte man es ihr doch angesehen, obwohl sie geschult war Emotionen zu verbergen? Irinas nächste Worte zeigten, dass es nicht ganz so war wie sie dachte.
„Ist alles in Ordnung mit dir?“ Die Russin war näher an ihre Tochter herangetreten und obwohl sie sich normalerweise geborgen fühlte in der Nähe ihrer Mutter, war sie für Nadia diesmal unangenehm. Sie hatte einfach Angst, dass Irina sie durchschauen und enttäuscht reagieren würde. Nadia hatte nicht nur einen Menschen getötet, sie war auch mit ihren Problemen nicht zu ihrer Mutter, sondern ihrem Vater gegangen. Einem Mann, dem sie eigentlich überhaupt nicht vertrauen durfte.
„Ja. Warum fragst du?“ Die Schwarzhaarige runzelte die Stirn. Doch Irina ließ sich nicht täuschen.
„Hör zu du musst nicht mit mir reden, wenn du nicht willst. Du sollst nur wissen….“ Derevko biss sich auf die Unterlippe. Sie wusste, ob der Ironie, die in ihren Worten lag nachdem sie und Nadia sich gerade mal seid knapp einem Jahr kannten. „Du kannst mit mir über alles reden. Ich bin deine Mutter.“ Sie hatte Tränen in den Augen während ihrer Worte und strich ihrer Tochter einige Strähnen aus dem Gesicht.
Nadia zuckte zusammen als ihre Mutter die Hand hob und machte ein paar Schritte zurück. „Es geht mir gut, Mom. Ehrlich. Was machen wir wegen dem Covenant? Was soll ich Katya erzählen?“
Irina nahm ihre Hand wieder runter als sie merkte, dass es ihrer Tochter unangenehm war. „Sagt Katya, dass ihr einen Hinweis auf ein Rambaldi-Artefakt erhalten habt und dem nachgeht. Sollten wir Vaughns Mutter und das Artefakt finden, geben wir dem Covenant eine Fälschung davon. Was immer es auch ist. So halten wir eure Tarnung aufrecht.“ Die schwarzhaarige Agentin nickte und verließ schließlich auch den Besprechungsraum.
Draußen hatte Jack auf die Russin gewartet und stellte sich im Flur neben sie, beobachtete mit ihr wie Nadia sich zur technischen Abteilung aufmachte.
„Bist du wegen ihr besorgt?“ wollte der Agent wissen.
„Ja. Ich kenne die Menschen inzwischen, Jack. Und ich merke wenn sie mir was verheimlichen. Nadia hat was und ich denke ich sollte mich mehr um sie kümmern, damit sie mir soweit vertraut, dass sie mir sagt was los ist. Wenn sie Geheimnisse hat, steckt sie wahrscheinlich in Schwierigkeiten. Das ist in dieser Familie doch immer so.“ Irina seufzte.
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New York City,
Amerika
Sydney und Nadia waren noch nie zuvor hier gewesen. Obgleich sie beide für die CIA arbeiteten, war ihr Auftauchen im Hauptgebäude des FBI noch nie vonnöten gewesen.
Dass sie in ein Regierungsgebäude einbrechen sollte, behagte Sydney überhaupt nicht. Andererseits motivierte sie der Gedanke an Vaughns Mutter und wie sehr ihr Freund darunter litt, dass sie in Gefahr schwebte, rein zu gehen. Sie war dankbar, dass ihre Schwester sie bei dieser Operation unterstützte, auch wenn sie – anders als ihre Mutter – Michael zutraute trotz der derzeitigen Situation objektiv genug für diesen Einsatz zu sein. Gut vielleicht würde er sein eigenes Leben in Gefahr bringen um seine Mutter zu retten, aber doch niemals ihres.
Die Agentinnen schielten beide kurz zu den Überwachungskameras, die in den Ecken an der Decke angebracht waren und deren Lämpchen rot vor sich hin blinkten. Ein unauffälliger Blick zu den Sicherheitskräften folgte. Die Schwestern stellten erleichtert fest, dass ihre Masken, mit denen sie vollkommen anders aussahen, ihren Dienst taten. Die rot- und schwarzhaarige Perücke tat ihr übriges.
Sydney stupste Nadia an ihr zu den Aufzügen zu folgen. Sie fuhren bis ins Untergeschoss, während Michael, der sich in das Sicherheitsnetz des FBI gehackt hatte, über deren Überwachungskameras angespannt das Geschehen verfolgte, nur darauf wartete, dass die Beiden das Untergeschoss erreicht hatten und er die Videoüberwachung lahm legen konnte, so dass Sydney und Nadia Zeit haben würden in den unterirdischen Raum zu gelangen um die Daten zu suchen und ihm zu schicken.
Als sie Ebene E erreicht hatten, kamen sie an einer Art Tresen vorbei, hinter dem ein dicker Wachmann saß, die Monitore beobachtete und dabei einen Donut aß. Er nahm erst Notiz von den beiden Frauen als er ihre Stöckelschuhe klacken hörte. Neben den Monitoren lief ein Fernseher. Gerade lief die Jerry Springer Show und der Dicke schien Schwierigkeiten zu haben, seine Aufmerksamkeit den Damen zuzuwenden.
Kaum, dass Vaughn die Schwestern bei dem Wachmann stehen sah, begann er einen Code einzutippen. Ein neuer Code für das Sicherheitssystem des Federal Plaza. Damit würden die Techniker eine Weile brauchen um wieder das richtige Signal für die Überwachungskameras zu bekommen.
„Phoenix ich habe den Sicherheitscode neu programmiert. Ihr könnt jetzt loslegen. Viel Glück!“ informierte der Agent seine Freundin über den Knopf in seinem Ohr.
Endlich wandte sich der Wachmann den Beiden zu. Anhand seines Namensschildes erkannten sie, dass er Randy hieß.
„Sind sie Randy?“ fragte Nadia mit ihrem freundlichsten Lächeln.
Randy nickte stolz, wurde sogar ein wenig rot. „Ja. Höchstpersönlich.“
„Wir würden unsere Computer gern einem Sicherheitscheck unterziehen und müssten dazu kurz zu den Technikern. Könnten sie uns durch die Schleuse lassen?“ Die Argentinierin wies mit ihrer Hand nach links wo eine riesige Glasschleuse einen Bereich vom anderen trennte. Hinter den beiden Agentinnen befand sich der lange Gang, den sie entlang mussten um zum Zentralcomputer zu kommen.
Während Nadia Randy geschickt ablenkte, suchte Sydney in ihrer Tasche nach den Betäubungspfeilen und gerade als Randy erklären wollte, dass er sie ohne Ausweise nicht durchlassen könne, steckte sie ihm den Pfeil in den Hals. Noch bevor er reagieren konnte, brach er bewusstlos auf dem Boden zusammen.
„Beeilen wir uns bevor die Techniker den Fehler im System finden“ drängte Sydney und rannte mit ihrer Schwester bis zu der Stelle, an der sich, wie Irina gesagt hatte, die Luke befand.
Aus dem Rucksack, den Nadia bei sich hatte, holten sie das Seil, das beide um ihre Hüfte banden und das eine mechanische Vorrichtung hatte, mit deren Hilfe es möglich sein sollte, denjenigen, der sich hinunter hangelte, hinaufzuziehen.
Es wurde entschieden, dass Sydney sich den Schacht hinunter „fuhr“, während die Schwarzhaarige oben für den richtigen Halt ihrer Schwester sorgen sollte und langsam Seil geben musste. Kam Sydney zu schnell herunter, bestand die Gefahr, dass sie die Wände berührte und damit einen Alarm auslöste.
Langsam gab Nadia mehr Seil. Ihre Schwester hielt ihre Hände am Seil fest, hielt die Füße dicht an ihren Körper gepresst. Erst als sie das Ende der „Röhre“ erreicht hatte und sich in dem Raum befand, wagte sie es ihre Arme auszubreiten um so ein besseres Gleichgewicht zu haben. Direkt vor ihr befand sich der Computer, der dafür, dass er alle archivierten Daten des FBI enthielt, erstaunlich klein war.
„Shotgun ich beginne jetzt damit die Daten zu suchen. Ich halte Funkstille bis ich was gefunden habe“ meldete die Braunhaarige ihrem Freund.
„Verstanden, Phoenix. Ab jetzt Funkstille,“ antwortete Michael, nervös in seinem Sitz auf und abrutschend.
Sydney hatte den Computer erreicht und begann nach den erforderlichen Daten zu suchen. Dabei half ihr der Datenentschlüssler, den sie von der technischen Abteilung hatte. Der Entschlüssler war nicht viel Größer als eine einfache Zigarettenschachtel, war am Boden mit Magneten versehen.
Weiter oben kam einer der Wachmänner auf Nadia zu, wie diese zu ihrem Entsetzen feststellte. „Phoenix?“ sagte sie, obwohl sie wusste, dass Sydney sie nicht hören konnte. Der Wachmann hatte schon eine Waffe gezückt. Die schwarzhaarige Agentin warf einen Blick nach unten und stellte fest, dass ihre Schwester noch immer mit dem Suchen von Daten beschäftigt war, was bedeutete, dass Nadia sich nicht von der Stelle rühren durfte, weil Sydney andernfalls die Wände oder den Boden berühren würde.
Der korpulente Mann holte ohne seinen Blick von Nadia abzuwenden mit der anderen Hand ein Funkgerät aus seinem Gürtel und war dabei Verstärkung zu alarmieren als der Agentin einfiel, dass sie noch einen Betäubungspfeil übrig hatten, den sie eingesteckt hatte. In blitzschneller Bewegung zog sie ihn heraus, zielte und traf den Mann im Hals.
Der Wachmann geriet ins Straucheln, sah die junge Frau überrascht an und brach dann ohnmächtig zusammen.
„Voll ins Schwarze!“ freute die Agentin sich. Unglücklicherweise löste sich aber die Spule des Seils, so dass Sydney weiter nach unten abrutschte, bis sie fast auf dem Boden aufkam. Nadia schaffte es gerade rechtzeitig das Seil festzuhalten und mithilfe der mechanischen Vorrichtung es ein wenig einzuholen.
Sydney war mit ihrer Nasenspitze fast am Boden als sie spürte wie sie nach oben gezogen wurde. Besorgt, schaltete sie ihr Mikrofon wieder an. „Evergreen!“ rief sie.
„Alles klar. Mir geht’s gut. Sieh du lieber zu, dass wir an die Daten kommen. Mir sind die Betäubungspfeile ausgegangen.“
Die Braunhaarige sparte sich die Frage was da oben vorgefallen war, erbat erneut Funkstille und setzte ihre Suche fort, bis sie endlich die Daten fand, nach denen sie suchte. Allerdings fand sie mehr Daten über Bill Vaughn als über seinen Sohn Michael, was Sydney auch irgendwie erleichterte. Denn immerhin bedeutete das, dass ihr Freund nicht in etwas verwickelt war, von dem er ihr nicht erzählt hatte und wer immer Monique entführt hatte, die Rache nicht gegen ihn gerichtet war. Die Agentin beschloss über die Entführung weiter nachzudenken, wenn sie wieder in Russland war.
„Shotgun, ich habe was gefunden. Bereit machen zum Datentransfer“ meldete sich Sydney bei Michael, dieser bestätigte den Empfang der Daten, nachdem die Agentin die Daten an die IP-Adresse schickte, die man ihr vor ihrer Abreise gegeben hatte. „Alles klar, Evergreen. Hol mich raus.“
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Moskau,
Russland
Nach einer langweiligen Besprechung beim Covenant, bei der sich absolut nichts neues ergeben hatte (Sydney war erleichtert, dass ihre Tante offenbar keinen Verdacht schöpfte und auch Sark sich ruhig hielt), machten sich Sydney und Nadia auf den Weg zu ihrer Mutter, nachdem diese ihren Töchtern hatte mitteilen lassen, dass sie Neuigkeiten hätte.
Den Weg über bis zur Organisation merkte Sydney, dass ihre Schwester auffallend ruhig war, war aber viel zu beschäftigt mit den Gedanken an das Rambaldi-Artefakt und Vaughns Mutter um sie darauf anzusprechen.
Im Operationszentrum wurden die Schwestern schon von einer Sekretärin Irinas in Empfang genommen, die sie zu einem der hinteren Besprechungsräume führte. Die Türen waren aus dickem Stahl, so dass man von draußen nicht hören konnte was drinnen besprochen wurde. Sydney wusste das, weil Agenten ihrer Mutter ihr davon erzählt hatten. Sie wusste auch, dass dieser Raum nur genutzt wurde, wenn es um Dinge der obersten Geheimhaltungsstufe ging. Die Agentin fragte sich was ihre Mutter herausgefunden hatte.
Ein Blick in Michaels versteinerten Blick, der am Ende des Tisches saß und Sydney wusste, dass auch er nicht mehr wusste als sie. Um ihm zu zeigen, dass er nicht alleine war, nahm die Agentin seine Hand und drückte sie, was Vaughn lächeln ließ.
Als Letzter betrat Jack den Besprechungsraum. In der Hand hielt er eine dicke braune Akte, die er vor sich auf den Tisch legte. Sydney beobachtete wie ihre Eltern sich zunickten.
„Die ganze Nacht haben Jack und ich damit verbracht die Daten auszuwerten, die ihr aus Amerika mitgebracht habt. Und so wie wir die Sache sehen, geht es nicht um Rache an ihnen, Mister Vaughn.“ Irina warf ihrem Mann einen kurzen Blick zu, ehe sie sich an Sydney und Michael wandte und hinzufügte: „Es ging um Bill Vaughn.“
Sydney und ihr Verlobter tauschten entsetzte Blicke nach dieser Information.
Jack ergriff das Wort, stand auf und drückte auf die Fernbedienung. Das Bild von einer schwarzhaarigen jungen Frau wurde auf die Monitore an der Wand geworfen. Der ergraute Agent stellte sich davor und musterte die Anwesenden, Weiss, Nadia, Michael, Sydney und Irina nacheinander. „Bei dieser Frau handelt es sich um Michelle Rodriguez. Sie ist eine Terroristin, hinter der Bill her war. Der Grund dafür war ein Auftrag, den Michelle auszuführen hatte. Michelle arbeitete für den ukrainischen Nachrichtendienst. Ihr richtiger Name ist der CIA bis heute nicht bekannt. Zumindest erwähnt das FBI ihn nicht.“ Jack warf einen kurzen Blick auf das Bild hinter sich, räusperte sich und fuhr fort: „Michelles, oder wie immer sie auch hieß, ihre Aufgabe war es Pläne zu stehlen, die Bills Bruder David für die CIA beschaffen sollte. Er und Michelle waren verheiratet.“
Nun stand Irina auf und übernahm für ihren Mann, der wieder Platz nahm auf dem Stuhl, auf dem Irina zuvor gesessen hatte. „David hatte zu dem Zeitpunkt alte Stasi-Unterlagen zu beschaffen. Was diese Unterlagen beinhalten sollten und warum die CIA daran interessiert war, wissen wir auch nicht. Denn Michelle hat es geschafft die Pläne an sich zu bringen und David zu töten. Diesen Schock hat Bill nie verarbeitet. Von da an jagte er wie besessen hinter Michelle her.“ Der Russin schienen ihre nächsten Worte nicht leicht zu fallen. Sie wusste, dass Michael es nicht glauben wollen würde, selbst wenn er die Beweise sah, konnte sich auch vorstellen, dass das ein ziemlicher Schock für ihn sein musste. Seine ganze Welt würde zusammenbrechen. Irina konnte sich noch gut an den Gesichtsausdruck von Sydney erinnern als sie ihr das erste Mal nach fast 30 Jahren wieder gegenüber gestanden hatte. So verletzt und voller Angst.
Die Russin schloss die Augen um das Bild aus ihrem Kopf zu bekommen und fuhr fort, ging dabei um den Tisch. „Bill folterte und tötete Michelle. Die Frau, die Monique Vaughn entführt hat, heißt Danielle.“ Irina drückte einen anderen Knopf. Auf den Bildschirmen erschien nun das Bild von der jungen Frau, von der alle nun wussten, dass sie nicht nur Michelles Tochter war, sondern auch die Entführerin von Vaughns Mutter.
„Schön und gut, aber wieso jetzt dieser Racheakt? Ich meine Bill ist doch tot, oder?“ warf Nadia vorsichtig ein.
„Sie sieht keinen Sinn mehr in ihrem Leben. Einzig allein die Rache hält sie aufrecht“ schaltete sich Jack ein, öffnete den Akt in seiner Hand und verteilte einige Zettel an Sydney, Weiss, Vaughn und Nadia. Es waren Auszüge aus Danielles Krankenakte: Diverse psychiatrische Gutachten und Rezepte für Anti-Depressiva.
„Wir vermuten, dass sie dorthin zurückgekehrt ist wo der Mord an ihrer Mutter begangen wurde. Nach L.A. in ein Lagerhaus an der Prescort Street. Sydney, Vaughn ihr leitet die Operation, Nadia, Weiss ihr seid Verstärkung. Ich möchte, dass ihr in das Lagerhaus eindringt, Monique befreit und das Rambaldi-Artefakt nach Russland bringt.“ Irina beugte sich ein wenig nach vorn und musterte jeden der Agenten eindringlich. „Wir wissen nicht worum es sich bei dem Rambaldi-Artefakt handelt. In den falschen Händen könnte es also gefährlich sein. Deshalb seid ihr autorisiert Gewalt anzuwenden, um euch das Artefakt zu beschaffen. Und seht euch diesmal besonders vor: Dieser Auftrag ist gefährlicher als alle anderen.“
„Weil wir nicht durchgeknallt sind oder keine unschuldigen Menschen töten?“ fragte Weiss.
„Beides.“ Antwortete Irina schlicht.
Nadia war es wie ein Tritt in den Magen als Eric erwähnte, dass sie keine unschuldigen Menschen töteten. Wie er wohl reagieren würde, wenn er von ihrem Mord an Kingsley erfahren würde? Die schwarzhaarige Agentin wandte ihren Blick ab, als der von Sydney auf ihren traf.
„Nadia weiß über eure Tarngeschichte für den Covenant schon Bescheid. Sie wird Sark einweihen. Ihr erzählt Katya von einem Hinweis auf ein Rambaldi-Artefakt. Wir fertigen hier ein Duplikat an, das ihr Katya dann gebt. Das wäre dann alles“ schloss Jack die Besprechung und alle Agenten packten ihre Sachen zusammen, da sie wussten, dass sie sofort abfliegen würden. Irina wollte keine kostbare Zeit verlieren. Genauso wenig wie Vaughn, der vor allen anderen aus dem Besprechungsraum stürzte.
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Los Angeles
Ganz in Schwarz gekleidet erreichten Sydney, Vaughn, Nadia und Weiss das Gelände, auf dem sich die Lagerhalle befand. Mithilfe eines Schneibrenners schnitt Sydney ein Loch in den Stahlgitterzaun, so dass sie sich mit ihren Freunden zur Lagerhalle vorarbeiten konnte.
Nachdem sie den Zaun passiert hatten, zückten alle Vier nacheinander ihre Waffen.
„Phoenix ich sehe vier Wachen. Zwei hinter dem Gebäude und zwei am Haupteingang“ gab Irina in ihre Tochter durch, die per Head-Set und mithilfe von Wärmesensorenkameras die Operation von Moskau aus überwachte.
„Verstanden.“ Flüsterte Sydney und signalisierte Nadia und Weiss per Handzeichen, dass sie sich die Hinterseite des Gebäudes vornehmen sollten, während sie selbst und Michael sich um die Wachen am Haupteingang kümmern würden, worauf Nadia und Weiss sich nickend einverstanden erklärten.
Einer der Wachleute rauchte eine Zigarette, während der Andere mit dem Schlagstock in seiner Hand spielte. Es war eine ruhige, windstille Nacht, auch wenn die Sonne längst verschwunden war, war es noch immer tropisch warm. Die beiden Männer fingen an sich über Baseball zu unterhalten.
Sydney entschied sich von hinten an die Wachmänner heran zu schleichen. So war der Überraschungsmoment am größten und sie konnten beide ausschalten, bevor zu laute Geräusche Danielle zu warnen drohten.
Die Agentin schlich an den Linken heran, während Michael sich lautlos dem Rechten näherte. Just in dem Moment als Sydney zuschlagen wollte, drehte sich „ihr“ Wächter um und ein Handgemenge zwischen den Sicherheitskräften und den Agenten entstand. Der Wachmann, mit dem Sydney beschäftigt war, hatte die Agentin im Schwitzkasten, doch sie schaffte es sich daraus zu befreien, in dem sie ihm ihren Kopf auf das Nasenbein schlug. Der Wachmann taumelte zurück und hielt sich jaulend vor Schmerz die Nase. Diesen Vorteil nutzte Sydney aus um ihm mit seinem Schlagstock bewusstlos zu machen.
Vaughn kam die Verwirrung des zweiten Mannes sehr gelegen, und so hatte auch er leichtes Spiel seinen Gegner kampfunfähig zu machen. Während sie die Beiden fesselten, meldete sich die Braunhaarige über Funk bei ihrer Schwester: „Evergreen, wir haben beide Wachen ausgeschaltet. Wie sieht’s bei euch aus?“
Ein Wachmann landete gerade einen gezielten Treffer in Erics Brustkorb, worauf dieser in einen Stapel Kisten knallte. Nadia konnte ihm nicht zu Hilfe eilen, da ihr Gegner ihr schwer zusetzte. „Ihr werdet, uns nicht daran hindern Rambaldis Visionen Wirklichkeit werden zu lassen!“ fauchte der Mann und drückte Nadias Hals zu, so dass die Agentin keine Luft mehr bekam und verzweifelt nach einer Möglichkeit suchte sich aus seinem Griff zu befreien.
Mit wild fuchtelnden Armen versuchte sie das Pfefferspray in ihrer Hosentasche zu erreichen. Die Bewegungen des Mannes waren aber so hektisch und schnell, dass es ihr nicht gelang.
Plötzlich hörte Nadia einen Knall und kurz darauf lockerte sich der Griff um ihren Hals, ihr Gegner ging zu Boden. Die Schwarzhaarige drehte sich um, um festzustellen was sie gerettet hatte. Sie lächelte als sie feststellte, dass es Vaughn gewesen war. Er erwiderte ihr Lächeln.
Sydney unterdessen warf den Wachmann, gegen den Eric gekämpft hatte mit dem Kopf gegen die Mauer eines der Nebengebäude, worauf er K.O. ging und regungslos liegen blieb. Hinter den Kisten rumpelte es und ein brummiger Weiss kam aus dem Stapel heraus, klopfte sich den Staub von den Klamotten und begutachtete Sydneys Werk. Offenbar war es ihm peinlich, dass sie ihn hatte retten müssen.
„Das hätte ich auch gekonnt“ schmollte er, worauf die Braunhaarige ihm mit einem überlegenen Grinsen antwortete.
„Basis? Bereiten uns jetzt darauf vor, rein zu gehen“ sagte Vaughn und ging voran, der Rest folgte ihm, während Irina Vaughns Nachricht bestätigte und alle noch mal ermahnte vorsichtig zu sein.
Drinnen stank es nach altem Benzin. Dieses Lagerhaus musste früher als eine Art Benzinlager gedient haben. Die Agenten stülpten die Krägen ihrer Jacken hoch und pressten sie gegen Mund und Nase. Der Gestank war kaum auszuhalten.
Sydney, die voran ging, verlangsamte das Tempo als sie Stimmen hörte und ein paar Meter weiter einen schmalen Lichtkegel entdeckte. Als sie freie Sicht in den großen Raum hatten, machten die Agenten sich so klein wie möglich um von Danielle nicht bemerkt zu werden. Monique Vaughn saß mit gesenkten Kopf an einen Stuhl gefesselt da, Danielle musste direkt vor ihr stehen, denn sie hörten eine Stimme, konnten aber nur ihre Schuhe sehen.
Sydney beugte sich ein wenig vor und versuchte das Rambaldi-Artefakt auszumachen, konnte es aber nirgends sehen. Ein Blick zu ihrem Team und sie wusste, dass auch die Anderen nirgends das Artefakt sahen. Trotzdem mussten sie jetzt eingreifen. Bevor Danielle es leid werden würde, Monique zu foltern und beschloss sie zu töten.
Nickend gab sie Vaughn, Nadia und Weiss zu verstehen, dass sie sich bereit zum Angriff machen sollten. Sofort entsicherten alle ihre Waffen. Nadia und Sydney kamen mit gezogenen Waffen von der linken Seite auf Danielle zu, während Michael und Eric die rechte Seite übernahmen.
„CIA! Fallen lassen!“ rief Sydney, die Danielle von hinten die Pistole an den Kopf hielt. Doch Danielle hatte für die Agenten nur ein müdes Lächeln übrig.
„Ah! Die Kavallerie. Hab mich schon gefragt wie lange es wohl noch dauern würde.“ Sagte sie. Monique, die bemerkte, dass Rettung da war, hob ihren Kopf und Tränen sammelten sich in ihren Augen als sie ihren Sohn erkannte. „Michael?“ hauchte sie.
„Mom“ antwortete der blonde Agent leise. Plötzlich drehte sich Danielle blitzschnell um und schlug Sydney die Waffe aus der Hand um gleich mit einem Kinnhacken nachzusetzen, der die Agentin zu Boden schickte.
Durch den Lärm kamen bald noch mehr Wachen in das Lagerhaus, die offenbar alle für Danielle arbeiteten. Nadia bemerkte etwas auf dem Metalltisch neben Monique. Ein Gegenstand, der sie magisch anzuziehen schien, denn wortlos ging sie darauf zu.
„Ist schon gut. Es macht mir nichts aus allein um mein Leben zu kämpfen!“ meckerte Weiss, dem von einem Wachmann die Waffe außer Reichweite geschlagen wurde. Den zweiten Schlag, den der Angestellte von Danielle zu landen versuchte, konnte er allerdings abblocken, hielt die Hand fest und schlug mit der anderen so fest zu, dass Blut aus den Mundwinkeln des Wachmannes lief und sein Kopf herumfuhr. Eric grinste über seinen Triumph. Doch er sollte nicht lange wehren. Schnell hatte sich der Mann wieder gefangen und schlug dem Agenten in Magen, was diesen zu Boden schickte. Als Weiss lag, setzte der Mann mit einem Fußtritt in dieselbe Stelle nach, was Weiss Blut husten ließ.
Nadia erreichte inzwischen den Gegenstand. Es handelte sich um eine Pergamentrolle, die ein Goldring zusammenhielt, auf dem allerlei merkwürdige Symbole abgebildet waren. Nur eines, das in der Mitte erkannte die Agentin sofort: Es handelte sich um das Rambaldi-Symbol. Nadia steckte es ein und in diesem Moment hörte sie einen Schrei von Eric, zuckte zusammen. Offenbar wieder bei Sinnen rannte sie zu seinem Gegner hinüber und riss ihn zu Boden. Dort setzte sie mit einem Tritt auf den Kopf nach.
„Tut mir leid“ sagte sie um Entschuldigung heischend und half ihrem Freund aufzustehen. Dieser wischte sich das Blut ab und stützte sich auf die Agentin.
„Hast du das Artefakt?“ fragte er, worauf Nadia nickte. „Dann muss dir nichts Leid tun.“ Auch Sydney und Vaughn waren siegreich, doch von Danielle fehlte jede Spur. „Verdammt!“ machte Sydney frustriert und warf ihre Waffe auf den Boden. Michael warf ihr einen kurzen Blick zu und ging dann hinüber zu seiner Mutter.
„Schon in Ordnung. Wir haben das Rambaldi-Artefakt und wir haben Vaughns Mutter gerettet. Danielle kriegen wir schon noch“ versuchte Nadia ihre Schwester aufzuheitern. Sydney folgte dem Blick der Schwarzhaarigen und beobachtete wie ihr Verlobter seiner Mutter vorsichtig dabei half aufzustehen.
„Also ich würde gern von hier verschwinden, wenn es euch nichts ausmacht. Ich fühle mich wie erschlagen!“ stöhne Eric. Mit Monique Vaughn im Schlepptau verließen die vier Agenten den Ort des Geschehens und machten sich auf den Weg nach Russland.
Sydney hatte das ungute Gefühl, dass sie nicht zum letzten Mal mit Danielle Rodriguez zutun haben würden.