7. Loyalty Part I

Moskau, Russland

Mit einem Lächeln im Gesicht beobachtete Vaughn die schlafende Sydney. Irina hatte dafür gesorgt, dass Weiss und Vaughn gut versteckt, selbst für den Covenant, untergebracht waren.

Gerade als Michael aufstehen wollte, um für sich und seine Verlobte das Frühstück zu machen, erwachte Sydney.
Ein bisschen verschlafen sah sie sich um, grinste als ihr Blick an Michael hängen blieb. „Morgen!“ nuschelte sie, worauf der Blonde ihr mit einem Kuss antwortete. „Gut geschlafen?“ fragte er.
„Natürlich, wenn wir zusammen sind.“ Michael lachte und küsste die Agentin abermals kurz auf den Mund.
„Waffeln oder Pfannkuchen?“ wollte er wissen.
Doch die Braunhaarige dachte gar nicht daran zu antworten, zog ihn an sich und küsste ihn. Vaughns Hand glitt unter Sydneys Nachthemd, ihre Beine entlang.

Gerade als die Küsse und die Berührungen intensiver wurden, klingelte Michaels Handy. Das Paar stöhnte und Vaughn ließ von Sydney ab.
„Lass es einfach klingeln“ schmollte die Agentin.
„Und wenn es deine Mutter ist?“ Der Blonde zog eine Augenbraue amüsiert nach oben.
Schnaubend lenkte Sydney ein, während ihr Verlobter den Anruf entgegen nahm.
„Ja?...Ja sie ist bei mir. Sie kam nach einem Einsatz her und…Verstehe. Gut wir kommen hin.“ Michael legte auf, seufzte und wandte sich an seine Verlobte.
„War es meine Mutter?“ wollte diese wissen.
Der blonde Agent nickte nur. „Pfannkuchen und Waffeln müssen leider warten. Sie will uns sofort sehen.“
Auch wenn die Situation ernst schien, konnte sich Sydney ein Grinsen nicht verkneifen. „Vielleicht hat meine Mutter uns ja welche gemacht.“ Auf diese Bemerkung hin lachte Michael nur und machte sich dann gemeinsam mit der Braunhaarigen daran sich anzuziehen und zu Irinas Organisation aufzubrechen.

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Wien, Österreich,
1973


Eine dunkle Gasse. Sie keuchte, versuchte zu fliehen und merkte dabei nicht, dass sie direkt in eine Sackgasse steuerte. Agenten mit geladenen Waffen waren ihr schon dicht auf den Fersen.

Frustriert hämmerte die Schwarzhaarige junge Frau gegen den Gitterzaun, der sich vor ihr aufgetan hatte. Sie hörte Stimmen, eine von ihnen kannte sie nur zu gut. Es war die Stimme des Agenten, der sie schon seit drei Jahren hartnäckig verfolgte.
„Ich glaube ich habe was gehört, Bill!“ rief einer der Männer. Die Schwarzhaarige keuchte, nahm ein wenig Anlauf und versuchte über den Zaun zu klettern. Nach ein paar Schritten jedoch, waren die CIA-Agenten schon da. Allesamt in schwarz gekleidet und mit entschlossenen Gesichtern bedrohten sie die junge Frau mit ihren automatischen Schusswaffen.
„Das Spiel ist aus, Michelle!“ sagte der blonde Agent in der Mitte, der das Team anführte.
Die Schwarzhaarige lächelte, hangelte sich am Gitter herunter und drehte sich zu dem Agenten um.

Obwohl sie geschnappt worden war, warf die Schwarzhaarige dem blonden Agenten und seinem dunkelhaarigen Kollegen ein spöttisches Grinsen zu. „Ich gratuliere! Der große Bill Vaughn hat es also geschafft eine der meist gesuchten Terroristinnen dingfest zu machen.“
Bill taxierte Michelle. Funken tanzten in seinen Augen und er richtete mit solcher Entschlossenheit die Waffe auf Michelle, dass sein Partner James daneben, fürchtete Bill könnte tatsächlich abdrücken und damit sämtliche Befehle missachten.

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Moskau,
Russland, Gegenwart


Pfannkuchen und Waffeln empfingen Sydney und Vaughn zwar nicht, dafür jede Menge Kaffee, sowie Weiss, Nadia, Jack und Irina, die das Paar sofort in den Besprechungsraum begleiteten.

Sich jeder eine Tasse einschenkend, wartete das Paar darauf, dass Irina die Besprechung eröffnete.
„Vor zwei Wochen konnten wir dank Sydney und Nadia verhindern, dass der Covenant die vollständige Kundenliste von Miguel Sanchez erhält.“ Begann Jack überraschenderweise.
„Um zu verhindern, dass Katya vielleicht doch noch herausfindet wo sich die restlichen Rambaldi-Artefakte für dieses Puzzle befinden, haben wir uns entschieden die restlichen Teile sofort zusammen zu suchen.“ Derevko machte eine kurze Pause, blickte schließlich in die Richtung von Michael und ihrer älteren Tochter und fuhr fort: „Sydney, Vaughn, wir haben einen der Männer gefunden, die auf dem Teil der Liste stand, den der Covenant nicht kennt.“ Die ehemalige KGB-Agentin schnappte sich die Fernbedienung vor sich auf dem Tisch und betätigte einen Knopf.

Auf den Monitoren an der Wand erschien das Bild eines braunhaarigen, jungen Mannes, schätzungsweise Anfang 30. „Richard Schneider. Er hat eine kleine Firma namens Spotlight in München. Dorthin schicken wir euch jetzt.“ Erklärte Jack und schob Sydney und Michael ihre Mappen zu.
„Euer Auftrag lautet in die Firma einzudringen und das Rambaldi-Artefakt zu stehlen. Was immer es auch ist. Schneider ist im Werbegeschäft tätig. Ihr seid Kelly Davidson und Ben Carrington von der Firma California Fashions. Wenn ihr in Schneiders Büro seid, hackt euch in dessen Computer ein. So erfahrt ihr wo sich das Rambaldi-Artefakt befindet und wie ihr das Überwachungssystem ausschalten könnt. Die Termine lassen sich zwar von einem externen Computer aus verändern, aber das Sicherheitssytem lässt sich genauso nur über Schneiders Computer deaktivieren, wie man die Lage des Rambaldi-Artefakts nur über sein Büro herausfinden kann. Mister Weiss, sie überwachen die Operation von hier aus. In der technischen Abteilung bekommt ihr eure Ausrüstung. Der Flug geht in zwei Stunden“ Meldete sich Irina zu Wort.
Sydney runzelte skeptisch die Stirn. „Und was ist mit dem Covenant?“
„Wir setzen Shelly Canes als dein Double wieder ein.“ Die ehemalige KGB-Agentin nahm die letzte schwarze Mappe auf dem Schreibtisch in die Hand und gab sie ihrer jüngeren Tochter. „Nadia, in dieser Mappe steht die Tarngeschichte für Sydney. Noch Fragen?“ Die Russin blickte in die Runde und als keine Wortmeldung mehr kam, schloss sie die Besprechung indem sie ihrer Tochter und deren Verlobtem viel Glück wünschte.
Damit löste sich die Versammlung auf. Draußen wartete das Sydney-Double bereits auf Nadia.

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„Wenn sie Nadia nicht trauen, warum haben sie dann zugelassen, dass sie für den Covenant Einsätze bestreitet?“ Unverständnis zeichnete Katyas Gesicht, die ihren Vorgesetzten gegenüber saß. Natürlich war der Chef der Organisation nicht anwesend, was die Russin ein wenig ärgerte. In Anbetracht der Situation hielt sie es aber für besser, keine Anspielung darauf zu machen.

Irinas Schwester saß einem ellenlangen Tisch gegenüber, der durch die Bank mit den ranghöchsten Vertretern des Covenant besetzt war. Sark saß auch bei ihnen wie Katya beim Eintreten überrascht hatte feststellen müssen. Hatte er etwa dem Covenant gegenüber sein Misstrauen zu Nadia geäußert und vorgeschlagen einen Loyalitätsbeweis zu verlangen?
Das ergab doch absolut keinen Sinn! Vor zwei Wochen noch hatte sich der Agent für Nadias Rettung stark gemacht und plötzlich machte er das Gegenteil.
Als Julian das Wort ergriff, bestätigten sich Derevkos Vermutungen. „Wir vertrauen durchaus darauf, dass die Gehirnwäsche bei Nadia wirksam ist. Wir fragen uns nur, ob…nun ja….es nicht an der Zeit ist, die Gehirnwäsche wieder ein wenig aufzufrischen. Immerhin steht sie unter dem Einfluss von Sydney, die sie ihrer Gehirnwäsche nicht aussetzen konnten.“
Katya runzelte die Stirn, versuchte noch immer zu verstehen was der blonde junge Mann mit dieser Vorstellung zu bezwecken versuchte.

Die Russin wechselte in ihrem Blick von Sark zu den restlichen, anwesenden Agenten, von denen der, der ihr frontal gegenüber saß, sich zu Wort meldete: „Wir verlangen einen Beweis, dass Nadia nach wie vor das tut was wir wollen. Sie und ihre Schwester sind ein Risiko für uns und wir möchten uns versichern, dass die Beiden es wert sind, dass wir Zeit, Geld und Personal in sie investieren.“
„Bei allem Respekt: Sydney und Nadia helfen uns dabei, dass Rambaldi-Puzzle zusammen zu setzen. Vor zwei Wochen sind wir in Besitz von Miguel Sanchez` Kundenliste gekommen“ erwiderte Derevko.
„Trotzdem fordern wir einen Beweis. Julian Sark hat einen sehr guten Vorschlag gemacht.“ Der grauhaarige Mann in der Mitte, nickte dem Blonden anerkennend zu, worauf dieser sich ein kleines Grinsen gestattete, danach aber gleich wieder eine ernste Mine aufsetzte. „Die USA sind uns schon seit längerem ein Dorn im Auge. Sie mischen sich in Angelegenheiten ein, die sie nichts angehen,“ fuhr der Grauhaarige fort.

Der Mann, neben dem Grauhaarigen, ein etwas festerer Kerl, der in den Mittfünfzigern steckte und rauchte, seit Katya den Raum betreten hatte, öffnete eine Mappe und schob der dunkelhaarigen Frau einige Fotos zu. Sie zeigten einen Mann mit Halbglatze und Brille, feste Statur.
Irinas Schwester ahnte, worauf das versammelte Gremium hinaus wollte und blickte in die Runde.
„Wir möchten, dass Nadia Robert Kingsley, den amerikanischen Botschafter hier in Russland, tötet. Er ist dem Covenant schon lange auf der Spur, hat der CIA viele Hinweise zukommen lassen. Als Beweis soll Nadia Santos uns den Kopf von Kingsley bringen und die Waffe mit ihren Fingerabdrücken, die ihn enthauptet hat. Tötet sie den Botschafter der USA können wir uns sicher sein, dass die Gehirnwäsche funktioniert und wir ihr trauen können.“ erklärte der Mittfünfziger. 
Eigentlich kannte sie die Antwort auf ihre Frage schon, trotzdem wollte Katya wissen: „Und wenn sie scheitert?“
Der Grauhaarige übernahm die Antwort für seine Kollegen, sah aber anstatt Derevko Sark an. „Sollte sie scheitern, töten sie sie, Mr. Sark und danach Bristow. Wir können es uns nicht leisten, dass unerwünschte Aufmerksamkeit auf den Covenant gelenkt wird.“
„Natürlich“ antwortete der Blonde und räusperte sich. Damit erklärte der Grauhaarige die Versammlung für beendet.

Julian hatte den Ausgang schon fast erreicht, als Katya ihn am Ärmel zog, sich mit flüsternder Stimme zu ihm beugte und zischte: „Was bezwecken sie damit, Sark? Zwei Wochen zuvor war ihnen nichts wichtiger als Nadia zu retten und nun bringen sie sie in Schwierigkeiten!“
„Ich habe keine Ahnung wovon sie reden. Entschuldigen sie mich. Ich habe zutun“ antwortete der Blonde gleichgültig und schob sich an Katya vorbei zum Ausgang.

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Los Angeles,
1973


Sie hatten versucht es ihm auszureden, sich nicht über die CIA-Vorschriften hinweg zu setzen und eine Terroristin zu entführen. Aber er hatte sich nicht beirren lassen. Die CIA konnte Michelle nicht so bestrafen wie sie es verdiente. Daran hinderte sie das Gesetz. Aber er würde es tun. Er würde sie in ein abgelegenes Lagerhaus schaffen, ihr in die Augen sehen und sie für das zur Rechenschaft ziehen was sie getan hatte.
Normalerweise war Bill ein Mann, der sich strikt an die Vorschriften hielt, der eine klare Vorstellung hatte, davon was richtig und was falsch war. Und er wusste genau, dass seine Kollegen Recht hatten.
Hier ging es aber nicht um richtig oder falsch. Es ging um eine persönliche Angelegenheit und Vaughn wusste, dass der Schmerz und das Leid erst nachlassen würden, wenn er ein klein wenig Gerechtigkeit wiederherstellen würde.

Michelle hörte kurz auf markerschütternd zu schreien. Der blonde Mann hatte immer wieder von Feuer erhitzte Nadeln in ihre Hände gestochen, sie wieder raus gezogen, nur um sie wieder am Feuer zu erhitzen und woanders rein zustechen. Zuvor hatte er Zangen benutzt.
Der Mann wischte sich das Blut mit einem Handtuch ab und kniete sich vor die junge Frau. Michelle hielt Bills hasserfülltem Blick trotzig stand. „So wie du aussiehst, macht dir das sicher eine Menge Spaß!“ bemerkte die Schwarzhaarige spöttisch.
„Auch nicht viel mehr Spaß als es dir gemacht haben muss, meinen Bruder zu töten. Wie hat sich das angefühlt, Michelle? Wie hat es sich angefühlt, deinen eigenen Mann zu töten? Hast du überhaupt was gefühlt?!“ Tränen traten Bill in die Augen, während sein hasserfüllter Blick weiter an der jungen Frau haften blieb.

Michelles Blick traf seinen. Und nur für einen kurzen Augenblick glaubte Bill echtes Bedauern in ihren Augen lesen zu können. Obwohl er wusste, dass sie nicht bereute. Für sie war es lediglich ein Auftrag, eine Mission gewesen. Schließlich arbeitete sie für eine feindliche Organisation, während David für die CIA gearbeitet hatte. Es war nichts weiter als ein Auftrag gewesen.
Es hätte genauso gut ihn selbst treffen können.
„Es war ein Auftrag, Bill. Und wenn ich ehrlich bin, geliebt habe ich die ganze Zeit über dich“ antwortete Michelle aufrichtig, was Vaughn rasend vor Wut machte.
Als hätte sie eine ansteckende Krankheit wich er vor der Schwarzhaarigen zurück. „Du lügst!“ spuckte er. Was ihn am wütendsten machte, war die Tatsache, dass er immer schon in sie verliebt gewesen war. Schon von dem Tag an, an dem ihr Bruder sie einander vorgestellt hatte. 

Dass diese Frau, die er immer so begehrt hatte, böse war und ihren Bruder nur benutzt hatte, war schmerzhaft, lies Bill sich hilflos und elend fühlen. Dabei wollte er gar nichts mehr fühlen, wollte dieses Kapitel endlich abhacken und neu anfangen.

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München,
Deutschland


Es war heiß in München. Erbarmungslos brannte die Sonne, machte die Innenstadt zu einem Hexenkessel.
Schneiders Firma hatte ihren Standort im südlichen Teil der Stadt, wo es besonders heiß war. „Gott ist das heiß! Es kommt mir so vor als hätten wir Kalifornien gar nicht verlassen!“ stöhnte Sydney, die sich mit Vaughn im LKW für ihren Auftritt im „Spotlight“ fertig machte.
„Ja. Eine Hitzewelle in Deutschland. Der Wetterbericht sagt hier schon seit Wochen nichts anderes. Und bist du bereit?“

Als die Agentin aus dem hinteren Bereich kam, trug sie eine schwarze, langhaarige Perücke mit Pony, einen royal blauen Blazer mit dazu passendem Rock und weißer Bluse, während Vaughn einen beigen Anzug anhatte.
„Dann mal los.“ Sagte Sydney, verließ zusammen mit ihrem Verlobten den LKW.

Die Eingangshalle war riesig, der Boden mit weißem Marmor ausgelegt. Es herrschte rege Betriebsamkeit. Hinter dem Tresen im Empfangsbereich saß eine blonde Frau, um die 30. Ständig klingelte das Telefon oder kamen Kunden an den Tresen, die irgendjemanden im Haus sprechen wollten. Die Blondine wirkte richtig gestresst.
Sydney warf Vaughn einen Blick zu, bevor sie ihr freundlichstes, charmantestes Lächeln aufsetzte und auf den Tresen zusteuerte. Die Blondine verabschiedete gerade einen Anrufer, erklärte ihrer Kollegin daneben, dass Herr Bauer einen Termin mit Mister Ishima vergessen hatte und sie Bauer noch mal daran erinnern solle.

Nachdem sie damit fertig war, wandte sie sich lächelnd den beiden Agenten zu. „Was kann ich für sie tun?“
„Mein Name ist Ben Carrington, das ist meine Kollegin Kelly Davidson. Wir sind von California Fashions und haben einen Termin mit Mister Schneider,“ antwortete Michael. In Vorbereitung auf diese Mission hatte Weiss sich in das Computersystem des Spotlight eingehackt und Schneiders Terminkalender so verändert, dass eine Ms. Davidson und ein Mr. Carrington dort auftauchten.
„Ja richtig. In zehn Minuten. Mister Schneiders Büro ist im 9. Stock, die letzte Tür rechts. Nehmen sie den Fahrstuhl vorne rechts“ lächelte die blonde Frau, worauf die Agenten sich bedankten und sich auf den Weg zu den Aufzügen machten.

Während der Fahrstuhl nach oben fuhr, meldete sich Weiss über Funk bei dem Paar. „Leute das Sicherheitssystem lässt sich nur von Schneiders Büro aus deaktivieren. Das System ist aber durch mehrere Firewalls geschützt. Ihr müsst also das Funkmodem benutzen um rein zu kommen.“
„Verstanden, White Rabbit. Bleiben auf Empfang und geben Bescheid sobald es erledigt ist“ antwortete Sydney.

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Moskau,
Russland


„Moment. Willst du etwa damit sagen ich soll den amerikanischen Botschafter töten damit der Covenant an meine Loyalität glaubt?“ fragte Nadia fassungslos, dabei mit ihrem Blick zwischen ihrer Tante und Sark hin und her wechselnd. Katya nickte schlicht, während die schwarzhaarige Agentin sich überlegte wie man Kingsleys Tod am besten fingieren könnte. Eine Frau, die darin schon Profi sein musste, war Irina.
Nadia nahm sich vor, gleich nach der Besprechung, mit ihrer Mutter zu telefonieren.
„Hast du damit ein Problem?“ fragte Katya misstrauisch als sie bemerkte, dass ihre Nichte mit diesem Befehl nicht ganz einverstanden zu sein schien.
„Nein. Natürlich nicht. Wann geht mein Flug?“
„In drei Stunden. Viel Erfolg!“ machte die ältere Agentin, stand auf und entschuldigte sich, dass sie noch einen wichtigen Termin hätte.

Nadia hatte das Büro kaum verlassen als sie nach dem Handy in ihrer Tasche fischte, die SIM-Karte auswechselte und darauf wartete, dass jemand den Anruf beantwortete. Gerade als Nadia dem Agenten am anderen Ende ihre Identifikationsnummer durchgeben wollte, tauchte Sark hinter ihr auf.
Erschrocken und in Erwartung eines Covenant-Agenten legte die Schwarzhaarige schnell auf. Ihr verschreckter Laut verwandelte sich in ein entnervtes Schnauben als sie den Blonden erkannte. „Was willst du?“ fragte sie patzig.
„Ich bezweifle, dass deine Mutter dir bei deinem Problem helfen kann.“ Lässig schlenderte Julian auf die junge Frau zu, kam wenige Meter vor ihr zum stehen und sah ihr tief in die Augen. Der Blick dauerte nur eine Sekunde und doch kam es dem jungen Mann so vor, als dauerte der Moment länger.
Schnell besann er sich wieder auf das Thema und fügte hinzu: „Dort haben sie alle Hände voll zutun nehme ich an.“ Auf Nadias misstrauischen Blick hin, beeilte er sich hinzuzufügen: „Ich weiß nicht was es ist, falls dir das Sorgen macht. Aber ich weiß, dass die braunhaarige Frau, die im Moment in deiner Wohnung sitzt, nicht Sydney Bristow ist.“
„Was willst du?“ wiederholte Nadia ihre Frage, diesmal mit einem fordernden Unterton.
„Es gibt jemanden, der dir helfen kann.“
„Du meinst meinen Vater? Das ist vorbei! Ich werde nie wieder mit ihm zusammenarbeiten. Das kannst du ihm ausrichten.“ Damit machte die Agentin auf dem Absatz kehrt und sich für den Abflug bereit, während Sark ihr mit dem Ansatz eines Lächelns hinterher sah.

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Los Angeles,
1975


Es war die dritte Flasche Wein, die er geleert hatte, nachdem er auch schon eine Flasche Whiskey ausgetrunken hatte. Bill Vaughn hatte geglaubt, sich an Michelle zu rächen, sie zu töten, würde vielleicht etwas Gerechtigkeit wieder herstellen und ihm dabei helfen mit dem Tod seines Bruders fertig zu werden. Doch da war nichts als Leere. Schlimmer noch. Seit der Nacht, in der er sie getötet hatte, plagten ihn Albträume.
Meistens begegnete er in ihnen Michelle mit entsetzlich entstelltem Gesicht, die mit erhobenem Messer versuchte ihm heimzuzahlen was er ihr angetan hatte. Und Vaughn ertappte sich unzählige Male dabei, wie er dachte, dass er es auch nicht besser verdient hatte. Er hatte einen Menschen gefoltert und getötet, war kein Stück besser als die Frau, die David auf dem Gewissen hatte.

Die Türklingel ließ den Kopf des Agenten förmlich zerspringen. Seine Frau und sein Sohn waren zum Glück das Wochenende über zu Moniques Eltern gefahren, so dass der späte Gast sie nicht wecken konnte.
Schwerfällig wie ein alter Mann trottete Bill Richtung Haustür, an der es nun schon zum zweiten Mal läutete. „Ist ja gut! Ich komm’ ja!“ nuschelte er und machte auf.
„Hallo, Bill. Kann ich mit dir reden?“
Der blonde Agent sah sein Gegenüber mürrisch an, hatte keine Lust zu reden. Und was hätte es auch schon großartig zu sagen gegeben? Er hatte eine böse Frau getötet und bereute es. Bill konnte von Glück reden, dass die Agency ihn nicht eingesperrt hatte. Noch nicht. „Aber sicher, James. Komm’ doch rein!“ winkte Vaughn müde und trottete zurück in die Küche.

Sofort roch James den Alkohol, dessen Geruch sich in der ganzen Wohnung ausgebreitet hatte. Es machte den schwarzhaarigen, sportlichen Agenten fertig zu sehen, was aus seinem Freund geworden war. Dabei hatte er Bill immer für den Stärkeren gehalten.
„Wo sind Monique und Michael?“ fragte James um das Gespräch in Gang zu bringen und weil er um der Beiden willen hoffte, dass sie nichts von Bills Trinkerei mitbekommen hatten.
„Bei Moniques Eltern“ murmelte Bill, holte eine weitere Flasche Wein aus dem Kühlschrank, öffnete sie und setzte sie an den Mund um einen großen Schluck zu nehmen, doch James nahm sie ihm aus der Hand.
„Du hast Familie, um Himmels willen! Mit deiner Sauferei änderst du auch nichts! Du musst versuchen damit zu leben, Bill. Du hast einen Menschen getötet, aber du warst nicht du selbst. Diese Frau hat deinen Bruder getötet!“
Vaughn taxierte seinen Kollegen. Die Augen des Blonden wirkten fahl und eingefallen, gerade so als sei Bill in den letzten Wochen um zehn Jahre gealtert, sein Blick hing teilnahmslos an James.

Der junge Agent schmiss die leeren Flaschen weg, kippte den Rest des Weins in den Ausguss und setzte sich neben Bill. Fünf Minuten lang schwiegen beide. Dann ergriff Vaughn das Wort: „Das ist nicht ganz richtig.“ James sah zu seinem Freund hinüber, verstand nicht ganz was er meinte. „Ich war ich selbst, James. Die ganze Zeit über wusste ich was ich tat und ich wusste, dass es falsch war was ich tat. Doch sie anzusehen….“ Bill schüttelte mit dem Kopf und kämpfte gegen die aufkommenden Tränen an, was ihm aber nicht gelang. „Ich sah meinen Bruder, wie ich ihn vorgefunden habe. Erschossen auf seinem Bett. Und von da an war es mir egal, verstehst du? Die Konsequenzen, meine Familie. Ich habe in diesem Transporter nur die Frau gesehen, die meinen Bruder getötet hat und ich dachte es würde mir ein wenig Genugtuung verschaffen sie zu töten.“ Bill machte eine Pause und atmete tief durch, fügte schließlich hinzu: „Ich habe mir etwas vorgemacht und jetzt fühle ich mich mieser als zuvor. Und ich glaube, dass Michelle letztendlich doch gewonnen hat.“
Der schwarzhaarige Agent schluckte, konnte zuerst gar nichts sagen und starrte lieber die Tischplatte an. So tief hatte Vaughn noch nie in sein Innerstes blicken lassen. „Sie wollen dich wieder haben, Bill.“ Der blonde Agent sah überrascht zu seinem Partner. „Die Agency. Normalerweise hätten sie andere Agenten beauftragt, aber wir glauben, dass nur du diesen Auftrag ausführen kannst.“ James griff in die Innentasche seines Mantels und legte eine Mappe auf den Tisch.

Vaughn, zuerst noch misstrauisch, runzelte die Stirn und fragte was das war, doch James antwortete nicht, sondern bedeutete ihm kopfnickend einen Blick darauf zu werfen. Daraufhin streckte der Blonde seine Hand aus und schob die Unterlagen an sich. Schon am Einband erkannte Bill worum es ging. Darauf prangte das Rambaldi-Symbol. Die beiden Männer wechselten einen ernsten Blick.

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München,
Deutschland, Gegenwart


Schneider bedankte sich auf deutsch bei seiner Sekretärin, dass sie Sydney und Michael in Empfang genommen hatte und geleitete seine Gäste in sein Büro, das allein schon die Größe eines kleinen Appartements hatte. Die Aussicht auf die Stadt war beeindruckend.
„Ms. Davidson, Mister Carrington? Es freut mich, dass sie den weiten Weg von England hierher in unser schönes München gemacht haben.“
„Wir haben sehr viel über diese Stadt gehört. Das Hofbräuhaus, das Oktoberfest, gemütliche Menschen mit Bier“ antwortete Vaughn auf englisch und mit britischem Akzent, den er erstaunlich gut hinbekam, wie Sydney jedes Mal auf’s Neue feststellte.

Schneider lachte über die Klischees, mit denen der Rest der Welt München immer wieder in Verbindung brachte. „Nun sie sollen nicht denken, dass alle Bewohner Münchens feiern, statt zu arbeiten.“
„Mein Kollege wollte sicher nicht unhöflich sein.“ Lächelte Sydney und warf ihrem Freund einen Blick zu, der daraufhin seine Waffe zog und einen Betäubungspfeil in Schneiders Brust schoss, der zu überrascht war um überhaupt zu realisieren, was hier vor sich ging.

„White Rabbit? Hier Phoenix, Schneider ist außer Gefecht gesetzt, beginnen jetzt damit das Sicherheitssystem auszuschalten.“ Drückte die braunhaarige Agentin den Knopf fester in ihr Ohr, damit sie die Bestätigung von Weiss hören konnte, die ihrem Bericht auch sogleich folgte. Während Vaughn Schneider fesselte, hackte Sydney sich sofort in den Computer ein, brauchte nicht lange um Zugang zum Sicherheitsnetzwerk der Firma zu bekommen.
Irina und Jack verfolgten derweil angespannt das Geschehen über den Monitor, blickten beide ständig auf die Uhr um zu überprüfen, ob die beiden Agenten noch im Zeitplan lagen.

„Phoenix ihr müsst euch beeilen, bevor Mitarbeiter von Schneider misstrauisch werden“ warnte der Schwarzhaarige seine Freunde.
Sydney benutzte das Funkmodem um sich in das Sicherheitssystem einzuhaken. „Ich hab’s. Überwachungskameras sind deaktiviert. Das Rambaldi-Artefakt befindet sich im Keller. Es gibt Wärmesensoren, die Körperwärme feststellen und Alarm schlagen. Die kann ich nicht deaktivieren.“ Michael warf seiner Verlobten einen Blick zu und schlug vor erstmal in den Keller zu gehen und danach weiter zu sehen. Die Agentin zeigte sich einverstanden, obgleich es sehr riskant war praktisch blind ins Untergeschoss zu gehen. Aber welche Wahl blieb ihnen schon?

Sie nahmen Schneider seine Key Card ab und machten sich möglichst unauffällig und mit freundlichem Lächeln auf den Weg nach unten. Ihrer guten Ausbildung als Agenten war es zu verdanken, dass keiner der Angestellten in der Werbeagentur merkte, dass es sich bei den beiden Leuten, die ihnen entgegen kamen, um Agenten des amerikanischen Geheimdienstes handelte. Vielmehr schienen sie zu glauben, Sydney und Vaughn seien einer der vielen Kollegen, die man flüchtig in den Gängen oder in der Cafeteria im Erdgeschoss traf, deren Namen man nicht mal kannte.

Unten angekommen fanden die beiden Spione zwei weiße Anzüge. „Das sind wohl Anzüge, die unsere Körperwärme neutralisieren sollen, damit uns die Wärmesensoren nicht erkennen.“ Stellte Sydney nach erstem Abtasten der Anzüge fest.

Das Paar arbeitete sich, nun ganz in weiß, einen langen Gang entlang, an dessen Ende sich laut Sydney der Raum befand, in dem das Rambaldi-Artefakt aufbewahrt wurde. Die Agentin hatte ihrem Freund erklärt, dass es sich laut System in einem Schließfach mit der Nummer 354 befinden musste.
Doch als die Agenten den Raum betraten, mussten sie feststellen, dass alle drei Wände des Raumes vom Boden bis zur Decke mit Schließfächern ausgestattet waren.
„Welches ist es?“ fragte der blonde Agent.
„White Rabbit, welches Schließfach?“ wandte sich Sydney an Weiss und hoffte, dass dieser mithilfe des Funkmodems Einsicht in den Lageplan hatte.
„Zu eurer Linken, dritte Reihe, müsste direkt auf deiner Augenhöhe sein, Shotgun.“
„Da.“ Vaughn benutzte einen Dietrich um das Schließfach zu öffnen. Doch statt des erwarteten Rambaldi-Artefakts fanden die Agenten nur ein leeres Schließfach. Das hieß bis auf ein Polaroid-Foto, das der blonde Agent herausholte und dem der Atem stockte als er es betrachtete.

Es zeigte eine Frau in mittlerem Alter, die man offensichtlich gefoltert und an einen Stuhl gefesselt hatte.
„Ich verstehe nicht. Vaughn?“ wandte sich die Braunhaarige sanft an ihren Verlobten. Dieser starrte schockiert geradeaus. Schweißperlen hatten sich auf seiner Stirn gebildet und das Sprechen schien ihm schwer zu fallen.
„Diese Frau auf dem Foto.“ Der Blonde schluckte und sah seine Freundin an. „Syd das ist meine Mutter! Jemand wusste, dass ich hier sein würde, dass wir nach dem Rambaldi-Artefakt suchen und er hat es gestohlen und dieses Foto hier gelassen um mir eine Nachricht zu überbringen.“

Sowohl Sydney, als auch Weiss, Irina und Jack in Moskau versuchten fassungslos die Neuigkeiten zu verdauen.

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Moskau, Russland

Es war ein anstrengender Tag gewesen. Nicht nur, dass er meilenweit entfernt von seiner Familie lebte und arbeitete, zudem musste sich Robert Kingsley auch noch mit vielen Auswanderern herumschlagen, die dachten ein amerikanisches Visa zu bekommen, sei ein Kinderspiel.

In der letzten Zeit, seit ungefähr einem Monat häuften sich die Anträge auf Ausreise. Andere Botschaften berichteten dasselbe und Kingsley hatte schon eine Ahnung woher das rührte. Seine Mine verfinsterte sich, während er die Treppen hinunter in die Tiefgarage nahm.
Nicht nur den Russen bereitete der Covenant Kopfzerbrechen. Auch die Amerikaner hatten mit dieser Organisation noch eine offen stehende Rechnung zu begleichen. Agenten bedrohten Amerikaner, entführten amerikanische Agenten und – was Kingsley am merkwürdigsten fand – sie glaubten den Prophezeiungen eines Irren aus dem 15. Jahrhundert wie andere an Gott glaubten. Die russische und die amerikanische Regierung glaubten, dass die Organisation etwas großes plante und erste Gerüchte in der Bevölkerung schon die Runde machten, obwohl der FSB und die CIA Nachrichtensperre verhängt hatten.

„Rambaldi!“ murmelte der Botschafter gedankenverloren vor sich hin, fischte in der Jackentasche nach seinem Autoschlüssel. Der Knopf am Schlüsselbund öffnete die Türen automatisch und Robert stieg ein, rückte den Rückspiegel zurecht, in dem er nur sein eigenes Spiegelbild und die graue Wand des Tiefgeschosses sah.
Mit einem hörbaren Seufzen steckte der Mann den Schlüssel ins Zündschloss. Der Motor gab ein lautes Surren von sich.
„Mister Kingsley?“ fragte eine Stimme plötzlich.

Erschrocken zuckte der Botschafter zusammen, sah in den Rückspiegel, da die Stimme eindeutig von hinten gekommen war. Und tatsächlich: Auf dem Rücksitz saß eine schwarzhaarige junge Frau und als Kingsley den Rückspiegel verstellte, stellte er fest, dass sie eine Waffe in der Hand hielt. Plötzlich bekam er es ein wenig mit der Angst zu tun.
„Was wollen sie?“ fragte er gereizt, erwartete eigentlich keine Antwort von der jungen Frau.
Nadia verzog die Mundwinkel. Kingsley war sofort aufgefallen, dass sie nicht so aussah als sei sie aus bestimmter Überzeugung oder Groll gegen ihn persönlich hier.
„Ich bin hier um sie zu töten“ antwortete die Agentin. Schweißperlen bildeten sich auf Roberts Stirn, während die Schwarzhaarige ihre Waffe entsicherte.

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