6. Back to the Roots

Tritte, Fausthiebe, denen Sydney allesamt geschickt auszuweichen wusste. Ein paar Meter weiter kämpfte Nadia gegen drei Wachmänner, die versuchten sie mit ihren Elektroschockern zu betäuben. Mit eleganten Bewegungen wich die Schwarzhaarige den Stößen der Männer aus, tauchte ab um auf der anderen Seite wieder aufzutauchen, einem der Männer einen Kinnhacken zu verpassen und ihn mit seiner eigenen Waffe zu erschießen.

Dennoch schien es hoffnungslos. Mit jedem Gegner, den sie besiegten, kam Verstärkung hinterher.
Ein Faustschlag traf Sydney mitten ins Gesicht. Die Agentin ging zu Boden, sah die Waffe, die einer der Sicherheitskräfte verloren hatte und wollte zu ihr robben um ihren Gegner zu erschießen. Doch einer der Männer war schnell bei ihr, nahm ihre Hand und drehte sie um 180 Grad, so dass ein lautes Knacken zu hören war und Sydneys lauter Aufschrei. Der Kerl hatte ihr den Arm ausgerenkt.  
Aus den Augenwinkeln, sah die Agentin wie einer der Männer seine Waffe auf Nadia richtete und abdrückte. Ihre Schwester sank zu Boden, während Sydney Tränen in die Augen traten.

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Moskau, Russland
24 Stunden zuvor


Nadia hatte ein wenig Vorsprung zu Sydney, die sich Mühe gab dem Lauf ihrer Schwester mitzuhalten, war aber schon nahe dran sie einzuholen.
Beide Frauen schwitzten beträchtlich. Das war die 3. Runde, die sie gegeneinander liefen.

Die braunhaarige Agentin hatte ihre Schwester fast erreicht, doch die Argentinierin ging mit einem leichten Vorsprung ins Ziel. Abgekämpft rang Sydney nach Luft und stützte ihre Hände an den Hüften ab, während ihre Schwester einen Schluck Wasser aus einer Flasche trank. Diese reichte sie anschließend an die Braunhaarige weiter.
„Ich habe gewonnen“ lächelte Nadia stolz.
Die Braunhaarige setzte die Flasche ab, wischte sich über den Mund und grinste. „Ja, aber nur, weil ich nicht so gut in Form bin. Das nächste Mal zeig ich’s dir!“
Die Schwarzhaarige lachte. „Gib’s zu, Syd! Du wirst langsam alt!“
Die Ältere der beiden Frauen nahm ein Handtuch und warf es gespielt wütend nach ihrer Schwester. „Hey werden sie ja nicht frech, Agent Santos! Ich stehe im Rang immer noch über ihnen.“
„Ja, aber nicht mehr lange, wenn du weiter so langsam bist“ grinste Nadia provozierend. Die Schwestern schmunzelten sich herausfordernd an. Dann wurde Sydney auf einmal wieder etwas ernster.
„Hör zu. Eigentlich habe ich mich mit dir zum Laufen getroffen, weil ich dich sprechen wollte“ begann sie.
„Wenn du das nicht bei uns ansprichst, bedeutet das, es geht um etwas, dass der Covenant nicht wissen darf, richtig?“ Die braunhaarige CIA-Agentin nickte ernst.
„Letzte Woche hat Katya uns Sark als ihren neuen Mitarbeiter präsentiert.“ Nadia blickte zur Seite als sei ihr dieses Thema unangenehm. „Du weißt was mein Vater und unsere Mutter gesagt haben. Sie denken, dass Sark versuchen wird dich zu Sloane zurück zu bringen und ich denke, dass das auch der Grund ist warum er seit neuestem wieder für den Covenant arbeitet. Mom möchte, dass du in die Organisation kommst. Sie hat mich gestern kontaktiert. Du sollst dir einen Peilsender implantieren lassen.“
„Wenn Sark auf irgendeine Weise versuchen sollte mich zu entführen, bringt er euch sozusagen mit“ sagte Nadia, worauf ihre Schwester nickte und antwortete:
 „Das ist der Plan.“ Dann wandte die Ältere sich ihrer Trainingsjacke zu und holte einen weißen Zettel aus der Tasche. Diesen reichte Sydney ihrer Schwester. „Das sind Anweisungen wie du zu Mom’s Organisation kommst ohne von Covenant-Agenten gesehen zu werden. Ein Agent wird dich erwarten.“

Die Argentinierin wollte etwas sagen, doch ihre ältere Schwester ließ sie stehen und joggte zurück zu ihrer gemeinsamen Wohnung. Die schwarzhaarige Agentin seufzte, las die Informationen auf dem Zettel und machte sich anschließend joggend auf, den Anweisungen zu folgen.

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Katya wirkte nachdenklich als Sydney ihr Büro betrat. Irinas Schwester schien nicht einmal bemerkt zu haben, dass ihre Nichte eingetreten war. Deshalb räusperte die Braunhaarige sich, klopfte zaghaft an der Tür und sprach in dem üblichen kühlen Ton zu ihrer Tante: „Du wolltest mich sprechen?“
Derevko zuckte zusammen, sah wie ein verschrecktes Reh zu der CIA-Agentin auf. „Achja, Sydney. Komm herein und schließ die Tür.“ Eine winkende Geste sollte Sydney einladen auf dem Stuhl an einer Sitzgruppe Platz zu nehmen, die bequemer wirkte als der Stuhl, der sich vor Katyas pompösem Schreibtisch befand.

Die braunhaarige Agentin wartete bis ihre Tante das Gespräch begann, runzelte die Stirn, weil sie ein wenig besorgt aussah. Nicht, dass Sydney Katyas Probleme sonderlich interessiert hätten!
„Wir stecken in einer Sackgasse!“ seufzte Derevko schließlich und ihrem Gesichtsausdruck zu schließen, schien das sogar der Wahrheit zu entsprechen. Die CIA-Agentin war nur aus dem Grund nicht glücklich darüber, weil das hieß, dass auch ihre Bemühungen den Covenant zu zerschlagen nicht vorankommen würden.
„Sackgasse?“ hakte die Amerikanerin nach als ihre Tante nicht weiter sprach.
Irinas Schwester nickte. „Ja. Mit dem Tod von Miguel Sanchez haben wir nichts, das uns bei der Suche nach Rambaldis Puzzle weiterhelfen könnte.“
„Was ist mit Sark? Wozu ist er denn hier, wenn er uns nicht helfen kann?“ Sofort schlug Sydneys Stimme einen misstrauischen Unterton ein. Schon bevor ihre Eltern mit ihr gesprochen hatten, war sich die CIA-Agentin sicher gewesen, dass Sarks Partnerschaft mit dem Covenant ganz andere Gründe gehabt haben musste als die, die er Sydney und Nadia genannt hatte.
„Das kann er ja auch. Zuvor bräuchten wir aber Miguels Kundenliste. Das ist der Grund warum ich dich herbestellt habe, Sydney. Ich möchte, dass du dich mit Sark zusammensetzt und mit ihm über Optionen nachdenkst. Möglichkeiten, die uns zu der Kundenliste von Miguel Sanchez verhelfen können.“
Die Braunhaarige schnappte überrascht nach Luft. Ausgerechnet sie sollte mit diesem irischen Ekel zusammenarbeiten, der noch dazu nichts anderes im Sinn hatte als ihre Schwester einem Rambaldi besessenen Soziopathen auszuliefern?

Da Sydney sich aber der Tatsache bewusst war, dass ihr nicht viele Möglichkeiten oder Einwände zur Verfügung standen, widersprach sie nicht.
„Sark erwartet dich gegen Abend im Operationszentrum. Er hat zuvor noch einige Dinge zu erledigen“ erklärte Katya mit erwartungsvollem Blick auf Sydney gerichtet, die nicht zuließ, dass ihre Tante eine Emotion in ihrem Gesicht ablesen konnte. Emotionen, die womöglich mehr verraten könnten als gut war. Also stand die Agentin auf, richtete sich ihren Blazer zurecht, verabschiedete sich von Katya und trat aus der Tür.

Kaum die Covenant-Zentrale verlassen und außer Hör- und Sehweite, tauschte Sydney die SIM-Karte ihres Handys aus und wählte eine Nummer. Zu ihrer Überraschung nahm Vaughn den Anruf entgegen.
„Vaughn?“ fragte die Braunhaarige überrascht. „Wo ist meine Mutter?“
„Sie ist gerade dabei Nadia den Peilsender zu implantieren. Was ist los?“
Sydney zögerte mit einer Antwort. Alles am Telefon zu erklären würde zu lange dauern. „Ich muss dich sehen.“

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te er sie ernst. Die Agentin schmunzelte und streckte sich dem Blonden ein wenig entgegen um ihn zu küssen, was der sofort erwiderte und seine Arme um Sydneys Taille legte. +++++++

Einige Minuten später……

„Phoenix ist soeben eingetroffen“ sprach ein Wachmann in der Tiefgarage über das Funkgerät als ein BMW mit abgedunkelten Scheiben die Schleuse passierte.
„Verstanden. Schicken sie sie hoch“ antwortete Irina, betätigte den Auflegenknopf an ihrem Handy und wandte sich an Jack, Nadia, Weiss und Vaughn, die gerade den Korridor entlang auf sie zukamen: „Das ist Sydney“. Michael hatte Derevko zuvor über Sydneys Anruf informiert.

Es dauerte nicht lange bis sich die Fahrstuhltür öffnete und die Braunhaarige dahinter zum Vorschein kam. Zuerst erkundigte sie sich bei Nadia ob alles in Ordnung war, worauf die ihr antwortete, dass der Sender implantiert war und seinen Dienst tat.
„Gehen wir in mein Büro“ schlug Irina vor und trieb die Gruppe zur Bewegung an. Drinnen angekommen und nachdem alle auf Stühlen Platz genommen hatten, berichtete Sydney von ihrem Gespräch mit Katya und dessen Ausgang.
„Ohne die restlichen Teile des Puzzles gerät nicht nur die Arbeit des Covenant ins Stocken, es hindert uns auch daran Katya und die Organisation zu Fall zu bringen“ befand Jack nach einer Weile des Schweigens.
„Ich habe einen Plan. Dazu bräuchten wir allerdings deine Hilfe, Nadia.“ Ernsten Blickes wandte sich die braunhaarige CIA-Agentin an ihre Schwester, was diese nervös machte, die Gruppe nacheinander anblickte, von denen jeder Nadias Blick erwiderte um dann in der Aufmerksamkeit wieder zu Sydney zu wechseln. „Wir machen eine Covenant-Mission daraus: Nadia, du hast eine Zeit lang verdeckt für Miguel Sanchez gearbeitet. Nach seinem Tod suchen die Mitglieder seiner Organisation nach einem Nachfolger. Was, wenn wir dich als Nachfolgerin einschleusen? Du besorgst die Kundenliste und alles an Informationen was du kriegen kannst.“

„Wir geben gefälschte Informationen an den Covenant weiter, während wir die Echten bekommen“ beendete Michael den Gedanken.
„So in etwa“ erwiderte die Braunhaarige.
„Das ist ein ziemlich waghalsiger Plan!“ meinte Eric, alles andere als zufrieden dreinschauend. Ihm gefiel es nicht, dass seine Freundin sich solch einer Gefahr aussetzte. Nicht auszudenken was dabei alles schief gehen konnte, auch wenn Weiss wusste welch fähige Agenten Sydney und Nadia waren.
„Waghalsig, aber es könnte funktionieren“ widersprach Sydney.
„Und wie lange hast du über diesen Plan nachgedacht? Fünf Minuten?“ Weiss’ Stimme überschlug sich ein wenig, seine Stirn legte sich verärgert in Falten.
Sydney war gekränkt, dass Eric ihr zutraute das Leben ihrer Schwester leichtfertig auf’s Spiel zu setzen. Abgesehen davon war sie diejenige, die einen Vorschlag gemacht hatte und das war immer noch besser als gar nichts.

 „Hast du einen Besseren?“ fragte sie mit bissigem Unterton.
„Jedenfalls ist alles besser als Nadia solch einer Gefahr auszusetzen!“ fuhr der Schwarzhaarige der Agentin über den Mund.
„Sofort Aufhören!“ schaltete sich Irina laut ein, was die beiden Streithähne sofort verstummen ließ. „Ich finde Nadia sollte entscheiden ob sie es machen will oder nicht. Nadia?“ Die Schwarzhaarige wechselte in ihrem Blick von Sydney zu Irina. „Sydney würde dich beschützen. Das ist unsere womöglich einzige Chance an die Kundenliste von Miguel zu kommen. Deshalb musst du dich sofort entscheiden“ fügte die ehemalige KGB-Agentin mit sanfter Stimme hinzu.
Stille. Nadia schien nachzudenken, stimmte schließlich zu. Sydney und Irina hatten Recht. Dieser Plan, auch wenn er riskant war, war die einzige Möglichkeit, die sie noch hatten.
„Gut. Sydney fahr’ mit Nadia zum Covenant. Schlagt Sark diese Vorgehensweise vor. Nachdem Katya die Operation bewilligt hat, meldest du dich bei Vaughn. Standardverfahren. Mister Vaughn sie geben den beiden dann ihren Gegenauftrag.“ Bestimmte Irina, womit jede weitere Diskussion und die Versammlung beendet war, jeder sich an die Arbeit machte.  

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Katya war sehr zufrieden über Sydneys Vorschlag gewesen und hatte die Operation schließlich bewilligt. Was anderes hatte die braunhaarige Agentin auch gar nicht erwartet.

Sydney saß in einem Park. Es war Mittag, die Luft hatte sich ein bisschen aufgewärmt, wobei es in Russland nie wirklich warm war.
Ein altes Ehepaar setzte sich nebeneinander auf eine Bank, die ein paar Meter weiter weg von der Agentin stand. Die Braunhaarige beobachtete wie liebevoll beide miteinander umgingen und musste lächeln. Ob ihre Zukunft auch einmal so friedlich aussehen würde? Mit Vaughn als altem Mann auf einer Parkbank sitzend und Händchen haltend?
Die Braunhaarige schüttelte mit dem Kopf. Sie hatte es bis jetzt ja noch nicht mal fertig gebracht ihrer Familie von ihrer Verlobung mit Michael zu erzählen. Obgleich es Vaughns Entscheidung gewesen war, die Verlobung vorerst noch nicht öffentlich zu machen.
Es gab vorher noch eine Menge Hindernisse zu überwinden. Allem voran musste der Covenant endgültig zerschlagen werden und selbst dann sah Sydney immer noch genügend Probleme, die mit der Verlobung und der kommenden Hochzeit auf sie zukommen würden.

Lächelnd wandte die Agentin ihren Blick von dem Senioren-Ehepaar ab und dem Zettel auf ihrem Schoß zu, auf den sie schrieb:

Vaughn,
Katya hat die Operation bewilligt, die Nadia und ich vorgeschlagen haben. Nadia hat den Auftrag nach Buenos Aires zu fliegen und sich dort als Nachfolgerin von Miguel zu präsentieren. Ich werde als Verstärkung mit nach Argentinien fliegen, während Sark die Operation von Moskau aus überwachen wird. Wie geht´s weiter?


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Ein altes Lagerhaus, das scheinbar seit Jahren nicht mehr genutzt wurde, diente als Treffpunkt für Sydney und Vaughn.
Schon als die Agentin den dunklen, feuchten Ort betrat und auf den wartenden Michael zusteuerte, musste sie grinsen, was sich auch nicht mehr abstellen ließ. Verunsichert wollte der blonde Agent wissen was seine Verlobte denn so amüsierte.
„Ach es ist nichts….“ Winkte die Braunhaarige ab. „Es ist nur…An solchen Orten haben wir uns immer getroffen als du noch mein Verbindungsmann bei der CIA warst.“

Nun war es an Vaughn zu grinsen. Einen langen Moment blickte sich das Paar tief in die Augen. Keiner sagte ein Wort bis Michael schließlich passende Worte zu erwidern wusste: „Zurück zu den Wurzeln.“
Wieder tauschten die Agenten ein breites Grinsen. Sydney verschränkte die Arme vor ihrer Brust, während Michael die Hände in die Hüfte stemmte und seufzte. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal für deine Mutter arbeiten würde. Es kommt mir so….bizarr vor.“
„Ich weiß was du meinst“ stimmte Sydney sofort zu. „Und? Was hat meine Mutter gesagt?“
„Nun ja sie war nicht wirklich überrascht, dass Katya deine Operation bewilligt hat. Ich habe mit ihr deinen Gegenauftrag besprochen. Gib uns die Kundenliste, nicht Sark. Ich werde dafür sorgen, dass er eine Kundenliste von Miguel erhält, aber eben eine Unvollständige. Während wir die Kunden aufsuchen, die der Covenant nicht kennt, wird der Covenant wiederum die Kunden aufsuchen, die er kennt.“

„Nur, dass sie ohne die andere Hälfte der Liste das Puzzle nicht zusammen bekommen“ fiel die CIA-Agentin ihrem Freund ins Wort.
„Ganz genau.“ Michael griff mit der linken Hand in seine Manteltasche und holte eine schwarze Tablette heraus, die in einer Plastiktüte verpackt war und reichte sie an Sydney weiter. „Das ist ein Kehlkopfmikrofon, so klein, dass es für jeden unsichtbar ist. Du musst es schlucken. Sobald Nadia die Kundenliste auf deinen Laptop geladen hat, liest du sie uns laut vor, während du mit Sark Funkstille vereinbarst.“ Als die Agentin den Blonden mit einem skeptischen Blick bedachte, beeilte sich Vaughn zu erklären: „Keine Angst. Das Mikrofon ist absolut ungefährlich. Nach ein paar Tagen scheidest du es ganz normal wieder aus.“
„Gut zu wissen. Bevor wir abfliegen, erkläre ich Nadia den Gegenauftrag. Die Mission ist einfacher, wenn sie Bescheid weiß.“ Michael stimmte Sydney nickend zu.
„Sei vorsichtig.“ Ermahnte er sie ernst. Die Agentin schmunzelte und streckte sich dem Blonden ein wenig entgegen um ihn zu küssen, was der sofort erwiderte und seine Arme um Sydneys Taille legte.

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Buenos Aires,
Argentinien


Nadia, in schwarz gekleidet mit einer roten, kurzen Lederjacke betrat einen Club, in dem sich der Abschaum von Buenos Aires traf. Die Chance einen Mitarbeiter Miguels zu treffen, war hier am größten. Auch wenn die Agentin Läden wie diesen hasste.

Die Männer an der Bar sahen die Schwarzhaarige geringschätzig an, als könnten sie es kaum glauben, dass eine Frau sich allein in eine solch verrufene Gegend wagte. Doch keiner traute sich eine Bemerkung zu machen. Manche grinsten abfällig.
„Qué puedo traer a la señora joven?” ( “Was darf ich der jungen Dame bringen?”) Der Barkeeper lächelte freundlich in Nadias Richtung, was diese erwiderte.
„Vino rojo“ („Rotwein.“)
Als der Barkeeper sich von der jungen Agentin weg drehte, wandte sich die Argentinierin an ihre Schwester. „Ich bin drin.“
„Verstanden, Nadia. Bleibe auf Empfang!“ antwortete Sydney.
„Und ich ebenfalls.“ Meldete sich Sark zu Wort und klang dabei so als hätte er Angst die Schwestern könnten das vergessen. Die braunhaarige Agentin verkniff sich eine bissige Bemerkung und konzentrierte sich auf den Monitor, auf dem sie Nadia an der Bar sitzen sehen konnte.

Einer der Männer, die Nadia von dem Moment an beobachteten, in dem sie die Bar betreten hatte, schlenderte zu ihr hinüber, setzte sich ohne zu fragen auf den Hocker neben ihr.
„Usted no sabe que trae desgracia, para beber solamente?” (“Wissen sie nicht, dass es Unglück bringt, allein zu trinken?”) fragte der junge Mann, musste ungefähr in Nadias Alter sein. Er besaß blondes, millimeterkurzes Haar und sein brauner Mantel ließ ihn so ganz und gar nicht argentinisch wirken, eher wie ein Amerikaner.
„Sprechen sie englisch?“ beschloss die Schwarzhaarige ihrer Neugier auf den Grund zu gehen.
Der Blonde grinste. „Ja. Rafael Perez.“ Er reichte der jungen Frau die Hand.
„Ich suche jemanden. David Graham.“ Rafaels Gesichtsausdruck veränderte sich, als hätte er einen neuen Menschen vor sich. Volltreffer, dachte Nadia.
„Darf ich fragen wer David sucht? Sie haben sich mir nicht mal vorgestellt.“ erwiderte der Blonde misstrauisch.

Endlich brachte der Barkeeper das Glas Rotwein. Die Schwarzhaarige bedankte sich und nahm einen großen Schluck ehe sie Rafael antwortete. „Nadia Santos.“ Sie sah ihn nicht an. Ihr Blick war geradeaus gerichtet und doch wusste sie, dass der blonde junge Mann ihren Namen nicht zuordnen konnte, aber aus ihrem selbstsicheren Auftreten schloss, dass David sie kennen musste.
„Einen Moment“ bat Rafael, holte ein Handy aus der Innenseite seines Mantels und ging ein paar Meter, das Telefon an die Ohrmuschel gepresst.
Nadia hörte ihn ein paar Worte auf Spanisch murmeln, dann kehrte er zu der Agentin zurück.
„David sagt, dass er sich gerne mit ihnen treffen würde. Aber an einem neutralen Ort.“

„Gut bringen sie mich zu ihm!“ erwiderte die Schwarzhaarige, warf ein paar Pesetas auf den Tresen und folgte Rafael nach draußen zu einer Limousine, die vor der Bar parkte.

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Los Angeles

„Ich war überrascht und erfreut, dass sie mich angerufen haben, Arvin.“ Ein Mann mit grau meliertem Haar und Drei-Tage-Bart lächelte und bedeutete Sloane freundlich vor seinem Schreibtisch Platz zu nehmen.
„Danke, Ramon,“ erwiderte Arvin mit demselben freundlichen Lächeln während er sich setzte und einen Blick aus dem großen Fenster warf. Von Ramons Büro aus, im 9. Stock, hatte man eine herrliche Aussicht auf die Stadt Los Angeles. Straßen und Menschen wirkten wie Spielzeuge.

„Was führt sie zu mir, Arvin?“ fragte der Geschäftsmann, griff in die Innenseite seines Jacketts und holte ein silbernes Zigarettenetui heraus, das er öffnete und Sloane hinhielt. Der ehemalige SD-6-Chef lehnte dankend ab.
„Ich bin vor kurzem von einer längeren Reise zurückgekehrt“ begann Arvin lächelnd.
Ramon nickte. Ein breites, wissendes Grinsen umspielte seine Mundwinkel. „Rambaldi?“ In den Augen des Grauhaarigen spiegelte sich dieselbe Begierde wider wie in Sloanes Gesicht.

Der frühere SD-6-Chef nickte. „Ich war mit meiner Tochter unterwegs in allen Teilen der Welt um etwas zu suchen. Etwas, das Milo Rambaldi die Sphäre des Lebens genannt hat. Rambaldi sah darin den Beweis dafür, dass ewiges Leben möglich ist.“
Nun zündete sich Ramon selbst eine Zigarette an. Während er den ersten Zug nahm, ließ er die Worte seines alten Freundes auf sich wirken. Er nahm noch einen festen Zug vom Glimmstengel und wandte sich dann seinem Freund zu: „Was schlagen sie mir vor?“
„Mein Freund sie kennen mich gut genug um zu wissen, dass es mir nicht reicht nur zu wissen. Bei Rambaldi ist das so, hat man eines seiner Rätsel gelöst, tut sich dahinter noch eines auf und noch eines. Ich möchte weitere Nachforschungen über das anstellen was ich erfahren habe und das geht nicht ohne Geld, einen Investor.“
Misstrauen legte sich in Ramons Gesichtszüge. Forsch blies er den blauen Dunst in Arvins Gesicht, doch dieser verzog keine Miene, hielt dem Blick seines Freundes nur ruhig, fast amüsiert, stand. „Was springt für mich dabei raus? Ich meine sie haben mir nicht mal gesagt was sie erfahren haben. Was ist diese Sphäre des Lebens?“

„Geduld, mein Freund, Geduld. Ich verspreche ihnen, dass sie alles noch erfahren werden. Vorher gibt es noch eine Person, die ich von meiner Faszination für Rambaldi überzeugen muss.“
Der Grauhaarige lehnte sich zurück. Die Zigarette war jetzt schon fast herunter gebrannt also drückte er sie aus. Für seine nächste Frage sah er Sloane an: „Und die Person wäre?“
„Meine Tochter.“ Sloane stand auf, drehte sich um und verließ das Büro mit den Worten: „Überlegen sie es sich. Ich komme wieder.“

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Buenos Aires,
Argentinien


Eigentlich hatte Nadia eine etwas luxuriösere Unterkunft erwartet, als das kleine Haus, vor dem sie nun stand. Miguel war ein Mann gewesen, der den Luxus geliebt hatte, der offen gezeigt hatte, dass er Geld im Überfluss besaß.
„Nadia!“ David trug einen schwarzen Armani-Anzug, der so gar nicht recht zur Umgebung passen wollte. Der schwarzhaarige Mann mit dem markanten Kinnbart machte eine einladende Geste und die Agentin ging voran.

Plötzlich verlor Sydney das Signal. Sie hörte nur noch ein Rauschen, keine Stimmen mehr. Die Braunhaarige keuchte. Mit weit aufgerissenen Augen realisierte sie, dass Graham gewusst haben musste, dass Nadia mit Überwachung kommen würde.
„Sark? Wir haben ein Problem. Ich unterbreche die Verbindung.“
„Sydney was…“ wollte der Blonde fragen, doch die Funkverbindung war schon unterbrochen. Stutzig geworden wollte Julian versuchen den Funkkontakt mit Sydney wieder herzustellen, wusste aber selbst, dass das nur dann möglich war, wenn sie ihr Mikrofon wieder einschaltete.

Die braunhaarige Agentin atmete tief durch und sprach dann: „Basis? Hier Phoenix.“
„Wir hören dich laut und deutlich, Phoenix. Was ist los? Wir haben das Signal von Evergreens Peilsender verloren“ meldete sich Irina.
„Mom da ist was schief gelaufen! Ich habe den Funkkontakt verloren!“
Ein frustriertes Schnauben war zu hören. Irinas Blick glitt kurz zu Jack, der mit den Achseln zuckte und seufzte. „Wir warten ab. Solange wir nicht sicher sind, dass Evergreen in Gefahr ist, tun wir nichts“ wies die Russin ihre Tochter an.
Stille am anderen Ende der Leitung. Sydney war ein wenig wütend, dass ihre Mutter überhaupt nicht an Nadia zu denken schien. „Aber…“
„Phoenix, das ist ein Befehl! Halt mich auf dem Laufenden und informiere Sark über die Situation“ unterbrach die Mutter ihre Tochter in strengem Tonfall.
Die CIA-Agentin sah eine Diskussion als sinnlos an und antwortete, dass sie verstanden habe.
„Sark? Ich habe den Funkkontakt zu Nadia verloren. Ich gehe rein.“ Egal was ihre Mutter verlangte, Sydney konnte Nadia nicht sich selbst überlassen.

Während die Agentin ein Magazin in ihre Waffe schob, sprach der Blonde mahnende Worte: „Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist, Sydney.“
„Zerbrechen sie sich nicht meinen Kopf! Ab jetzt Funkstille!“ Mit diesen Worten verließ die Braunhaarige den Wagen, von dem aus sie Nadia beobachtet hatte und ihr bis zum Haus gefolgt war.

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„Du wirkst enttäuscht, Nadia“ lächelte David, füllte zwei Gläser mit Champagner und reichte eines an die Agentin weiter. Sie antwortete nicht und so fügte der junge Mann noch etwas hinzu: „Du hattest wohl mehr erwartet, wie? Weshalb bist du hier? Ich habe dich seit drei Jahren nicht mehr gesehen.“
„Ich habe gehört was mit Miguel passiert ist“ antwortete die Schwarzhaarige kühl, sah ihrem Gegenüber direkt in die Augen, während sie an ihrem Champagner nippte. „Ich möchte seinen Platz einnehmen.“
David blinzelte ein paar Mal mit den Augen als hätte er sich verhört. Schon von dem Augenblick an, in dem er von Miguels Tod erfahren hatte, war David sich darüber im Klaren gewesen, dass Leute auftauchen könnten, die an Stelle von ihm Miguels Geschäfte weiterführen wollen würden. Dass ausgerechnet Nadia eine von diesen Personen sein würde, hätte er sich im Leben nicht erträumt.

Der junge Mann dachte aber nicht daran Nadia Miguels Posten einfach so zu überlassen, dachte mehr Anspruch auf Miguels Posten zu haben als die Schwarzhaarige. Schließlich hatte Nadia sich seit drei Jahren nicht mehr blicken lassen. „Woher weiß ich, dass das keine Falle ist? Versteh mich nicht falsch. Miguel hätte sicher gewollt, dass du seine Geschäfte weiter führst. Aber du bist weg gegangen, Nadia. Vor drei Jahren.“
Nadia setzte das Champagnerglas auf dem Glastisch ab, der sich in der Mitte des spartanisch ausgestatteten Raumes befand, und machte einige Schritte auf David zu, so dass sie nur Zentimeter voneinander entfernt waren. „Ich hatte Schwierigkeiten und in die wollte ich Miguel nicht hinein ziehen. Ich hatte ihm versprochen, keinen Ärger zu machen und daran habe ich mich gehalten.“
Miguels Mitarbeiter grinste böse, stellte das Glas ab und zog sein Jackett aus. „Lass uns darum kämpfen. So wie früher. Wenn du gewinnst, bekommst du Miguels Kundenliste und alles was du sonst noch brauchst um seine Geschäfte weiterzuführen. Ich werde verschwinden. Wenn ich gewinne,“ ein diabolisches Schmunzeln zeichnete Davids Mundwinkel. „stirbst du.“

Nadia wirkte unentschlossen. Als David dies bemerkte, wurde sein Grinsen nur noch breiter und weitaus provokanter. „Na komm schon, Nadia! Ich weiß du willst es.“ Die Agentin funkelte den Mann an. David wies seine Leute an nicht einzuschreiten und taxierte die Argentinierin, der plötzlich klar wurde, dass sie David würde töten müssen um von Miguels Organisation als dessen Nachfolgerin anerkannt zu werden.
Ein Schatten an der Wand erregte Nadias Aufmerksamkeit. Unauffällig schielte sie an ihrem Gegenüber vorbei und musste geschockt feststellen, dass Sydney sich heimlich in das Gebäude eingeschmuggelt haben musste. Mit einem kurzen Blick gab die Schwarzhaarige ihrer Schwester zu verstehen, dass sie verschwinden solle. Doch Sydney dachte nicht daran zu gehen, beobachtete nervös das Geschehen.

„Was ist? Kämpfen wir jetzt auf Leben und Tot oder soll ich meinen Leuten sagen sie sollen dich gleich erschießen?!“ fauchte David plötzlich und landete den ersten Schlag in Nadias Gesicht, wodurch deren Kopf herumfuhr, ihrer Lippe einen kleinen Kratzer einbrachte.
Die Schwarzhaarige sah ihren Gegner an. Gelbe Funken tanzten in ihren Augen und ein energiegeladener Kampf entbrannte, bei dem Nadia zwar schwer einstecken musste, aber auch schmerzhafte Treffer in Davids Gesicht landen konnte. Alles, Tische, Stühle und andere Möbelstücke, dienten als Waffe.
Nach einer Weile war der junge Mann so nah bei der Agentin, dass er sie auf den Tisch werfen konnte, wodurch die Champagnerflasche auf den Boden rollte und den Alkohol auf dem Boden verteilte, während der Tisch in tausend Stücke zerbrach. Blitzschnell ergriff Nadia die Flasche, benutzte sie um den herannahenden Fausthieb Miguels abzublocken und schlug die Champagnerflasche auf seinen Kopf, was David zu Fall brachte. Als er am Boden lag, nahm sie einen Glassplitter und rammte ihn in Davids Hand, was einen lauten Aufschrei von selbigem zur Folge hatte.
„Wo ist Miguels Kundenliste?“ zischte sie in sein Ohr.
„Im Keller steht ein Computer. Ich wollte mich einloggen bevor du gekommen bist. Das Passwort lautet Sonnenaufgang.“ stöhnte David unter Schmerzen. Nun stürzten sich die Wachmänner auf Nadia.

Sydney kam aus ihrem Versteck hervor, rief: „Nadia!“ und erschoss einen der Bodyguards bevor dieser auf ihre Schwester schießen konnte. Die Schwarzhaarige wirbelte herum und verpasste dem zweiten Bodyguard einen Tritt. Durch den Lärm aufmerksam geworden, kam schnell Verstärkung.

Die braunhaarige Agentin wusste den Tritten und Fausthieben, die auf sie zukamen, geschickt auszuweichen, konnte aber nicht verhindern, dass sie schmerzhafte Treffer einstecken musste. Ihr Gesicht war mittlerweile blutzerfurcht. Genau wie Nadias, die einige Meter entfernt von ihrer Schwester mit der Verstärkung beschäftigt war.
David nutzte in der Zwischenzeit die Gelegenheit sich aufzurappeln, schnappte sich eine der Pistolen, die auf dem Boden lagen und versuchte zu fliehen. „Sydney!“ machte Nadia ihre Schwester auf David aufmerksam. Die Braunhaarige nickte, verfolgte David, der in die Enge getrieben und weil sein einziger Fluchtweg durch Nadia versperrt war, sich einem Kampf mit Sydney stellte.

Eine Weile wurden Angriffe ausgeteilt und geblockt. Es folgten Tritte und Versuche den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Bis David eine günstige Gelegenheit sah, in der die Braunhaarige kurz zu ihrer Schwester blickte, und sie mit einem harten Faustschlag, der Sydney fast das Bewusstsein raubte, zu Fall brachte. Die Agentin sah die Waffe in ein paar Meter Entfernung liegen und wollte zu ihr robben. Doch David war vorher bei ihr und drehte ihren Arm um 180 Grad. Ein lautes Knacken war zu hören, das mit einem lauten Aufschrei der Agentin einherging. Der Arm war ausgerenkt, aber trotzdem schaffte es die Braunhaarige den jungen Mann mit ihrem gesunden Ellbogen bewusstlos zu schlagen.

Gerade als Sydney abermals zu Nadia sehen wollte, musste sie erschrocken feststellen, dass einer der Wachmänner ihre jüngere Schwester überwältigt hatte und nun seine Waffe auf sie richtete. Hektisch schnappte die Braunhaarige sich die Waffe, aber schon war der erschreckende Knall des sich lösenden Abzugs zu hören. Die CIA-Agentin sah mit Tränen in den Augen mit an wie ihre Schwester mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden ging. Von Adrenalin gepackt, vergaß die junge Frau den Schmerz in ihrem Arm, richtete sich auf und streckte Nadias Gegner mit einigen gezielten Schüssen nieder.

In ihrer Sorge um Nadia bemerkte Sydney nicht, wie das gesamte Gebäude sich plötzlich automatisch abriegelte. Alle Wachen waren geflohen und im Keller des Gebäudes schaltete sich auf einmal ein Timer ein, der von 6 Stunden an rückwärts herunter zählte.
„Nadia!“ machte die Braunhaarige und zu ihrer Überraschung rappelte sich ihre Schwester hustend und vor Schmerzen stöhnend auf. Als sie Nadias Top nach oben schob, sah Sydney die Weste, die sie darunter trug. Erleichtert erschlaffte sich der vor Aufregung gespannte Körper und Sydney legte ihre gesunde Hand auf Nadias Wange. „Oh Gott! Ich dachte schon!“ sagte die Braunhaarige atemlos.

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Moskau,
Russland


„Mrs. Derevko!“ kam Vaughn eiligen Schrittes ins Büro von Irina geplatzt, die gerade inmitten einer strategischen Besprechung mit Karimirov und Jack steckte.
Drei Augenpaare richteten sich auf den Blonden. Während Karimirov verärgert über die Störung wirkte, blieben die Gesichtsausdrücke von Jack und Irina, nichts sagend und voller gespannter Erwartung. „Verzeihen sie.“ Räusperte der CIA-Agent sich und reichte Sydneys Mutter einen Ausdruck. Hinter Michael kam Eric zum Vorschein, der kreidebleich im Gesicht war. „Wir haben den Funkkontakt zu Sydney und Nadia vor fünf Minuten verloren. Sydney ist in das Gebäude eingedrungen um Nadia zu helfen. Während eines Kampfes hat einer der Sicherheitsleute die Notverriegelung aktiviert. Niemand kommt rein oder raus. Ich muss etwas unternehmen.“ Derevko bedachte den Freund ihrer Tochter mit einem strengen Blick, worauf Vaughn sich abermals räusperte und verlegen die Lippen aufeinander presste. „Wir meine ich…Ma’am.“

„Ich finde, wir sollten noch nichts unternehmen solange wir noch nichts Konkretes wissen. Warten wir noch eine Weile“ Befand Karimirov.
„Ach und worauf?! Dass Sydney und Nadia als Leichen zurückkommen?!“ schaltete sich Weiss wütend ein. „Wieso redet er überhaupt mit?!“ Der Agent wandte seinen Blick von Sergej zu Irina, die versuchen wollte den Schwarzhaarigen zu beruhigen als Jack sich in die Diskussion einmischte:
„Ich finde den Einwand von Agent Karimirov gar nicht so unberechtigt. Sark wird inzwischen auch wissen, dass etwas nicht stimmt und den Covenant informiert haben. Wenn wir ein Team losschicken, und man beim Covenant dasselbe tut, könnten die Beiden auffliegen.“ Meinte er ruhig.
Auch wenn der Drang, Sydney und Nadia zu retten, sich durch Jacks Worte nicht gelegt hatte, mussten Michael und Eric ihm zustimmen. Nach Buenos Aires zu reisen, könnte die Schwestern in noch größere Gefahr bringen, als sie sich wahrscheinlich im Moment befanden.
„Dann warten wir also. Ich will alle halbe Stunde auf den neuesten Stand gebracht werden“ entschied Irina. Diskussion beendet.

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Buenos Aires

Wände. Sie schienen sich von allen Seiten auf Nadia zuzubewegen. Eigentlich war sie gar nicht klaustrophobisch veranlagt. Der Durst, die Stunde eingeschlossen in einem Gebäude, machten ihr nur zusehends zu schaffen. Die Schwarzhaarige atmete schwer, lehnte sich gegen eine Wand und versuchte nicht zu hyperventilieren. Eine Hand legte sich auf ihre Schulter. Die Agentin zuckte zusammen, konnte zuerst nicht feststellen zu wem die Hand gehörte. Die Bilder verschwammen merklich.
„Nadia!“ rief Sydney, doch die Argentinierin schien sie nicht zu hören. Erst als die Braunhaarige ihre Schwester schüttelte, erkannte Nadia sie. „Halt die Luft an!“ sagte Sydney. Die Schwarzhaarige verstand nicht und runzelte verwirrt die Stirn. „Wenn du hyperventilierst, wirst du ohnmächtig.“ Als Nadia Sydneys Aufforderung keine Taten folgen ließ, legte die braunhaarige Agentin ihre Hand auf den Mund ihrer Schwester.
Zuerst ging Nadias Atem noch stoßweise, doch minütlich beruhigte er sich. „Du hast eine Panikattacke. Das ist normal und geht vorbei.“ Versuchte die ältere Schwester, die Jüngere zu beruhigen und nahm ihre Hand weg als die Argentinierin ein wenig ruhiger geworden war.

In diesem Moment wachte ein benommener David auf. Sydney hatte ihn gefesselt. „Was ist passiert?“ wollte er wissen.
„Wir sind eingeschlossen.“ Antwortete die Braunhaarige und kam mit Nadia näher.
„Jemand muss die Notverriegelung aktiviert haben.“ Es beunruhigte Sydney, dass Davids Stimme ein wenig zitterte. Als wäre da noch mehr als nur das Eingeschlossen sein.
„Scheint so“ gab die Agentin scheinbar gleichgültig zurück, während der junge Mann die Stirn kraus legte als versuche er angestrengt sich an etwas zu erinnern. Als es ihm einfiel, hellte sich sein Gesicht ein wenig auf, obgleich noch immer ein dunkler Schatten über seinen Augen lag.
„Im Keller gibt es einen Timer. Nach Ablauf von 6 Stunden setzen verschiedene Düsen ein Nervengas frei. Miguel wollte so sicherstellen, dass Eindringlinge dieses Haus nicht mehr lebend verlassen.“

Schweißperlen rannen der Braunhaarigen über die Stirn. Obwohl es im Raum nicht sonderlich heiß war. Nadia neben ihr, war kreidebleich. „Lass mich raten: Das System kann von hier aus nicht abgeschaltet werden,“ sagte die Schwarzhaarige.
David schüttelte seufzend mit dem Kopf. „Neben dem Eingang, außerhalb des Gebäudes, gibt es ein Tastenfeld in einer Wand, hinter einem Bild. Jemand muss den richtigen Code eingeben, dann schaltet sich das System ab und das Gas wird nicht freigesetzt.“
Sydney erinnerte sich an den Computer, den David erwähnt hatte. „Der Computer mit der Kundenliste ist im Keller?“
Wieder nickte Miguels ehemaliger Angestellter, worauf die Braunhaarige zwei Waffen vom Boden aufhob, von der sie eine Nadia reichte, ihre auf David richtete und ihm befahl voran zu gehen. „Es ist jetzt eine Stunde vergangen. Wir schicken eine E-Mail an Vaughn mit der Kundenliste und erklären ihm was passiert ist. Mit etwas Glück kann uns jemand hier raus holen bevor das Gas freigesetzt wird“ erklärte sie ihrer jüngeren Schwester den Plan.

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Moskau,
Russland


Fast erleichtert wirkte Irina als sie Vaughn hereinkommen sah mit einem Zettel in der Hand, nach außen hin wahrte sie den Schein und strahlte Ruhe aus, während sie geduldig darauf wartete, dass der Agent Neuigkeiten über ihre Töchter brachte.
„Gerade habe ich eine E-Mail erhalten. Sydney hat die Kundenliste gefunden und sie uns gemailt. Einen Teil davon habe ich bereits an den Covenant weiter geleitet.“ Vaughn reichte Derevko die Liste, die sie sogleich zu studieren begann.
Die Namen, die nun dem Covenant bekannt waren, hatte er rot markiert.
„Da ist noch etwas, Mrs. Derevko.“ Michael fuhr sich mit der Hand nervös durch das Haar, presste die Lippen aufeinander und fügte hinzu: „Sydney hat mir in ihrer Mail auch erzählt, dass es einen Timer innerhalb des Gebäudes gibt, der dazu bestimmt ist, 6 Stunden nach Aktivierung der Notverriegelung ein tödliches Gas freizusetzen. Mrs. Derevko wir müssen Agenten nach Buenos Aires schicken!“
In eindringlichem Ton sprach der Blonde mit seiner Schwiegermutter in spe, unterstrich seine Bitte noch mit dem passenden Gesichtsausdruck.
„Wir warten.“ Entschied Derevko nach einer Minute des Schweigens. Dieser Befehl überraschte Vaughn so sehr, dass er nach Luft schnappte. Sein Kopf war mittlerweile krebsrot angelaufen.

„Warten?! Aber das sind ihre Töchter in Buenos Aires! Bitte! Wir können die Beiden nicht sich selbst überlassen!“
Irina stand auf. Die Stirn kraus gezogen, taxierte sie den Agenten, der sich sofort wieder beruhigte und den Blick senkte. „Ich muss meine Entscheidung vor ihnen nicht rechtfertigen, Agent Vaughn! Aber bitte: Ich möchte Sydney und Nadia genauso gern helfen wie sie, aber wir können es uns nicht leisten ein Team nach Argentinien zu schicken solange wir noch nicht wissen was der Covenant unternehmen wird. Sollten die auch ein Rettungsteam schicken und CIA- oder FSB-Agenten entdecken, sind die Zwei so gut wie tot. Und glauben sie mir: Vom Covenant beseitigt zu werden ist ein schlimmerer Tod als im Gas.“
Dazu fiel Michael kein stichhaltiges Gegenargument ein, musste Irina zugestehen, dass sie Recht hatte. „Für’s Erste informieren sie Jack und Weiss über die Situation und verfolgen Sarks nächste Schritte.“ Damit gab Irina dem jungen Mann anhand ihrer Körpersprache zu verstehen, dass das Gespräch beendet war.
Der blonde Agent nickte und verließ das Büro.

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„Stimmt es was ich gehört habe?“ Ohne anzuklopfen hatte Sark mit versteinertem Gesichtsausdruck  das Büro von Katya betreten.
„Was haben sie denn gehört?“ Katya von ihrem Schreiben aufsehend, bedeutete dem jungen Mann Platz zu nehmen.
„Dass der Covenant sich nicht darum bemühen wird Sydney und Nadia zu helfen“ antwortete Sark ohne auf dem von Katya angebotenem Stuhl Platz zu nehmen. Irinas Schwester nickte und widmete sich wieder dem Blatt Papier.
Nun setzte Julian sich doch. Sein Gesicht hatte finstere Schatten geworfen. „Wir hatten eine Vereinbarung, Ms. Derevko! Nadia Santos darf nicht sterben.“
Sarks Enthusiasmus ließ Katya schmunzelnd aufblicken, ihren Stift beiseite legen und den Blonden mit amüsiertem Lächeln taxieren. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass ihnen meine Nichte mehr bedeutet als sie zugeben möchten. Ist es nicht so?“

Sark schien aus dem Konzept gebracht, schluckte, öffnete ein paar Mal den Mund und schloss ihn wieder. Bis er sich zu einer bissigen Bemerkung entschloss. „Ich wüsste nicht was sie das angeht. Alles was ich wissen muss, ist, ob der Covenant bereit ist sie zu retten.“
„Meine Vorgesetzten haben entschieden, dass wir nicht Personal und Zeit investieren um die Beiden zu retten. Wir haben die Kundenliste. Sie denken, dass die Schwestern zunehmend zu einem Risiko werden.“ Stille. Irgendwas in Katyas Gesichtsausdruck überzeugte den blonden jungen Mann davon, dass das nicht die Auffassung war, die sie vertrat.
„Und was denken sie?“ fragte er deshalb.
„Was ich denke, spielt keine Rolle. Ich kann ihnen nicht helfen. Und nun entschuldigen sie mich, Mr. Sark. Ich habe zutun.“
Julian antwortete, dass er verstanden habe und trat aus der Tür, nahm sein Handy und wählte eine Nummer. Es war die von Sloane.

Sark kratzte sich am Kopf und suchte nach passenden Worten um die Situation zu erklären. „Es gibt Schwierigkeiten. In Buenos Aires ist etwas schief gelaufen. Sydney und Nadia sitzen in der Falle und in wenigen Stunden könnten Gasdüsen dafür sorgen, dass ihre Tochter stirbt.“
Sloane lehnte sich ein wenig nach vorn, wechselte mit dem Hörer von der rechten in die linke Hand. „Sie ist meine Tochter, Mr. Sark. Was immer sie tun, mit wem immer sie kooperieren müssen, tun sie’s. Wir dürfen Nadia nicht verlieren.“
„Ich verstehe.“ Machte Julian, legte auf und steuerte eine schwarze BMW-Limousine an, hinter deren Steuer Caleb saß und auf Anweisungen wartete. Der Blonde wies seinen Fahrer an über den roten Platz zu einer Brücke zu fahren.

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„Ich weiß immer noch nicht was wir hier sollen, Mike. Falls du es noch nicht gemerkt haben solltest, Syd und Nadia sitzen bis zu den Knien in der Sch….“ Weiss, der mit Vaughn auf einer Brücke auf jemanden wartete, sah Sark aus einem Wagen am anderen Ende kommen und auf sie zusteuern. In dem Moment als Michael Blickkontakt zu ihm aufnahm, wurde dem Schwarzhaarigen klar, dass das der Grund für die Geheimnistuerei in Irinas Organisation und die Fahrt zu dieser Brücke war. Sark hatte Vaughn wohl kontaktiert.

Eric wechselte in seiner Aufmerksamkeit zu seinem besten Freund: „Der hat mir gerade noch gefehlt. Was will er hier?“
„Ich weiß nicht“ gab Michael kurz angebunden zurück.
„Gentlemen“ grüßte Julian die beiden Männer mit den Händen in den Hosentaschen, schlenderte auf sie zu nicht ohne Weiss ein abfälliges Grinsen zuzuwerfen. Dieser musste sich beherrschen um den Blonden nicht an die Kehle zu gehen. Erics Blick sagte, dass nur ein Wort von Sark bezüglich Nadia ausreichen würde um ihn zu töten.
Vaughn, dem die Spannung zwischen den beiden Männern natürlich nicht entging, hoffte, dass es nicht dazu kommen würde. Für Streitereien um eine Frau hatten sie nun wirklich nicht die Zeit.

„Wieso haben sie mich kontaktiert? Und woher wissen sie, dass Sydney gegen den Covenant arbeitet?“ wandte sich Michael kühl an Julian.
„Ich bin ein cleveres Bürschchen, Mr. Vaughn und ich weiß, dass sie meine Hilfe gebrauchen können. Der Covenant weigert sich Sydney und Nadia zu helfen also ist es an uns die nötigen Schritte zu unternehmen.“
„Dazu brauchen wir sie nicht! Komm, Michael, wir gehen.“ Eric zog seinen besten Freund am Ärmel, worauf Vaughn ihm folgte.
Er war dergleichen Ansicht wie Weiss, dass sie die Schwestern auch ohne Sarks Hilfe retten würden und außerdem legte der blonde Agent keinen Wert auf seine Anwesenheit, die allein ihn schon rasend machte. Nicht nur weil Julian Sark weder Ethik, noch Moral kannte, sondern weil Vaughn jedes Mal an Lauren und ihren Verrat erinnert wurde, wenn er ihn ansah. Er wusste nicht, ob der Ire sich dessen bewusst war oder nicht. Es war Michael auch egal. Schließlich hatte er es Lauren heimgezahlt.

„Liegt es daran, dass ich mit ihrer jetzigen Freundin geschlafen habe, Mister Weiss, oder gibt es einen anderen Grund dafür, dass sie nicht mit mir zusammen arbeiten wollen?“ Diese Worte brachten Sark einen schmerzhaften Kinnhacken von Weiss ein, der sich umgedreht hatte und so schnell zu seinem Rivalen zurück gegangen war, dass dieser keine Zeit mehr gehabt hatte den Angriff abzuwehren.
„Halten sie sich von Nadia fern, sonst können sie sich das Grab mit ihrem Vater teilen“ zischte der schwarzhaarige Agent.
Julian grinste, ging aber nicht auf Erics Worte ein. „Sie beide brauchen mich. Der Covenant könnte herausfinden, dass Sydney und Nadia von jemand anderem Hilfe hatten und als Doppelagenten enttarnt werden. Wenn ich aber mitkomme und ihnen helfe, wird Katya denken, dass ich den Schwestern geholfen habe.“
„Das ist eine Falle“ stellte Vaughn fest ohne seinen Blick von Sark abzuwenden. „aber wir haben keine Wahl. Es geht um Sydney und Nadia.“
„Ich habe eine Maschine unter falschem Namen für sie reservieren lassen. Sie geht in einer Stunde“ antwortete Sark, holte zwei Tickets aus der Innenseite seines Jacketts und reichte sie Michael.

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Im Flugzeug nach Buenos Aires

Während Weiss zu Irinas Organisation zurückgekehrt war um keinen Verdacht zu erregen, hatte Michael den Flug genommen, für den Sark das Ticket besorgt hatte.

Während des Fluges glitten Vaughns Gedanken zu Sydney. Er machte die Augen zu, hörte nur das gleichmäßige Surren der Motoren und dachte an seine Verlobte und an das Leben, das sie führten. Eines stand fest: Sie würden keine normale Ehe führen. Ob auch mal soviel zwischen ihnen stehen würde wie zwischen Jack und Irina?
Michael lächelte und schüttelte mit dem Kopf. Das sind ganz andere Umstände, sagte er sich, öffnete die Augen und beobachtete die flauschigen, weißen Wolken unter sich. Vom trüben Wetter in Russland flog er in das sonnige Wetter von Buenos Aires.
Die Mine des Blonden verfinsterte sich wieder als er sich daran erinnerte, dass vereinbart war, dass er sich mit Sark am Flughafen treffen würde, von wo aus sie zusammen zu dem Haus fahren würden, in dem Sydney und Nadia eingeschlossen waren.

Der Agent warf besorgt einen Blick auf seine Uhr. Vier Stunden waren schon vergangen, das hieß sie hatten noch zwei Stunden Zeit um die Beiden da rauszuholen.

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Moskau,
Russland


„Wo ist Agent Vaughn?“ Weiss hatte noch versucht Irina auszuweichen als er sie im Flur ihn ansteuern sah, aber die ehemalige KGB-Agentin war schneller gewesen, hatte ihn schneller angesprochen als er hatte fliehen können. In Gedanken verfluchte Eric sich, dass er sich von Michael immer in so eine Lage bringen ließ.
„Keine Ahnung. Hab ihn nicht gesehen“ behauptete der Agent.
„Da ich nicht beweisen kann, dass sie und Vaughn etwas hinter meinem Rücken tun, nehme ich an, dass sie mich informieren würden falls Vaughn vorhat Sydney ohne meine Erlaubnis zu befreien.“
„Natürlich. Wenn ich ihn sehe, sage ich ihm, dass er sich bei ihnen melden soll.“ Es überraschte Weiss, dass Derevko, obwohl sie genau wusste, dass er log nicht weiter versuchte etwas aus ihm herauszubekommen. Sie sah ihn nur misstrauisch an als sie wieder in ihr Büro ging.

„Wahrscheinlich ist Irina ganz froh, dass Agent Vaughn aufgebrochen ist um den Beiden zu helfen.“ Jack war plötzlich neben Eric aufgetaucht. Sein Blick ging geradeaus zu Irinas Büro. „Deshalb hat sie nicht weiter nachgefragt. Und unternehmen könnte sie jetzt wahrscheinlich sowieso nichts, was die Tarnung ihrer Töchter gefährden würde.“
Der Schwarzhaarige sog erschrocken Luft ein, wusste gar nicht was er erwidern sollte. Alles leugnen? Gar nichts sagen?
„Wie kommen sie darauf, dass Vaughn entgegen Derevkos Anweisungen gehandelt hat?“
Auf diese Frage hin, wandte sich Jack dem Agenten zu. „Ich habe Irina empfohlen Vaughns Handy anzapfen zu lassen. Ich erinnere mich noch an sein eigenmächtiges Handeln als es darum ging Sydney bei der Rettung von Neil Caplan in Russland zu helfen.“ Der ergraute Agent machte eine Pause und fügte schließlich noch hinzu: „Hoffen wir, dass er es schafft die Beiden gesund zurück zu bringen.“

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Buenos Aires,
Argentinien


Mehr oder minder hilflos standen Sark und Vaughn vor dem Haus. „Wir müssen Sydney und Nadia irgendwie kontaktieren“ murmelte Vaughn, der die Wand schnell gefunden hatte, hinter der sich das Tastenfeld befand.
„Guter Plan, Mister Vaughn. Haben sie auch eine Idee wie wir ihn umsetzen?“ fragte der Ire spöttisch, worauf Michael ihm einen finsteren Blick zuwarf. Als wolle er ihn am liebsten schlagen, statt mit ihm zusammen zu arbeiten.
„Der Laptop“ sagte der CIA-Agent, ging ein paar Schritte zurück zu den Wagen, den sie für diese Mission gemietet hatten. Dort holte Vaughn einen Laptop heraus, tippte etwas ein. Während er dies tat, erklärte er Julian: „Sydney hat uns per Computer kontaktiert.“
„Und ihnen die Kundenliste übermittelt“ vollendete Sark den Satz und erntete dafür einen überraschten Blick von Vaughn. „Keine Angst. Ich werde dem Covenant nichts verraten. Sie haben mein Wort darauf.“
Der CIA-Agent schüttelte mit dem Kopf. Murmelnde Worte waren aus seinem Mund zu hören. „Als könnte man ihren Worten trauen.“ Auf das „Wie bitte?“ von Sark reagierte er erst gar nicht.

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Sydney und Nadia saßen mit David noch immer im Keller und warteten auf ihre Befreiung. „Wenn ihre Freunde uns nicht bald helfen, sind wir geliefert!“ murmelte David.
„Und wenn du uns einfach die Kundenliste gegeben hättest, wäre es gar nicht erst soweit gekommen. Also halt die Klappe!“ schnappte Nadia.
Plötzlich gab der Laptop ein leises Klingeln von sich. Die Schwestern waren sofort hellhörig geworden. „Es ist Vaughn!“ hellte sich Sydneys Gesicht auf. „Er ist hier mit…“ ungläubig starrte die Agentin auf den Bildschirm. „mit Sark?!“
Auch Nadia las fassungslos den Namen auf dem Monitor. „Darüber können wir uns später Gedanken machen.“ Die schwarzhaarige Agentin richtete ihre Waffe drohend auf David und verlangte zu wissen: „Wie lautet der Deaktivierungscode?“
Wie ein trotziges Kind, hielt David Nadias Blick stand und antwortete mit dergleichen, trotzigen Stimme: „Der Code lautet 4-4-1-1-6-2.“

Sydney tippte die Zahlenkombination ein und sendete sie per Mail an Vaughn, der Sark den Code nannte, worauf dieser sie in das Tastenfeld tippte.
Mit lautem Rumoren öffneten sich die Türen, der Timer stoppte und die beiden blonden Männer betraten das Haus, wo Sydney und Nadia ihnen mit David erleichtert entgegen kamen.

Sydney und Nadia flogen mit Sark zurück um beim Covenant den Eindruck zu erwecken, er hätte sie auf eigene Faust befreit, während Michael mit David nach Moskau flog und ihn dort an Irinas Organisation übergab. Man führte ihn in eine Zelle und Jack erklärte, dass David nie wieder ein freier Mann sein würde. Nach Abschluss der Vernehmungen würde er nach Los Angeles an die CIA überstellt. Dixon und Kendall wären bereits informiert.

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Moskau,
Russland


Zum ersten Mal war es Sydney nicht leicht gefallen in Irinas Organisation zu kommen. Ihre Mutter wolle sie sprechen, hatte Vaughn erklärt. Die Braunhaarige wusste schon was ihre Mutter mit ihr bereden wollte. Sydney hatte den Befehl erhalten, nicht einzugreifen bis die Lage klar war und ihn missachtet.
Andererseits war Nadia in Sicherheit, während die CIA und das FSB jetzt in Besitz der Kundenliste von Miguel Sanchez war und der Covenant nur einen Teil davon hatte. Vielleicht, so hoffte die Braunhaarige, würde das ihre Mutter etwas milder stimmen.

„Sydney“ sagte die ehemalige KGB-Agentin, winkte ihre Tochter herein und bat sie die Tür zu schließen und sich zu setzen.
„Du wolltest mich sprechen?“ fragte die CIA-Agentin angespannt. Irina nickte und ihre finstere Mine bestätigte Sydneys vorherige Vermutung, dass ihre Mutter verärgert war.
„Ich kann mich erinnern, dass ich dich angewiesen hatte in Buenos Aires nicht einzugreifen“ begann Irina ruhig.
Die Tochter nickte. „Ich habe aber auch Nadia gerettet. Sie hätte sterben können.“
„Das ist nicht der Punkt!“ stellte die ehemalige KGB-Agentin verärgert klar. „Ich muss mich darauf verlassen können, dass du nicht hinter meinem Rücken agierst. Unsere Zusammenarbeit basiert auf Offenheit und Ehrlichkeit.“ Die Mutter machte eine Pause und fügte dann mit leiser, aber fester Stimme hinzu: „Wenn du noch mal meine Anweisungen missachtest, werde ich bei Kendall beantragen dich ins Zeugenschutzprogramm aufzunehmen. Dann gehört es nicht mehr zu deinen Aufgaben den Covenant zu zerschlagen.“
Sydney antwortete, dass sie verstanden habe. Ihr war es ein wenig unangenehm, dass ihre Mutter ihr so eine Gardinenpredigt gehalten hatte. Trotzdem: Würde man Sydney danach fragen, ob sie wieder einen Befehl von ihrer Mutter missachten würde, wenn es um das Leben von Nadia, Vaughn, Jack oder einer anderen nahe stehenden Person ginge, würde die Agentin ohne zu zögern mit ja antworten.

Die Braunhaarige stand auf und wollte sich schon auf den Weg nach draußen begeben als Irina „Sydney?“ sagte. Die Tochter drehte sich zu ihrer Mutter um. „Trotzdem bin ich froh, dass dir und Nadia nichts passiert ist.“ Sydney lächelte ein wenig und verließ dann das Büro. Irina faltete die Hände ineinander und starrte geradeaus. Ein kleines Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.

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