3. License to Kill

„ Nadia ?! Nadia ?!“ rief Sydney. “Verdammt!”
„Ich weiß zwar nicht wovon du redest, Kleine. Ist aber auch egal. In ein paar Minuten bist du sowieso tot!“ grinste der Wachmann links von Sydney. Die Agentin sah ihn, zögerte aber noch mit einem Angriff, sah nach rechts. Drei Wachen standen dort. Sydney überlegte wie sie die wenigen Vorteile, die sie auf ihrer Seite hatte, für sich nutzen konnte.
Die Braunhaarige hatte sich schon für die rechte Seite entschieden, als plötzlich eine graue Kapsel unter den Füßen des vordersten Wachmannes, rechts von Sydney, hervorrollte. Die Männer fragten sich was das zu bedeuten hatte, während die Agentin sich eine Sonnenbrille aufsetzte als wüsste sie genau was geschehen würde.

Nach ein paar Minuten stieg dichter Rauch aus der Kapsel auf. Die Augen der Männer röteten sich, einige versuchten sich den Rauch aus den Augen zu reiben und wollten dem Dunst nur noch entkommen, der allerdings nach ein paar Minuten weg war.
Links von Syd tat sich hinter den Männern Nadia auf, die nur darauf wartete zuzuschlagen. Die Wachen auf der rechten Seite wollten sich auf die Braunhaarige stürzen, doch Sydney wusste geschickt zwei ihrer Angriffe abzublocken. Einer der drei Männer versuchte der Agentin den Kolben seines Gewehrs ins Gesicht zu schlagen, doch auch diesen Angriff konnte die junge Frau abblocken, schlug das Handgelenk ihres Gegners ein paar Mal gegen die Wand, wodurch er gezwungen war die Waffe fallen zu lassen. Der Wachmann wurde nur noch wütender und versuchte Sydney ins Straucheln zu bringen, doch die Spionin sah seinen Angriff aus den Augenwinkeln kommen und war vorbereitet. Geschickt nutzte sie ihre freie Hand um den Schlag abzufangen, drehte die gegnerische Hand um 180 Grad und nagelte den Wachmann an der Wand fest, setzte noch mit einem gezielten Schlag in den Nacken nach. Zwei Männer von hinten zogen Sydney an den Haaren von ihrem bewusstlosen Kollegen fort, warfen die Frau auf den Boden. Einer zückte eine Waffe und wollte schießen, wurde jedoch von hinten mit einem Gewehr in den Schwitzkasten genommen. Sydney erkannte ihre Schwester hinter dem Mann, der verzweifelt versuchte sich aus dem Griff der Schwarzhaarigen zu befreien.

Sydney nutzte die Verdutztheit des Anderen um ihren Fuß in seinen Magen zu schlagen. Die Zeit, die der Kerl brauchte um sich von der Wucht des Trittes zu erholen, nutzte die CIA-Agentin um aufzustehen, mit noch einem Tritt nach zu setzen. Dann hob sie eine der Waffen vom Boden auf und erschoss ihn.
Schnell schnappte sie sich den Teller und sah sich nach ihrer Schwester um. Nadia hatte gerade den anderen Wachmann niedergeschlagen. Verdutzt stellte die Braunhaarige fest, dass alle anderen Wachen schon bewusstlos oder tot waren, merkte aber, dass das unmöglich alle gewesen sein konnten.

„Die Anderen sind abgehauen. Wahrscheinlich um Verstärkung zu holen. Wir müssen hier weg!“ informierte Nadia ihre Schwester hektisch. Sydney nickte ernst und rannte mit ihr den langen Korridor entlang. Dazwischen kamen ihnen immer mal Wachen entgegen, die die Beiden aber in gemeinsamer Teamarbeit schnell erledigen konnten.
Draußen angekommen rannten die Schwestern zu dem Van, die Schwarzhaarige startete ihn und raste los. Die Braunhaarige hatte unterdessen die Gelegenheit zu verschnaufen, lehnte sich in ihrem Sitz ein wenig zurück und begutachtete den Teller. Unbemerkt glitt ihre Hand in ihre Tasche, wo sich der Lippenstift befand. Die Agentin drückte ihn ganz fest und lächelte ihre Schwester an, was diese erwiderte.

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Los Angeles

„Wie fühlen sie sich?“ während Sark diese Frage stellte, kniete er sich zu dem in einen Stuhl gefesselten Jack hinunter. Schweißperlen rannen ihm über die Stirn, brannten höllisch in den Augen.
„Es ging mir nie besser“ stöhnte Sydneys Vater und machte den Versuch sich ein wenig aufzurichten, fühlte aber einen stechenden Schmerz in den Rippen als er dies tat.
Sark lächelte herablassend. „Freut mich zu hören.“ Der Blonde nahm Jacks Mittelfinger und beugte ihn so weit nach hinten, dass der ergraute Agent das Gesicht verzog und sich so heftig auf die Lippe biss, dass sie anfing zu bluten. Die ersten beiden Finger seiner rechten Hand waren bereits gebrochen und auch der Mittelfinger begann schon ein wenig zu knacken. „Mister Sloane will nur seine Tochter wieder haben, Mister Bristow. Also. Wo ist Nadia Santos?“


Jack stöhnte ein paar Mal und Sark ließ von ihm ab damit er sprechen konnte. „Warum so formell, Mister Sark? Das letzte Mal als sie und Nadia sich gesehen haben, gingen sie…vertraut miteinander um.“ Sydneys Vater grinste ein wenig als Sark säuerlich die Mundwinkel verzog. Dann holte er aus und schlug den Mann mit der Faust ins Gesicht.
„Ich gebe ihnen Bedenkzeit. Aber nicht sehr lange.“ Damit wandte der junge Mann sich um und verließ den dunklen Raum, um im Nebenzimmer Sloane Bericht zu erstatten. „Er will nicht reden.“ Erklärte Sark.


Sloane faltete die Hände nur ineinander und sagte nichts. Nicht mal eine Gefühlsregung war in seinem Gesicht zu lesen. Nach einer Weile begann er aber zu lächeln, was sein Mitarbeiter mit einem verwirrten Stirnrunzeln quittierte. „Sie lächeln?“ fragte er überrascht.
„Setzen sie sich“ sagte der ältere der beiden Männer freundlich und wies auf die Sitzgarnitur am Ende des Zimmers. Neben der Sitzgruppe befand sich eine kleine Minibar, auf dem allerlei Alkoholika stand. Sloane ging zur Bar hinüber, holte zwei Gläser aus dem Buffet und schenkte für sich und Sark je einen Whiskey ein. Anschließend gesellte er sich zu dem Blonden, reichte ihm das Glas und erklärte: „Ich weiß sie bevorzugen Wein, aber dieser Whiskey ist zu köstlich um ihn abzulehnen.“ Mit aufforderndem Blick taxierte Nadias Vater Sark, der zögernd an dem Glas nippte, dann aber feststellte, dass dieser Whiskey tatsächlich nicht übel schmeckte und größere Schlucke nahm.
Eine Weile herrschte Stille, dann ergriff der junge Agent das Wort: „Was machen wir jetzt mit Jack? Ich bezweifle, dass wir etwas aus ihm herausbekommen.“
Sloane nippte an seinem Drink ehe er antwortete. Seine Worte wählte er dabei mit Bedacht. „Nun er wird reden. Er wird keine Wahl haben. Am besten ich kümmere mich selbst um Jack.“

Obwohl Sark nickte, zweifelte er stark daran, dass Jack ihm was erzählen würde. Er war eben genauso stur wie seine Tochter. Stur oder Willensstark. Sark war sich dessen nicht so sicher und beschloss Sloane machen zu lassen, trank nur schweigend weiter seinen Whiskey.

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„Sir ich fürchte wir haben ein Problem!“ Charlie war noch nicht lange bei der CIA, und dementsprechend beflissen darauf seinem Vorgesetzten zu imponieren, ging Kendall aber mit seiner einschmeichelnden Art mehr auf die Nerven als dass er nützte. Vermutlich würde er Devlin bitten Charlie sobald wie möglich zu versetzen.
„Was gibt es denn, Agent Davis?“ stöhnte der kahlköpfige Mann, der von seiner Sekretärin gerade ein paar Akten entgegen genommen hatte. Kendall wirkte nicht mal interessiert. Es war schon das dritte Mal, dass Charlie zu ihm kam. Und dabei war der CIA-Chef erst seit einer Stunde im Büro.

Schnellen Ganges trat Kendall den Weg in sein Büro an. Charlie war ihm dicht auf den Fersen.
„Mister Bristow wird vermisst. Und Agent Vaughn und Agent Weiss wurden verhaftet“ berichtete der junge, blonde Mann.
Der CIA-Direktor, der sich gerade hinter seinen Schreibtisch gesetzt hatte, starrte den Neuling fassungslos an, brauchte eine Weile um seine Sprache wieder zu finden. „Danke, Charlie. Sie können gehen und rufen sie mir Agent Dixon herein.“
„Natürlich, Sir.“ Damit verließ der Neuling das Büro, achtete dabei darauf die Tür sorgfältig hinter sich zu schließen, während der CIA-Chef den Hörer in die Hand nahm und beim L.A.P.D anrief. Dort ließ er sich dann über die Umstände informieren, die zu Vaughns und Weiss Verhaftung geführt hatten.

Kendall ärgerte sich über sich selbst. Er hätte es sich denken müssen! Natürlich steckte Jack Bristow dahinter. Dankend legte er auf und murmelte ein kaum verständliches „Herein!“ als es an der Tür klopfte.
„Sie wollten mich sprechen?“ fragte Dixon.
Kendall winkte den Afroamerikaner herein und bat ihn sich zu setzen. „Haben sie Jack Bristow gesprochen? Wegen Vaughn und Weiss meine ich.“
Der Agent schien angestrengt zu überlegen. Seine Stirn kräuselte sich und schließlich verneinte er die Frage.
Der glatzköpfige Mann lehnte sich in seinen Sessel zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und zog die Stirn kraus. Dixon merkte, dass etwas nicht stimmte und taxierte seinen Boss unsicher. „Ist etwas nicht in Ordnung?“
Kendall schüttelte mit dem Kopf, fuhr sich mit der Hand einmal über die Glatze und antwortete: „Jack Bristow wird vermisst. Wo sich Mister Vaughn und Mister Weiss aufhalten, weiß ich inzwischen. Im Gefängnis der Polizei von Los Angeles. Dank Jack!“

Dixon wusste nicht ob er amüsiert oder schockiert über diese Neuigkeiten reagieren sollte. Zugegebenermaßen war der Gedanke, dass Jack seine Kollegen hinter Schloss und Riegel gebracht hatte, nur damit die ihren Freundinnen nicht hinterher reisen konnten, schon ein wenig komisch. Doch der Agent gestattete sich nicht mal ein Grinsen. Sein Chef war angespannt und nervös, außerdem musste Marcus sich ins Gedächtnis rufen, dass Jack vermisst wurde.
„Fahren sie ins Los Angeles Police Departement und holen sie die Beiden raus. Überzeugen sie sie davon, der CIA dabei zu helfen Jack Bristow zu finden. Nadia und Sydney sind in guten Händen. Jack ist derjenige, der wahrscheinlich in Schwierigkeiten steckt.“ Wies Kendall seinen Mitarbeiter an.
Dixon zögerte nicht zu nicken und machte sich sofort auf den Weg.

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Moskau, Russland

Wie vereinbart hatte Sydney vor zwei Tagen den Lippenstift in eine Papiertüte gewickelt, und in den grünen Papierkorb am Roten Platz in Moskau geworfen.

An diesem Abend hatten Sydney und Nadia frei. Vermutlich arbeitete man beim Covenant fieberhaft daran herauszufinden was die Zeichnungen auf dem Teller zu bedeuten hatten. Dennoch war Sydney überrascht. Sie hatte gedacht, dass man sie ohne Pause und unter schlechtesten Bedingungen arbeiten lassen würde. Nicht, dass unsere CIA-Agentin sich beschweren würde!

Sydney kehrte von einem langen Spaziergang mit einem bekannten russischen Gebäck, dessen Name ihr wieder entfallen war, zurück. Sie freute sich schon auf einen gemütlichen Abend mit ihrer Schwester.
 
Die Sicherheitsvorkehrungen wurden vom Covenant nicht besonders streng gehandhabt. Es gab Kameras überall in Sydneys und Nadias Unterkunft, einer geräumigen Vier-Zimmer-Wohnung. Natürlich wurden auch die Telefone und Handys angezapft, wie Irina es voraus gesehen hatte.

Trotzdem machte sich keiner der Covenant-Mitarbeiter die Mühe zu überprüfen wann und wohin die Schwestern ausgingen. Vermutlich hatte Nadia den Auftrag erhalten ihre Schwester im Auge zu behalten, während man darauf vertraute, dass Sydney selbst die Drohung ihrer Tante ernst nehmen würde. Das zumindest vermutete die CIA-Agentin.

Die Braunhaarige musste zugeben, dass die Manipulation Nadias ihre Aufgabe als Doppelagentin schwerer machte als noch zu Zeiten von SD-6. Ob das daran lag, dass sie Schwestern und daher andere Gefühle im Spiel waren? Sydney hatte keine Zeit sich diese Frage zu stellen. Sie hatte eine Aufgabe, auf die sich konzentrieren musste und der würde sie auch nachgehen. So lange bis Katya und der Covenant unschädlich gemacht worden waren.

Überrascht musste die CIA-Agentin feststellen, dass Nadia auch gerade erst ankam.
„Du warst noch weg?“ fragte Sydney ihre Schwester mit gekräuselter Stirn.
„Eine Besprechung mit Katya. Nichts weiter“ winkte die Schwarzhaarige ab. In den vielen Jahren, die sie als Agentin schon arbeitete, hatte Sydney gelernt eine Lüge zu durchschauen. Und dies war eine. Da sie aber wusste, dass es zu nichts führen würde ihre Schwester weiter zu befragen, beließ Sydney es für´s Erste dabei.
Die Schwestern gingen in die Küche. „Übrigends: Die lag heute für dich vor der Tür“ meinte Nadia und reichte ihrer Schwester die Zeitung, die auf dem Esstisch gelegen hatte.
„Tauschen wir?“ Grinsend überreichte die CIA-Agentin der Schwarzhaarigen das Gebäck, nur um gleich darauf die Zeitung durchzublättern als Nadia ihr den Rücken zuwandte. Es war so wie Sydney es vermutet hatte. Im Wirtschaftsteil stand das Wort Harold und daneben die Zahl 2.
„Ich muss noch mal weg. Ich habe ganz vergessen, dass die Milch aus ist.“
Nadia schien zwar skeptisch, fragte aber nicht näher nach und sagte, dass sie in der Zwischenzeit das Gebäck in den Ofen schieben würde.

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„Bitte sag mir, dass die Fotos etwas geworden sind!“ rief Sydney als erstes nachdem sie die Lagerhalle betreten hatte, in der sie sich laut Nachricht mit ihrer Mutter treffen sollte.
Irina lächelte ein wenig als sie ihre Tochter kommen sah. „Das sind sie. Die CIA lässt sie analysieren.“
„Die CIA?“
„Ja. Hier wäre es 1. zu auffällig und 2. hatte ich ja versprochen der CIA alle wichtigen Informationen zukommen zu lassen. Wenn es etwas Wichtiges gibt, erfahren wir es sicher bald.“ Erklärte die Russin, während Sydney gar nicht verstand wozu ihre Mutter dann dieses Treffen einberufen hatte. Der Covenant hatte erstaunlicherweise keinen Auftrag für sie und die Zeichnungen waren auf beiden Seiten noch nicht fertig analysiert.

Irina, wissend, dass ihre Tochter verwirrt war, schürzte die Lippen. Der Gesichtsausdruck war plötzlich bitter ernst. „Deswegen habe ich dich nicht kommen lassen, Sydney.“ Die ehemalige KGB-Agentin wandte der jungen Frau kurz ihren Rücken zu, nur um sich kurz darauf mit einer Akte in der Hand zu ihr umzudrehen. Die Akte wurde an Sydney weiter gereicht.

Bei erstem Überfliegen stellte die CIA-Agentin fest, dass es sich um das Protokoll eines Gesprächs handelte. Gesprächspartner waren Nadia und Katya. Als die Braunhaarige ihre Mutter wieder ansah, setzte diese zu einer Erklärung an. „Vor ein paar Stunden haben einige meiner Agenten dieses Gespräch belauscht und uns eine Audio-Datei davon zukommen lassen. Dabei geht es um einen Auftrag von Katya an deine Schwester. Nadia hat den Auftrag bekommen eine Frau zu töten, die einen Vertrag mit dem Covenant gebrochen hat. Nun soll eine Botschaft an alle anderen Verhandlungspartner der Organisation gehen.“
„Mit uns spielt man nicht“ fügte Sydney ernst hinzu, worauf ihre Mutter mit einem Nicken antwortete.
„Die Frau, die Nadia töten soll, heißt Juliette Margou. Sie ist Agentin des französischen Geheimdienstes. Ein paar Seiten weiter vorn findest du ein Bild von ihr.“ Sydney blätterte weiter bis zu einem Bild einer schwarzhaarigen, dünnen Frau, die man aufgrund ihrer zierlichen Statur wohl kaum für eine Agentin gehalten hätte.
Irina fuhr fort: „Der Vertrag mit dem Covenant bestand darin geheime Informationen des französischen Geheimdienstes weiterzuleiten. Warum Margou den Vertrag nicht eingehalten hat, wissen wir nicht. Die russische und die amerikanische Regierung kamen jedenfalls darin überein, dass Margou nicht getötet werden soll. Sie wird lebend gebraucht.“

„Wieso? Das wäre ein Verräter weniger, um den sich der französische Geheimdienst, die CIA und das FSB sorgen machen müssten.“
„Was der Covenant nicht weiß, und ich gedenke nicht, ihnen das zu verraten, ist, dass Juliette Margou über Informationen verfügt was das Rambaldi-Puzzle angeht. Dein Auftrag lautet also getrennt von Nadia nach Lyon zu fliegen, wo Margou zurzeit wohnt. Dort injizierst du deiner Schwester das hier.“ Die ehemalige KGB-Agentin holte eine kleine Ampulle aus ihrer schwarzen Lederjacke und reichte sie ihrer Tochter. „Das Mittel wird Nadias Unterbewusstsein nach Wunsch verändern. Nachdem du es ihr injiziert hast, brauchst du ihr nur weiß zu machen sie hätte Margou erschossen und den Beweis auf Foto festgehalten.“ Irina lächelte. „Eine Gruppe aus den besten Psychologen und Chemikern der Welt haben es entwickelt. In Frankreich wartet bereits einer meiner Agenten. Sein Name ist Radek Karimirov. Mit ihm zusammen täuscht ihr Juliette Margous Tod vor und nehmt sie fest. In Moskau wird sie dann von vertrauenswürdigen FSB-Agenten vernommen. Noch Fragen?“
Die braunhaarige CIA-Agentin wirkte skeptisch was den Auftrag betraf. Wie sollte sie das Land verlassen ohne, dass der Covenant etwas davon mitbekam? „Wie soll ich das anstellen? Beim Covenant wird man es sicher mitbekommen, wenn ich das Land verlasse.“

Irina setzte ein schelmisches Grinsen auf, während ihre Hände in ihrer Jackentasche verschwanden. „Erinnerst du dich noch an Projekt Helix?“
Ein dunkler Schatten huschte über Sydneys Gesicht, ihre Stimme war plötzlich kalt wie Eis: „Wie könnte ich das vergessen? Sark, Sloane und du habt Malkovics Wissen benutzt, um Francie zu doubeln.“
Das Grinsen der Russin erstarb als sie sich erinnerte, hatte sie diese Geschichte doch schon längst verdrängt.
„Jedenfalls ist es uns nach langer Suche gelungen, einige verschollen geglaubte Dateien Malkovics, ausfindig zu machen.“ Sydneys Mutter blickte zur Seite und eine junge Frau kam aus dem Dunkel zum Vorschein, die haargenau wie Sydney aussah. Stellte man die Beiden nebeneinander, hätte man nicht sagen können wer, wer war.
„Hallo“ lächelte das Double unsicher und streckte ihrem „Zwilling“ die Hand entgegen. Unsicher wie sie reagieren sollte, versuchte Sydney zu lächeln und reichte der Frau die Hand.
„Das ist Shelly Canes. Sie hat sich bereit erklärt deine Rolle zu übernehmen solange du in Frankreich bist.“ Stellte Irina die Doppelgängerin ihrer Tochter vor.
„Und sie wollen das wirklich tun?“ fragte die CIA-Agentin zweifelnd in Shellys Richtung.

Das Double nickte, während sein Blick kurz zu Irina glitt, dann zurück zu Sydney. Mit einem traurigen Schatten in ihren Gesichtszügen begann die Frau zu erzählen: „Bis vor drei Jahren hat mein Mann beim Covenant gearbeitet. Sein Name war Brian. Als er versucht hat auszusteigen um mit mir ein neues Leben anzufangen, ließ man ihn umbringen. Ich weiß, dass der Covenant für seinen Tod verantwortlich ist.“ Shelly wandte sich von Sydney ab um sich die Tränen aus den Augen zu wischen. Die Agentin sah zu ihrer Mutter, der, wie es schien, die Geschichte nicht neu war. Sydney fragte sich woher die Beiden sich kannten.

Das Double hatte seine Fassung wieder gewonnen. Ihre Stimme war wieder fester als sie mit ihrer Erzählung fortfuhr: „Wir hatten kurz zuvor einen Urlaub auf Hawaii geplant. Seit Brians Tod suche ich nach einer Gelegenheit, es dem Covenant heimzuzahlen. Selbst wenn ich dabei draufgehen sollte. Dies ist meine Chance.“
Die CIA-Agentin nickte. Shelly befand sich in einer Situation, in der Sydney sich Jahre zuvor befunden hatte, nachdem Danny von SD-6 ermordet worden war. Deshalb versuchte sie nicht ihrer Doppelgängerin die Aktion auszureden, sondern lächelte mitfühlend, machte den Versuch tröstende Worte zu sagen, doch Shelly hob eine Hand.
„Nicht. Sie müssen nichts sagen, Sydney. Ich brauche kein Mitleid oder aufmunternde Worte. Wenn sie etwas für mich tun wollen, dann bringen sie die Leute zur Strecke, die meinen Mann ermordet und ihre Schwester manipuliert haben.“ Das Double nickte Sydney und ihrer Mutter zu, verließ dann die Lagerhalle.

Irina und Sydney standen sich schweigend gegenüber. „Deine Maschine geht morgen früh. Sobald du weg bist, wird Shelly sich auf den Weg zu eurer Wohnung machen. Damit Nadia dich nicht erkennt, musst du maskiert in Lyon auftauchen.“
Die Braunhaarige nickte. „Ich weiß.“ Irina machte einige Schritte auf ihre Tochter zu. Die Agentin, die an ihrer Mutter vorbei und nachdenklich zu Boden geschaut hatte, blickte die EX-KGB-Agentin nun direkt an. Stille, in der Mutter und Tochter einander so nah zu sein schienen wie nie zuvor, gleichzeitig aber auch eine gewisse Distanz zwischen sich wahrten.
„Viel Glück in Frankreich. Melde dich sobald du zurück bist,“ sagte Derevko nach einer Weile.
„Mit Juliette Margou schon klar.“
„Egal ob mit oder ohne Margou. Du meldest dich, wenn du wieder da bist.“ Sprach Irina energisch, berührte ihre Tochter kurz an der Schulter und verließ die Lagerhalle.

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Los Angeles,
CIA


„Ich frage mich wirklich warum wir das tun. Der Typ hat uns in den Knast gebracht“ murmelte Weiss und schüttelte mit dem Kopf. Nachdem Dixon sie aus dem Gefängnis geholt und erzählt hatte was passiert war, hatten die Beiden - mehr oder weniger überzeugt -, zugestimmt bei der Suche nach Jack Bristow zu helfen.
„Er ist Sydneys Vater, Weiss. Würdest du das nicht tun, wenn es um einen Elternteil von Nadia ginge?“ erwiderte Vaughn, der an seinem Arbeitsplatz saß und die Datenbank der CIA nach Hinweisen durchforstete. Dabei gingen er und Weiss noch mal alle Zeugenaussagen durch, sahen sich Fotos der Wohnung an und telefonierten mit Informanten.

Eric zog eine Augenbraue nach oben. Vaughn seufzte als ihm klar wurde, dass Nadias Eltern zwei der meistgesuchten Verbrecher der CIA waren. „Okay. Kein guter Vergleich!“ machte der Blonde und drehte sich zu seinem Kollegen um. „Was ich damit nur sagen will, ist, wenn es um jemanden ginge, der Nadia am Herzen liegt, würdest du doch auch nicht zögern alles für die Person zu tun, ganz einfach, weil es ihr wichtig wäre.“ Der schwarzhaarige Agent schien einzusehen, dass sein bester Freund Recht hatte. „Jack mag vielleicht fragwürdige Methoden anwenden, aber er liebt Sydney. Und Sydney liebt ihn. Außerdem ist er nichtsdestotrotz einer der Guten. Also sollten wir tun was wir können um ihm zu helfen.“
„Alter du solltest in die Politik gehen!“ grinste Weiss nach ein paar Minuten des Schweigens. Vaughn grinste auf die Bemerkung hin nur.

„Entschuldigung…äh…Vaughn?“ kam Marshall mit einem Blatt Papier in der Hand auf die beiden Agenten zu. Er lächelte verlegen als beide Männer ihn ansahen. „Ich habe gehört sie waren im Gefängnis. Nun...also…. Stimmt es was man über Gefängnisse sagt? Dass die Zeit im Knast einen verändern kann?“
Beide sahen erst den Techniker verständnislos an, dann einander. Schließlich antwortete Vaughn: „Marshall wir waren nur einen Tag im Gefängnis.“
Flinkmann rief krebsrot an und fuhr sich verlegen über die Krawatte. „Ach so. Dann vergessen sie besser was ich gesagt habe.“ Schnell wechselte Marshall das Thema. „Die Videobänder der Verkehrsüberwachung vor Jacks Wohnung sind nun da. Der Entführer ist darauf zu sehen.“ Der Mann reichte Vaughn das Papier in seiner Hand.
„Sark!“ stellte Sydneys Freund fest, blickte Eric an, der mit seinem Freund aufstand und schnellen Schrittes auf Kendalls Büro zu marschierte.

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Lyon, Frankreich

Zur Mittagszeit kam Sydney in Frankreich an. Der Austausch mit Shelly war kein Problem gewesen.
Eine laue Brise umwehte die Agentin, die sich gerade auf den Weg zum Treffpunkt mit Radek machte, eine erste Lagebesprechung bevor sich Sydney daran machen würde nach ihrer Schwester und Juliette Margou zu suchen.

Irina hatte dafür gesorgt, dass ihre Tochter und ihr Kontakt Zimmer im „La Chantalle“ hatten, eines der renommiertesten Hotels in Frankreich. Grinsend dachte die Agentin, dass es auch etwas Gutes hatte für ihre Mutter zu arbeiten. Der Covenant und auch die CIA hatten sich nie die Mühe gemacht sie so gut unterzubringen, was vermutlich daran lag, dass die Gelder für Derevkos Arbeit von der russischen und amerikanischen Regierung stammten. Es ließ sich leichter Geld ausgeben, wenn es nicht aus eigener Tasche kam.

Die Agentin wurde von einem schwarzen Mercedes mit schwarz getönten Scheiben abgeholt und direkt ins Hotel gefahren. In der Lobby traf sie auf Radek, dessen blonde Mähne und eiskalter Blick, Sydney sofort ins Auge stach. Er saß inmitten einer Sitzgruppe und nippte an einem Eistee als die Braunhaarige sich zu ihm gesellte.
„Sie müssen Radek Karimirov sein“ stellte sie fest und versuchte ein Lächeln. Doch Karimirovs Gesichtsausdruck blieb eisig. Offenbar machte er keinen Hehl daraus, dass er Sydney nicht leiden konnte. Die Agentin hatte allerdings keine Ahnung was der Grund für seine ablehnende Haltung war.
„Ihre Schwester soll Juliette um 18:00 Uhr in deren Villa in der Chauselle Allysé aufsuchen. Wir haben Nadia in einem Hotel am anderen Ende der Stadt beobachtet. Das Bonjour“ erwiderte der Russe kalt.
„Sie fühlen sich nicht wohl mit mir als Partnerin, habe ich Recht?“ beschloss Sydney geradeheraus zu fragen. Wenn sie mit Radek zusammen arbeiten sollte, mussten Missverständnisse gleich aus dem Weg geräumt werden. Der Großteil dieser Operation bestand aus Kommunikation und gerade weil es Nadia betraf, wollte die Agentin keinen Fehler riskieren.
„Verstehen sie mich nicht falsch. Ich kann mir vorstellen, dass sie eine hervorragende Agentin sind. Trotzdem hätten sie diesen Auftrag nicht, wenn ihre Mutter diese Organisation nicht leiten würde.“
Die CIA-Agentin wurde plötzlich von Wut gepackt. Einen Gefühlsausbruch konnte sie sich inmitten der Menschen aber nicht leisten, dessen war sie sich bewusst. Also beugte die junge Frau sich ein wenig zu ihrem Partner vor und sprach mit gedämpfter, aber bestimmter Stimme:
 „Lassen sie mich eines klar stellen: Sie sind mir egal. Wahrscheinlich bin ich auch nicht mehr gezwungen mit ihnen zusammen zu arbeiten, aber hier steht mehr auf dem Spiel als das Leben von Juliette Margou. Es geht auch um das Leben meiner Schwester und um meines! Ich werde das nicht auf´s Spiel setzen nur, weil sie irgendeinen kindischen Neid gegen mich hegen. Und ich kann mir noch weniger vorstellen, dass meine Mutter oder der russische Präsident es gerne sehen würde, wenn mir oder Nadia deswegen etwas zustößt. Also ich schlage vor sie verhalten sich ein wenig professioneller und kooperativer, und ich verschweige meiner Mutter ihr albernes Verhalten, wodurch sie ihren Job retten können.“
Radek schluckte und wollte etwas erwidern doch Sydney war schon aufgestanden und steuerte den Mercedes vor dem Hotel an. Radek murmelte einige russische Worte und folgte der Agentin dann mit einigem Abstand.

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Los Angeles

Das komplett in schwarz gekleidete CIA-Team, das Michael Vaughn anführte, war vor Sarks und Sloanes Versteck in Position gegangen. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass keine Wachen am Hintereingang standen, bedeutete der Blonde der Nachhut winkend nachzukommen. Diese bestand aus Weiss und ungefähr noch zehn anderen Agenten, die Michael nur flüchtig bekannt waren.
„Dixon wie sieht´s auf der anderen Seite aus?“ Vaughn steckte den Stecker tiefer in die Ohrmuschel um seinen Kollegen besser verstehen zu können.

Marcus war mit zehn weiteren Agenten vor dem Haupteingang der Villa, die als Versteck von Sark und Sloane diente, in den Gebüschen in Stellung gegangen. Alles war ruhig. Der Abend hatte kühlere Luft nach Kalifornien gebracht und es herrschte klare Sicht. Es durfte also aus metrologischer Sicht nicht allzu schwer werden Jack zu befreien.
„Ich sehe zwei Wachen am Haupteingang. Beginne jetzt mit dem Ablenkungsmanöver“ gab der Afroamerikaner über Funk durch. Dann gab er seinem Gefolge ein Zeichen zum Angriff. Diese zückten ihre Zielgewehre und feuerten auf die Wachleute, die sofort zur Seite und in Deckung sprangen als der Hagel aus Gewehrkugeln auf sie nieder regnete. Dixon hörte einen der Wachmänner Verstärkung anforderte, was geplant gewesen war. Die Wachen sollten sich auf ihn und sein Team konzentrieren, damit das Team von Weiss und Vaughn die Gelegenheit hatte ungehindert durch die Hintertür in das Versteck zu spazieren.

Es klappte auch. Weitere fünf Wachleute kamen aus dem Haus gerannt und feuerten auf die Agenten in den Büschen. Dixon bat seine Leute um Feuerschutz und schaffte es mit deren Hilfe sich bis zum Eingang vorzukämpfen. Dort schaltete er einen der Wachleute aus und befand sich nun im Gebäude.
Weiss und Vaughn hatten auf der anderen Seite mit ihrem Team das Gebäude schon betreten.

„Mister Sark wir werden angegriffen. Es ist die CIA!“ keuchte der Butler als er ohne anzuklopfen das Zimmer betrat, in dem Sloane und Sark noch immer versuchten Jack zum reden zu bringen, dabei aber bis jetzt erfolglos geblieben waren.
„Verstehe. Mister Sloane wir müssen uns zurückziehen.“ Meinte der Blonde mit warnendem Unterton, doch sein Chef schien noch nicht bereit seinen Posten aufzugeben. Jetzt zu fliehen, würde bedeuten seine vielleicht einzige Chance Nadia zu finden, aufzugeben. Sloane wusste, dass sein alter Freund auf dem Stuhl wusste wo sie sich aufhielt, es ihm nur nicht sagen wollte.
„Ich kann nicht“ erwiderte der grauhaarige Mann, dessen Blick fast flehentlich auf Jack gerichtet war. Dieser sah auf, hielt Arvins ruhig stand, sagte aber nichts. Von draußen waren bereits Schüsse zu hören. Sowohl Sark und Sloane, als auch Jack wussten, dass es nicht mehr lange dauern würde bis die ersten Agenten bis in das Zimmer vorgedrungen sein würden.
„Arvin!“ rief Sark eindringlich als die Schüsse immer lauter wurden. Es war das erste Mal, dass er seinen Boss beim Vornamen genannt hatte und beim Klang dieses Namens, der von dem Iren so sauber ausgesprochen worden war, musste der ehemalige Leiter von SD-6 schmunzeln.
„Wir sehen uns wieder, Jack“ lächelte er und verließ mit Sark zusammen durch einen Geheimgang, der sich im Boden des Zimmers befand, das Anwesen.

Sekunden später brachen Weiss und Vaughn die Tür auf. Erst jetzt bemerkte Jack, dass es langsam ruhiger wurde und die Schüsse immer seltener zu hören waren.
„Können sie laufen, Mister Bristow?“ riss Vaughns Stimme Sydneys Vater aus seinen Gedanken.
„Ja ich denke schon. Sloane und Sark sind durch einen Geheimgang verschwunden.“ Der Agent wies kopfnickend auf die Falltür im Boden, die noch immer offen stand.
„White Rabbit an Basis. Sark und Sloane sind durch einen Geheimgang entkommen. Ich wiederhole: Sark und Sloane konnten nicht gefasst werden. Wir kehren mit Jack Bristow zurück. Ende“ gab Michael über Funk an die Büros in der Agency durch.

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Lyon, Frankreich

Mit gezogener Waffe betraten die maskierte Sydney und ihr Partner vorsichtig die Villa von Juliette Margou. Als sie in den ersten Zimmern auf niemanden stießen, fürchtete die Agentin schon, dass Nadia ihnen zuvor gekommen war. Bis sie Porzellan zerbrechen hörten. Die beiden Agenten zuckten zusammen. Sydney ging voran in die Küche, wo Nadia die Französin mit einer Waffe bedrohte. Die Braunhaarige merkte schnell, dass ihre Schwester das Ziel verfehlt und stattdessen die Vase getroffen haben musste. Nickend gab sie Radek zu verstehen, dass er sich um Juliette kümmern sollte, während die CIA-Agentin sich um ihre Schwester kümmern würde.

Als Nadia bemerkte, dass sie nicht alleine war, wandte sie sich von Juliette ab und den Eindringlingen zu. Erschrocken stellte die Maskierte fest, dass ihre Schwester die Waffe gerade auf sie richtete. Unter Sydneys Maske bildeten sich Schweißperlen, während ihre Augen durch die Küche streiften, nach etwas suchten, mit dem sie Nadia entwaffnen konnte. Sydney sog Luft ein als sie hörte wie die Entsicherung zurückschnappte.
Ohne Groß nachzudenken, griff die Agentin nach der Vase auf dem Tisch neben sich und warf sie nach Nadia, achtete dabei darauf sie nicht allzu schwer zu verletzen.

Die Schwarzhaarige keuchte vor Überraschung und wich ein paar Schritte zurück, was Sydney die Gelegenheit gab sich ihr zu nähern und sie zu Fall zu bringen. Am Boden rangen die beiden Frauen um die Pistole. Nadia ließ ihre Schwester ordentlich einstecken und teilte Tritte und Faustschläge aus, denen Sydney kaum ausweichen oder abwehren konnte, denn sie musste zu allererst die Waffe außer Reichweite bringen. Nachdem dies geschafft war, platzierte Sydney einen gezielten Schlag in Nadias Gesicht. Die Schwarzhaarige ging zu Boden, wo die Braunhaarige vorsichtshalber mit dem Knie auf Nadias Rücken gestützt dafür sorgte, dass sie nicht aufstehen würde. Mit der rechten Hand griff sie in ihre Tasche nach der Ampulle und einer Spritze, zog sie auf und injizierte ihrer Schwester die Flüssigkeit in den Arm. Die braunhaarige Agentin fühlte wie der Atem ihrer Schwester ruhiger wurde. Sie beugte sich zu Nadia hinunter und flüsterte: „Du hast deinen Auftrag ausgeführt und Juliette Margou erschossen. Zum Beweis hast du Fotos gemacht, die sich in der Digitalkamera befinden. Die Kamera hast du danach wieder in deine Tasche gesteckt.“
„Ich bin soweit.“ Meldete sich Radek zu Wort.
Sydney spähte über den Tresen hinweg. Juliette lag auf dem Boden umgeben von roter Flüssigkeit, mit der auch ihre Bluse getränkt war. Sydney schoss ein paar Fotos, wies ihren Kollegen danach an, die Französin zu fesseln und steckte Nadia die Kamera in die Tasche.

Dann legte die Agentin die Maske ab und warf einen letzten Blick auf ihre schlafende Schwester. So ruhig und friedlich wie sie aussah, war es schwer vorstellbar, dass sie eine Agentin war. Es musste wohl ein Impuls oder Schuldgefühle sein, die Sydney dazu brachten sich zu Nadia herunter zu beugen und sanft ihre Stirn zu küssen.
„Es tut mir leid!“ flüsterte die Braunhaarige dann folgte sie Radeks ungeduldigem Drängeln und half Juliette nach draußen, in einen Van mit abgedunkelten Scheiben, zu bringen.