16. Tabula Rasa
Ein Atompilz stieg über dem Boden auf. Menschen rannten in Panik davon. Manche hatten Verbrennungen am ganzen Körper. Kinder lagen halbverbrannt am Boden. Der Gestank war bestialisch, so unerträglich, dass kein normaler Mensch diesen Geruch lange ausgehalten hätte.
Auf die Explosion hin folgte Stille. Wie nach einem großen Orkan, auf den die Ruhe folgte. Plötzlich schoss eine Hand aus der Dunkelheit, die sich über die Stadt gelegt hatte, hervor und griff nach ihr. Nadia veruschte sie abzuschütteln, doch je mehr sie versuchte sich loszumachen, desto mehr verstärkte sich der Griff um ihr Handgelenk. Viele Male flehte die Stimme, die zu einer Frau gehörte, deren linke Gesichtshälfte total verbrannt war um ihre Hilfe. Die Schwarzhaarige war so verwirrt, dass sie gar nicht auf ihr Rufen reagieren konnte, sich schließlich doch losmachte und ihren Weg fortsetzte.
Ein Mann kam ihr entgegen. Seine rechte Hand war abgerissen, während er verzweifelt den Namen eines Jungen rief. Sein Sohn wie er Nadia erklärte. „Nadia! Nadia!“ rief eine Stimme, die die Agentin nicht so recht zuordnen konnte. „Nadia, wach auf!“ rief die Stimme erneut. Sie hörte sich an als käme sie aus weiter Entfernung.
Schließlich öffnete die Agentin ihre Augen. Sie stellte fest, dass sie nach wie vor im Krankenhaus war. Ihre Mutter stand an ihrem Bett. Irinas Hand ruhte auf Nadias Schulter. Nadia atmete schwer, sah sie einfach nur an und war unfähig zu sprechen. „Wo. Bin. Ich?“ schaffte sie es dann doch atemlos zu fragen.
„Du bist im Krankenhaus, mein Schatz. Du hattest einen Albtraum. Es ist alles in Ordnung“ antwortete Irina, während sie Nadia in die Arme schloss, dabei ihren Rücken rieb, wie sie es bei Sydney als Kind immer getan hatte, wenn sie aus einem Albtraum aufgeschreckt war und sich voller Angst an ihre Mutter gedrückt hatte. Irina erinnerte sich noch sehr gut daran. Seltsam, dass dies die lebendigste Erinnerung war, die sie an ihre gemeinsame Zeit mit Sydney und Jack hatte.
„Erzähl mir von deinem Traum“ bat Irina nachdem sie sich von ihrer Tochter gelöst hatte und immer noch den Schrecken in ihren Augen sah.
„Es war das was ich in meiner Vision gesehen habe. Eine Atombombe. Ich sag dir, Mom“ Nadias Blick, der zuvor nur ziellos ins Leere gerichtet war, richtete sich bei diesen Worten direkt auf Irina. „Hiroshima ist gar nichts dagegen was dieses Ding anrichten kann und Rambaldi….“ Als die Argentinierin mitten im Satz abbrach, runzelte die ehemalige KGB-Agentin die Stirn und wartete darauf, dass ihre jüngere Tochter dem Gesagten noch etwas hinzufügte. „Mom, er hat was mit dieser Bombe zu tun! Ich weiß bloß noch nicht genau was!“
Unbehagliches Schweigen erfüllte das Krankenzimmer. Was gab es auf diese Neugikeit auch schon großartiges zu sagen? Es musste nichts kommentiert oder hinzugefügt werden. Irina wünschte sich nur, mehr Informationen zu haben. Sie wusste ja noch nicht mal wo sie mit der Suche nach dieser Bombe Ausschau halten sollte und leider hatte Nadia nur die Hälfte der eigentlichen Botschaft erhalten, soviel hatte die Argentinierin ihrer Mutter schon sagen können.
„Du siehst so chic aus. Gehst du noch aus?“ fragte Nadia, die zum ersten Mal das schwarze Kleid und die silberne Kette am Hals ihrer Mutter bemerkte.
Irinas Gesichtszüge entspannten sich wieder. Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen als sie ihrer Tochter antwortete: „Sydney hat mich und Jack zum Probeessen eingeladen. Vaughns Mutter wird auch da sein.“ In dem Moment, in dem sie von dem Probeessen erzählt hatte, wurden Nadias Gesichtszüge erneut traurig. Ihre Mutter hätte sich selbst ohrfeigen können, dass sie es überhaupt erwähnt hatte. Damit erinnerte Irina sie nur daran, dass Sydney auf Nadias Anwesenheit bei ihrer Hochzeit keinen Wert legte.
Die Russin wollte sich entschuldigen, wurde aber von Nadia, die dies erwartete, unterbrochen. „Ist schon gut. Ich komme schon klar. Zwischen Sydney und mir ist einiges kaputt gegangen und ich akzeptiere, dass sie Abstand will. Ich hoffe nur, dass das unsere Arbeit beim DSC nicht beeinflussen wird.“
„Sydney ist sehr professionell“ lächelte Irina und versuchte das Thema zu wechseln. „Also, die Ärzte sagen, dass du schon morgen entlassen wirst.“ Die Aussicht darauf, das Krankenhaus bald verlassen zu können, brachte das Lächeln zurück in Nadias Gesicht.
„Wir sehen uns morgen. Ich liebe dich“ sagte Irina und gab ihrer Tochter zum Abschied einen Kuss auf die Stirn, worauf Nadia erwiderte, dass sie ihre Mutter auch liebe.
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Sichtlich nervös erreichten Jack und Irina Sydneys und Vaughns Appartement. „Du weißt, was du versprochen hast, Irina“ wandte sich Jack mit mahnenden Worten an seine Frau.
„Ich werde mich daran halten, wenn sie sich daran hält“ gab Irina einsilbig zurück und betätigte die Klingel.
Es war Sydney, die ihren Eltern die Tür öffnete. „Schön, dass ihr gekommen seid!“ freute sie sich und schloss abwechselnd ihren Vater, und danach ihre Mutter in die Arme. „Michael ist im Wohnzimmer. Zusammen mit seiner Mutter.“
Michael und Monique hatten sich nochmal getroffen, um sich auszusprechen. Es hatte nichts geändert an der Meinung, die Monique zu dieser Heirat vertrat, aber immerhin hatten sich die Wogen zwischen ihr und ihrem Sohn wieder geglättet.
Sie saßen nebeneinander an dem Tisch, den Sydney so liebevoll gedeckt hatte. Dieses Essen war Sydney wichtig. Hoffentlich würden Irina und Monique nicht alles verderben. Andererseits konnte Vaughn es seiner Mutter nicht übel nehmen, dass sie Sydneys Mutter nicht unbedingt leiden konnte.
Irina und Jack betraten das Esszimmer, das durch seine verglaste Wand einen herrlichen Blick auf das Meer bot. Es gefiel Irina, schließlich hatte sie die Wohnung kurz nach Übernahme des DSC für ihre Tochter und deren Freund gemietet, wusste, dass sie dem Geschmack ihrer Tochter entsprechen würde.
„Hallo, Vaughn“ versuchte Jack die Stille zu durchbrechen, die durch ihr Auftauchen entstanden war.
„Jack. Irina“ nickte der blonde Agent seinen Schwiegereltern in spe zu. Wieder herrschte Stille. Monique machte sich gar nicht erst die Mühe, Jack und Irina zu begrüßen.
Das Schweigen war so spannungsgeladen, dass jedem unbehaglich zumute war und Michael merkte wie sehr seine Mutter sich beherrschen musste damit sie Irina nicht das an den Kopf warf, was sie dachte.
„Sydney ist noch in der Küche. Ich sehe mal nach, ob sie Hilfe braucht“ meinte Jack und bevor Irina anbieten konnte selbst in die Küche zu gehen, war er schon verschwunden. Auch Vaughn, der Angst hatte, zwischen die Fronten zu geraten, schloss sich kurzerhand Jack an.
„Schönes Esszimmer“ bemerkte Irina, um einen guten Willen zu demonstrieren und das Gespräch in Gang zu bringen.
„Ich bin mit dieser Hochzeit nicht einverstanden. Das wissen sie, nehme ich an“ erwiderte Monique, wobei sie Irina ansah als hätte sie ein Insekt vor sich, das schnellstens zerquetscht werden müsse.
„Ich kann es mir denken“ nickte die ehemalige KGB-Agentin gelassen.
„Ihre Dreistigkeit überrascht mich. Dass sie hier auftauchen als wäre gar nichts passiert“ Moniques Augen hatten sich zu Schlitzen verengt, während Irina weiterhin gelassen blieb. „Sie haben meinen Mann getötet. Sie haben Michael seinen Vater genommen. Irgendwann werden sie spüren was es heißt, einen geliebten Menschen zu verlieren.“
„Monique, der Mord an Ihrem Mann liegt jetzt mehr als 30 Jahre zurück. Es war Berufsrisiko. In unserem Geschäft gibt es keine Regeln und auch keine Fairneß. Fragen sie ihren Sohn. Er weiß es.“
Tränen der Wut schossen der Französin in die Augen. Ihre Lippe bebte als sie zu einer Erwiderung ansetzte: „Sie wissen doch gar nichts über Bill! Wenn Sie erfahren, was wahres Leiden ist…“ Nachdem Monique aufgesprungen war, tat Irina es ihr gleich. Die Französin war verstummt, weil sie merkte, dass sie etwas Unbedachtes gesagt hatte. Irina hatte es auch sofort gemerkt.
„Das letzte Mal, kurz bevor ich Bill ermordet habe, ist er aus einem Gefängnis im Kashmir geflohen, in dem ich inhaftiert gewesen bin. Zusammen mit einem Baby, das er auf dem Arm trug. Dieses Baby war meine zweite Tochter Nadia. Nachdem ich dem Gefängnis entkommen bin, hatte ich nur ein Ziel, das ich wie besessen verfolgte. Ich wollte Nadia finden. Ich hatte schon Sydney verloren und wollte nun nicht auch noch meine zweite Tochter verlieren. Also setzte ich alles daran, Bill zu finden, was mir letztendlich auch gelang. Er wollte mir aber nicht sagen wo er Nadia hingebracht hat. Also habe ich ihn getötet.“ Schloss die Russin ruhig. Für ihre nächsten Worte beugte sich über den Tisch hinüber zu Monique, die schon ein wenig eingeschüchtert aussah. „Was ich ihrem Mann angetan habe, wird GAR NICHTS sein im Vergleich dazu was ich ihnen antun werde, sollte Sydney oder Nadia irgendetwas zustoßen.“
Der Blick der Französin war wie versteinert. Tränen traten ihr in die Augen im gleichen Moment wie Irina realisierte, dass sie bereits einen Plan eingeleitet hatte. „Wer?“ fragte die Russin leise. Monique war unfähig zu antworten. Deshalb sprach Irina lauter, was Michael, Sydney und Jack zurück ins Esszimmer lockte. „Auf wen haben sie es abgesehen?“
Michaels Mutter musste nicht antworten, sondern sie nur ansehen und die Russin begriff. Es war Nadia! Das Familienmitglied, das zurzeit am verwundbarsten war.
„Ich fahr ins Krankenhaus. Monique hat einen Anschlag auf Nadia geplant“ sagte Irina, während sie ihr Handy rausholte und eine Nummer wählte, Agenten befahl, sofort in das Krankenhaus zu fahren, das dem DSC gehörte.
„Mom, warte! Ich fahre mit“ rief Sydney und folgte ihr. Irina bat Jack, solange ein Auge auf Monique zu haben, auf die der verachtungsvolle Blick ihres Sohnes gerichtet war.
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Tappende, leise, fast lautlose, Schritte betraten Nadias Krankenzimmer. Man hatte die Geräte bereits entfernt. Friedlich lag die Schwarzhaarige in ihrem Bett, wirkte beinahe unschuldig.
Der Agent, der das Zimmer betreten hatte, sah sich nochmal um, dann als er sich sicher war, dass er mit ihr allein war, legte er seine Hand auf Nadias Mund und Nase, so dass sie keine Luft mehr bekam. Die Agentin schüttelte mit dem Kopf und versuchte die Hand loszuwerden. Doch der Agent hielt ihren Kopf fest, damit sie sich weniger zur Wehr setzen konnte.
Ohne, dass er es bemerkte, tastete Nadia nach der Spritze auf ihrem Nachttisch, die ein Selativ enthielt und injizierte es dem Angreifer in blitzschneller Bewegung in den Arm. Erschrocken über den unerwarteten Angriff, taumelte der in schwarz gekleidete Mann zurück und hielt sich den Arm.
„Miststück!“ brummte er und wollte erneut auf sie losgehen. Doch diesmal ließ ihn Nadia gar nicht erst so nahe an sich heran, schleuderte ihn mit der Kraft ihrer Füße gegen die Wand, was ihr Zeit verschaffte, aufzustehen. Der Angreifer versuchte sich aufzurappeln, doch das Selativ, dessen Wirkung sich entfaltete, ließ ihn einschlafen.
Plötzlich waren weitere Schritte zu hören. Verwundert fragte sich die Agentin wo die Schwestern waren, und ob niemand durch den Krach aufmerksam geworden war.
Wie es die Agentin erwartet hatte, betraten drei weitere Männer, den Raum, die ebenfalls alle in Schwarz gekleidet waren. „Was wollt ihr von mir?“ fauchte die Agentin.
„Gar nichts. Ist ein Befehl von oben. Nichts persönliches“ antwortete der erste Agent knapp, griff sich ein Messer und ging damit auf Nadia zu, versuchte auf sie einzustechen, doch diese wich jeder ausgeführten Bewegung elegant aus, nahm eine Blumenvase von ihrem Nachttisch und warf sie dem Agenten an den Kopf, was diesem die Orientierung nahm, sie aber schnell wieder fand.
Darauf packten die übrigen Agenten sie von hinten. Der, den die Schwarzhaarige zuvor mit der Blumenvase beworfen hatte, blieb mit einem Messer in der Hand vor ihr stehen. Nadia versuchte nach Kräften sich von den zwei übrigen Agenten loszureißen.
Plötzlich ertönten zwei Schüsse hinter ihm, die ihn in die Brust und in den Kopf trafen. Hinter dem tödlich getroffenen Agenten kamen Sydney und Irina zum Vorschein. Nadias große Schwester hielt die Waffe, mit der sie den Agenten niedergeschossen hatte, noch immer im Anschlag, während Irina ihre auf die übrigen Agenten richtete, von denen einer langsam die Waffe zog. Bevor er schießen konnte, hatte Irina ihn aber schon mit zwei Schüssen nieder gestreckt. Nadia entwaffnete den zweiten mit einer eleganten Drehung, benutzte dessen Messer und stach ihm mit diesem ins Bein. Der Agent brach zusammen und als weitere DSC-Agenten als Verstärkung kamen, befahl Irina ihn festzunehmen.
„Alles in Ordnung?“ fragte Sydney behutsam.
„Ja. Du hast mir das Leben gerettet. Danke!“ antwortete ihre kleine Schwester außer Atem.
„Schon okay. Dazu sind Schwestern schließlich da.“ Sydney und Nadia wechselten ein zaghaftes Lächeln und obwohl dies offensichtlich ein erstes Zeichen der Annäherung war, war die Distanz zwischen den Schwestern noch deutlich spürbar.
Weil sie den Blickkontakt zu Sydney nicht aufrecht erhalten konnte, ohne sich wegen dem was geschehen war, schlecht zu fühlen, blickte Nadia zu Boden, wo die beiden toten Männer lagen. Die Gesichter kamen ihr bekannt vor.
„Diese Männer..“ begann Nadia, wurde aber von ihrer Mutter unterbrochen: „Monique Vaughn hat sie geschickt. Als kleines Zeichen ihrer Anerkennung mir gegenüber.“ Irina lächelte grimmig.
„Mom, diese Männer sind The Hand-Agenten!“ machte die jüngste der drei Frauen ihrer Mutter klar.
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Los Angeles,
Hauptquartier des DSC
Vaughn beobachtete durch das Fensterglas besorgt seine Mutter, die vor einem grauen Metalltisch saß und sich vor lauter Nervosität eine Zigarette angezündet hatte, obwohl sie normalerweise gar nicht rauchte.
Irina hatte ihr gegenüber gedroht, noch härter als mit ihrem Mann zu verfahren, sollte ihren Töchtern irgendetwas zustoßen. Den Vorschlag, Nadia zu töten, hatte Monique William Karg unterbreitet.
Sydney, Carolyn, Irina, Jack und Nadia gesellten sich zu Vaughn und beobachteten Monique. „Sie hat Angst“ stellte Carolyn sachlich fest.
Ein grimmiges Nicken von Irina war die Antwort, was Michael nervös machte. Schließlich war sie noch immer seine Mutter, auch wenn sie anscheinend für The Hand arbeitete. Dafür musste es einfach eine andere Erklärung geben. „Was geschieht jetzt mit ihr?“ wandte sich der blonde Agent an seine zukünftige Schwiegermutter.
„Wir werden sie verhören“ antwortete Irina ohne den Blick von der Französin abzuwenden.
„Verhören oder Foltern?“ fragte Michael in scharfem Tonfall.
„Ich finde Irina sollte sie befragen“ schaltete sich Jack plötzlich ein und zog damit die überraschten Blicke aller Anwesenden auf sich. Einschließlich dem von seiner Frau. „Monique hat Angst vor dir, Irina. Das sollten wir ausnutzen. Vielleicht wird es so gar nicht nötig sein, sie zu foltern und wir bekommen wertvolle Informationen über The Hand.“
„Nein!“ protestierte Michael sofort und entschieden.
„Mister Vaughn, sie sollten wissen, dass das Justizministerium, die CIA und das DSC darin übereingekommen sind, dass Ihre Mutter in Haft genommen wird. Sie hat einen Anschlag auf eine Agentin geplant und in Auftrag gegeben. Außerdem wird ihr Unterstützung einer Terrororganisation vorgeworfen“ erklärte Carolyn weitschweifig, blickte dabei abwechselnd zu Vaughn, Irina und Monique. „Ich finde den Vorschlag von Mister Bristow gut. Wir sollten alles tun, um mehr Informationen über The Hand zu bekommen.“
„Sie ist meine Mutter!“ fauchte Michael die CIA-Verbindungsagentin an.
„Vaughn“ versuchte Sydney ihren Freund zu beruhigen, berührte ihn an der Schulter und bat ihn mit rauszukommen, während Irina sich jede weitere Diskussion sparend das Verhörzimmer betrat.
„Syd, mir ist klar, dass meine Mutter um ein Haar für den Tod deiner Schwester verantwortlich gewesen wäre. Aber so ist sie nicht wirklich. Sie ist kein böser Mensch. Sie würde nie die Arbeit einer Terrororganisation unterstützen und hat mit dem Spionagegeschäft so gar nichts am Hut“ versuchte Michael Sydney begreiflich zu machen als sie im Korridor standen.
Die braunhaarige Agentin bedachte ihren Verlobten mit einem mitfühlenden Blick. „Ich hatte jahrelang ein Idealbild meiner Mutter im Kopf. Als sie nach knapp 30 Jahren wieder aufgetaucht ist, wollte ich sie unbedingt kennenlernen und schlug alle Warnungen meines Vaters in den Wind. Ich habe mir zu viele Hoffnungen gemacht und als sie dann geflohen ist, um mit Sloane zusammen zu arbeiten, war ich am Boden zerstört.“ Sydney machte eine Pause und fragte sich aufgrund von Vaughns verständnislosem Gesicht, ob er ihr überhaupt richtig zugehört hatte. „Du musst auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass meine Eltern Recht haben und deine Mutter wirklich für The Hand arbeitet.“
„Meine Mutter ist nicht Irina Derevko!!!“ Damit ließ Michael seine Freundin stehen und ging den Korridor hinunter Richtung Ausgang. Sydney rief seinen Namen, um ihn zur Umkehr zu bewegen, doch ihr Rufen verhallte ungehört.
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Melbourne,
Australien
William Karg saß im Dunklen, eine Zigarette in der linken Hand, ein Glas Scotch in der Rechten. Er beachtete den Besuch gar nicht, der gerade sein Zimmer betreten hatte, machte sich nichtmal die Mühe, sich der Person zu zudrehen.
„Die Agenten sind gescheitert. Nadia Santos ist nach wie vor am Leben“ informierte Sark den The Hand-Agenten. Der blonde Agent wartete nicht darauf, dass Karg ihn bat einzutreten, sondern trat selbst über die Schwelle, wohl wissend, dass Karg ihn nicht hereinbitten würde.
Frustriert nahm Karg einen großen Schluck seines Drinks, womit er das Glas leerte und beobachtete wie die Zigarette herunterbrannte und nahm einen letzten Zug, bevor er sie ausdrückte. Dann wandte er sich endlich zu dem neu gewonnenen Agenten von The Hand um. Sark musterte den früheren US-Agenten ungerührt und wartete auf eine Reaktion. „Schade“ seufzte Karg schließlich, ging zur Garderobe und nahm sein Jackett vom Hacken, das er sich überzog. „Ist unser Maulwurf noch aktiv?“ Julian nickte. „Gut. Wissen wir inzwischen was Nadia in ihrer Vision gesehen hat?“
Der Blonde runzelte die Stirn, während seine Hände in den Hosentaschen verschwanden. „Ja. Sie weiß nicht viel. Offenbar war die Dosis zu gering, als dass sie die gesamte Botschaft hätte erhalten können, aber es war genug um zu wissen was kommen wird, was Rambaldi geplant hat.“
William schnaubte. Geduld war nicht gerade seine Stärke. Vor allem, wenn er unter so großem Druck stand, seinen Vorgesetzten bei The Hand Ergebnisse zu liefern wie jetzt. Allein die Entscheidung Nadia an die CIA abzutreten, hatte die Ranghöchsten unter The Hand verärgert. Karg wusste, dass er sich nicht noch mehr Fehler erlauben konnte und freute sich nicht gerade darauf, ihnen mitteilen zu müssen, dass Nadia Santos nach wie vor am Leben war. Diese Monique Vaughn war nutzlos gewesen. „Im Klartext, Mister Sark!“ forderte William den jungen Mann ungeduldig auf.
„Es ist die Apokalypse. Rambaldi nannte es wohl die „Säuberung“. Wir versuchen noch herauszufinden, was damit konkret gemeint ist. Wie gehen wir zwischenzeitlich vor?“
Karg schenkte sich das mittlerweile fünfte Glas Scotch ein. Schon nach dem ersten Schluck spürte er endlich, dass der Alkohol seine Wirkung zeigte. „Sagen sie unserem Maulwurf, dass er Monique Vaughn töten soll. Sie weiß zuviel über The Hand und könnte zu einem Problem werden.“
„Natürlich“ nickte Sark und ließ Karg damit mit seinem Alkohol allein.
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Los Angeles
Monique sah auf als sich die Tür unter lautem Quietschen öffnete. Irina Derevko kam herein und nickte den verbliebenen Agenten zu, was diese als Signal verstanden den Raum zu verlassen.
Jack, Nadia und Carolyn beobachteten das Geschehen hinterhalb der Glaswand, wo sie weder von Irina, noch von Monique gesehen werden konnten.
„Denkst du, dass Mom….?“ Fragte Nadia ohne die Frage zu vollenden. Ihr Blick, mit dem sie Jack bedachte sprach Bände, so dass sie nicht weiterzusprechen brauchte damit Jack verstand. Nadias Frage war, ob Irina Monique foltern, vielleicht sogar riskieren würde sie zu töten.
Nadias Worte hatten auch Carolyn zu Jack blicken lassen. „Ja, das denke ich“ antwortete er und richtete damit seinen Blick wieder in den Raum.
„Bitte. Haben Sie Verständnis…“ Irina wedelte mit der Hand, um Monique zum Schweigen zu bringen, die dieser Aufforderung sofort nachkam.
Auch wenn die ehemalige KGB-Agentin dies vor ihren Töchtern niemals zugegeben hätte, gefiel es ihr doch, Monique Angst haben zu sehen. Gleichzeitig war sie aber auch wütend, wenn sie daran dachte, dass Nadia ihretwegen um ein Haar getötet worden wäre.
„Ich weiß was Sie sagen möchten: Ich soll Verständnis dafür haben, dass Sie zu Ihren Bekannten bei The Hand gegangen sind, um meine Tochter töten zu lassen. Ich soll auch verstehen warum Sie das getan haben.“ Irina nahm Monique gegenüber Platz. Ihr Blick war kalt und voller Verachtung. „Ich erzähle Ihnen jetzt etwas über das Geschäft, in dem ich arbeite. Schon sehr lange.“
Sydney kam zurück und stellte sich neben Nadia, die sie fragte, ob sie Vaughn beruhigen konnte. Die Braunhaarige antwortete einsilbig und ohne ihre kleine Schwester anzusehen, dass er wütend gegangen war. Die Argentinierin wollte etwas sagen, um zu einer Verbesserung im Umgang mit Sydney beizutragen, sah aber in dem Moment, in dem sie etwas sagen wollte, ein, dass der Augenblick unpassend war und so entschied Nadia sich zu warten bis sie Zeit hatten, miteinander zu reden.
Sie richtete – genau wie Sydney - ihren Blick wieder auf Monique und Irina.
Nach einer kurzen Pause begann die Leiterin des DSC wieder zu sprechen.
„Es gibt kein Schwarz oder Weiß in diesem Beruf. Nur Grauzonen. Ihr Mann war von der CIA, Ich vom KGB. Es war auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges und wenn ich ihn nicht getötet hätte, hätte er mich sicher irgendwann getötet. In dem Moment, in dem er Nadia entführt hat, muss ihm klar gewesen sein, dass unsere Wege sich nochmal kreuzen. Sie haben Ihren Mann verloren, Michael Vaughn seinen Vater, und wissen Sie was?“
Monique hielt trotzig dem Blick ihres Gegenübers stand. Ihre Augen funkelten Irina hasserfüllt an. Diese störte sich aber nicht daran, und ließ sich davon keineswegs beirren. „Sie sind nicht wütend auf mich, weil ich ihn getötet habe, denn im Grunde Ihres Herzens wussten Sie welche Risiken die Arbeit bei der CIA mit sich bringt. Bill wusste das auch. Was Sie wütend macht, ist, dass er trotz der Risiken nicht aufgehört hat, obwohl er einen Sohn hatte und mit Ihnen verheiratet war. Das war für ihn nicht genug aufzuhören und es war für Michael nicht genug, um gar nicht erst in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Ich kenne Ihren Sohn, Monique. Er wird Sydney heiraten und mit ihr glücklich werden, ob Sie ihm Ihren Segen geben, oder nicht.“
Irina stand auf, nahm den Schlüssel und löste die Handschelle um Moniques rechte Hand, die an den Stuhl gefesselt war, drehte diese herum, so dass sich der Schmerz von Moniques Hand bis hinauf zu ihrer Schulter zog. Sie grunzte vor Schmerz, während ihr Gesicht sich verzerrte. „Sie haben jetzt zwei Möglichkeiten. Erstens: Sie können uns Informationen liefern, die nicht nur Ihrem Sohn möglicherweise das Leben retten, sondern Sie auch vor Schmerzen bewahren, die Sie wünschen lassen werden, Sie seien tot, oder Zweitens: Sie geben uns keine Informationen über The Hand und leiden Höllenqualen, während Ihr Sohn möglicherweise wegen dieser fehlenden Informationen im Einsatz stirbt genau wie sein Vater vor ihm.“ Irina bog den Arm noch weiter nach hinten, was einen lauten, schmerzerfüllten Schrei der Französin zur Folge hatte.
Vaughns Mutter rang nach Luft also lockerte Irina den Griff ein wenig damit sie sprechen konnte. Doch alles was sie erwiderte war: „Fahren Sie zur Hölle!“ Daraufhin brach die Russin ihren Arm und Nadia und Sydney wandten ihren Blick ab, weil sie es nicht ertragen konnten, zu sehen wie ihre Mutter folterte. Außerdem war der Aufschrei von Monique so von Schmerz erfüllt, dass es kaum zu ertragen war.
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Melbourne,
Australien
Sark stand in der Empfangshalle der großen Villa, die The Hand als Zweigstelle für ihre Pläne diente. Er hielt ein Handy an sein Ohr und wartete, dass sich jemand meldete.
Wenig später übernahm dies eine Stimme, die verzerrt war. „Sprechen wir über eine sichere Leitung?“ fragte der Blonde ohne seinen Namen zu nennen damit die CIA, falls sie mithörte, nicht wusste wer der Maulwurf war und ihn – Sark – nicht damit in Zusammenhang bringen konnte.
„Die Leitung ist sicher“ antwortete die verzerrte Stimme.
„Ich rufe an im Auftrag von Mister Karg. Nach Ihren Informationen hat die CIA Monique Vaughn. Sie weiß zuviel über The Hand. Beseitigen Sie das Problem und sorgen Sie dafür, dass der Verdacht nicht auf Sie gelenkt wird.“ Damit legte Sark auf und machte sich auf den Weg nach draußen zu einer Limousine, die ihn zum Flughafen bringen sollte. Er wollte mehr Informationen über die Apokalypse erhalten, die Nadia erwähnt hatte und er wusste auch schon genau an wen er sich damit wenden musste.
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Los Angeles
„Agent Fox!“ nahm Carolyn gerade einen Anruf auf ihrem Handy entgegen, die gerade dabei war das Verhör zu verlassen. Die Nachricht, die ihr ein CIA-Agent überbrachte ließ die Agentin zu Jack, Nadia und Sydney zurückkehren. „Es gibt Neuigkeiten. Sagen Sie Mrs. Derevko, sie wird sofort im Operationszentrum gebraucht. Am besten, Sie alle kommen auch!“ rief sie.
Nadia, Jack und Sydney wechselten erstaunte Blicke, aber bevor sie fragen konnten, worum es denn ging und mit wem sie gesprochen hatte, war die brünette Agentin auch schon durch die Tür verschwunden. „Geht ihr schon mal vor. Ich komme mit eurer Mutter nach“ schlug Jack vor. Die Schwestern taten wie ihnen geheißen, auch wenn sie lieber gemeinsam mit Jack und Irina ins Operationszentrum gegangen wären, um dadurch dem peinlich berührten Schweigen zu entgehen, dass sie seit dem Mord an Kingsley durch Nadia begleitete, jedes Mal wenn sie unter sich waren.
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„Sagen Sie mir was ich wissen will und wir können aufhören“ meinte Irina freundlich. Monique wies jede Menge blutige Kratzer im Gesicht auf, war kaum in der Lage zu sprechen. Ihr Mund fühlte sich trocken an, also nahm Irina das Glas Wasser, das sie auf den Tisch hatte stellen lassen und setzte es der Französin an den Mund. Nach ein paar Schlucken stellte die Russin das Glas wieder an seinen Platz, setzte sich hin und musterte Monique. Eine Weile sagte keine der beiden Frauen etwas.
„Wenn ich Ihnen sage was ich weiß, werden die mich töten.“ Es klang fast wie ein Versprechen, eine dunkle Prophezeiung von Monique als wie ein Bluff, so dass Irina keine Sekunde an der Wahrheit ihrer Worte zweifelte.
„Sie sind hier sicher, Monique“ versicherte die ehemalige KGB-Agentin der Gefangenen, auch wenn sie sich gar nicht mehr so sicher war, ob das stimmte. Irina glaubte inzwischen, dass Jack nicht erst nach Beweisen dafür suchen musste, dass es einen Maulwurf gab. Es lag auf der Hand: Der Transport Nadias und ihre Entführung, dann auch noch Moniques Andeutungen…. Die Leiterin des DSC wollte sicher gehen. „Monique, gibt es einen Maulwurf in meiner Abteilung?“
Die Französin nickte wortlos.
Es war egal. Wenn sie nicht redetete, würde Irina sie töten lassen, dessen war sie sich sicher, auch wenn Michael und seine Liebe zu seiner Mutter sie sicher zögern lassen würden in dieser Entscheidung. Vielleicht würde Irina sie aber auch am Leben lassen aus Angst dadurch das gute Verhältnis zu Sydney erneut auf’s Spiel zu setzen. Ob Irina sie töten oder am Leben lassen würde, war mittlerweile auch gar nicht mehr von Bedeutung.
Feststand, dass die Russin in einem Punkt Recht hatte: Verschwieg sie wichtige Informationen in Bezug auf The Hand, konnte dies ihren Sohn in Gefahr bringen. Um ihn zu beschützen, nahm die Französin auch ihren eigenen Tod in Kauf. Michael brauchte seine Mutter nicht mehr. Er hatte jetzt Sydney und sie musste anfangen zu zugeben, dass sie die Richtige für ihn war, dass Sydney die Frau war, die Michael glücklich machen würde, ihm vielleicht sogar einen wundervollen Sohn oder eine zauberhafte Tochter schenken würde.
„Wer ist es?“ wollte Irina wissen und riss die Gefangene so aus ihren Gedanken. Zuerst kamen flüsternde Worte aus ihrem Hals, die erst deutlicher zu hören waren nachdem sie sich geräuspert hatte. Die Russin strengte sich an, damit sie verstehen konnte was Vaughns Mutter ihr zu sagen versuchte.
„Passen Sie gut auf meinen Sohn auf. Versprechen Sie mir, dass Sie ihn genauso beschützen wie Sie Sydney beschützen“ flehte Monique. Es überraschte Irina, dass sie redete als würde sie sich von ihr und von Michael verabschieden. Im ersten Moment war die ehemalige KGB-Agentin unfähig auf diese Worte zu reagieren, so überrascht war sie.
Da ertönte plötzlich Jacks Stimme über die Gegensprechanlage. „Irina, du wirst dringend im Operationszentrum gebraucht. Es gibt Neuigkeiten.“
„Ich bin gleich da“ versprach die Russin, hörte sich so an als wäre sie weit weg und gar nicht richtig bei der Sache. Bevor sie ging, warf Irina Monique einen ernsten Blick zu.
„Versprechen Sie’s mir“ rief die Französin mit einem flehentlichen Ausdruck in den Augen. So flehentlich, dass Irina aufeinmal Mitleid mit der jungen Frau hatte.
„Ich verspreche es“ versicherte die Braunhaarige aufrichtig, verabschiedete sich kurz von Monique und machte sich dann auf den Weg ins Operationszentrum.
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Im Besprechungsraum des Operationszentrums angekommen, wurde Irina vom gesamten DSC-Team empfangen: Dixon, Marshall, Nadia, Sydney, Carolyn, Nicolai und Jack saßen um den Tisch und richteten ihre Augen auf Irina als diese den Besprechungsraum betrat.
Nachdem die Leiterin sich gesetzt hatte, erhob Carolyn sich von ihrem Platz und betätigte den Knopf inmitten des runden Tisches, um den die Anwesenden saßen. Die Augen des Teams richteten sich auf die Bildschirme hinter ihnen. Das Bild, das darauf zu sehen war, zeigte Julian Sark.
„Die CIA hat ein Telefonat von Julian Sark abgehört. Dabei ging es um einen Flug Richtung Nepal“ erklärte Carolyn allen.
„Was gibt es dort?“ fragte Irina angespannt.
„In seinem Telefonat hat Sark einen Priester erwähnt. Sein Name ist Tuval Achtak. Was das besondere an diesem Priester ist, dass er nicht über Gott predigt, sondern über Rambaldi.“
„Sark sucht einen Experten in Sachen Rambaldi auf, wieso?“ warf Nadia ein.
„Tja, es scheint als hätte Sark Kenntnis davon erhalten was sie in ihrer Vision gesehen haben, Nadia. Und jetzt macht er sich auf den Weg nach Nepal, um den Tempel aufzusuchen, den Priester Achtak bewohnt um herauszufinden was es damit auf sich hat“ antwortete die brünette CIA-Verbindungsagentin. „Devlin bat mich, das DSC zu informieren damit Mrs. Derevko entscheiden kann wie weiter vorzugehen ist. Schließlich fällt Rambaldi in ihre Zuständigkeit.“
Irina stand auf, ließ sich ein paar Minuten Zeit, um ihre Gedanken zu sortieren.
The Hand hatte offenbar nicht vor, noch weiter Zeit zu verschwenden. Sie zogen das Tempo an, aus Angst das DSC könnte ihnen zuvor kommen.
Auch wenn Nadias Informationen bezüglich der bevorstehenden Apokalypse noch vage waren, hatten sie keine Zeit mehr zu verlieren: Sie mussten die Suche nach Antworten erstmal beiseite lassen und The Hand daran hindern, an Informationen zu kommen, die sie vor ihnen an die Atombombe kommen lassen würden.
Nicht auszudenken was passieren würde, wenn The Hand eine Bombe von solcher Macht in die Finger bekäme.
Die ehemalige KGB-Agentin hatte schon von dem Priester gehört, den Carolyn erwähnt hatte. Noch bevor sie angefangen hatte, sich näher mit Rambaldi zu beschäftigen, hatte er die Theorie vertreten, dass Milo Rambaldi nicht auf Weltfrieden aus war, sondern auf einen Neuanfang wie ihn Gott gewagt haben soll als der die Sintflut schickte. Wenn Sark ihn aufsuchte, hieß das, The Hand war der Lösung und damit der Bombe schon ziemlich nahe und dies machte Irina Sorgen.
„Ich kenne diesen Priester. Viele Rambaldi-Anhänger suchen ihn auf. Er gilt als DER Rambaldi-Experte. Manche glauben sogar, dass er mit Rambaldi verbunden ist, was ich persönlich für Blödsinn halte. Trotzdem können wir es nicht riskieren, dass er Sark Hinweise gibt, die The Hand möglicherweise zu der Bombe führt“ meinte die Leiterin des DSC.
„Denkst du denn wirklich, dass The Hand die Absicht hat, Rambaldis Prophezeiung wahr zu machen, Mom?“ erkundigte sich Sydney.
„The Hand wird versuchen ALLES durchzusetzen, was in Rambladis Interesse gewesen wäre. So gesehen: Ja. Sydney, du und Nadia ihr fliegt nach Nepal, um das Treffen zu verhindern. Sark wird morgen abfliegen. Ihr müsst also versuchen, vor ihm da zu sein.“ Irna wandte sich an Nadia. „Nadia, das ist keine persönliche Racheaktion an Sark dafür, dass er dich foltern ließ, verstanden? Ihr spürt lediglich Tuvak Achtak auf und bringt ihn zu unserem Sicheren Haus in Nepal. CIA-Agenten werden ihn dort schon erwarten und dorthin bringen wo Sark und The Hand ihn nicht finden können. Solltest du dennoch versuchen, es Sark heimzahlen zu wollen, werde ich verflucht sauer, ist das klar?“
„Sonnenklar“ nickte Nadia ernst, die tatsächlich mit dem Gedanken gespielt hatte, sich bei Sark zu revanchieren, sollte sie ihm in Nepal begegnen.
Marshall hob verlegen die Hand. Alle Blicke wandten sich ihm zu, während der Techniker darauf zu warten schien, dass Irina ihm das Wort erteilte. Doch die Leiterin des DSC bedachte ihn bereits mit einem erwartungsvollen Blick und als er realisierte, dass er das Wort bereits hatte, ohne dass man ihn dazu auffordern musste, lächelte er verlegen und nahm die Hand runter. „Ähm…Also….Das ist ein wirklich toller Plan…Mrs. Irina….Derevko…Bristow…Derekvo-Bristow…“ Marshalls verlegenes Lächeln glitt wieder in die Runde, während Sydney ihr Grinsen hinter vorgehaltener Hand verbarg. „Wie auch immer, ähm, werden die Rambaldi-Anhänger nicht sauer sein, wenn sie erfahren, dass wir ihren Priester entführt haben?“
„Eine berechtigte Frage“ befand Jack. „Was, wenn wir es einer anderen Organisation in die Schuhe schieben? Einer erfundenen Organisation?“
„Wir geben eine gefälschte Meldung an die Anhänger von Rambaldi raus, dass eine neue Organisation ihren Priester entführt hat, um sich Informationen über Rambaldi zu holen. Während die Anhänger nach den Hintermännern suchen, hätten wir Zeit die Katastrophe zu verhindern und unser weiteres Vorgehen zu planen“ schloss Sydney aus dem Vorschlag ihres Vaters.
„In Ordnung. Jack, du kümmerst dich um die Mitteilung an die Rambaldi-Anhänger. Carolyn, sie informieren Devlin und Sydney und Nadia fliegen in drei Stunden ab. Auf geht’s!“ beschloss Irina die Besprechung und alle machten sich auf, um das Gesagte in die Tat umzusetzen.
Fast draußen informierte Sydney ihre Schwester, dass sie nochmal zuhause vorbeifahren wolle, um zu sehen, ob Vaughn da war. Sie fühlte sich immer noch schlecht wegen dem Streit, den sie mit ihm gehabt hatte und wollte sicher gehen, dass er in Ordnung war. Obwohl Nadia sich einverstanden erklärte, war sie es dennoch nicht, denn sie hätte gerne endlich mit Sydney den Streit beigelegt oder zumindest ein offenes Gespräch mit ihr geführt, wegen dem was in den letzten Wochen passiert war und was eine Mauer zwischen ihnen errichtet hatte, die Nadia gerne einreißen wollte. Vor allem, da gute Zusammenarbeit sehr wichtig werden würde, für den kommenden Einsatz.
Vielleicht war während des Fluges ja auch noch genug Zeit dazu, hoffte die Argentinierin.
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Noch ein wenig beneblt vom Schlaf erwachte Monique als sich die Zellentür im Korridor öffnete. Erstaunt stellte sie fest, dass die Wachen, die vorhin noch im Korridor gestanden hatten, gegangen waren.
„Hallo?“ fragte sie in die sich erstreckende Dunkelheit, obwohl eigentlich schon klar war, dass sie keine Antwort erhalten würde. Vermutlich ein Schichtwechsel, sagte sie sich und drehte sich wieder auf den Rücken. Doch plötzlich waren leise, fast lautlose Schritte zu hören, die sich ihrer Zelle näherten.
Die Französin zuckte zusammen und drehte sich zu dem Geräusch um. Überrascht weiteten sich ihre Augen als sie eine in schwarz gekleidete Person vor sich stehen sah. Dabei sollte sie eigentlich nicht überrascht sein, schließlich hatte sie sich schon gedacht, dass The Hand jemanden schicken würde, um sie zu töten. Monique war unfähig etwas zu sagen, unfähig um Hilfe zu rufen als die Person eine Waffe zückte und auf sie richtete. Sie erhob noch beschwichtigend die Hand, in der Hoffnung die Person damit zu besänftigen. Doch es nützte nichts.
Der Abzug löste sich und ein Schuss hallte durch die Gänge, gefolgt von dem Tropfen des Blutes auf den Boden von Moniques Zelle. Die Person hatte sie mit einem Kopfschuss getötet.
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Sydneys Appartement
Eine halbe Stunde lang hatte Nadia damit verbracht das Für und Wider abzuwiegen, ob es richtig war, das Gespräch mit Sydney doch noch zu suchen bevor sie Richtung Nepal aufbrechen würden.
Ihre Überlegungen hatten die Agentin zu dem Schluss kommen lassen, dass sie es so schnell wie möglich hinter sich bringen musste. Am besten sofort! Dieser Einsatz durfte nicht schief gehen, aufgrund ihrer Differenzen. Ihre Mutter wäre darüber sicher nicht glücklich und Nadia glaubte fest, dass einen Grund dafür gab, dass ihre Mutter sie und Sydney das erste Mal seit dem Mord an Kingsley zusammen arbeiten ließ.
Die Schwarzhaarige atmete nocheinmal tief durch als sie vor Sydneys Tür stand. Mit klopfendem Herzen betätigte sie die Klingel. Was würde das Gespräch ergeben? Würden sich die Wogen zwischen ihr und ihrer großen Schwester danach wieder glätten? Wie stand Sydney inzwischen zu ihr? Hatte ihr Ärger sich schon ein wenig gelegt?
All diese Fragen beschäftigten Nadia, während sie darauf wartete, dass geöffnet wurde. Sie hörte Schritte, dann öffnete sich die Tür und Sydney stand ihrer kleinen Schwester gegenüber. Die Braunhaarige wirkte zwar überrascht, bedachte Nadia aber mit einem freundlichen Blick. Fast so als wär sie erleichtert, ihre Schwester zu sehen.
„Hey“ begann Sydney zaghaft.
„Hey“ lächelte Nadia schüchtern. Es folgte eine verlegene Pause. „Ich hatte gehofft, wir - “ Weiter kam Nadia nicht, denn ihre Stimme ließ jemand anderen neben Sydney in der Tür erscheinen. Die Augen der Argentinierin weiteten sich: Es war Eric Weiss!! „Hallo, Nadia!“ meinte dieser mit belegter Stimme. Er hatte nicht erwartet, dass es so aufwühlend werden würde, sie wieder zu sehen.
Nadia hingegen war mit der Situation so überfordert, dass sie keine andere Möglichkeit sah, als ihr zu entfliehen. Also drehte sie sich um und entfernte sich schnellen Schrittes vom Haus.
„Nadia!“ rief Sydney. Ihre Schwester drehte sich nicht einmal um. Verdammt! Es war ihre Schuld! Sie hätte zu Nadia gehen sollen, um das längst überfällig gewordene Gespräch anzufangen. Schließlich wollte sie auch endlich mit ihrer Schwester ins Reine kommen und dass Nadia von sich aus kam, um zu reden, bedeutete Sydney mehr als Nadia je erfahren würde. Erics Anwesenheit überforderte sie natürlich vollkommen!
Sydney konnte das nicht auf sich beruhen lassen, riss ihre Jacke vom Hacken und lief Nadia hinterher, während Eric mit einem schlechten Gewissen zurück blieb. Eigentlich hatte er Nadia sich bis zur Hochzeit in ein paar Wochen gar nicht zeigen wollen, aber als er ihre Stimme an der Tür gehört hatte, musste er sie einfach sehen.
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