15. Visions

Mexico City

Als Nadia erwachte, fand sie sich an eine Liege gekettet wieder. Sie blinzelte, da sie sich erst an das grelle Licht gewöhnen musste, das von der Lampe ausging, die ihr direkt ins Gesicht schien. Der Rest des Raumes war dunkel, so dass die Agentin nicht erkennen konnte wo sie sich befand. Möglicherweise war sie schon gar nicht mehr in den USA.
Es knirschte und eine Tür, links von Nadia, öffnete sich. Zwei in Dunkelheit gehüllte Gestalten traten ein, ihren Schritten nach zu urteilen waren es Männer. Als sie hinter der Lampe zum Stehen kamen und der Lichtkegel ihre Gesichter traf, wusste Nadia mit wem sie es zu tun hatte. Einen der Männer erkannte sie sofort wieder: Es war Sark, den Anderen hatte die Schwarzhaarige noch nie zuvor gesehen.

„Guten Morgen, Schlafmütze. Ich habe schon befürchtet, du würdest nie mehr aufwachen“ meinte Sark ohne dabei die Mundwinkel zu verziehen. Er bemerkte, dass Nadia ihren Blick von ihm ab- und dem Mann zuwandte, der neben ihm stand. „Das ist William Karg. Ich arbeite für ihn.“ Die Agentin hatte schon den Mund geöffnet, um eine Frage zu stellen, doch Sark kam ihr zuvor. „Nein, dein Vater weiß nicht, dass du hier bist. Noch nicht.“
Julian ging zurück in die Dunkelheit, um den Lichtschalter zu betätigen, so dass endlich das gesamte Zimmer beleuchtet wurde. Karg schaltete unterdessen die Lampe aus.

Nachdem Nadias Augen sich an das viele Licht gewöhnt hatten, studierte sie das Zimmer eingehend. Es war schäbig, der Putz bröckelte von den Wänden und Wasser hatte die Holztüren leicht schimmeln lassen, doch zu Nadias Überraschung roch man nichts davon. Ihr Blick folgte dem von Karg, dessen Aufmerksamkeit ein kleiner Metalltisch erregt hatte, auf dem etwas stand, das aber von einer schwarzen Decke verhüllt wurde. Er entfernte sie und gab den Blick auf ein gutes Dutzend Glasfläschchen frei, die eine transparente Flüssigkeit enthielten.
Die Agentin ahnte nichts Gutes und zerrte ein wenig an den Ketten, obwohl sie wusste, dass dies nichts bringen würde. „Sie fragen sich bestimmt was das ist“ begann Karg, während er eine Spritze zutage förderte und sie mit der Flüssigkeit füllte. Sark währenddessen schloss Nadia an jede Menge Elektronen an. „Sie sind der Passagier. Das bedeutet, sie haben von Rambaldi eine Art genetisches Erbe erhalten, durch das sie in der Lage sind Nachrichten aus dem Unterbewusstsein Rambaldis zu übermitteln. Das grüne Elixier, das man ihnen vor zwei Jahren injiziert hat, hat Arvin Sloane dazu verholfen, Rambaldis Kugel des Lebens zu finden. Was die CIA und nicht mal Sloane und Irina Derevko gewusst haben, ist, dass eine zweite für den Passagier bestimmte Nachricht existiert, die mithilfe dieser Flüssigkeit von ihnen übermittelt werden kann.“

Nadia hatte Tränen in den Augen. Sie wollte nicht erneut diesem Horror und dieser Anstrengung ausgesetzt sein. Außerdem waren die Dinge, die sie in ihren Visionen sah, eine Bürde, die kaum zu tragen war.
„Mich überrascht es, dass dein Vater nicht schon vorher dahinter gekommen ist. Dabei hat Rambaldi selbst schon einen Hinweis in diese Richtung gegeben“ ergänzte Sark, beugte sich tief zu Nadia herüber, die ihn mit einem verachtungsvollen Blick bedachte. Gleichzeitig wurde ihr klar was er meinte.

Flashback (Kapitel 10 „Mother and Daughter“)

Der schwarze Laptop befand sich in Katyas Aktentasche. Vorsichtig zog die Agentin ihn heraus, schaltete ihn an und hackte sich in das System.  Sie fand eine Datei, die aus mysteriösen Worten bestand.
Eine Person, in Konkurrenz zur Auserwählten stehend, kann das Puzzle zusammensetzen. Sie ist meine Verbindung in diese Welt.

Nadia wollte weiterklicken, doch als sie weiter scrollte bemerkte sie, dass sie richtig war. Das Ende der Welt, es ist wirklich nah. Willst du den Text entschlüsseln, benutze folgende Formel:

Flashback Ende

„Eine Person, in Konkurrenz zur Auserwählten stehend und die Verbindung Rambaldis in die Welt über seinen Tod hinaus. Wer könnte das wohl sein?“ fragte Julian spöttisch. „Ich schätze die Prophezeiung wonach der Passagier und die Auserwählte gegeneinander kämpfen, wird sich bewahrheiten. Die Formel, die du gefunden hast, diente nicht dazu den Text zu entschlüsseln. Das war ein Übersetzungsfehler. Die Formel diente dazu das Elixier herzustellen, das du nun vor dir siehst. Rambaldi wird dir seine Botschaft übermitteln und ich habe das Gefühl er wird verdammt gesprächig.“

Nadia machte sich gar nicht erst die Mühe, ihre Tränen zu verbergen. Dennoch sprach sie mit fester und entschlossener Stimme: „Nichts auf der Welt könnte mich dazu bringen, Sydney irgendwas anzutun. Sie ist meine Schwester!“
„Wir werden sehen“ lächelte Karg, nahm die Spritze und bewegte sich damit auf Nadias Arm zu, die versuchte sich dagegen zu wehren. Sark hielt sie fest, damit sie sich nicht bewegen konnte.
„Nein! Nicht!“ bat die Agentin und stieß einen markerschütternden Schrei aus, als die Flüssigkeit ihre Venen erreichte.

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Los Angeles,
DSC


„Irina?“
Die ehemalige KGB-Agentin wandte ihren Blick von den Papierarbeiten ab, die sie gerade erledigte und der Stimme zu, die sanft ihren Namen gerufen hatte. Mit einem Lächeln stellte sie fest, dass die Stimme zu Jack gehörte. „Jack“ stellte sie lächelnd fest und bat ihren Mann herein.
Sein ernster Gesichtsausdruck gefiel ihr gar nicht und schon als er das Büro betrat, wusste Irina, dass er schlechte Nachrichten hatte. Ihr Magen zog sich zusammen und ihre ersten Gedanken glitten zu Sydney und Nadia.
Mit letzterer hatte sie gar nicht mal so Unrecht, wie sich herausstellte. „Carolyn hat mich gerade darüber informiert, dass das Team, das Nadia her bringen sollte, angegriffen wurde. Nadia wird vermisst“ erzählte Jack sanft.
Nun fühlte sich die KGB-Agentin elender als zuvor, versuchte ihre Sorge vor Jack zu verbergen, versagte dabei aber kläglich. Das sah sie schon an dem mitfühlenden Blick, den er ihr zuwarf und wich ihm aus.
„Irina, wir finden sie“ bekräftigte der CIA-Agent. Seine Hand ergriff ihre und drückte sie. Irina machte keine Anstalten, ihre Hand Seiner zu entziehen. Im Gegenteil: Es schien so, als gäbe er ihr etwas von seiner Kraft. Zudem fühlte sie, dass Nadia noch am Leben war. Die Frage war bloß in welchem Zustand und was die Angreifer von ihr wollten.

Da fiel es Irina wie Schuppen von den Augen! Es gab nur ein Mann, der ihr auf Anhieb einfiel, der alles daran setzte, den Kontakt zu Nadia aufrecht zu erhalten, versuchte sie auf seine Seite zu ziehen. Dieser Mann war Sloane. Weil sie sich nicht sicher war, wandte sie sich an Jack: „Wissen wir wer die Angreifer sind?“
„Nein. Allerdings konnte die CIA einige verletzte Agenten befragen. Alle Beschreibungen stimmen überein und treffen auf einen alten Bekannten von uns zu: Sark.“

Wut kochte in der ehemaligen KGB-Agentin. Bevor Sydney und Vaughn ihren Auftrag nicht erfolgreich ausgeführt hatten, waren Irina aber die Hände gebunden. Sie war sich sicher, dass es kein Zufall war, dass sie von Projekt Scorpion erfuhren und kurz darauf Nadia entführt wurde. „Ich nehme an, die CIA hat keine Ahnung wo Sark sie hingebracht hat?“ fragte Irina und erhielt das schon von ihr erwartete Nein von Jack zu Antwort. „Dann müssen wir warten bis Sydney und Vaughn zurück sind. Es ist kein Zufall, dass kurz nach der Information über Projekt Scorpion Nadia entführt wird. Wir können unsere Vorgehensweise nicht planen, bevor wir wissen wofür The Hand das Geld braucht.“
„Ich sehe das genauso“ nickte Jack. „Aber es heißt auch noch etwas anderes: Nur das DSC und die CIA wussten von dem Transport Nadias hierher. Anscheinend gibt es irgendwo ein Leck.“
Irina seufzte und stützte ihren Kopf mit der rechten Hand ab, während sie mit der Linken noch immer Jacks Hand hielt. Die schlechten Nachrichten nahmen wohl gar kein Ende. „Ich schlage vor, du suchst nach dem Maulwurf, während ich den Einsatz von Sydney und Vaughn überwache.“
Sydneys Vater war einverstanden und machte sich sofort an die Arbeit.

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Wien

Wie es typisch für Österreich war, wurde der Wiener Walzer gespielt als Sydney und Vaughn in Verkleidung das Gebäude erreichten, wo die Feier stattfinden sollte und sich zugleich die Privatwohnung von Latierré befand.
Vaughn hatte seine blonden Haare, schwarz gefärbt, trug einen Schnurrbart und einen Smoking mit schwarzer Fliege. Sydney hingegen trug eine schwarze Perücke mit roten Strähnen, dazu ein schwarzes Seidenkleid, das rückenfrei war, mit gleichfarbiger Handtasche.
Vor dem Eingang wurden sie von einem Sicherheitsmann aufgehalten, der ebenfalls einen Smoking trug. Seine bullige Erscheinung und die Glatze, das grimmige Gesicht, sollten die Leute davon abhalten, hier Ärger zu machen. Einen offenen Aufstand zu provozieren, hatten Sydney und Vaughn auch gar nicht vor. Ihr Auftrag war es, unauffällig zu operieren. Das war Irina Derevkos ausdrücklicher Wunsch gewesen.
Sie konnten es sich nicht leisten, dass The Hand merkte, dass das DSC ihnen auf den Fersen war.

„Ich bin Michel Ferrat, das ist meine Frau Laetizia. Wir sind Gäste von Claude“ stellte Vaughn sich und Sydney mit breitestem, französischen Dialekt vor, der den bulligen Kerl zu überzeugen schien.
Fast wie in Zeitlupe senkte der Sicherheitsmann seinen Kopf und warf einen Blick auf die Gästeliste. Da er die ganze Zeit über seinen grimmigen Gesichtsausdruck beibehielt, war es für die Agenten schwer festzustellen, ob sie reinkommen würden oder nicht. Zumindest hatte Irina Derevko versprochen, dafür zu sorgen, dass sie auf der Gästeliste standen. Wie sie das bewerkstelligen wollte, hatte sie ihnen allerdings nicht verraten. Um ehrlich zu sein, wollte Sydney das auch gar nicht wissen. Nach Irinas Methoden zu fragen, stand ihr als deren Mitarbeiterin auch gar nicht zu. Aber stand es ihr nicht zumindest als Tochter zu?

„Hab sie gefunden. Sie können rein“ raunzte der Sicherheitsmann und ließ das Agentenpaar passieren.
Der Walzer hatte aufgehört und wurde nun von einem Stück von Beethoven abgelöst. Sofort erkannte Sydney die sanften Klänge des Pianos wider, die sie noch aus dem Klavierunterricht bei Ms. Adams kannte.
„Siehst du Latierré irgendwo?“ wandte sich die Agentin unauffällig an ihren Verlobten, dessen suchender Blick ebenso durch den Raum schweifte wie Sydneys.

„Nein. Noch nicht“ murmelte Vaughn und kaum hatte er ausgesprochen, steuerte Latierré mit einem Glas Champagner in der Hand schon auf die Beiden zu.

„Ah sie sind Madame und Monsieur Ferrat nehme ich an.“ Sein breites Grinsen gab einen Blick auf die sauberen Zähne frei. Dank seines Smokings und der Schuhe sah er aus, als wäre er einem Modemagazin entsprungen.
Offenbar zahlte The Hand nicht schlecht, ging es Sydney durch den Kopf als sie ihr Gegenüber einer eingehenderen Betrachtung unterzog. Latierré war ein gutaussehender, jung gebliebener Mann, obwohl er schon über 40 sein musste. Besonders Sydneys Erscheinung schien es ihm angetan zu haben. Ganz wie ein Gentleman der alten Schule nahm er ihre Hand und küsste sie.

„Madame Ferrat, sie sind sogar noch hübscher als man sie mir beschrieben hat“ lächelte der Bankdirektor und Sydney wollte sich am liebsten die Hände waschen bei dem Gedanken, dass der charmante Mann ihr Gegenüber dabei half, Operationen von The Hand zu finanzieren, die unzählige Menschenleben gefährdeten oder schon ausgelöscht hatten. „Ich hoffe, sie fühlen sich wohl hier.“
„Ich würde mich wohler fühlen mit einem Glas Champagner“ entgegnete Sydney mit einem offensichtlich falschen Grinsen. Latierré wirkte zuerst ein wenig irritiert, doch als er sah, dass Vaughn grinste, stimmte er darin mit ein.
„Eine Frau, die weiß was sie will. Das gefällt mir.“ Alle drei lachten, dann bat Vaughn, Sydney ihn und den Bankdirektor allein zu lassen, womit sich die Agentin einverstanden zeigte und die Toiletten an steuerte.
„Basislager hier Phoenix. Wir sind im Gebäude, seid ihr auf Empfang?“ murmelte Sydney nachdem sie sich davon überzeugt hatte, dass sie alleine war.
„Positiv, Phoenix. Hör zu, wir müssen das Ganze ein wenig beschleunigen. Gerade haben wir die Information erhalten, dass Nadias Transport angegriffen wurde und von ihr jede Spur fehlt. Wir vermuten, dass The Hand dahinter steckt. Jede Stunde, die vergeht, könnte sie in Lebensgefahr bringen“ sagte Irina nachdem sie neben Marshall zum Stehen gekommen war und ihr Head-Set angelegt hatte.

Obwohl Sydney nach wie vor wütend auf ihre Schwester war und ihr nicht recht vertraute, überkam sie eine Woge von Sorge, die einher ging mit der Frage, ob Nadia das Ganze nicht vielleicht eingefädelt haben könnte, um so freizukommen und ihren Plan durchzuziehen, was immer das für einer war.
Diese Frage wollte sie aber nicht jetzt äußern, weil es einfach unangebracht war und außerdem musste sie sich auf ihre Aufgabe konzentrieren.

„Denkst du, sie ist noch am Leben?“ fragte die Agentin und hörte sich besorgter an als sie eigentlich wollte.
Irina musste lächeln. Sydney machte sich also Sorgen! Das war sehr gut, denn es war ein Schritt in Richtung eines normalen Umgangs zwischen den Schwestern, auch wenn noch viele Wunden zu heilen waren, bevor Sydney und Nadia soweit waren, wieder normal und wie Geschwister miteinander umzugehen.
„Ich weiß, dass sie noch am Leben ist. Es ist jetzt wichtiger als zuvor, dass dieser Einsatz erfolgreich ist.“
„Verstanden. Dieser Bankdirektor klebt an mir wie eine Klette. Shotgun und ich werden einen Streit vortäuschen, damit ich die Gelegenheit habe zu verschwinden. Marshall, sind sie bereit zu zaubern?“ erwiderte Sydney.
„Bereit, wenn sie es sind, Phoenix“ grinste der Techniker, legte die Tasse an den Mund und trank einige Schlucke von seinem ganz speziellen Kaffee. „Ähm…Möchten sie? Das ist ein ganz spezieller Kaffee. Ich habe ein Koffeinverstärkungsmittel erfunden, das ich hinein gegeben habe. Mitchell bekommt seine Zähne, wissen sie? Carrie und ich haben keine Nacht Ruhe und….Langweile ich sie?“ wandte sich Marshall an seine Chefin. Irina starrte ihn wortlos an, konnte gar nicht glauben, dass ein einziger Mann soviel reden konnte.
Andererseits hatte diese Art etwas Liebenswertes an sich. Sie konnte verstehen, weshalb Sydney ihn gern hatte.
„Offensichtlich wollen sie keinen Kaffee, weil …. Sie sehen ausgeruht aus, obwohl die eine Tochter entführt wurde und die Andere sich im Moment auf einem gefährlichen Einsatz befindet.“ Marshall stockte. Er sah verunsichert aus, weil Irina ihn immer noch mit demselben ausdruckslosen Gesicht taxierte. „Ich bin schon still.“ Marshall nippte verstohlen an seinem Kaffee, während Irina mit dem Kopf schüttelte.

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Zürich

„Sie haben was?!“ fragte Sloane entsetzt von seinem Stuhl aufspringend. Seine Augen funkelten Karg wütend an. So wütend war er noch nie gewesen. Nicht mal nach Emilys Ermordung durch Dixon, obwohl er damals aus Rache dessen Frau hatte töten lassen.

„Das sagte ich doch schon, Mister Sloane. Wir haben Ihre Tochter und mithilfe der Flüssigkeit, die wir dank Ihrer Formel herstellen konnten, wird sie schon bald eine zweite Botschaft von Rambaldi übermitteln können“ erklärte Karg gelassen und ohne jedes Mitgefühl.
„Wir hatten eine Vereinbarung! Die besagt, dass Sie meine Tochter aus allem raushalten!“ fuhr Sloane den The Hand-Agenten an und war dabei so unbeherrscht, dass er ihn am Kragen packte, aus seinem Sessel zog und seinen Körper gegen die Wand presste.
Karg machte keinerlei Anstalten sich zu wehren. Mehr noch: Seine Mundwinkel hatten sich zu einem amüsierten Grinsen verzogen. „Sehen sie, deshalb haben wir ihnen nicht erzählt was wir vorhaben, Mister Sloane. Wir wussten wie sie reagieren würden. Ich kann mir vorstellen wie schwer es für sie sein muss, dass ihre Tochter für die höhere Sache leiden muss. Aber es muss sein.“

Weil er einsah, dass es ihn nur in noch größere Schwierigkeiten bringen würde, Karg zu schlagen oder The Hand zu drohen, besann Sloane sich wieder und ließ von ihm ab. Trotzdem blieb der wütende Blick des ehemaligen SD-6-Leiters an Karg hängen. „Meine Tochter leiden zu lassen, war nicht vereinbart“ wiederholte Arvin seine Worte von vorhin. Seine Augen glitzerten ein wenig als er realisierte, dass The Hand ihn benutzt hatte und er ihnen auf den Leim gegangen war. Um Nadia war es von Anfang an gegangen, nicht um sein Wissen in Bezug auf Rambaldi.
Die nächsten Worte von Karg bestätigten das auf geradezu grausame Art und Weise. „Ich habe sie immer für einen schlauen Fuchs gehalten.“ Er lachte und neigte seinem Kopf Sloane zu, damit er auch ja jedes Wort hörte, das Karg sagte. „Es geht nicht um Sie. Es ging niemals um Sie. Alles was wir wollten war Nadia und die Formel. Durch die Vereinbarungen mit Ihnen haben wir Ihre Formel erhalten, das komplette Rambaldi-Puzzle und wir haben den Passagier.“ Karg sah Arvin direkt in die Augen, der dem Blick des The Hand-Agenten wütend standhielt. „Danke vielmals.“ Er drehte sich um, um zu gehen, hielt aber noch mal an und wandte sich ein letztes Mal an den ehemaligen Leiter von SD-6. „Hilfe von Nadias Mutter und Schwester können Sie wohl kaum erwarten, weil die Ihnen nie mehr trauen werden. The Hand hat alles geplant. Von Anfang an.“
„Sie können sich darauf verlassen, dass ich mich bei Ihnen revanchieren werde, Mister Karg“ antwortete Sloane ruhig und ohne eine Gefühlsregung in seinem Gesicht zu zulassen.
„Sicher. Doch bestimmt nicht heute.“ Karg knöpfte sein Jackett zu und verließ das Schweizer Büro.

Sloane überlegte fieberhaft was er jetzt machen sollte. Karg hatte Recht. Es gab nur zwei Personen, die ihm jetzt helfen konnten, Nadia vor Schlimmen zu bewahren. „Ms. Peterson, buchen Sie mir den nächsten Flug. Ich möchte nach Los Angeles, möglichst einen Privatflug, damit die CIA nichts von meiner Ankunft erfährt.“ Er legte auf, ohne die Antwort seiner Sekretärin abzuwarten und starrte aus dem Fenster. Besorgt und voller Angst um das Wohlergehen seiner Tochter, dem Einzigen was ihm noch an Familie nach Emilys Tod geblieben war.

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Wien

„Ich dich betrogen?! Sag mal spinnst du?!“ schrie Vaughn Sydney an, so dass alle Augen, und am wichtigsten die von Latierré, sich auf das Paar richteten.
„Denk ja nicht, dass ich nicht wüsste was du so treibst, während ich auf Geschäftsreisen bin. Wir sind verheiratet, du Mistkerl!“ Mit diesen Worten verpasste die Agentin ihrem Verlobten eine so deftige Ohrfeige, dass ihr Handabdruck auf seiner Wange zurückblieb. Dann ließ sie ihn stehen, während Vaughn überrascht die Hand auf seine Wange legte. Irgendwie hatte Sydney zu sehr übertrieben. Er wechselte einen Blick mit dem Bankdirektor, der den Köder offenbar geschluckt hatte und von dem Streit überzeugt war. Der Bankdirektor hob das Champagnerglas in seiner Hand ein wenig in Vaughns Richtung an und drehte sich dann um.

Die Gespräche, die bei Sydneys und Vaughns scheinbarem Streit, verstummt waren, hatten wieder begonnen und auch die Musik spielte wieder.
Erleichtert stellte auch Sydney fest, dass ihr keiner gefolgt war. „Basislager, hier Phoenix. Mache mich jetzt auf den Weg in Latierrés Büro.“
„Verstanden, Phoenix. Sobald sie sich ins System eingehackt haben, laden sie das Programm auf Latierrés Computer. Wenn alles funktioniert, müsste ich mich von hier aus ins System einloggen können“ antwortete Marshall. Irina stand noch immer neben ihm und wirkte mit jeder Minute angespannter.

Wachen patrouillierten zu Sydneys Glück keine vor dem Büro des Bankchefs. Vor der Tür aus Mahagoniholz angekommen, holte die Agentin zwei Drähte aus ihrer Handtasche und stocherte solange in dem Schloss herum bis sie ein leises Knacken hörte, das signalisierte, dass das Schloss offen war und sie rein konnte.
Latierrés Büro war prunkvoll ausgestattet. Im hinteren Teil des ca. 20 Quadratmeter großen Privatarbeitszimmers standen zwei männliche Marmorstatuen. Einer der Männer hielt ein Schwert in der Hand, der Andere eine Armbrust. Geschmacklos, fand Sydney, bevor sie sich zum Schreibtisch wandte, der ebenso wie die Tür aus Mahagoni bestand, durch die Lackierung sogar noch glänzte.
Wieder musste die Agentin ein Schloss knacken, um überhaupt die Schubladen öffnen zu können. Plötzlich hörte sie Stimmen. Sydney erstarrte. Hatte Latierré etwa vor, noch mal in sein Büro zu gehen? Die Stimmen kamen näher.
Schnell ging die Agentin hinter der Tür in Stellung, holte eine Waffe aus ihrer Handtasche und machte sich bereit, den Eindringling außer Gefecht zu setzen. Doch genauso plötzlich wie sie aufgetaucht waren, waren die Stimmen auch wieder verschwunden. Trotzdem spürte die Agentin die Anwesenheit von jemandem vor der Tür.

Schließlich wurde sie doch geöffnet. Die Naturbrünette sog Luft ein und wartete darauf, dass der Eindringling herein kam. Sie sah Haare. Es klickte leise als Sydney die Waffe entsicherte.
Die Person drehte sich um, ebenfalls mit der Waffe in der Hand. Die Agentin keuchte. „Vaughn!“ stellte sie fest.
„Um ein Haar hätte ich auf dich geschossen. Du hast mich zu Tode erschreckt“ beschwerte sich der Agent, mehr erleichtert als vorwurfsvoll.
Sich eine Antwort sparend kehrte die Agentin zum Schreibtisch zurück, öffnete die Schublade und legte den Laptop auf den Tisch. „Basislager, ich bin jetzt am Laptop. Beginne jetzt damit, das Programm zu installieren.“
„Verstanden. Bleiben auf Empfang, Phoenix“ antwortete Irina angespannt und mit vor dem Körper verschränkten Armen.
„Vaughn, hier ist die Wanze. Zapf du inzwischen das Telefon an“ wies Sydney ihren Verlobten an.

Die Einspeisung des Programms dauerte ewig. Oder kam es Sydney nur so vor, weil sie in Eile war? „Jetzt mach schon“ murmelte die Agentin ungeduldig, als hoffe sie, das könne den Computer dazu bringen, schneller zu arbeiten.
Eine Minute später berichtete das System, dass die Installation erfolgreich beendet war. „Installation beendet. Marshall, wie sieht’s aus?“

„Oh, Oh“ machte der Techniker und schnitt eine Grimasse.
„Was oh, oh? Was ist los?!“ fragte Sydneys Mutter besorgt, runzelte die Stirn und sah Marshall erwartungsvoll an.
„A-Also ich habe gute und schlechte Nachrichten für sie.“ Vaughn und Sydney wechselten einen Blick, während Irina immer ungeduldiger zu werden schien. „Die gute Nachricht ist, ich bin im System. Die Schlechte: Offenbar haben sie bei Anzapfung des Telefons einen stillen Alarm ausgelöst. Sie müssen sofort da weg!“

„Verdammt!“ entkam es Michael, zögerte nicht lange und machte sich mit Sydney daran aus dem Büro zu rennen. Sicherheitskräfte sahen sie heraus kommen und waren schon auf dem Weg zu ihnen. „Marshall, gibt es einen Hinterausgang?“ fragte der Naturblonde panisch und so schnell, dass Marshall ihn um ein Haar nicht verstanden hätte.
„Äh…Nein. Tut mir leid.“
„Dann schlage ich vor, dass wir uns rauskämpfen“ meinte Sydney.
„Meinst du damit die Kerle mit den Knarren?!“ fragte Michael, wobei er sich anhörte als hielte er Sydney für verrückt oder lebensmüde.

Seine Verlobte stupste ihn an und sie rannten nach rechts einen langen Korridor entlang, von dem sie nicht wussten wohin er führte. Die Sicherheitsleute waren ihnen dicht auf den Fersen. „Da rein!“ rief die Agentin als sie eine Metalltür sah, auf der das Wort „Notausgang“ geschrieben stand. Sie wollten nicht lauschen, um festzustellen, ob die Sicherheitsleute ihnen immer noch auf den Fersen waren. Ohne genau zu wissen wohin ihr Weg sie führte, rannte das Paar die Treppen hinunter. Bis sie eine andere weiße Tür erreichten, die leider verschlossen war.
Es war das letzte Stockwerk und eine andere Tür gab es nicht. Zumindest hatten sie keine gesehen. „Zu. Und was jetzt?“ fragte Michael genau in dem Moment, in dem sie die Tür über sich aufgehen hörten.
„Geh weg“ wies die Agentin ihn schroff an und benutzte ihre Waffe um das Schloss aufzuschießen, was ihr gelang und wodurch sie schließlich ins Freie gelangen konnten.

Dort rannten sie die Straße hinunter zu dem Auto, das sie etwas weiter vom Gebäude entfernt geparkt hatten.
„Phoenix?! Shotgun?!“ rief Irina und drückte ihr Head-Set etwas in ihr Ohr, in der Hoffnung, wenigstens einen kleinen Laut von beiden zu hören. Nichts. Stille. „Sydney!“ rief die Leiterin des DSC erneut.

Erst als sie außer Reichweite waren, gestattete es sich Sydney durchzuatmen. Vaughn, der den Wagen fuhr, lächelte ihr verliebt zu. „Uns geht’s gut, Mom. Wir kommen nach Hause“ flüsterte sie erleichtert.
Irina seufzte und sank kraftlos in sich zusammen. „Loggen sie sich ins System ein und finden sie heraus wohin die 5 Millionen Dollar geflossen sind. Möglicherweise führt uns das zu Nadia“ murmelte sie, legte das Head-Set hin und verließ Marshalls Büro.
Dieser sah seiner Chefin mitleidigen Blickes hinterher und antwortete: „Ja, Ma’am.“ Allerdings sagte er das mehr zu sich selbst als zu Irina.

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Los Angeles

Die Tür öffnete sich auf das Klingeln einer blonden, hübschen Dame mittleren Alters. Dahinter kam Vaughn zum Vorschein, der die Frau mit einem strahlenden Lächeln begrüßte.
„Ich freue mich so, dass du gekommen bist, Mom!“ sagte er und schloss sie in seine Arme.
„Ich bin auch froh, Michael. Wo ist Sydney?“
Schon an seinem Gesichtsausdruck sah Monique das Bedauern ihres Sohnes. „Sie musste noch mal in die Agentur. Es hieß, es wäre wichtig, aber sie kommt so schnell wie möglich.“ Eine Weile sahen sich Mutter und Sohn schweigend an. Bis Michael bemerkte wie unhöflich es war, seine Mutter nicht herein zu bitten. Deshalb trat er beiseite und bat Monique, herein zu kommen.

Nachdem Vaughn seiner Mutter den Mantel abgenommen hatte, setzten sich beide ins Wohnzimmer. Michael merkte, dass seine Mutter etwas auf dem Herzen hatte. Etwas, das ihr schwer fiel auszusprechen, zögerte aber damit, sie darauf anzusprechen, hoffte, dass sie es von selbst tun würde.
„Ich war überrascht zu hören, dass du und Sydney bei der CIA gekündigt haben. Damals war es dein größter Wunsch für die CIA zu arbeiten und nichts konnte dich davon abhalten. Auch nicht ich“ bemerkte Monique und gab sich auffallend viel Mühe, gleichgültig zu klingen.
Doch Michael entging der sarkastische Unterton in ihrer Stimme keineswegs, so dass er ihren Blick mit einem Stirnrunzeln quittierte und sich seine nächsten Worte gut zu recht legte.
„Jetzt ist Sydney mein größter Wunsch. Wir möchten ein möglichst normales Leben führen und dazu gehört ein normaler Job, bei dem keiner von uns um das Leben des Anderen fürchten muss.“
Monique stand auf und ging ans Fenster. Von dort aus hatte man einen herrlichen Blick auf den Strand, der nicht weit entfernt von Sydneys und Vaughns Wohnung war. Ihr jetziges Appartement lag genau auf der anderen Seite des Strandes, an dem sich Sydneys altes Appartement befunden hatte. Ein paar Möwen flogen immer wieder mal am Fenster vorbei. Manche ließen sich sogar im Sand, in der Nähe des Gebäudes nieder, so dass Monique sie beobachten konnte.
„Sie ist die Tochter von Irina Derevko“ bemerkte sie, dann drehte sie zu ihrem Sohn um und fügte mit einem vorwurfsvollen Unterton hinzu: „Der Frau, die deinen Vater getötet hat. Und jetzt willst du sie heiraten.“

Diese Worte machten Michael zornig. Und da war es ihm egal, dass Monique seine Mutter war. „Ich dachte, dass du wegen des Probeessens gekommen bist. Wenn du nur her gekommen bist, um mir Vorhaltungen zu machen, hättest du dir die Reise sparen können.“ Er klang verbittert. Und enttäuscht, denn genau das war er. Dabei hatte Vaughn sich darauf gefreut, ein Mitglied seiner Familie beim Probeessen dabei zu haben. Jemand, mit dem er sein Glück teilen konnte. Abgesehen davon war das was Irina Derevko getan hatte, nicht Sydneys Schuld.
„Michael, ist dir klar, dass du im Begriff bist, die Tochter der Mörderin deines Vaters zu heiraten?!“ Tränen glitzerten in Moniques Augen, die noch deutlicher zu sehen waren als sich die letzten Sonnenstrahlen im Fenster spiegelten und auf ihr Gesicht trafen.
Der blonde Agent schluckte und wich dem Blick seiner Mutter aus. Sein Gesicht war hart, auch wenn ihn der Gefühlsausbruch von ihr berührte. Außerdem hatte er ein schlechtes Gewissen, weil er es noch nicht über sich gebracht hatte, Monique zu erzählen, dass Irina Derevko nach wie vor am Leben war. Schlimmer noch: Dass sie sogar am Probeessen teilnehmen würde.

Wie sollte man so was auch erklären? Sollte er sagen „Hey, Mom übrigens am Probeessen nimmt auch die Frau teil, die meinen Vater und deinen Mann ermordet hat“? 
Michael wollte Zeit schinden, damit er sich überlegen konnte wie er seine Mutter von seiner Hochzeit mit Sydney überzeugen sollte, sie vielleicht dazu bringen konnte ihnen ihren Segen zu geben.
„Sydney hat Dad nicht getötet“ flüsterte Michael und mit diesen Worten sah er seiner Mutter wieder direkt ins Gesicht.
„Aber ihre Mutter hat es. Was würde wohl dein Vater dazu sagen?“
Der blonde Agent kam näher. Wut und Verletztheit sprach aus seinen Augen. „Er würde sich freuen, dass es eine Frau gibt, mit der ich glücklich bin. Sydney macht mich glücklich! Soll ich mich etwa von ihr trennen für etwas, das ihre Mutter vor 20 Jahren getan hat?!“

„Michael, du kannst Sydney nicht heiraten. Irina Derevko ist zwar tot, aber durch deine Hochzeit mit ihr, wird sie zu deiner Schwiegermutter! Außerdem fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. Wer weiß wie viel Ähnlichkeit Sydney mit ihrer Mutter wirklich hat.“

Diese Worte hatten gesessen. Vaughn hatte Tränen in den Augen, weil er nicht fassen konnte, dass sie so etwas über Sydney sagen konnte, obwohl sie sie gar nicht richtig kannte. Würde sie das, hätte sie das nie gesagt. „Jetzt bist du zu weit gegangen.“ Der Agent flüsterte nur noch, ging zur Haustür und öffnete sie. „Ich denke es ist besser, wenn du jetzt gehst.“
„Michael…“ Doch sein harter Gesichtsausdruck machte deutlich, dass Vaughn sich auf keinerlei Diskussion mit ihr mehr einlassen würde und so verstummte die Französin. Sie nahm ihren Mantel vom Hacken und ging. Der Agent schloss hinter ihr die Tür und fragte sich inwiefern seine Mutter Recht hatte mit dem was sie sagte.
Dass Irina Derevko seine Schwiegermutter werden sollte, war tatsächlich etwas absurd. Andererseits war es aber nicht Irina, die er heiratete, sondern Sydney.

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Eine Person, deren Gesicht durch ein schwarzes Tuch über dem Kopf verdeckt wurde, rollte auf einem kleinen Wagen in das Gebäude.
Computer waren heruntergefahren. Ihr Bildschirm zeigte nur noch das Logo der CIA. Alle Agenten standen. Inmitten des Raumes, unter den vielen Angestellten des Departement of Special Cases standen Sydney, Irina und Jack, die darauf warteten das der kleine Metallwagen, an den die Person festgeschnallt war, anhielt.

Auf Irinas Zeichen hin, nahmen die US Marshals, die den Wagen geschoben hatten, der Person das Tuch ab. Es war Sloane, der wegen des grellen Lichts erst ein wenig blinzelte, aber schließlich lächelte als er die Gesichter von Jack, Sydney und Irina erkannte.

„Es ist immer wieder schön, alte Freunde zu sehen“ strahlte er.
„Damit das klar ist: SIE haben hier keine Freunde“ schnappte Sydney.
Jack ignorierte die Feindseligkeit seiner Tochter gegenüber dem Mann, der einst sein bester Freund gewesen war. „Haben sie Informationen, die uns zu Nadia führen können?“
Zuerst sagte Sloane gar nichts, genoss es nur die neugierigen Blicke zu sehen, die sich auf Jacks Frage hin auf ihn gerichtet hatten. Dann grinste er und antwortete: „Ich bin nur bereit, mit Sydney zu reden. Ansonsten sage ich gar nichts.“
„Wir sind nicht die CIA, Arvin. Ich bin durchaus dazu ermächtigt dich foltern zu lassen. Ich würde es sogar selbst tun, wenn es sein muss“ sagte Irina und das in einer so einfachen Art, als würde sie über das Wetter oder die nächsten Reisepläne reden.
Sydney fröstelte, obwohl es ihr nichts ausmachen würde, wenn ihre Mutter Sloane foltern würde. Im Gegenteil: Froh wäre sie, darum bitten, es selbst machen zu dürfen, würde sie. Trotzdem ließ die Agentin die Art wie ihre Mutter darüber sprach zu foltern, erschaudern.

„Das glaube ich dir auf’s Wort, Irina. Andererseits würde es Zeit kosten aus mir durch Folter etwas herauszubekommen. Zeit, die Nadia nicht mehr hat. Also schlage ich vor, dass ich mich mit Sydney allein unterhalte.“ Arvin wusste, dass ihnen nichts anderes übrig blieb als auf seine Forderung einzugehen.
Auch Sydney wusste das und das machte sie nur noch wütender als sie auf ihren früheren Chef ohnehin schon war. „Bringen wir’s hinter uns“ seufzte sie unzufrieden. 

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Mexico City

Nadia hustete blutige Klumpen. Karg schien es zu genießen, sie zu foltern, während Sark daneben stand und mit sich rang, ob er ihr helfen sollte zu fliehen oder nicht. Ein Teil von ihm wollte das Rätsel um Rambaldi, nach dem er schon so lange suchte, endlich lösen. Der andere Teil in ihm wollte aber Nadia überall sehen, nur nicht festgeschnallt an diesen Stuhl.

„Sie brauchen mir nur zu sagen was sie in ihren Visionen gesehen haben, dann höre ich auf“ meinte Karg und versuchte einen Ton in seine Stimme zu legen, der vertrauenerweckend wirken sollte. Dabei aber in Nadias Augen eher schmierig und eiskalt wirkte.
Dies brachte sie mit ihrem verachtungsvollen Blick zum Ausdruck, der auf den von Karg traf. „Ich habe ihnen schon vor einer Stunde gesagt, dass sie nichts aus mir herausbekommen. Also foltern sie mich zu Tode und verschonen sie mich mit ihren Fragen!“ zischte die Agentin, die einen erneuten Brechreiz zu unterdrücken versuchte.
Der The Hand-Agent schürzte die Lippen. „Wissen sie was?“ Er zog sich Latex-Handschuhe an, verließ kurz seinen Platz, um wenig später mit einem Metallgerät zurückzukehren, an dessen Ende sich ein langer Stab befand, der bedrohlich summte, lauter wurde als Karg an einem Knopf drehte. „Mir fallen noch eine Menge Foltermethoden für sie ein. Schlafentzug, den Entzug sämtlicher Sinneswahrnehmungen. Ich könnte sie hungern lassen, ständiger Blendung aussetzen. Aber ich möchte mit einer der schmerzhaftesten Foltermethoden weitermachen, die es gibt. Elektroschocks.“ Karg drückte auf einen Knopf, der sich an dem Stab in seiner Hand befand, wodurch dieser durch Stromschläge kleine Funken abgab.

Er lächelte, stellte die Argentinierin fest. „Mal sehen wie gesprächig sie sind nachdem ich die Elektroschocks angewandt habe. Selbstverständlich ist das nur die kleinste Stufe.“
Karg nahm den Elektrostab, schob ihr Top nach oben, so dass ihr Bauch frei wurde und drückte ihn Nadia in die Seite, drückte auf den Knopf und der Stromschlag der daraufhin folgte, ließ den Körper der Agentin zittern, während ihr lauter Aufschrei Sark bis unter die Haut ging.

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Los Angeles

Sydney und Sloane saßen sich im Besprechungsraum gegenüber, während Jack, Irina, Carolyn und Nicolai alles von Irinas Büro aus über den Bildschirm verfolgten.

„Wenn Blicke töten könnten“ lächelte Sloane zaghaft, beugte sich ein wenig nach vorn. Es schien, als wolle er den Blick seines Gegenübers bis ins kleinste Detail studieren. „Es gab mal eine Zeit, Sydney, in der sie mich gern gemocht haben.“
„Das war bevor ich wusste wer sie waren. Ich habe hier nicht vor private Gespräche, mit ihnen zu führen. Alles was ich will, ist meine Schwester zu befreien.“
Arvin lehnte sich wieder zurück, wobei er sich mit der linken Hand über den Mund fuhr, wie er es häufig tat, wenn er besonders nachdenklich war oder ihm eine Frage auf den Lippen lag. Die von der Agentin erwartete Frage folgte auch auf dem Fuße. „Seit ich weiß, dass ich eine Tochter habe, deren Mutter auch ihre Mutter ist, habe ich mich gefragt, was das in ihnen ausgelöst haben mag, Sydney.“ Er sah kurz zur Seite und suchte wenig später wieder ihren Blickkontakt, obwohl Sydneys Blick zunehmend verachtender wurde. „Was haben sie empfunden als sie erfahren haben, dass ich der Vater ihrer Schwester bin?“

Die Agentin wagte einen kurzen Blick in die Kamera, die sich hinter ihnen befand und durch die das Bild direkt zu ihren Eltern übertragen wurde.
„Mistkerl!“ knurrte Jack und Irina pflichtete ihm mit einem finsteren Blick bei, ließ den Monitor keine Sekunde aus den Augen und hoffte, dass Sloane es nicht gelingen würde, ihre Tochter einzulullen, war sich aber sicher, dass Sydney sich auf keine Machtspielchen mit ihm einlassen würde. Warum auch immer, schien Sloane zu versuchen, Sydney zu manipulieren. Und Nadia war nun mal ihr wundester Punkt.

Der Blick der Agentin wurde überraschenderweise ruhig, beinahe gelassen, was weder Sloane noch ihre Eltern erwartet hatten. Stille. Man konnte beinah eine Stecknadel fallen hören so ruhig war es geworden.
„Ich habe Mitleid für Nadia empfunden, dass sie jemanden wie Sie zum Vater hat.“ Diese Worte sagte Sydney, während sie ihm direkt in die Augen sah und dabei so souverän wirkte, dass Irina und Jack zum ersten Mal gleichzeitig stolz auf ihre Tochter waren und dies auch in den Blicken zeigten, die sich kurz trafen. Jack lächelte. Irina ebenfalls.
„Wollt ihr für einen Moment allein sein? Dann gehen wir kurz raus“ bemerkte Carolyn.
Nicolai zupfte sie am Ärmel. „Kannst du dich noch an die Dinge erinnern, die ich dir erzählt habe? Darüber wie man sich auf keinen Fall gegenüber seiner Chefin verhält? Das war gerade eines dieser Dinge“ meinte der Agent und klang dabei so als würde er gerade einer 7-Jährigen etwas erklären. Carolyn bedachte ihn nur mit einem bösen Blick, den Nicolai aber nicht kommentierte, sondern wieder auf den Bildschirm starrte.

Sloane wirkte ein wenig verletzt. „Es tut mir leid, dass sie so empfinden. Ehrlich das tut es.“
„Lassen wir die Spielchen. Ich weiß warum sie nur mit mir reden wollten. Es liegt auf der Hand. Sie denken, dass ich leichter zu manipulieren bin als meine Eltern, aber da irren sie sich gewaltig! Das hier ist keine Unterhaltung. Entweder sie geben uns Informationen, die dabei helfen können, ihre Tochter zu retten oder sie lassen es bleiben. In diesem Fall wird meine Mutter Sie sicher mit Vergnügen in eine ungemütliche Zelle stecken lassen, in der es für Sie keinerlei Vergünstigungen gibt oder aber, und das wäre mir persönlich am liebsten, sie lässt Sie solange foltern bis Sie sich wünschen, Sie wären tot. Vielleicht mache ich es sogar selbst!“ Nun gestattete sich Sydney zumindest ein kleines, siegessicheres Lächeln. „Also ich warte.“

Der ehemalige Leiter von SD-6 schien darüber nachzudenken, zeigte sich schließlich einverstanden. „Gut. Kommen wir also zur Sache. Vor einigen Monaten habe ich einen Text gefunden, den Rambaldi geschrieben hat. Eine Prophezeiung, die eine Person betrifft, die in Konkurrenz zur Auserwählten steht. Ihnen.“ Sloane machte eine Pause, in der er seine Zunge mit den Lippen befeuchtete ehe er fortfuhr: „Außerdem befand sich in dem Text ein Codeschlüssel aus Zahlen, wie ich dachte. Ich wusste nicht was das zu bedeuten hatte und anscheinend hat The Hand vor mir verstanden worum es ging: Der Text handelte von Nadia und das was ich für einen Codeschlüssel hielt, war in Wahrheit eine Formel zur Herstellung eines Rambaldi-Elixiers, das ähnlich funktioniert wie die grüne Flüssigkeit, durch die Nadia eine Gleichung aufschreiben konnte.“
Sorge überkam Sydney und das Gefühl war so überwältigend, dass es sich kaum in Worte fassen ließ. Der Streit mit Nadia war jetzt erstmal vergessen, schließlich ging es hier um ihr Leben. So sehr Sydney auch wütend auf ihre Schwester sein mochte: Tot wollte sie, sie ganz bestimmt nicht sehen und auch nicht leiden.
„Soll das heißen, es existiert eine zweite Botschaft von Rambaldi für den Passagier?“ fragte die Agentin atemlos. Sloane hatte Tränen in den Augen als er nickte. „Wo hat man Nadia hingebracht?“
„Das weiß ich nicht, Sydney. Es war alles eine Falle. Mit William Karg war vereinbart, dass Nadia nicht zu Schaden kommt. Um Rambaldis Endziel auf die Spur zu kommen, ließ ich mich zu einer Partnerschaft mit The Hand überreden, aber die haben mich ausgetrickst. In Wahrheit wollten sie nur an Nadia herankommen. Sie wussten, dass der Text, den ich habe, falsch übersetzt war und sie der Schlüssel ist.“

Jetzt fiel es Sydney schwer, ihre Wut im Zaun zu halten. „Sie widern mich an! Wenn Sie nicht gewesen wären, wäre Nadia und mir alles erspart geblieben! Es war Ihre Besessenheit, die uns da rein gezogen hat und nicht Rambaldi! Wenn Sie sich weiterhin im Selbstmitleid suhlen, töte ich Sie gleich. Jetzt auf der Stelle.“

Die Tür ging auf und Irina kam herein zusammen mit Carolyn und Nicolai. „Carolyn, bringen Sie Sloane nach draußen. Dort warten schon einige Agenten, die ihn mitnehmen werden.“ Die CIA-Agentin nickte, legte dem ehemaligen Leiter von SD-6 Handschellen an und führte ihn raus. Nicolai folgte ihnen.

Sydney wich dem Blick ihrer Mutter aus, weil sie Tränen in den Augen hatte und dies sie aus einem Grund, den sie selbst nicht kannte, beschämte. Sie wischte sie sich ab, bevor sie ihre Mutter ansah. „Es tut mir leid, dass ich vor Sloane die Beherrschung verloren habe.“
„Entschuldige dich nicht, Sydney. Rationales Denken fällt schwer, wenn jemand in Gefahr ist, den man liebt.“
Sydney wollte schon den Mund öffnen, um etwas zu erwidern, doch Irina unterbrach sie. „Sag mir jetzt nicht, dass es nicht so ist.“ Beide lächelten und ein Moment entstand, den es für Mutter und Tochter in der Form noch nie gegeben hatte. Es war….Verbundenheit und unheimlich schön für Sydney das in Zusammenhang mit ihrer Mutter zu empfinden.
Keiner von beiden musste etwas sagen, sie fühlten es beide und lächelten sich bloß an. Das war genug. „Wir haben sie gefunden. Marshall hat sie gefunden mit Hilfe der Dateien aus Latierrés Computer. Ich habe es gerade erfahren“ sagte Irina schließlich.
„Wo ist sie?“ wollte die Agentin wissen.
„In Mexico City.“
„Mom, unter normalen Umständen würde ich Vaughn nach Mexico mitnehmen, aber seine Mutter ist gerade zu Besuch wegen des Probeessens…“
„Du hast sie zum Probeessen eingeladen?!“ fragte Irina überrascht und entsetzt zugleich. Sydney nickte nur. „Ist das okay für dich?“
„Ja, es ist ja schließlich eure Hochzeit. Ich werde schon irgendwie mit ihr auskommen. Ich möchte aber nicht, dass du allein nach Mexico fährst.“
„Dann werde ich sie begleiten“ kam es hinter Irina. Diese drehte sich um und Sydney folgte ihrem Blick. Hinter ihnen stand Jack, der sehr entschlossen wirkte.
Mutter und Tochter wechselten einen Blick. „Ich lasse euch ein Flugzeug bereitstellen. Ein taktisches Team wird dort bereits auf euch warten“ meinte Irina und verließ den Raum.

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Mexico City

Nadia war inzwischen so geschwächt, dass sie gar nicht mehr sprechen konnte. Und selbst wenn sie sterben sollte: Das war William Karg mittlerweile auch schon egal. Dann mussten sie eben auf andere Weise herausfinden was Rambaldis Endziel war. Nadia würde jedenfalls nicht reden.

Der The Hand-Agent wischte sich Nadias Blut von den Händen als er aus dem Raum kam, vor dem Sark gewartet hatte, weil er es nicht mehr ertragen konnte, Nadia leiden zu sehen. Dass sie auch so verdammt stur sein musste?! Wieso konnte sie nicht einfach sagen was sie in ihrer Vision gesehen hatte?!
Sofort als er Karg erblickte, kam Sark ein paar Schritte näher. Obwohl er nicht annahm, dass die DSC-Agentin geredet hatte, fragte er Karg trotzdem, ob er erfolgreich gewesen war. Dieser verneinte die Frage mit einem Kopfschütteln. „Ich habe genug von ihr, Mister Sark. Sie stirbt noch heute Nacht.“
Ohne auf eine Antwort seitens Sark zu warten, drehte er sich um und machte sich auf den Weg, um seine Vorgesetzten von dem Verlauf des Verhörs zu unterrichten.

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„Zusammen mit Ihrer Ausrüstung haben sie diesen Minisender erhalten. Mit Hilfe dessen können Sie Nadia anhand ihrer DNA finden. Sie wurde bereits eingespeichert. Mit Agent Bristow wird das erste Team in das Gebäude eindringen und den vorderen Bereich sichern. Sobald wir von ihr die Bestätigung haben rückt der Rest unter meiner Führung nach. Verstanden?“ sah Jack nacheinander allen Mitlgiedern des Teams in die Augen. Doch alle antworteten, dass sie verstanden hatten.
Sydneys Vater trug schwarze Tarnkleidung und eine kugelsichere Weste. Sydney und die übrigen Agenten ebenfalls. Alle waren ausgerüstet mit automatischen Waffen und dem Minisender, den Jack erwähnt hatte.

Auf Jacks Nicken hin, machten Sydney und das Team sich bereit in das Gebäude einzudringen. Bevor sie dies taten, meldete sich die Agentin über Funk bei ihrer Mutter. „Basislager, hier Phoenix. Wir gehen jetzt rein.“
„Verstanden, Phoenix. Bleiben auf Empfang. Viel Glück“ bestätigte Irina und auf diese Worte hin gab Sydney das Signal zum Einrücken.
Es war so dunkel, dass sie die eigene Hand kaum vor Augen sehen konnte, geschweige denn einen Angreifer. Von daher nutzte sie ihr Gehör, das für solche Situationen geschult worden war, um auf feindliche Agenten gefasst zu sein.
Minuten später waren Schritte zu hören. Sydney sog Luft ein und gab den Agenten, die bei ihr waren, ein Signal, sich bereit zu halten.
Diese hoben lautlos die Waffen ein wenig an und warteten darauf, dass die Schritte näher kamen, was sie auch taten. Die Agentin sah die Klinge eines Messers blitzen und schoss ohne zu überlegen. Zwei Mal. Sydney befahl einem der Agentin die Taschenlampe anzuschalten.

Offensichtlich ein The Hand Agent. Die Agentin hatte absichtlich auf sein Bein gezielt, damit er ihr sagen konnte wo genau sich Nadia befand. „Können sie sprechen?“ fragte sie mit kalter Stimme. Ein Röcheln von ihm war die Antwort. „Gut“ befand die Braunhaarige und kniete sich neben ihn, presste die Schusswunde mit ihren Händen zusammen. Der Agent grunzte vor Schmerz. „Wo ist meine Schwester?“ verlangte die Agentin zu wissen.
„Sie können mich mal!“ Ein lauter Schmerzensschrei entkam ihm als Sydney fester zudrückte „Schon gut. Ich sag’s ihnen ja! Den Korridor entlang. Die letzte Tür links. Der Türcode lautet 14 24 47.“
Sydney bedankte sich und schlug den Agenten K.O.. „Dad, wir wissen jetzt wo sich Nadia befindet. Der Vorraum ist gesichert. Ihr könnt jetzt nachrücken. William Karg muss hier auch irgendwo sein.“
„Verstanden. Du sicherst Nadia, wir kümmern uns um Karg“ antwortete Jack und nickte seinem Team zu.

Sydney war schockiert über den Zustand, in dem sie ihre kleine Schwester vorfand. Nadias Körper war von blauen Flecken übersäht. Sydneys Blick blieb an den Veilchen hängen, die die Augen der Argentinierin umrandeten. Sie waren so groß, dass es schwer war, nicht hinzusehen.
Mit Tränen in den Augen näherte sich die Braunhaarige ihrer Schwester, die Schritte hörte und daraufhin langsam ihren Kopf in die Richtung neigte, aus der sie kamen. Zu sprechen schien ihr große Schmerzen zu bereiten. „Shh. Versuch nicht zu reden. Ich hol dich hier raus“ flüsterte Sydney mit belegter Stimme. „Mom, ich habe sie gefunden.“ Ohne auf eine Reaktion von ihrer Mutter zu warten, winkte die Agentin zwei Agenten herein, während die Anderen auf Wachen achten sollten.

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„Mister Karg, die CIA ist hier“ berichtete Sark, der seine Hände in die Hosentaschen gesteckt hatte, was seine Nervosität verbergen sollte.
William Karg hatte ihm den Rücken zugewandt und blickte in den Spiegel, durch den er den Blonden hinter sich stehen sehen konnte. Als er sich schließlich doch umdrehte, stellte Sark fest, dass immer noch etwas Rötliches von Nadias Blut auf seinen Händen zu sehen war. Ein roter Schimmer, den er anscheinend nicht hatte wegwaschen können. „Sir, wir sollten von hier verschwinden. Was machen wir mit Nadia?“ versuchte Sark es erneut, obwohl er damit rechnete, dass Karg auch diesmal nicht reagieren würde.
„Sie nennen sie Nadia. Interessant.“ Er lächelte, was den Blonden irritierte. War ihm nicht klar wie ernst die Situation war? Zuerst hatten sie noch gedacht, der CIA einen Schritt voraus und Rambaldi näher gekommen zu sein, doch nun hatte die CIA Nadia. „Soll die CIA sie haben. Wir hätten sowieso nichts mehr aus ihr herausbekommen und vielleicht führ uns die CIA ans Ziel.“

Die beiden Männer grinsten sich an. Dann entschied Karg, dass es Zeit für einen Rückzug war.
Doch draußen sahen sie Jack, der Sark verfolgte, während Karg die andere Richtung einschlug. Die Stimme des Agenten war für den Iren undeutlich zu hören, aber trotzdem konnte er von der Ferne hören wie er seinen Kollegen die Anweisung hab, Karg zu folgen.

Ohne genau zu wissen wohin, rannte der Blonde weiter. Eine verschlossene Tür aus Metall stoppte ihn schließlich. Schon waren Schritte zu hören und die Stimme von Jack, die ihn schroff anwies, sich nicht zu bewegen.
Sark tat was von ihm verlangt wurde und hörte das Klicken von Handschellen als Sydneys Vater sie aus seinem Hosenbund holte. Unbemerkt zog Sark ein Messer und als Jack hinter ihm stand, drehte er sich in blitzschneller Bewegung um und wollte zustechen, doch Jack fing das Messer mit der bloßen Hand ab.
Die beiden Männer sahen sich mit eiskalten Blicken in die Augen. Jack biss die Lippen zusammen und als sie beide nach unten sahen, entdeckten sie das Blut, das von Jacks Hand auf den Boden tropfte. Das Messer steckte in ihr. Sark nutzte die Gelegenheit, verpasste dem Agenten einen Kinnhacken, schoss mit dessen Waffe die Metalltür auf und gelangte so ins Freie.

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Los Angeles

 Die Geräte, an die man Nadia angeschlossen hatten, piepten gleichmäßig als Zeichen für ihren Pulsschlag. Sie war bei Bewusstsein, sah aber ziemlich erschöpft aus.

Sydney beobachtete sie von außerhalb des Krankenziemmers. Krankenschwestern waren gekommen um die Temperatur zu messen und ihre Vitalfunktionen zu überprüfen. Was sie sagten, konnte Sydney nicht verstehen, aber dem Gesichtsausdruck der Schwestern entnahm sie, dass ihre kleine Schwester auf dem Wege der Besserung war.
Die Braunhaarige spürte, dass jemand sich neben sie gestellt hatte und ohne hinzusehen wusste sie, dass es sich um ihre Mutter handelte. „Wie geht’s ihr?“ wollte Irina wissen.

Ihre Tochter gab sich Mühe, ihre Gefühle vor ihrer Mutter verborgen zu halten, obwohl sie wusste, dass Irina die Gabe besaß Menschen leicht zu durchschauen. Eines der Talente, wegen der man sie vermutlich damals für den KGB angeworben hatte.
„Die Ärzte sagen, dass sie ein paar Tage Ruhe braucht, aber keinen bleibenden Schaden davontragen wird“ antwortete Sydney leise.
„Hat sich was geändert?“ Irinas Frage brachte die jüngere Frau dazu, sich ihr zuzuwenden. Sydney wusste wovon ihre Mutter sprach, aber sie wusste nicht was sie darauf antworten sollte. Verletzt über Nadias Verrat war sie nach wie vor. Nur hatte sie auch begriffen, dass es wichtigere Dinge gab als ihre Wut auf ihre Schwester. Dinge, die realitivierten was zwischen ihnen vorgefallen war. Trotzdem konnte Sydney nicht so tun als seien die letzten Wochen nicht passiert.
„Schwer zu sagen.“ Die Braunhaarige senkte ihren Blick, um ihn sofort wieder Nadia zuzuwenden, die nur mit Müh und Not ihre Augen offen halten konnte. „Ich weiß nicht, ob ich ihr je wieder so vertrauen kann wie vorher. Aber trotz allem ist sie immer noch meine Schwester und ich glaube, dieses Band ist dicker als alles andere.“
Irina lächelte. Mit diesen Worten sagte ihre Tochter nichts anderes, als dass sie Zeit brauchte. Sie und Nadia würden wohl erst wieder lernen müssen einander zu vertrauen. Dies zeigte sich schon allein darin, dass Sydney es nicht über sich brachte, das Krankenzimmer zu betreten.

„Ich seh mal nach wie es Dad geht“ meinte Sydney, berührte ihre Mutter kurz an der Schulter und ging dann den Korridor hinunter, während Irina mit einem liebevollen Lächeln das Zimmer ihrer jüngeren Tochter betrat.
„Hey“ lächelte Nadia, offensichtlich erfreut über den Besuch. Die ehemalige KGB-Agentin kam neben dem Bett zum Stehen und drückte Nadias Hand, während sie sich über sie beugte, um ihr einen sanften Kuss auf die Stirn zu geben.
„Geht’s dir besser?“ fragte Irina ihre Tochter.
„Mir tut alles weh. Mom, ich muss dir unbedingt was erzählen. Über was was passiert ist“ begann Nadia ernst, doch Irina machte Anstalten sie zu unterbrechen deshalb sprach sie nicht weiter.
„Schatz, du musst dich ausruhen. Wir können reden, wenn du ein wenig geschlafen hast“ die Leiterin des DSC drehte sich schon um, um zu gehen, doch der Druck von Nadias Hand, der sich auf die Hand ihrer Mutter verstärkte, ließ sie innehalten.
„Das kann nicht warten. Ich habe Dinge gesehen“ Nadias Worte kamen nur als ein Flüstern, weil ihr zu mehr die Kraft fehlte. „Es existiert eine zweite Flüssigkeit von Rambaldi, die für mich bestimmt war. Ich habe zwar nicht alles gesehen, aber was ich gesehen habe, war schrecklich. Es war die Apokalypse!“
Irinas Augen weiteten sich, während sie versuchte zu begreifen was ihre Tochter ihr gerade zu erzählen versuchte.

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