13. Haunted
Was bisher geschah: Nadia ermordet den amerikanischen Botschafter Robert Kingsley durch Erschießen. Anschließend enthauptet sie ihn und zündet dessen Auto an. Nadia sitzt Irina, Jack, Weiss und Vaughn gegenüber. Sydney steht.Nadia: „Es war vor ein paar Wochen. Der Covenant hatte das Vertrauen zu mir verloren und verlangte einen Loyalitätsbeweis. Katya hat mich also damit beauftragt Robert Kingsley zu töten. Als Beweis sollte ich ihr seinen Kopf bringen.“Wir sehen Nadia und Weiss, beide mit Tränen in den Augen, am Flughafen stehen. Weiss zu Nadia mit tränenerstickter Stimme: „Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Ich habe mir sogar einzureden versucht, dass wir es noch mal miteinander versuchen können. Aber, dann ist mir klar geworden, dass das ein Fehler wäre, denn eine Beziehung basiert auf Vertrauen.“Nadia (unter Tränen): „Wie soll ich mich nur verabschieden?“Weiss (ebenfalls unter Tränen): „Gar nicht.“ Damit dreht er sich um und besteigt das Flugzeug Richtung Virginia, während Nadia in Handschellen zum anderen Flugzeug geführt wird. Schnitt zu Carolyn und Jack. Carolyn erzählt ihm, dass sie und Nicolai von der CIA, bzw. der SVR hergeschickt wurden um die Arbeit des DSC zu beobachten und Aufträge ihrer jeweiligen Agencys weiterzuleiten. Vaughn (v.o.): „Wer ist hinter dir her?“ Will läuft nervös in Sydneys Wohnung auf und ab. Als er spricht, ist er ganz panisch: „Keine Ahnung. CIA, FBI….Was weiß ich! Gestern habe ich einen alten Schulfreund von mir getroffen, Jeff Carlson. Wir haben uns ein wenig unterhalten, bis zwei Kerle in schwarzen Anzügen aufgetaucht sind. Da ist er panisch abgehauen und die haben ihn verfolgt. Auf seiner Flucht wurde er überfahren und jetzt sind die hinter mir her. Ich war gar nicht erst bei mir zuhause und bin sofort her gefahren. Ich brauche Hilfe!“ Wir sehen das Videoband, auf dem drei Männer zu sehen sind. Einer dreht sich um und gibt den beiden Männern hinter ihm ein Signal, worauf diese ihre Waffen zücken und einen dritten im braunen Anzug erschießen. Marshall zoomt das Gesicht des Mannes, der offenbar den Tötungsbefehl erteilt hat, näher heran.Marshall mit sich überschlagender Stimme: „William Karg…Leiter der NSA??“
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Los AngelesEs klingelte zweimal, dann wurde der Anruf endlich entgegen genommen. „Hallo?“ meldete sich ein müder Arvin Sloane zu Wort. „Du verdammter Mistkerl!“ brach es aus Irina lautstark heraus, die mit dem Hörer ans linke Ohr wechselte, aufstand und sich halb gegen die Wand lehnte. Sloane war im ersten Moment viel zu perplex über Irinas – für ihre Verhältnisse – ungewöhnliche Reaktion, als dass er fähig gewesen wäre dem etwas entgegen zu setzen. Er wusste ja noch nicht einmal was diesmal der Grund für ihren Groll gegen ihn war. Deshalb antwortete er nicht, sondern wartete darauf, dass Irina etwas hinzufügte, was nicht lange auf sich warten ließ. „Willst du mir etwa erzählen, dass Nadia kein Bauer in eurem Spiel war?!“ fauchte die ehemalige KGB-Agentin und lugte kurz durch die Tür um sicher zu gehen, dass niemand sie belauschte. Außerdem ermahnte sie sich im Stillen leiser zu sein, weil die Wände sehr dünn waren und so die Gefahr bestand, dass die Leute etwas hörten, für die es nicht bestimmt war. Mit „Leute“ meinte Irina dabei hauptsächlich Sydney. Das Thema Arvin Sloane war bei ihr nach wie vor ein Heikles, genauso heikel wie es augenblicklich war Sydney auf Nadia anzusprechen.„Thomas Haxley, ein Mann, der als wahrscheinlichster Kandidat für den Senatorposten galt wurde ermordet. Von William Karg, dem Leiter der NSA. Nadia hat vor ein paar Monaten Robert Kingsley ermordet. Kingsley war nicht nur US-Botschafter, sondern auch ein aufstrebender Politiker, wie ich herausgefunden habe nachdem Nadia den Mord gestanden hat. Jetzt frage ich mich, ob der Covenant und du da die Finger im Spiel haben“ antwortete die Leiterin des DSC sachlich. Sloane war froh, dass Irina ihn nicht schmunzeln sehen konnte. Er beugte sich ein wenig nach vorn, schlug die Beine übereinander und bedankte sich bei seiner Mitarbeiterin, die ihm eine Tasse Kaffee brachte. „Denkst du wirklich, dass ich meine Tochter derart ausnutzen könnte? Ich war derjenige, der versucht hat sie zu beschützen“ erinnerte er sie sanft. „Du hast nicht versucht sie um ihretwillen zu beschützen, sondern weil es dir genützt hat. Und was deine Einstellung gegenüber Nadia angeht: Es rückt dich als Vater nicht gerade in ein gutes Licht, dass du ihr Rambaldis Flüssigkeit injiziert hast um dadurch Botschaften von ihm zu erhalten.“ Diesmal gestattete Arvin sich ein offenes Lachen in dem Wissen, dass dies Irina verärgern würde. „Schon komisch, dass ausgerechnet du das sagst. Vor einigen Jahren noch hättest du mich unterstützt.“ „In ein paar Jahren kann viel geschehen, Arvin“ erwiderte die ehemalige KGB-Agentin mit bitterer Stimme. „Ich habe keine Veranlassung dazu, aber ich gebe dir trotzdem eine Information, die dir helfen könnte. Leider kann ich dir nicht alles sagen was ich weiß aus Gründen, die du dir sicher denken kannst.“ Sloane machte eine Pause, in der er an seinem Kaffee nippte, die Lippen schürzte und Irinas steigende Neugier genoss. „Willst du Karg aufhalten und herausfinden warum Haxley ermordet wurde, musst du einen seiner früheren Agenten aufsuchen: Rhea Fernandez.“ Irina ging zurück zu ihrem Schreibtisch und notierte sich den Namen. „Eine spanische Agentin, die nachdem sie aufgehört hat für Karg zu arbeiten, nach Rumänien gezogen ist. Das wird dir beweisen, dass ich nichts mit dem Mord an Thomas Haxley zutun habe.“ Eine peinlich berührte Stille entstand, nachdem Sloane alle Informationen preisgegeben hatte, die er preisgeben wollte. Die Leiterin des DSC hatte mit dem Gedanken gespielt, sich bei Sloane zu bedanken, ihn aber schnell wieder verworfen, und so legte sie wortlos auf und starrte auf die Notizen, die sie sich gemacht hatte. +++++++++Notizblöcke und Stifte lagen auf den ganzen Besprechungstisch verteilt herum. „Ich hoffe deine Mutter konnte etwas herausfinden“ bemerkte Vaughn und warf seiner Verlobten einen Seitenblick zu, worauf diese ihren Blick von Will abwandte und den Agent verwundert ansah. „Wie kommst du darauf, dass meine Mutter in irgendeine Richtung ermittelt hat? Carolyn war diejenige, die die CIA kontaktieren sollte“ gab sie zu bedenken. Michael seufzte. Hätte er sie bloß nicht auf ihre Mutter angesprochen. Er wusste doch, dass er damit wieder eine Diskussion auslösen würde.Auch wenn Sydney und Irinas Verhältnis zueinander sich in den letzten Wochen stetig besserte, vergaß Vaughn darüber hinaus nicht, dass sie ein gutes Dutzend CIA-Agenten ermordet hatte, unter denen sich auch sein Vater befand. Abgesehen davon wusste man bei Irina Derevko nie woran man war. War es nicht seltsam, dass sie so mir nichts dir nichts, zugesagt hatte für die CIA zu arbeiten? Eine Organisation, die sie als Feind betrachtete und eine Regierung vertraten, deren Politik die ehemalige KGB-Agentin missbilligte? Doch er war nicht bereit sich wegen dieser Fragen mit Sydney zu streiten. Das war es einfach nicht wert und vielleicht waren seine Sorgen auch unbegründet. Diese Anspielung auf die Situation im Büro vor ein paar Stunden hatte Vaughn auch nicht beabsichtigt gehabt, sondern war ihm einfach so herausgerutscht. Was soll’s, dachte der Blonde sich. Das Kind war im Brunnen und jetzt hieß es Sydney klar zu machen, dass er sich bloß um sie sorgte. „Deine Mutter hatte es ziemlich eilig uns los zu werden“ merkte Michael vorsichtig an, wich dem Blick seiner Verlobten aus. Deren Augen verengten sich und Will, der bemerkte, dass ein Streit im Anzug war, zog es vor, sich mit Marshall zu unterhalten. „Dafür gibt es bestimmt eine Erklärung“ widersprach Sydney stur, die auch wenig Lust hatte sich mit ihrem Verlobten deswegen zu streiten. Zumal das nichts an ihrer beider Meinung bezüglich Irina ändern würde. Sydney verlangte von Vaughn ja auch gar nicht, dass er vergaß was ihre Mutter seinem Vater angetan hatte. Alles was sie wollte, war der Versuch so normal wie möglich miteinander umzugehen. Was angesichts ihres Berufs und der Tatsache, dass Irina nun mal hier die Chefin war, sowieso schwer werden würde. Vaughn blieb der Braunhaarigen eine Erwiderung schuldig. War auch nicht mehr nötig, denn in diesem Moment öffnete sich die Tür zum Besprechungsraum und Irina kam mit einigen Mappen und einer Fernbedienung in der Hand herein. Sofort verstummten alle Gespräche, während sich die Blicke erwartungsvoll auf die Leiterin des DSC richteten. Nachdem Irina festgestellt hatte, dass alle anwesend waren, die anwesend sein sollten, eröffnete sie die Besprechung. „Ich habe mit Sloane telefoniert.“ Wie die ehemalige KGB-Agentin es erwartet hatte, wirkte keiner besonders glücklich. Bis auf Carolyn und Nicolai, die von Sloane ja nur das kannten, was man ihnen erzählt hatte. Irina hingegen fand die Entscheidung richtig, gleich alle Karten auf den Tisch zu legen. Die Situation war schon durch Nadias Lügen schwer genug und Sydney und Jack verdienten ihre Ehrlichkeit nach allem was gewesen war. „Ich dachte, dass vielleicht ein Zusammenhang zwischen dem Mord an Robert Kingsley und Thomas Haxley besteht. Kingsley, als Botschafter hat sich sehr in der Politik engagiert, war wie Haxley Demokrat.“ Stille erfüllte den Raum. Als die ehemalige KGB-Agentin auch nach mehreren, verstrichenen Minuten nichts hinzufügte ergriff Sydney das Wort, klang dabei aber hart und gleichgültig wie immer wenn Nadias Tat auch nur angeschnitten wurde: „Und?.....Ist das so?“ „Nein. Zumindest behauptet Sloane das.“ Die Leiterin des DSC betätigte einen Knopf auf der Fernbedienung. „Sloane hat sich mit Informationen sehr bedeckt gehalten, aber einen Tipp hat er mir doch gegeben.“ Hinter der Russin erschien ein Monitor, auf dem das Bild einer jungen Frau erschien. Sie hatte eine zierliche Statur, einen entschlossenen Gesichtsausdruck und eine geheimnisvolle Aura. Außerdem war sie ein eher dunkler Typ, spanischer oder kolumbianischer Herkunft, schätzte Sydney. „Das ist Rhea Fernandez, eine Agentin, die zwei Jahre lang für Karg gearbeitet hat. Danach ist sie nach Rumänien gezogen, wo sie noch heute unter dem Decknamen Samantha Litvak lebt.“ Irina schnappte sich die weißen Mappen, die vor ihr lagen und schob je eine Sydney und Dixon zu. „Sydney? Dixon? Ihr fliegt nach Rumänien. Spürt Rhea Fernandez auf und bringt alles in Erfahrung was sie über Karg weiß. Für wen er arbeitet…War sie an dem Mord beteiligt? Gibt es irgendwelche geheimen Dokumente? Eben alles.“ „Wann geht unser Flug?“ wollte Dixon wissen, der freudig gelächelt hatte bei der Vorstellung, seit langem wieder mit Sydney zusammen arbeiten zu dürfen. Wie in alten Zeiten! „In einer Stunde“ antwortete Irina mit Blick auf ihre Armbanduhr. „Das verschafft uns zwar einen kleinen Vorsprung, aber ich fürchte wir haben ein anderes Problem“ meldete sich Carolyn zu Wort und zog damit sofort alle Blicke auf sich. „Wie sie wollten, Mrs. Derevko, habe ich Devlin kontaktiert. Der hat sich ein wenig umgehört und erfahren, dass zwei NSA-Agenten nach Los Angeles aufgebrochen und womöglich sogar schon in der Stadt sind. Das ist kein Zufall. Die suchen Tippin.“ Jack seufzte und stand auf. „Wenn das so ist, sollten wir sie schnellstens hier weg bringen, Mister Tippin. Ich schlage unser Sicheres Haus weit außerhalb von Los Angeles vor.“ Mit dem letzten Satz hatte der Agent sich um Zustimmung heischend an seine Frau gewandt. Diese stimmte ihm mit einem stummen Nicken zu. „Ich werde wohl gar nicht gefragt!“ brach es aus Will heraus. Als ob er noch nie in Gefahr gewesen wäre! Außerdem geschah das alles wegen ihm, da wollte er nicht untätig rumsitzen und Sydney und ihren Kollegen die Arbeit allein überlassen. „Ich habe für die CIA als Analytiker gearbeitet und könnte helfen. Zum Beispiel bei der Auswertung von Informationen.“ Sydney, die zugehört hatte, wandte ihren Blick von Will zu ihrer Mutter. Diese wirkte entschlossener und entschiedener denn je. Als müsse sie über eine Antwort gar nicht nachdenken. „Das kommt überhaupt nicht in Frage! Agent Vaughn, sie fahren Mister Tippin zum Sicheren Haus. Die Besprechung ist zu Ende. Sydney, Dixon. Marshall erklärt euch die technische Ausrüstung.“ Damit packte die ehemalige KGB-Agentin ihre Unterlagen zusammen, wie auch der Rest des Teams. Will schälte sich schnell aus seinem Stuhl und folgte Sydneys Mutter. „Mrs. Derevko warten sie!“ Irina drehte sich nicht mal zu ihm, also ging der dunkelblonde Mann etwas schneller um sie einzuholen. Ihr Blick war hart und dieser Umstand hätte Will fast den Mut gekostet. Immerhin stand er hier der Frau gegenüber, die Sydney angeschossen hatte und dafür verantwortlich war, dass Sark ihn hatte foltern lassen. Das Bedürfnis zu helfen war aber größer und verlieh Will den Mut, den er brauchte um weiter zu sprechen: „Sie können meine Fähigkeiten nicht abstreiten. Um ein Haar hätte ich SD-6 auffliegen lassen. Alle Informationen dazu hatte ich.“ „Diese Informationen hatten sie, weil einer meiner Agenten ihnen Hinweise gegeben hat, Mister Tippin! Abgesehen davon, ist das was hier im Moment geschieht größer als SD-6 und die Allianz und ich will nicht, dass Sydney noch einen Menschen verliert, der ihr wichtig ist, oder ihr Urteilsvermögen dadurch getrübt wird, dass sie in Gefahr schweben! Eine Fehlentscheidung könnte sie das Leben kosten.“ Die Russin sah an ihm vorbei. Ihr Blick fand Vaughn, der in einigem Abstand auf Will wartete. „Vaughn wartet auf sie.“ Damit ließ sie ihn stehen und setzte den Weg zu ihrem Büro fort. +++++++++++++RumänienDixon und Sydney gingen schon eine Weile schweigend eine Straße entlang. Sydney trug ein dunkelblaues Abendkleid, das durch ihren schwarzen Mantel hindurch schien. Zusammen mit der hochgesteckten Frisur sah sie einfach atemberaubend aus. Dixon stand ihr aber in seinem Smoking mit weißer Fliege in nichts nach. Zusammen wirkten sie genau wie sie vorgehabt hatten nach außen hin zu wirken: Wie ein reiches Paar, das einen vergnügten Abend in dem Nobellokal verbringen wollte, in dem zufällig eine als Samantha Litvak bekannte Dame als Kellnerin arbeitete. „Weißt du anfangs war ich skeptisch als mir ein Job beim DSC angeboten wurde. Ein Job, bei dem ich für deine Mutter arbeiten sollte. Das erschien mir so widersprüchlich“ Dixon lächelte ein wenig und warf seiner Kollegin einen Seitenblick zu, die sich bei ihm eingehackt hatte und gespannt lauschte was er dem Gesagten noch hinzufügen würde. „Mit dir wieder zusammenarbeiten zu dürfen, hier in Rumänien…..Jetzt weiß ich warum ich diesen Job machen will.“ Sydney wusste gar nicht was sie sagen sollte, wollte ihm danken für seine Worte, die so ehrlich und aufrichtig aus seinem Mund gekommen waren. Gerührt schluckte sie die aufkommenden Tränen herunter. „Ich bin froh, dass du nicht abgelehnt hast. Irgendwas sagt mir, dass es nicht leicht werden wird für meine Mutter zu arbeiten und mit Leuten zusammen zu arbeiten, die ich gern habe, macht alles leichter.“ Die Braunhaarige stockte und dachte über ihre Worte nach. „Und weniger verwirrend“ fügte sie mit trockenem Lachen hinzu. Mit verwirrend meinte sie dabei hauptsächlich die Beziehung zu ihrer Mutter, die ihr immer noch nicht recht klar war. Dabei sollte es so einfach sein: Sydney war die Tochter, Irina die Mutter. Nur warum fühlte es sich immer noch so fremd an? Warum war ihre Beziehung zueinander noch nicht, das was sie sein sollte? Auf diese Fragen wusste Sydney zwar im Augenblick keine Antwort, erinnerte sich aber daran, dass es sich am Anfang, kurz nachdem sie die Wahrheit über die Arbeit ihres Vaters erfahren hatte, auch nicht recht viel anders gewesen war. Nur, dass es damals Jack gewesen war, zu dem sie diese distanzierte und voller Misstrauen geprägte Beziehung gehabt hatte. Endlich erreichten die beiden Agenten das Lokal. Ein Mann in der Empfangshalle nahm Sydney und Dixon die Mäntel ab. Danach wurden sie in den Esssaal geführt. Ein Kronleuchter thronte an der Decke über dem Geschehen, während sanfte, klassische Musik den Gästen ein angenehmes Gefühl vermitteln sollte. Rechts neben dem Eingang, in unmittelbarer Nähe von Sydney und Dixon, befand sich eine ca. 2 Meter lange Tischreihe. Dort befand sich ein Buffet aus den teuersten Speisen wie Hummer, Kaviar und Lachs. „Oh Mann, wenn ich das Buffet sehe, kriege ich Hunger. Meinst du, wir haben noch Zeit einen Happen zu essen?“ fragte Dixon leise. „Wir haben einen Auftrag“ erinnerte Sydney ihn, auch wenn ihr selbst beim Anblick des tollen Buffets das Wasser im Mund zusammenlief. Die Agentin zog sich, passend zu ihrem Abendkleid, ihre schwarzen Samthandschuhe an, deren Ärmel bis zu ihrem Ellbogen reichten, während Dixon sein Handy anschaltete. „Also wir wissen wie Rhea Fernandez zu der Zeit ausgesehen hat als sie noch für Karg gearbeitet hat, aber da sie untergetaucht ist, müssen wir davon ausgehen, dass sie ihr Aussehen verändert hat. Deshalb habe ich das hier für sie…“ Marshall wollte nach seinen Utensilien greifen, doch der gesuchte Gegenstand befand sich nicht auf seinem Schreibtisch. „Wo hab’ ich es denn?“ Der Techniker lächelte verunsichert, während Sydney und Dixon einen Blick tauschten und versuchten, sich ein Grinsen zu verkneifen. Der Techniker wechselte von der rechten Seite seines Büros, auf die linke Seite, wo sich ein zweiter Schreibtisch befand, auf dem die verschiedensten Erfindungen des Technikers lagen. Sydney fiel dabei immer Q ein, der Mann, der James Bond allerlei technisches Spielzeug erfunden hatte. Die Agentin musste bei dieser Vorstellung grinsen. Marshalls Kopf war inzwischen in den Tiefen einer schwarzen Sporttasche verschwunden, aus der man es rascheln hörte. „Oh!“ sagte er schließlich und steckte seinen Kopf heraus, wobei er zwei Gegenstände in der Hand hielt: Einen Teddy und ein paar Samthandschuhe. „Mitchells Teddy. Den haben wir schon überall gesucht. Carrie wird erleichtert sein, wissen sie, Mitchell schläft ohne ihn so schlecht ein und….“ Marshall merkte, dass er vom eigentlichen Thema abschweifte und legte den Teddy schleunigst weg. Sydney und Dixon teilten ein Grinsen. „Also das“ Marshall hielt stolz das Paar Handschuhe in die Höhe und zog es über. „ist meine neueste Erfindung. Rhea Fernandez mag vielleicht ihr Äußeres verändert haben, aber der Fingerabdruck lässt sich nicht so leicht verändern. Deshalb der Handschuh. M-Miss Bristow, wenn sie Rhea….also Miss Fernandez die Hand reichen.“ Der Techniker ergriff Sydneys Hand um sie zu schütteln, zog die Handschuhe aus und fischte das Handy vom Schreibtisch, hielt es so, dass beide Agenten es sehen konnten. „Also, wenn sie Miss Fernandez die Hand geschüttelt haben, es würde auch schon ein Gegenstand reichen, den sie berührt hat, wird der Fingerabdruck vom Handschuh automatisch eingescannt und die Daten an sie geschickt, Mister Dixon. Wir haben in ihr Handy den Fingerabdruck von Rhea Fernandez anhand eines Zahlenmusters eingespeichert. Sobald Miss Bristow ihr also die Hand reicht oder etwas anfasst, das sie zuvor berührt hat, und es wirklich der Fingerabdruck von Rhea Fernandez ist, wird ihr Handy ihnen das mitteilen.“ Sydney löste sich von Dixon und schlenderte an die Bar, zu der immer mal wieder Kellnerinnen kamen um Getränke abzuholen oder Bestellungen aufzugeben. „Dixon, hörst du mich?“ fragte die Agentin. Dixon hatte sich unter die Gäste gemischt und fing mit einigen von ihnen ein Gespräch an, konnte es aber nicht lassen vom Buffet zu naschen und sah immer wieder unauffällig zu Sydney hinüber. „Laut und deutlich, Syd“ murmelte er. Eine Kellnerin kam zu Sydney an den Tresen und wies den Barkeeper, den sie Ricardo nannte an, ein Sodawasser und ein Glas Scotch vorzubereiten. „Entschuldigen sie?“ fragte Sydney mit unschuldiger Mine. Die Kellnerin mit dem spanischen Akzent und den mittellangen, braunen Haaren wandte sich der Agentin zu, stellte währenddessen ein leeres Glas auf den Tresen. „Wo ist denn hier die Toilette? Dieser Saal ist so groß, dass man einen Kompass braucht um sich hier nicht zu verlaufen.“ Die Agentin brach in falsches Gelächter aus. Die Bedienung stimmte aus Höflichkeit in das Lachen mit ein, und erklärte Sydney, dass sie die Toilette am Endes des Saales auf der rechten Seite finden würde. Dann verschwand sie mit dem Sodawasser und dem Scotch, den Ricardo vor ihr platziert hatte. Bevor der Barkeeper das leere Glas wegstellen konnte, berührte Sydney es schnell. Dixon, der sie beobachtete, warf einen Blick auf sein Handy. Das System suchte eine Übereinstimmung zu dem Fingerabdruck von Rhea Fernandez, doch leider blieb es erfolglos. „Die war es leider nicht, Syd. Such weiter. Die Krabben sind wirklich lecker.“ Wieder nahm sich der afroamerikanische Agent eine Krabbe. „Weißt du wie unfair es ist, dass du essen darfst, während ich die Nadel im Heuhaufen suche?!“ grinste Sydney und machte sich auf den Weg zu den Toiletten um kein Misstrauen zu erregen. Dabei schweiften ihre Augen stetig durch den Raum, auf der Suche nach einer Kellnerin. Ihr Blick blieb bei einer schwarzhaarigen, dünnen Frau hängen. Ihre langen Beine standen in ungleichmäßigem Verhältnis zu ihrer zierlichen Statur, sah aus, wie eines dieser dünnen Models mit langen Beinen, die es in LA haufenweise gab. Der Blick der jungen Frau wandte sich stetig in alle Richtungen um. Sydney beschloss, auf sie zuzugehen. Gerade in dem Moment als die Kellnerin ein volles Glas Rotwein vor einem Gast platzierte, kam Sydney hinzu und rempelte sie scheinbar versehentlich an, so dass das Glas zu Boden fiel. „Oh das ist mir aber peinlich!“ tat die Agentin bestürzt und bückte sich um der jungen Frau, dabei zu helfen die Scherben aufzusammeln. „Ach ist schon gut. Kann ja mal passieren“ murmelte sie. „Nein. Gar nichts ist gut. Ich habe ihre Arbeitskleidung ruiniert und sie vor ihren Gästen blamiert. Ich möchte das wieder gutmachen“ beteuerte Sydney und reichte der Kellnerin die Hand. Wieder begann Dixons Handy nach den richtigen Daten zu suchen: Volltreffer. „Das ist sie“ murmelte er über den Stecker in seinem Ohr. „Es ist wirklich in Ordnung, wenn sie mich entschuldigen, ich muss weiterarbeiten.“ Fernandez machte sich schnell daran zur Bar zurückzukehren, Sydney folgte ihr. „Ich muss mit ihnen reden“ versuchte die Agentin wieder die Aufmerksamkeit der Spanierin zu bekommen. „Hören sie, ist schon in Ordnung. Ich werde das Glas bezahlen und mich bei den Gästen entschuldigen. Warum genießen sie nicht einfach die Party?“ Da es keine andere Möglichkeit gab, sie davon zu überzeugen, mit ihr zusammen zu arbeiten, beschloss Sydney alle Karten auf den Tisch zu legen. „Ich bin nicht zufällig hier, Samantha. Und ich weiß, dass sie gar nicht so heißen.“ Die Kellnerin sah die Braunhaarige überrascht an, hätte dabei fast das Tablett fallen gelassen. Es war schwer an ihrem Blick auszumachen, ob sie wütend war oder Sydney glaubte. Wahrscheinlich wusste sie selbst nicht so recht wie sie reagieren sollte. „Hören sie, ich weiß nicht wer sie sind oder was sie von mir wollen, aber sie sollten jetzt besser verschwinden!“ fauchte Rhea plötzlich, drehte sich um und legte eine schnellere Gangart ein, in der Hoffnung Sydney dadurch los zu werden. Doch so leicht gab sich die Agentin nicht geschlagen. „Ihr Name ist Rhea Fernandez und sie haben früher für einen Mann namens William Karg gearbeitet!“ rief Sydney ihr hinterher, aber noch leise genug, damit es nicht alle hören konnten. Rheas Haar flog ihr schwungvoll ins Gesicht als sie sich umdrehte und die Braunhaarige mit funkelndem Blick taxierte. „Verdammt, wer zum Teufel sind sie?!“ Sydneys Gesichtszüge wurden weicher. Sie seufzte und kam näher. „Mein Name ist Sydney Bristow und ich bin Agentin. Ich bin hier, weil ein Freund von mir in Schwierigkeiten steckt. Kargs Leute sind hinter ihm her.“ ++++++Los Angeles„Verdammt!“ murmelte Vaughn und warf einen Blick in den Rückspiegel. „Was ist denn los?“ murmelte Will, der auf dem Beifahrersitz ein wenig gedöst hatte, aber sofort hellwach war als er Vaughn fluchen hörte. „Wir werden verfolgt“ antwortete der Agent, woraufhin der ehemalige Reporter einen Blick in den Seitenspiegel warf und einen schwarzen Jeep bemerkte, der hinter ihnen herfuhr. Der blonde Agent machte eine scharfe Kurve und versuchte, die Verfolger abzuschütteln, wäre dabei beinahe mit einem roten PKW zusammen gestoßen, dessen Fahrer wütend hupte. „Mann, wollen sie uns umbringen?!“ blaffte Will Michael an, sah noch einmal nach hinten um sich zu vergewissern, dass es dem Fahrer in dem roten PKW auch wirklich gut ging. Vaughns Kurve in eine Seitenstraße hatte nicht dazu beigetragen, den Verfolger los zu werden. Eine offene Konfrontation war zu riskant für Will, deshalb versuchte der Agent weiter den Verfolger abzuschütteln. Der Jeep war jetzt genau neben ihnen. Ein Mann in schwarzem Anzug streckte seinen Kopf aus der Beifahrerseite des Jeeps und bedrohte den blonden Agenten mit einer Waffe. „Halten sie sofort den Wagen an!“ befahl er. Da Vaughn ob der guten Schießausbildung der NSA-Agenten wusste und weil ihm klar war, dass diese Leute für ihren Auftrag sterben würden, fuhr er an den Seitenstreifen und stellte den Motor ab, der schwarze Jeep parkte hinter ihm. Michael wartete bis einer der Agenten die Fahrerseite erreicht hatte, sah aus den Augenwinkeln, dass ein zweiter Agent sich Will näherte. „Aussteigen“ wiesen die Agenten die beiden Männer an, stellten Will und Vaughn nebeneinander an die Seite von Vaughns grauem BMW. „Schön, dass wir sie doch noch aufspüren konnten. Wo ist die Diskette?“ wandte sich der erste der Agenten an Vaughn, spuckte jedes Wort förmlich aus während er mit ihm sprach. Michael wechselte einen Blick mit Will, der sich nicht im Geringsten anmerken ließ wie nervös er war, was Michael überraschte. Aber angesichts der Situationen, in die er aufgrund von Sydneys Beruf schon geraten war, schien er daran mittlerweile schon gewöhnt, so dass ihn so leicht wohl nichts mehr aus der Fassung brachte. Der blonde Agent war darüber sehr froh, machte dies es ihm doch leichter sich etwas einfallen zu lassen. Eine Waffe steckte in der Innentasche seiner Jacke und Vaughn widerstand dem Impuls sie sofort zu zücken und die Kerle allesamt, nieder zu schießen. „Ich habe keine Ahnung wovon sie reden“ antwortete der Agent ruhig und grinste als sich die Mine seines Gegenübers verdüsterte. Plötzlich holte der NSA-Agent aus und verpasste Vaughn einen so harten Kinnhacken, dass Blut aus seinen Mundwinkeln lief. Der NSA-Agent, der absolut hektisch und nervös wirkte, wohl weil Karg ihm Druck machte, die Diskette zu finden, vermutete Michael, wies seinen Kollegen an einen gewissen Silas Garnes anzurufen und ihn darüber zu informieren, dass sie Will Tippin und Michael Vaughn mithilfe eines Satelliten gefunden hatten. Es überraschte den blonden DSC-Agenten nicht im Geringsten, dass die Männer seinen Namen kannten, schließlich arbeiteten sie für die NSA. „Sie beide werden noch darum betteln, mir alles sagen zu dürfen, was sie wissen.“ Drohte der NSA – Agent und deutete mit der Pistole zuerst auf Vaughn, dann auf Will. „Darf ich ihnen einen Rat geben?“ fragte Michael in dem Wissen, dass das was er gleich sagen würde, den Agenten dermaßen provozieren würde, dass Vaughn die Gelegenheit haben würde, sich und Will irgendwie heil aus dieser Situation heraus zu bringen. „Sie sollten nicht mit Waffen herumspielen. Das könnte ins Auge gehen.“ Gelbe Funken der Wut spiegelten sich in den Augen des Agenten wider als dieser in einer langen Bewegung ausholte um Vaughn nieder zu schlagen, doch der DSC-Agent war schneller, packte den Arm seines Gegenübers und warf ihn und sich mit seinem ganzen Körpergewicht zu Boden. Will, der verstanden hatte, brachte den zweiten Agenten zu Fall, als dieser seinem Kollegen zu Hilfe eilen wollte. Am Boden rangen Will und sein Gegner um die Waffe. Plötzlich löste sich ein Schuss, der glücklicherweise aber nur ins Leere ging. Der ehemalige Reporter merkte, dass er es nicht schaffte den Griff seines Gegners um dessen Waffe zu lockern also ballte er die rechte Hand zu einer Faust und schlug den Agenten bewusstlos. Vaughns Gegner stieß ihn mit den Füßen von sich weg, so dass Sydneys Verlobter gegen das Auto flog und gegen die aufkommende Benommenheit ankämpfen musste, die der Aufprall verursacht hatte. Der NSA-Agent verlor keine Zeit, stand auf, zog seine Waffe und richtete sie auf Michael. Es folgte ein Schuss. Doch der stammte nicht aus der Waffe des NSA-Agenten. Michael folgte dem Blick seines Gegners und sah Will mit erhobener Waffe in einiger Entfernung stehen. Doch sein Schuss hatte das Ziel verfehlt und stattdessen nur das Bein des Mannes getroffen, aus dem nun Blut lief. Dennoch reichte es aus, um den Agenten kampfunfähig zu machen und so brach er schwer verletzt zusammen. „Wir sollten verschwinden bevor dieser Silas Garnes Verstärkung schickt“ keuchte Vaughn, bedankte sich bei dem ehemaligen Reporter für dessen Hilfe und ging mit ihm zurück zu seinem BMW. Als sie die Türen geschlossen und Vaughn den Motor gestartet hatte, bemerkte Will: „Kaum bin ich einen Tag mit euch zusammen, schieße ich auf Andere und bin auf der Flucht.“ Er schüttelte mit dem Kopf, während Michael lachte und los fuhr. +++++++++Rumänien, Sicheres Haus des DSCDixon brachte Rhea eine Tasse Tee, stellte sich und Sydney auch Eine hin und wartete darauf, dass seine Kollegin zu ihnen zurückkehrte, die sich kurz darauf auch zu ihnen gesellte. Eine Weile herrschte Stille, weil sowohl Sydney als auch Dixon überlegten wie sie anfangen sollten zu erklären, weshalb sie Rheas Hilfe brauchten. „William Karg hat einen Mann töten lassen. Einen amerikanischen Politiker. Sie haben mit Karg gearbeitet und können uns vermutlich sagen, ob er noch mit Anderen zusammen arbeitet“ begann Sydney schließlich. Rhea sagte eine Weile nichts, mied den Blick der beiden DSC-Agenten, die einen Blick wechselten und schon erwarteten, aus ihr nichts mehr herauszubekommen. Schließlich entschied sich die Spanierin doch zu reden. „Wenn ich ihnen diese Informationen gebe, wird Karg wissen, dass sie, sie von mir haben. Ich bin untergetaucht um mich vor ihm zu schützen.“ „Wir werden alles in unserer Macht stehende tun um sie zu schützen, Rhea. Sie haben unser Wort, aber sie müssen uns vertrauen“ antwortete Dixon nachdrücklich. Rhea fuhr sich mit der Hand einmal über das Gesicht, seufzte und begann zu erzählen: „William Kargs Loyalität gilt nicht der NSA, auch wenn es vielleicht danach den Anschein hat. Er ist ein Doppelagent und arbeitet eigentlich für The Hand. Schon von denen gehört?“ Die Braunhaarige nickte angespannt und sah die spanische ehemalige Agentin überrascht an. Damit, dass Karg für The Hand arbeitet, hatte sie nicht gerechnet, obgleich es sie nicht überraschte, dass er ein Doppelagent war. Kein NSA-Offizier würde es wagen, einen Senator umzubringen. „Ja“ antwortete Sydney. „Eine terroristische Organisation, die es auf Rambaldi-Artefakte abgesehen hat und sich über Waffen- und Informationshandel finanziert.“ „Ich habe für The Hand gearbeitet“ erklärte Rhea mit Tränen in den Augen, so dass Sydney und Dixon ihr sofort abnahmen, dass ihr schlechtes Gewissen nicht gespielt war. „Allerdings wusste ich das anfangs nicht. Karg hat mir erzählt, dass ich an einem geheimen Regierungsprojekt als Agentin mitarbeiten würde. Ich wurde zu einer Trainingseinrichtung nach Prag gebracht und dort ausgebildet. Als ich nach fünfjähriger Agententätigkeit für Karg die Wahrheit erfuhr, versuchte ich auszusteigen. Also tauchte ich unter, beschaffte mir ein neues Aussehen und eine neue Identität, so dass Kargs Leute mich nicht finden konnten, denn ich steckte schon zu tief drin.“ Sydney senkte ihren Blick. Sofort entdeckte sie die Parallelen zwischen Rhea und der Situation, in der sie sich Jahre zuvor befunden hatte, als sie herausfand, dass SD-6 keine geheime Unterabteilung der CIA war. „Haben sie sonst noch irgendwelche Informationen für uns? Wissen sie woran The Hand gearbeitet hat bevor sie ausgestiegen sind?“ fragte die Agentin behutsam. Erstaunlicherweise wirkte Rhea plötzlich nicht mehr so verletzlich wie noch vor ein paar Sekunden. Als sie auf- und Sydney ins Gesicht sah, waren ihre Tränen und der ängstliche Blick verschwunden. Nun war sie wieder zu der toughen Agentin geworden, zu der Karg sie hatte ausbilden lassen. „An einem Projekt mit Codenamen Scorpion. Karg hat am Telefon ein paar Mal dieses Wort benutzt und es schien wichtig zu sein. Es gibt einen Zentralcomputer, auf dem alle Daten zu Scorpion gespeichert sind. Dieser Computer befindet sich in Deutschland, genauer gesagt in Frankfurt. Das Gebäude ist als Reisebüro getarnt und soll so verhindern, dass irgendjemand unbefugtes den Zentralcomputer entdeckt.“ Dixon und Sydney lächelten erleichtert und dankbar über diese Informationen. Sydney stand auf, entschuldigte sich und meinte zu Dixon, dass sie das Departement of Special Cases kontaktieren würde. +++++++++Los Angeles„Rhea Fernandez hat Rumänien verlassen. Sie meinte, sie müsse noch etwas erledigen. Eigentlich hatte ich vor, euch deswegen anzulügen, aber ehrlich gesagt, habe ich diese ewigen Lügen satt.“ beendete Sydney ihren Monolog. Erschöpft wegen des Jetlags, aber froh, wieder in Los Angeles zu sein, saß sie ihrer Mutter und ihrem Vater in Irinas Büro gegenüber. Sydneys Mutter hatte einen Aktenordner über Karg und The Hand auf ihrem Schreibtisch liegen, klappte ihn zu nachdem Sydney ihren Bericht beendet hatte. Jack, neben ihr, hatte ebenso aufmerksam wie seine Frau den Ausführungen seiner Tochter gelauscht. Beide Eltern lächelten auf die Worte ihrer Tochter hin nur. „Danke“ schmunzelte Irina. „Das wissen wir zu schätzen und ich will ehrlich sein. Devlin lässt nach Fernandez fahnden, aber wenn sie so ist wie du sie beschrieben hast, glaube ich nicht, dass sie sie finden werden.“ Sydney stieß auf diese Worte hin einen Seufzer der Erleicherung aus. Rhea hatte genug durchgemacht und was geschehen war, war nicht ihre Schuld. Die Informationen hatte sie ihnen freiwillig gegeben. Sydney wurde von der Stimme ihrer Mutter wieder aus ihren Gedanken gerissen: „Die CIA fahndet außerdem nach Karg, aber es scheint als sei er untergetaucht.“ „Eines verstehe ich nicht, Mom: Wieso war Karg ausgerechnet bei der NSA als Doppelagent tätig und wozu der Mord an Haxley?“ Statt Irina, setzte Jack zu einer Erklärung an. Dazu beugte er sich nach vorne und faltete die Hände auf dem Schreibtisch ineinander. „Deine Mutter und ich haben uns diese Frage auch gestellt und Agent Carolyn Fox mit Nachforschungen beauftragt. Der Senat sollte über eine Gesetzesinitiative entscheiden, wonach amerikanischen Geheimdiensten frei gestattet werden darf, amerikanische Bürger zu belauschen. Keine Genehmigung durch die Behörde für Verfassungsschutz wäre mehr erforderlich.“ Die ehemalige KGB-Agentin übernahm die weitere Erklärung für ihren Mann: „Haxley war, wie viele Bürgerrechtler, gegen dieses Gesetz und seine Stimme das Zünglein an der Waage. Wir vermuten, dass Karg im Auftrag von The Hand gehandelt hat.“„The Hand hätte mit Karg als Leiter der NSA die Möglichkeit gehabt, Staatsorgane zu belauschen oder einfache Privatleute, was für die wahrscheinlich eine verlockende Vorstellung gewesen ist und weil Haxley sich nicht dazu überreden ließ, anders zu stimmen als er vorhatte, ließ Karg ihn ermorden, damit das Gesetz zustande kommt“ bemerkte Sydney angewidert von den Methoden der Organisation und wünschte sich zeitgleich sie hätte Karg in die Finger bekommen. Nicht nur, weil er keine Skrupel kannte, sondern weil Vaughn ihr auch erzählt hatte, dass Kargs Agenten ihn und Will aufgespürt hatten, sie mit knapper Not entkommen konnten. Außerdem hieß die Tatsache, dass Karg auf freiem Fuß war für Will auch, dass er wieder eine neue Identität annehmen und in eine andere Stadt ziehen musste. Solange es Karg und The Hand gab, war er nicht sicher. Trotzdem, und vielleicht war es auch aus Hoffnung, sie läge mit ihrer Annahme falsch, wandte sich Sydney fragend an ihre Mutter: „Was passiert jetzt mit Will?“ Irina und Jack wechselten einen ernsten Blick. Dabei sah Irina so aus, als erhoffe sie sich von Jack eine Entscheidung, doch dieser war der Ansicht, dass ihr als Leiterin des DSC diese Entscheidung zustand. Daran musste die ehemalige KGB-Agentin sich nun gewöhnen: Unangenehme Entscheidungen zu treffen, mit denen Sydney wohl nicht immer einverstanden sein würde. Obwohl das für sie eigentlich nichts neues mehr sein sollte. Hatte sie das doch auch schon vorher getan als alle gedacht hatten, Irina sei böse und eiskalt, auch in Bezug auf ihre Tochter. Diese Ansicht vertrat Jack längst nicht mehr. Vor allem, wenn es um Sydney und Nadia ging, hatte seine Frau nichts anderes im Sinn als sie zu schützen, was sogar hin und wieder soweit ging, dass sie den Schutz ihrer Familie über alles andere stellte. „Eigentlich habe ich vorgehabt, ihm eine neue Identität zu geben und in eine neue Stadt bringen zu lassen“ erklärte Irina sanft, sah schon an Sydneys betroffenem Gesicht, dass ihr diese Entscheidung schwer zu schaffen machte. Es überraschte die ehemalige KGB-Agentin, dass ihre älteste Tochter keine Anstalten machte, zu protestieren. „Aber es besteht auch die Möglichkeit ihn zu rekrutieren. Diese Entscheidung soll er selbst treffen. Solange hält die CIA ihn in einem Sicheren Haus in Gewahrsam.“ Sydney fand keine der von ihrer Mutter genannten Möglichkeiten sonderlich attraktiv, verstand aber auch, dass es keine andere Möglichkeit gab, ihn vor The Hand zu schützen. Sie hoffte nur, dass ihr bester Freund sich seine Entscheidung gut überlegen würde. „Ruh dich ein bisschen aus, Sydney. Morgen besprechen wir das weitere Vorgehen in Bezug auf The Hand und Rambaldis Puzzle“ meinte Irina sanft. Die braunhaarige Agentin war tatsächlich erschlagen vom letzten Einsatz und kaum noch in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen, auch wenn ihr noch immer einige Fragen im Kopf herum schwirrten: Was hatte es mit Scorpion auf sich? Was war denn nun die Katastrophe, die Rambaldi prophezeite? Hing die vielleicht mit Scorpion zusammen? „Okay. Bis morgen“ lächelte Sydney ihren Eltern zu und machte sich damit auf den Weg zum Operationszentrum, wo Vaughn schon auf sie wartete. „Alles okay?“ lächelte der Agent nachdem er seine Verlobte mit einem sanften Kuss begrüßt hatte. Sydney antwortete mit einer Gegenfrage und einem herausfordernden Lächeln auf den Lippen: „Hast du irgendwann nicht etwas von einem Essen im Garten gesagt?“ Michael lächelte glücklich, legte seinen Arm um Sydney und verließ mit ihr das DSC. +++++++++++