11. Head of the Covenant

Moskau,
Russland


Schon auf dem Weg zu Irinas Organisation hatte Nadia ein schlechtes Gefühl gehabt. Dies schien sich zu bestätigen, denn als die Agentin den Besprechungsraum betrat, fand sie ihre Familie, sowie Vaughn und Weiss sitzend und mit versteinerten Minen vor. Sydney saß mit dem Rücken ihr zugewandt in der Mitte des Raumes.
Nadia bereiteten die Blicke der Gruppe Bauchschmerzen. Jacks und Erics Blicke waren so voller Kälte und hart. Das hatte sie nicht erwartet. „Was sollen die langen Gesichter, Leute?“ fragte sie in die Runde und versuchter heiter zu klingen, was ihr aber nicht gelang angesichts der Reaktion der Angesprochenen.

Statt ihr zu antworten, stand Sydney auf und stellte ihren Stuhl geräuschvoll noch weiter in die Mitte des Raumes, so dass Nadia sich auf ihren Platz setzen konnte, was diese dann auch tat. Sydney hingegen zog es vor zu stehen, ging hinüber zum Tisch und kehrte mit einem braunen Umschlag in der Hand zu ihrer Schwester zurück und reichte ihn ihr. Enttäuschung sprach aus ihren Augen und Nadia glaubte auch eine Spur von Verletztheit in dem Blick ihrer großen Schwester auszumachen. Was zum Teufel war hier eigentlich los?!
Die Antwort erhielt die Schwarzhaarige als sie den Umschlag öffnete und die Fotos sah, die sie beim Verlassen von Sloanes Büro zeigten. Tränen traten Nadia in die Augen als sie realisierte, dass alle es wussten.

„Ich.. Sydney….“ versuchte sie sich an ihre Schwester zu wenden, die neben Weiss am Verletztesten wirkte. Sydney verschränkte die Arme vor ihrer Brust und wartete darauf, dass Nadia sich erklärte und hoffte insgeheim, dass die Situation nicht die war, nach der es augenscheinlich aussah. Feststand, dass Nadia sie alle belogen hatte. Was Sydney weitaus mehr beschäftigte war die Frage nach dem Grund. Und sie hatte fast Angst davor, ihn zu erfahren, vermutete sie doch, dass das nichts gutes sein konnte.
„Warum hast du uns angelogen?!“ zischte die CIA-Agentin ihrer Schwester zu. In Nadias Kopf rasten die Gedanken, suchten nach einem Weg sich am besten zu erklären. Ihr hilfesuchender Blick glitt zu ihrer Mutter, die sich dezent im Hintergrund hielt und gespannt auf eine Erklärung wartete.
Als Nadia nicht antwortete, stellte Sydney die zweite Frage, die sie sich stellte seit ihre Mutter ihr die Fotos gezeigt hatte: „Warum bist du heimlich zu Sloane gegangen?!“ Wieder keine Antwort, seitens der Argentinierin. „Nadia, ich hab dich was gefragt!“ sagte Sydney und machte einen Schritt auf ihre Schwester zu. Weiss und Jack erhoben sich von ihren Plätzen, bereit, Sydney davon abzuhalten, ihre Schwester zu schlagen.

„Weil ich etwas getan habe, mit dem ich nicht zu euch kommen konnte. Oder zumindest dachte ich das“ sagte Nadia leise und erntete überraschte und fragende Blicke. Bevor sie den Mut verlor, alles zu beichten, beschloss die Agentin schnell weiterzumachen. „Es war vor ein paar Wochen. Der Covenant hatte das Vertrauen zu mir verloren und verlangte einen Loyalitätsbeweis von mir. Katya hat mich also damit beauftragt den amerikanischen Botschafter zu töten. Robert Kingsley. Als Beweis für meine Tat sollte ich ihr seinen Kopf bringen.“ Irina, Jack, Sydney, Weiss und Vaughn wirkten fassungslos angesichts dieses Geständnisses, aber weitaus fassungsloser als über das Geständnis selbst waren sie darüber, dass Nadia es tatsächlich getan hatte.
Als die Schwarzhaarige mit ihrer Erzählung fortfuhr, zitterte ihre Stimme und die Tränen rannen ihr unkontrolliert über die Wangen. „I-Ich wusste nicht was ich tun sollte. Ihr hattet damals weitaus größere Probleme, also wollte ich euch damit nicht belasten. Sark ist dann zu mir gekommen und hat mir gesagt, dass mein Vater mir seine Hilfe anbietet. Zuerst war ich skeptisch, aber dann habe ich Kingsley getötet und ich hatte Angst davor wie ihr reagieren könntet, wenn ihr es raus findet. Also bin ich schließlich doch zu ihm gegangen und hab ihn um Hilfe gebeten. Er hat die Überwachungsbänder manipuliert, so dass ich nicht als Mörderin entlarvt werden konnte.“ Nadia verstummte und sah zu Boden, wagte es nicht den Anderen in die Augen zu sehen.

Sydneys Gesichtsausdruck war während Nadias Erzählung noch viel härter geworden, aber auch sehr viel verletzter. Am meisten traf das Geständnis aber Weiss, den viele Fragen quälten. Die wohl wichtigste für ihn war, ob ihre Liebe zu ihm vielleicht nicht stark genug war, um ihm so etwas anzuvertrauen. Hatte sie überhaupt je Vertrauen zu ihm gehabt? War ihre Liebe auch nur eine Lüge gewesen?
Plötzlich hielt er es nicht mehr in dem Raum aus, hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. „Ich muss hier raus! Ich kann nicht…“ Er machte sich gar nicht mal mehr die Mühe seinen Satz zu vollenden und stürmte hinaus. Nadia, die aufgesehen hatte, stand auf, drehte sich zur Tür und rief „Eric!“ Doch aufhalten konnte ihn das nicht.
„Setz dich sofort hin! Wir waren noch nicht fertig“ schnappte Sydney in einem bedrohlichem Tonfall.
„Sydney, lass es.“ Überrascht davon, dass Irina sich zum ersten Mal seit Konfrontationsbeginn einschaltete und bei ihren Worten sogar aufgestanden war, wandte sich die Braunhaarige zu ihrer Mutter um.
„Du kannst sie nicht in Schutz nehmen nach allen was sie mir…was sie uns allen angetan hat. Sie hat uns belogen!“ Damit wandte sich die Agentin wieder ihrer Schwester zu. „Dabei sollte sie doch eigentlich wissen, dass es in unserem Leben schon genug Lügen gibt.“
„Ich will sie nicht in Schutz nehmen“ wandte sich Irina harten Gesichtsausdrucks zuerst an Sydney, die sie ansah, dann an Nadia. Und während die Blicke der ehemaligen KGB-Agentin und ihrer jüngeren Tochter sich traten, fällte Irina eine Entscheidung. Ohne den Blick von Nadia abzuwenden, sagte sie: „Ich wäre jetzt gern mit Nadia allein. Geht bitte.“
„Aber, Mom…“ protestierte Sydney, doch Irina schnitt ihr das Wort ab: „Bitte, Sydney. Geht. Alle.“

Jack, Sydney und Vaughn kamen seufzend dieser Aufforderung nach. Jack schloss als Letzter hinter sich die Tür, jedoch nicht ohne seiner Frau noch einen langen Blick zuzuwerfen. Diese nickte ihm aufmunternd zu, woraufhin der Agent die Tür endgültig schloss.
 „Setz dich an den Tisch.“ Es war vielmehr ein Befehl von Irina als eine freundlich gemeinte Bitte. Nadia war verunsichert, weil sie nicht wusste was sie erwarten würde, kam der Aufforderung aber schließlich doch nach, auch wenn ihr dabei unbehaglich zumute war. Die Agentin nahm nur zwei Stühle von ihrer Mutter entfernt Platz und wich ihrem bohrenden Blick aus, der so schien als würde Irina versuchen herauszufinden was in ihrer jüngeren Tochter vorging.
Eine Weile herrschte Stille zwischen den beiden Frauen, solange bis Irina sie durchbrach. „Sag mir was ich mit dir machen soll.“ Diese Worte brachten Nadia dazu verwirrt aufzusehen. „Ich kann dich nicht schlagen oder einsperren. Also was soll ich machen? Sag’s mir.“ Die Schwarzhaarige schien auf diese Frage keine Antwort zu wissen und senkte deshalb ihren Blick schnell wieder. „Also, Nadia, ich wüsste zu gern was in deinem Kopf vorgeht. Warum bist du nicht zu mir gekommen? Verdammt noch mal, ich bin deine Mutter! Es ist meine Aufgabe für dich da zu sein, wenn ich das schon die letzten 23 Jahre versäumt habe, dann wenigstens jetzt!!“ Nadia war überrascht, um nicht zu sagen schockiert von diesem Gefühlsausbruch ihrer Mutter. Gerade oft kam das nämlich nicht vor.

Schließlich brachte sie doch einen leisen Ton heraus. „Es tut mir leid.“
Die ehemalige KGB-Agentin wirkte überrascht, ihre Gesichtszüge wurden weicher. „Soll ich dir was sagen? Das glaube ich dir sogar.“
„Dann.“ Begann Nadia vorsichtig. „bist du nicht wütend?“
„Ich bin verletzt, das ist was anderes als wütend, aber es kommt Wut schon sehr nahe“ bemerkte Irina nüchtern.

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Mit ein paar schnellen Schritten holte Vaughn seine Verlobte ein und berührte sie sanft an der Schulter, um sie so dazu zu bringen, sich zu ihm umzudrehen. „Hey. Alles in Ordnung?“ fragte er besorgt als er in Sydneys tränenverschmiertes Gesicht sah.
„Nein. Vaughn, gar nichts ist in Ordnung!! Ich dachte die ganzen Lügen und Zweifel hätten ein Ende jetzt nachdem meine Eltern wieder zusammen sind, sogar zusammenarbeiten und wir uns endlich gefunden haben! Ich bin zum ersten Mal richtig glücklich, doch dann….“ Sydney schüttelte mit dem Kopf um den Heulkrampf zu unterdrücken, der sich anbahnte. Michael sparte sich eine Erwiderung und schloss die Agentin sanft in seine Arme.

Während sie ihren Kopf in seiner Schulter vergrub und ihren Gefühlen freien Lauf ließ, küsste er ihr Haar und streichelte beruhigend über ihren Rücken.
„Es wird alles gut, Schatz. Glaub mir“ versuchte er sie zu beruhigen, wobei er von seinen Worten selbst nicht recht überzeugt war.
Sydney löste sich von ihm und sah ihm tief in die Augen. „Woher willst du das wissen? Wie kann alles gut werden? Meine Schwester hat einen Menschen getötet, sie hat sich heimlich mit dem Mann getroffen, der für den Tod von Danny und Francie verantwortlich ist. Vielleicht..“ Die Agentin machte eine Pause, in der sie die Lippen aufeinander presste. Sie schüttelte mit dem Kopf und versuchte sich selbst klarzumachen, dass die Aussage, die sie im Begriff war zu machen, absolut unberechtigt war, aber dennoch war da dieses Gefühl und es ließ sich einfach nicht abstellen. „Vielleicht war es meine Schuld, Vaughn. Ich habe gemerkt, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Ich hätte früher reagieren müssen, irgendwas sagen oder tun…“ Michael unterbrach ihren Redeschwall mit einem innigen Kuss. Abgelenkt durch diesen vergaß Sydney was sie eigentlich hatte sagen wollen, legte ihre Hände auf seinen Hinterkopf und zog ihn an sich.


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Noch immer vermied es Nadia, Blickkontakt zu ihrer Mutter aufzunehmen, während diese sie erwartungsvoll musterte. „Ich könnte es verstehen, wenn du….na ja….nicht mehr mit mir zusammen…..“
„Nadia“ unterbrach Irina sie sanft, kam näher und legte ihren Zeigefinger unter Nadias Kinn, so dass diese gezwungen war, sie anzusehen. Die ehemalige KGB-Agentin sah Tränen in den Augen ihrer Tochter schwimmen. Einerseits weckte dies in ihr den Impuls, Nadia in die Arme zu schließen, andererseits fand sie es nur gerecht, dass ihre jüngere Tochter da durch musste. Schließlich hatte Nadia auch sie zutiefst enttäuscht.
Die ganze Familie würde Zeit brauchen und jeder auf seine Weise versuchen mit dem Vertrauensbruch umzugehen. Nadia würde es dabei am schwersten haben, weil sie sich das Vertrauen erst wieder verdienen musste. Irina, und schon gar nicht Sydney, würde es ihr leicht machen.
„Schatz, du weißt, ich liebe dich“ fügte Irina ihren Worten ernst hinzu. Die Argentinierin ahnte schon, dass ihre Mutter gleich noch ein Aber hinzufügen würde, was Sekunden später auch eintrat: „Aber du musst dich zwischen deinem Vater und Sydney und mir entscheiden. Beides geht nicht.“

Die Schwarzhaarige unterdrückte ein lautes Seufzen. Ihre Augen weiteten sich schockiert.  „Du weißt gar nicht was du da von mir verlangst, Mom“ antwortete sie kopfschüttelnd.
Irina nickte traurig. „Ich weiß was das für dich bedeutet.“ Sie versuchte aufmunternd in Richtung ihrer Tochter zu lächeln, erzielte aber nicht den gewünschten Erfolg, denn Nadias Mine blieb von trauriger Nachdenklichkeit gezeichnet.
„Ich glaube nicht, dass Sydney und Eric mir je verzeihen, dass ich sie belogen habe“ wechselte Nadia plötzlich das Thema und richtete ihren Blick wieder geradeaus, geradewegs an die weiße, langweilig wirkende Wand nur um woanders hinzusehen als in das melancholische und verletzt wirkende Gesicht ihrer Mutter. Ihr schlechtes Gewissen war auch so schon schlimm genug. Irina anzusehen hätte alles nur noch schlimmer gemacht, zumal sie sich so um ihre Tochter bemüht hatte.

Die ehemalige KGB-Agentin legte ihre Hände auf die Armlehnen auf ihrem Stuhl, sah kurz auf ihren Schoß und dachte über eine Antwort nach. Sie wollte Nadia nicht entmutigen, gleichzeitig aber auch keine Hoffnungen in ihr wecken, die möglicherweise später enttäuscht werden konnten. „Ich kenne deinen Freund nicht besonders gut. Es blieb keine Zeit, ihn richtig kennen zu lernen. Aber dafür kenne ich Sydney.“ Und als sie Sydney ansprach, wandte sich Irina ihrer Tochter zu, die den Blick ihrer Mutter erwiderte. Es schien fast so, als keime ein Fünkchen Hoffnung in Nadia auf. „Sie ist jetzt verletzt, aber irgendwann renkt sich auch das wieder ein. Alles was du tun kannst ist, ihr Zeit zu geben.“
„Wenn sie dafür irgendwann wieder mit mir redet, nehme ich eine längere Wartezeit gern in Kauf.“ Das Lächeln, das auch schon Eric in seinen Bann gezogen hatte, kehrte wieder zu Nadia zurück und sie beendete die Unterhaltung mit einem gehauchten „Danke, Mom.“
Irina antwortete darauf nicht, sondern schloss sie nur wortlos in ihre Arme. „In Zukunft kommst du zu mir, wenn du Probleme hast, einverstanden? Mein Büro steht für dich rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche offen.“

Nadia zögerte etwas und antwortete schließlich: „Okay.“ Irina lächelte über die Schulter ihrer Tochter hinweg, war zufrieden und erleichtert. Sie war sich sicher, dass Nadia sich schon für eine Seite entschieden hatte: Gegen Sloane und für sie. Die ehemalige KGB-Agentin war erleichtert und strich ihrer Tochter sanft mit der Hand über den Rücken.

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Zürich, Schweiz

Sloane nippte an seinem Kaffee ohne dabei seinen Blick von den beiden Herren abzuwenden, die ihm gegenüber an dem runden Tisch Platz genommen hatten. „Caleb Vales und Regis Lacroix.” Der ehemalige Leiter von SD-6 verzog die Mundwinkel zu einem spöttischen Grinsen. „Ich kenne die Arbeit der französischen Mafia. Sehr beeindruckend.“
Regis nickte Arvin höflich zu, obwohl er sich nicht sicher war, was er von der herablassenden Haltung seines Gegenübers halten sollte.
Neben Sloane saß Sark, der es aber vorzog, sich noch im Hintergrund zu halten und abzuwarten wohin die Unterhaltung führte.
„Also.“ Sloane faltete die Hände ineinander und musterte Caleb und Regis neugierig. „Was führt sie zu mir?“

„Wir leiten eine neue Organisation, Mister Sloane, von der sie sicher noch eine Menge hören werden.“ Caleb ließ diese Worte erst sacken und nippte an seinem Cappuccino um Zeit zu schinden und Sloanes Neugier noch zu steigern. „Wir sind an Rambaldis Puzzle interessiert. Der Covenant hat aber die meisten der benötigten Teile.“
„Das heißt, es dürfte schwierig werden das Puzzle zusammen zu setzen. Sie brauchen dazu alle Teile und müssen sie richtig interpretieren um herauszufinden wie die Prophezeiung lautet“ erklärte Arvin, erneut an seinem Kaffee nippend.
Vales und Lacroix nickten ernst. Einen Augenblick, in dem alle Beteiligten über das Gesagte nachdachten, herrschte Schweigen.
„Sie möchten, dass wir ihnen die erforderlichen Teile beschaffen“ mutmaßte Sark und brachte sich damit in das Gespräch ein. Regis, der die ganze Zeit über still gewesen war, wechselte in seiner Aufmerksamkeit von Sloane zu dem blonden, jungen Mann.
„Wir möchten, dass sie den Covenant zerschlagen damit wir an die Teile herankommen“ stellte der Franzose klar. Dann wandte er sich an Sloane. „Das dürfte doch in ihrem Interesse sein, nicht nur wegen Rambaldi, sondern auch wegen ihrer hübschen Tochter.“

Schlagartig veränderte sich Sloanes Mine und man konnte förmlich die Verärgerung, die über diese Bemerkung in ihm wuchs, in seinem Gesicht ablesen. Regis ahnte, dass er einen Fehler gemacht hatte und wechselte einen Blick mit seinem Partner, der kaum merklich mit den Achseln zuckte. Es war zu spät, um den Fehler zu bereinigen. Das Kind war im Brunnen. „Meine Tochter hat mit dieser Sache nicht das Geringste zu tun also halten sie, sie da draus“ sagte Arvin in so betont ruhigem Ton wie möglich.
Auch wenn Caleb es undiplomatisch von Regis gefunden hatte, Sloane auf seine Tochter anzusprechen, so musste er doch zu bedenken geben: „Das dürfte schwierig werden. Immerhin ist sie der Passagier. Aber trotzdem…“ Caleb machte eine Pause, in der er in die Brusttasche seines schwarzen Sakkos griff und eine Zigarette zutage förderte, die er sich anzündete und einen kräftigen Zug nahm. „sind wir nicht an ihr interessiert. Bis jetzt wollen wir lediglich die Puzzle-Teile und herausfinden worum es bei dieser Prophezeiung geht. Möglicherweise ist sie uns von Nutzen und die Rambaldi-Artefakte sind zudem von unschätzbarem Wert.“
„Sie wollen die Puzzle-Teile verkaufen?!“ fragte Sark ungläubig, glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Kein Preis der Welt war es wert, diese Artefakte zu verkaufen. Nicht nachdem er, Irina und Sloane schon solange nach einem höheren Sinn in Rambaldis Arbeit gesucht hatten.

„Mister Sark, wir wollen nur diese verdammte Prophezeiung knacken. Das Geld für die Artefakte können wir gut gebrauchen um The Hand finanziell am Leben zu erhalten. Es gibt weitaus größere Dinge, mit denen wir uns beschäftigen“ antwortete Regis gelassen.
„The Hand? Ihre Organisation, wie ich annehme?“ hakte Sloane nach und erhielt keine Antwort, was ihm auch reichte, wusste er doch, dass das Schweigen der beiden Männer ihn in seiner Vermutung bestätigte. „Wenn ich ihnen helfe, den Covenant zu Fall zu bringen, darf ich davon ausgehen, dass wir die Prophezeiung gemeinsam entschlüsseln?“

Caleb und Regis wechselten einen Blick miteinander und antworteten schließlich mit einem übereinstimmenden Nicken. „Ehrlich gesagt, sind wir deshalb auch zu ihnen gekommen. Wir brauchten einen Rambaldi-Experten. Weltweit gibt es nur zwei Spezialisten, was Rambaldis Schriften angeht: Sie und Irina Derevko.“
Sark und Sloane mussten ein Grinsen unterdrücken. Irina dürfte wohl kaum bereit sein, den beiden Herren zu helfen, war sie doch zur CIA übergewechselt und arbeitete mit ihren Töchtern zusammen. „Einverstanden. Ich helfe ihnen, aber nur, wenn wir uns austauschen, gleichwertige Partner sind und sie mir versprechen, dass meiner Tochter nichts geschieht.“ ging der ehemalige Leiter von SD-6 schließlich auf das Angebot ein, auch wenn er noch nicht wusste was er davon halten sollte.
Caleb und Regis stimmten sofort zu. Zu schnell, wie Sark fand, aber keine Bemerkung darüber machte, sondern entschied, vorerst stumm misstrauisch zu bleiben.

Regis holte eine blaue Mappe aus dem Aktenkoffer heraus, den er mitgebracht hatte, und reichte ihn Sloane. „Darin finden sie eine Liste mit Konten, Namen und Adressen von Covenant-Mitgliedern. Das Wichtigste Mitglied von allen ist, aber der Leiter des Covenant. Dragoslav Zirkowskov. Es geht das Gerücht, er habe den Covenant gegründet, aber genau weiß das keiner. Wenn er erstmal aus dem Verkehr gezogen ist, bricht die ganze Organisation in sich zusammen.“ Regis legte seine kalt gewordenen Hände auf die warme Kaffeetasse und verfluchte die Kälte der Schweiz in Gedanken. Obwohl Sloane die Heizung fast ganz aufgedreht hatte, herrschte immer noch eine Eiseskälte. Und das obwohl der Sommer mit großen Schritten näher kam.
„Sie müssten also alle Geldquellen des Covenant eliminieren und Dragoslav Zirkowskov ausschalten um den Covenant los zu werden“ fasste Caleb die Ausführungen seines Partners noch mal zusammen.
Sark und Sloane tauschten einen Blick. Der blonde Agent war sich sicher, dass sein Boss sich bereits einen Plan zurecht gelegt hatte.

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Moskau,
Russland


Sydney steckte sich die Wasserflasche ein, überprüfte ihren Rucksack noch mal darauf, ob sie ein Handtuch eingesteckt hatte und war schon an der Tür als sie Nadia in die Arme lief. Nicht wissend wie sie reagieren sollte, machte Sydney gar nichts, sondern starrte ihre Schwester einfach nur an.
Nadia hingegen wich ihrem Blick aus, da sie die Verletztheit und Wut, die aus ihm sprach nicht ertragen konnte und dabei Sydney ihre Wut nicht übel nahm. Im Gegenteil. Gäbe es einen Weg alles rückgängig zu machen, Nadia hätte ihn eingeschlagen.
„Syd, wir sollten reden“ versuchte die Schwarzhaarige ein Gespräch anzufangen. Doch wie zu erwarten, stieß sie bei ihrer großen Schwester auf taube Ohren.
„Was sollen wir beide denn noch bereden?! Du hast mich belogen!!! Ich habe dir vertraut! Mich zu belügen und einen Mord zu vertuschen, hätte ich vielleicht von Mom erwartet, aber nicht von dir. Nicht von dir.“ Der braunhaarigen Agentin standen Tränen in den Augen. „Und nicht mal Mom hätte mich so verletzen können wie du es getan hast.“

Nun standen auch Nadia Tränen in den Augen, während sie verzweifelt nach einem Weg suchte, ihrer Schwester beweisen zu können, dass es ihr mit einer Wiedergutmachung ernst war und sie wirklich bereute was sie getan hatte. Vor allem bereute sie es, die Menschen, die ihr am meisten bedeuteten, verletzt zu haben. „Es tut mir leid“ murmelte die Schwarzhaarige, dabei bewusst den Blick ihrer Schwester suchend.
„Das ändert jetzt auch nichts mehr. Wir beide sind keine Freunde mehr.“ Damit setzte sich Sydney in Bewegung um mit dem Joggen anzufangen. Bevor sie sich aber von Nadia entfernte, drehte sie sich noch mal zu ihr um. „Weißt du Sark redet vielleicht eine Menge Müll, aber an einer Sache war etwas Wahres dran: Wenn man schwarz und weiß miteinander mischt, erhält man grau und egal wie viel weiß man versucht hinzu zugeben, man erhält doch nichts anderes als grau.“ Die Braunhaarige ließ diese Worte einen Moment sacken, auf die hin Nadia ihren Blick beschämt gesenkt hatte.
Sydney musste ihre Worte nicht erklären, damit die Argentinierin verstand, tat es aber trotzdem: „Nichts was du sagst oder tust ändert etwas an dem was du getan hast.“ Damit ließ Sydney ihre Schwester endgültig stehen und trat ihren Lauf an, während Nadia sich auf die Treppe vor ihrem gemeinsamen Appartement setzte und so heftig weinte, dass sie dachte damit nie wieder aufhören zu können. Zu diesem Zeitpunkt war es unvorstellbar, dass Sydney und sie je wieder normal miteinander umgehen würden.

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Zürich,
Schweiz


Caleb und Regis waren schon eine ganze Weile weg und auch Sark hatte seinen Boss, auf dessen Wunsch hin, allein gelassen.
Der ehemalige Leiter von SD-6 lehnte sich in seinen Sessel in seinem Privatappartement zurück, griff zögernd zum Handy und wählte die Nummer von Nadia.
„Hallo, Nadia.“
„Hier ist nicht Nadia, Arvin“ antwortete Irina anstelle ihrer Tochter.

Sloane lehnte sich überrascht nach vorne und war für einen Moment zu sprachlos um etwas erwidern zu können. Was war passiert? Hatte Nadias schlechtes Gewissen sie am Ende doch übermannt? Hatte Irina es von selbst raus gefunden oder hatte Sydney etwas bemerkt und es ihrer Mutter erzählt?
Doch um den Fragen entgegen zu kommen, erklärte Irina sich selbst. „Ich weiß, dass sie sich heimlich mit dir getroffen hat. Wir alle haben sie zur Rede gestellt und nachdem sie gegangen ist, ließ ich einen Satelliten so programmieren, dass all ihre Anrufe zuerst zu mir durchgestellt werden. Ich wusste, du würdest dich wieder bei ihr melden.“ Sloane konnte Irinas immer breiter werdendes Grinsen nicht sehen und obgleich auch sie ihn nicht sehen konnte, wusste sie, dass er schockiert war.

„Wo ist sie?“ fragte er die ehemalige KGB-Agentin, weil ihm keine Erwiderung auf ihre Erklärung einfiel und weil die Sorge um Nadia sein erster Gedanke war. Immerhin würde es, wenn Sydney, Jack und Irina davon wussten, nicht lange dauern bis auch die CIA erfahren würde, wer Kingsley ermordet hatte. Dass Nadia dann mit Konsequenzen, möglicherweise der Todesstrafe, rechnen musste, stand außer Frage. „Wo ist meine Tochter?“ Als er die Frage wiederholte, war seine Stimme nichts weiter als ein Flüstern.

„Ich sage dir jetzt etwas, das ich dir schon mal gesagt habe, als du vor ein paar Jahren mir gegenüber deine Liebe zu Sydney erwähnt hast: Du hast es vielleicht nötig, dich als noblen Vater und Ehemann zu sehen, aber ich durchschaue dich! Dir war unsere Tochter nie..“
„Ich hab sie versucht zu beschützen als ich die Überwachungsbänder ausgetauscht habe! Du weißt welche Konsequenzen es für sie hat, wenn die CIA davon erfährt!“ fiel Sloane ihr ins Wort und war zornig aufgesprungen.
„Nein, das stimmt nicht“ konterte Irina ruhig. „Dir war es nur wichtig, weil es dir genützt hat. Ich kenne einen Teil der Prophezeiung und ich weiß, dass Nadia eine Rolle in der Katastrophe spielt, die da auf uns zukommt und die Rambaldi prophezeit hat. Halt dich von ihr fern! In deinem Interesse!“
Sloane sah ein, dass ein Streit ihn nicht weiterbringen würde und er sich fügen musste, obwohl die Drohung von Irina ihn nicht einschüchterte.  An seine Tochter würde er jetzt erstmal nicht mehr herankommen. Trotzdem konnte Irina etwas für ihn tun. „Gut. Dann sage ich dir jetzt etwas, das ich eigentlich Nadia erzählen wollte.“
Irina, hellhörig geworden, hörte genau zu als Sloane ihr von seinen Informanten, wie er Caleb und Regis bezeichnete, erzählte. Dass diese vorhatten, die Rambaldi-Artefakte an sich zu bringen verschwieg er ihr allerdings.
Was er ihr nicht verschwieg war die Tatsache, dass jetzt der Name des Leiters des Covenant bekannt war: Dragsolav Zirkowskov. „Ich könnte sämtliche Konten und Geldquellen des Covenant einfrieren, so dass sie nie wieder das Geld haben werden um ihre Operationen wieder aufzunehmen. Aber bei Zirkowskov brauche ich deine Hilfe, Irina. Du könntest Sydney und Nadia damit beauftragen ihn zu suchen und festzunehmen, sowie alle anderen führenden Agenten. Ein bisschen Rauch, ein starker Auftritt und Sydney und Nadia wären frei. Sie könnten wieder in die Staaten zurückkehren.“

Eigentlich lag es Irina fern, mit Sloane zusammen zu arbeiten, aber dass Sydney und Nadia ihre Freiheit wieder haben würden und sie außerdem die Chance hatten den Covenant zu zerschlagen und sich an Katya zu rächen, war ihr wichtiger als ihr persönlicher Groll gegen ihn. „Ich rede mit ihnen. Das ändert aber nicht das Geringste an dem was ich gesagt habe. Ich werde dafür sorgen, dass du Nadia nie wieder siehst.“
Arvin musste über ihr Engagement schmunzeln, weil es ihn sehr an Nadia erinnerte. Dieselbe Leidenschaft und dasselbe Feuer kannte er auch von ihr und einmal mehr realisierte Sloane wie ähnlich sie und Sydney ihrer Mutter doch waren. „Wenn du glaubst, dass ich meine Tochter so einfach aufgebe, hast du dich getäuscht. Ich rufe wieder an.“ Mit diesen Worten legte Arvin auf, während eine missgelaunte Irina in Russland auf das Telefon starrte, als erwarte sie ein erneutes Klingeln.

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Vier Stunden später hatten sich sowohl Sydney und Nadia, als auch Weiss, Vaughn und Jack im Besprechungsraum eingefunden. Die Atmosphäre war angespannt und das nicht nur, wegen Nadias Vertrauensbruch, sondern auch weil Irina ihnen gerade von dem Telefonat mit Sloane erzählt hatte.
Jack sprach schließlich aus was jeder dachte: „Und wenn das eine Falle ist? Sloane ist eine nicht gerade verlässliche Quelle.“ Alle Augen richteten sich auf Irina, als erwarte man ihre Meinung.
Diese zuckte mit den Achseln und setzte sich neben ihren Mann. „Mag sein, aber was hätte er davon uns anzulügen? Er ist hinter Rambaldi her, genau wie der Covenant und der Rest der Welt. Den Covenant auszuschalten käme ihm nur gelegen. Außerdem kann man über ihn sagen was man will, aber ich glaube nicht, dass er Nadia bewusst in Gefahr bringen würde.“ Den letzten Satz sagte die ehemalige KGB-Agentin in einem Murmeln und wenig Überzeugung, während Nadia beschämt ihren Kopf zur Seite neigte.

„Andererseits sind wir Sloane auch ein Dorn im Auge, Mom“ gab Sydney zu bedenken, ohne auf die Bemerkung bezüglich Nadia einzugehen.
„Ja, aber sollen wir uns wirklich diese Chance entgehen lassen nur weil wir Sloane misstrauen? Das wäre die Chance nach Los Angeles zurück zu kehren“ widersprach Vaughn mit bedeutungsschwerem Lächeln. Die braunhaarige Agentin sah so aus als hätte sie diesem Argument nichts mehr entgegen zu setzen und wandte ihren Blick von ihrem Verlobtem ab und ihrer Mutter zu.
„Hast du schon einen Plan, Mom?“ schaltete sich Nadia ein um die entstandene Stille zu durchbrechen. Den eiskalten Blick seitens Sydneys versuchte sie zu ignorieren, auch wenn er sie verunsicherte. Hoffentlich unterliefen ihnen im Einsatz keine Fehler aufgrund ihrer Differenzen. Und dann war da auch noch ihre Beziehung zu Eric, die noch gänzlich in der Schwebe stand, da Nadia bisher noch nicht die Gelegenheit gehabt hatte, ihren Freund zu sprechen. Sie hatte auch den Eindruck, dass dieser nicht gerade scharf darauf war.
Jedes Mal wenn die Schwarzhaarige versuchte Blickkontakt zu ihm herzustellen, wich er ihrem aus und blickte stattdessen kontinuierlich zu Irina.

„Allerdings“ nickte Irina auf Nadias Frage hin nur. „Ich habe nach Sloanes Anruf ein wenig recherchiert. Zirkowskov hat seinen Sitz in St. Petersburg. Von dort aus erteilt er Befehle an seine Agenten und leitet den Covenant. Er selbst hat sich nie in Moskau blicken lassen, was wahrscheinlich auch der Grund dafür ist, dass bis jetzt niemand gewusst hat wer nun eigentlich den Covenant leitet.“
„Ein cleverer Schachzug. Zirkowskov kann sich so in der ganzen Welt unerkannt von CIA, FBI, FSB, SVR, BND und anderen Geheimdiensten frei bewegen. Außerdem funktioniert der Covenant wie eine Einheit. Schneidet man den Kopf des Ganzen ab, zerbricht der Rest und die Organisation fällt in sich zusammen“ warf Jack ein.
„Wir bilden Teams: Sydney, Vaughn. Ihr fahrt zusammen mit einem Agententeam nach St. Petersburg.“ Irina schob Sydney und Vaughn ihre schwarzen Mappen zu, in denen sie die Einsatzinformationen, sowie Informationen zur technischen Ausrüstung fanden. „Außerdem findet ihr einen Plan von Zirkowskovs Grundstück in der Mappe. Verschafft euch Zutritt und nehmt Zirkowskov fest. Zeitgleich wird ein zweites Team, bestehend aus Nadia, Weiss,  mir und fünf weiteren Agenten, die Covenant-Zentrale in Moskau stürmen, die Büros zerstören, alle verfügbaren Informationen an uns bringen und die Agenten festnehmen, die keinen Widerstand leisten. Jack leitet die Operation von hier aus und wird zu beiden Teams Funkkontakt halten.“

„Was ist mit Katya?“ wollte Sydney wissen, woraufhin Irinas Mine sich schlagartig verfinsterte.
„Um Katya kümmere ich mich“ war die Antwort der ehemaligen KGB-Agentin. „Während wir den Covenant stürmen, werden Sark und Sloane alle Geldanlagen und –quellen des Covenant lahm legen, so dass niemand mehr die Gelegenheit haben wird, die Organisation wieder aufzubauen. Noch Fragen?“ Irinas suchender Blick glitt in die Runde, aber niemand antwortete. „Also los. Viel Glück!“

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St. Petersberg,
Russland


„Team Alpha in Stellung“ flüsterte Sydney, die kriechend mit Vaughn und zehn bis auf die Zähne bewaffneten, in schwarz gekleideten Agenten, duckend in einem Gebüsch in Stellung ging, das sich genau gegenüber von Zirkowskovs Villa befand.
„Verstanden. Team Beta? Wie sieht’s bei euch aus?“ fragte Jack, der das Head-Set aufsetzte und angespannt an seiner Krawatte zupfte.
„Sind ebenfalls in Stellung, Basis“ antwortete Irina, die das zweite Team in Moskau anführte. Bevor Jack beiden Teams den Befehl zum einschreiten gab, überprüfte er noch mal die Monitore auf die Position der einzelnen Wachposten.
„Irina, Katya befindet sich in ihrem Büro im zweiten Stock.“ Sydneys Vater zögerte damit den Befehl zum Angriff zu geben und hoffte, dass alles gut gehen würde. Als alle Beteiligten langsam ungeduldig wurden, gab er endlich das Signal, rein zu gehen.

Sydney und Vaughn setzten sich grüne Skimasken auf, farblich passend zu ihren kugelsicheren Westen und den Hosen, an denen sich viele verschiedene Taschen befanden, in die sie Waffen wie Handgranaten, Messer, Munition und kleinere Pistolen verstaut hatten.
Sydney bedeutete dem restlichen Team, das zeitgleich mit ihren Teamleitern die Masken angezogen hatte, winkend, dass der Angriff startete.
Fünf näherten sich mit Sydney dem Hintereingang, während die übrigen fünf mit Vaughn am Haupteingang in Stellung blieben. „Unser Zugriff erfolgt erst, wenn wir von Agent Bristow das Signal bekommen“ erklärte der blonde Agenten seinem Team noch mal eindringlich. Alle nickten.

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Auch Weiss, Irina, Nadia und die restlichen Agenten hatten ihre Masken aufgesetzt. Hier war es Irina, die dem Team das Zeichen zum Einrücken gab.
Man hatte beschlossen sich nicht lange mit einschleichen aufzuhalten, hätte bei der Bauart des Gebäudes, die nur einen Eingang hatte, der für einen effektiven Angriff geeignet war, auch gar nicht anders funktioniert.
So benutzte Nadia ihren Ausweis um sich Zugang zum Gebäude zu verschaffen. Wie erwartet, wurden sie sofort von den Überwachungskameras erfasst. Ein Alarm ging los und kurz darauf tauchten die ersten bewaffneten Agenten im langen Korridor auf, der zum Operationszentrum führte und fingen sofort an los zu feuern. Das Team um Irina feuerte zurück. Nadia und Weiss gingen links hinter einer Säule in Deckung, Irina verschanzte sich mit drei Agenten hinter der Rechten. Die übrigen beiden Agenten waren bereits tödlich getroffen zusammen gebrochen.
„Bis wir hier durch sind, ist Katya längst verschwunden“ seufzte Irina frustriert als sie vor einigen Kugeln hinter der Säule wieder in Deckung ging.
„Wir sorgen dafür, dass du bis zu ihr durch kommst“ sicherte Nadia zu und wechselte einen kurzen Blick mit Weiss, der sofort verstand. Beide kamen hinter ihrem Versteck hervor und gaben vor sich zu ergeben. Nah nebeneinander gingen sie auf die Agenten zu, die das Feuer eingestellt hatten und an Katya durchgaben, dass sie die Eindringlinge gefasst hatten. Plötzlich stolperte Nadia und als der Agent ihr auf helfen wollte, zückte sie blitzschnell das Tränengas in ihrer Seitentasche und sprühte es ihm in die Augen, so dass er nichts mehr sah. Weiss währenddessen nutzte die Gelegenheit seinem Gegner einen Kinnhacken zu verpassen, der ihn ins Taumeln brachte und setzte gleich mit einem zweiten Schlag nach, schnappte sich dann die Waffe, richtete sie auf den Agenten und drückte ab.

Irina nutzte den Tumult und rannte zwischen Agenten und Nadia und Weiss hindurch, erschoss zwei Agenten, die sie an der Flucht hindern wollten, bedankte sich noch bei ihrer Tochter und rannte die Treppen hinauf in den ersten Stock.

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Katya hatte keine Anstalten gemacht zu fliehen. Sie saß an ihrem Schreibtisch, als erwarte sie den Agenten, der sie festnehmen sollte. Dass ihre Schwester es war, die zur Tür in ihr Büro hereinkam, überraschte sie nicht im Geringsten.
Irina richtete die Waffe auf ihre Schwester und blieb in der Tür stehen. Einen Blick auf den Schreibtisch richtend, bemerkte sie die Waffe, die griffbereit in Katyas Nähe lag. Die ehemalige KGB-Agentin wusste, dass ihre Schwester keinen Versuch zur Flucht unternehmen würde, sonst wäre sie geflohen als sie die Gelegenheit dazu gehabt hatte. Also senkte Irina ihre Waffe und ging langsam auf den Schreibtisch zu, dabei nicht den Augenkontakt zu Katya verlierend und auch diese hielt Irinas Blick ruhig stand. „Wieso hast du nicht versucht zu fliehen? Ich hatte schon erwartet, dass du weg bist“ begann Irina in ruhiger, gleichmäßiger Stimme und achtete auf jede Bewegung, die ihre Schwester machte.

Zuerst blieb Katyas Gesicht regungslos und es schien, als würde sie keine Anstalten machen zu antworten. Doch als sie ihre beiden Hände auf den Tisch legte und schmunzelte, öffnete sie den Mund zu einer Antwort: „Ich bin schon sehr lange in diesem Geschäft, Irina. Ich wusste, wenn jemand den Covenant zu Fall bringen würde, würdest du es sein.“ In ihrer Stimme schwang ein wenig Stolz mit.
Irina hingegen runzelte die Stirn. Dass Katya diese Niederlage einfach so hinnahm, nahm sie ihr irgendwie nicht ab. Langsam kam sie näher und setzte sich auf den Stuhl, der vor dem Schreibtisch stand. Gerade schon als die im Begriff war, nachzufragen was Katya damit meinte, erklärte diese es ihr von selbst: „Die Rambaldi-Artefakte, die du zu finden hoffst, sind weg.“ Irinas Reaktion, die von Ärger und Überraschung bestimmt war, ließ sie grinsen.
„Ich nehme an, du wirst mir nicht sagen wer sie genommen hat?“ erwiderte Sydneys Mutter.

Statt zu antworten, griff Katya in die Schublade, rechts neben sich. Irina hob ihre Waffe an, als erwarte sie einen Angriff von ihrer Schwester. Doch diese lächelte nur und förderte eine Fernbedienung zu Tage, die sie hinter sich richtete und einen Knopf drückte. Hinter der getäfelten Holzwand tat sich ein Monitor auf und ein Überwachungsband wurde abgespielt, das maskierte Männer zeigte, die die Artefakte in Lieferwägen verluden.
„Es gibt einen neuen Spieler auf dem Feld. Und die Leute, die du hier siehst, arbeiten für ihn. Ihr wurdet reingelegt, Irina.“ Der Triumph in Katyas Stimme war nicht zu überhören und verärgerte Irina ein wenig.
„Nadia, Weiss. Geht sofort dorthin wo die Rambaldi-Artefakte aufbewahrt werden. Der Covenant wird von einem Dritten bestohlen“ sagte die ehemalige KGB-Agentin ohne ihren Blick von ihrer Schwester zu nehmen.

„Du hast verloren, Irina“ machte Katya spöttisch. Ihre Schwester verzog nicht die Mundwinkel. „Bringen wir’s hinter uns.“ In blitzschneller Bewegung packte Katya ihre Waffe, sprang auf und schoss, doch Irina war schneller und stieß den Schreibtisch um, so dass ihre Schwester unter ihm begraben wurde. Ein paar Minuten herrschte Stille. Irina atmete schwer und näherte sich langsam der Stelle, an der sie Katya vermutete.
Plötzlich stach ein Messer ihr ins Bein, das sofort zu bluten begann. Irina biss die Zähne zusammen, grunzte leise vor Schmerz. Ihre Schwester schälte sicht hinter dem Schreibtisch hervor und kam mit auf Irina gerichteter Waffe zu ihr. „Zuerst töte ich dich, dann Nadia und dann Sydney. Bevor ich mich auf zu deinem Mann mache und von seinen ganz speziellen Qualitäten profitiere“ sagte Katya und ein böses Grinsen zierte ihre Mundwinkel. Sie war so siegesgewiss, dass sie gar nicht darauf achtete, dass Irina kaum merklich den Griff um ihre Waffe verstärkte.
„Jack würde sich niemals mit dir einlassen!“ zischte Irina um ihre Schwester weiter abzulenken. Verachtung sprach aus ihrem Blick als Katya höhnisch lachte.
„Oh, Liebes das hat er schon. Frag ihn. Andererseits wirst du dazu gar nicht mehr die Gelegenheit haben.“ Gerade als Katya ihre Waffe hob und schießen wollte, kam Irina ihr zuvor und feuerte zweimal auf ihre Schwester. Eine Kugel traf sie im Bauch, die Zweite in der Brust, dort wo das Herz saß.
Die ehemalige KGB-Agentin stand auf, was ihr nur unter starken Schmerzen in ihrem Bein gelang, richtete einen letzten, hasserfüllten Blick auf ihre Schwester und verließ dann das Büro.

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Flughafen, Russland
2 Tage später


Agenten der CIA legten Nadia Handschellen an. Obwohl Irina schon von dem Augenblick an, in dem die Wahrheit herausgekommen war, gewusst hatte, dass Jack es der CIA melden musste und man ihre Tochter daraufhin verhaften würde, machte es sie doch ein wenig traurig, dass sie nichts für Nadia tun konnte. Zumindest noch nicht.

Irina hatte nicht bei Nadias Verhaftung unmittelbar dabei sein wollen und so stand sie auf der Empore, von der aus sich der Flugplatz, wo Nadia mit den Agenten stand, überblicken ließ. Die Empore bestand aus einer Glaswand, in der sich Irinas Gesicht spiegelte. Wenig später erschien in diesem Glas das Spiegelbild von Jack, als er sich neben sie stellte. „Die CIA hat das DSC schon für deine Ankunft vorbereiten lassen. Sie erwarten, dass du diejenigen findest, die die Rambaldi-Artefakte gestohlen haben. Sydney hat angerufen. Sie und Vaughn konnten Zirkowskov zum Glück festnehmen.“ Jack geriet ins Stocken. Schon nach ihrem Wiedersehen in Moskau hatte ihn Irina mit dem konfrontiert, was Katya ihr über ihn erzählt hatte. Jack hatte es nicht abgestritten.

Of all the things I believed in
I just want to get it over with
Tears from behind my eyes, but I do not cry
Counting the days, that pass me by


“Du hast mit Katya geschlafen.“ Es klang nicht wie ein Vorwurf, sondern wie eine Feststellung von Irina. Sydneys Vater senkte den Blick. Obwohl er sonst so gut mit Worten umgehen konnte, wusste er nicht was er antworten sollte. Es abzustreiten machte keinen Sinn, da Irina ihm zum Einen sowieso nicht glauben würde, und zum Anderen wollte er aufhören mit all den Lügen, die schon von Beginn an zwischen ihnen gestanden hatten. Ihre Ehe hatte angefangen mit einer Lüge.
„Ich kann nicht rückgängig machen was ich getan habe“ brachte Jack schließlich heraus. Irina sah ihn an und in sein bedauerndes Gesicht. Sie wusste, seine Reue war nicht gespielt und dennoch wusste sie nicht was es zu bedeuten hatte, dass er mit ihr geschlafen hatte. War das seine Rache für alles was sie ihm angetan hatte? War das ihre Strafe? Die ehemalige KGB-Agentin erwiderte nichts und wartete nur darauf, dass er etwas hinzufügte. Was Jack dann auch tat: „Ich kann mich nicht mal entschuldigen, denn das würde auch nichts ändern.“

„Du kannst es versuchen“ erwiderte Irina, für ihre Verhältnisse mit ungewöhnlich unsicherer Stimme.
Der CIA-Agent zögerte. „Ja, es tut mir leid.“
„War das die Strafe dafür, dass ich…“ Als seine Frau abbrach, wandte Jack seinen Blick ihr zu um überrascht und überstürzt festzustellen, dass sie Tränen in den Augen hatte.
„Nein war es nicht. Oder doch. Am Anfang. Irina, ich liebe dich! Ich liebe unsere Familie, zu der ich im Übrigen auch Nadia zähle. Ich weiß, das bedeutet jetzt gar nichts mehr, aber es tut mir ehrlich leid.“
„Schon gut.“ Irina wandte erneut ihren Blick nach unten. Inzwischen hatte sich zu Nadia und den Agenten auch Weiss gesellt. Er redete ein paar Worte mit den Agenten, die ihn und Nadia daraufhin allein ließen. „Es ist Vergangenheit. Katya ist tot und wir haben im Augenblick wichtigere Probleme“ fügte die ehemalige KGB-Agentin hinzu und fragte sich was Weiss ihrer Tochter wohl sagen würde.

I’ve been searching deep down in my soul
Words, that I’m hearing are starting to get old
It feels like I’m starting all over again
The last three years were just pretend


Nadias erwartungsvoller Blick ruhte auf Weiss. Dieser war zuerst nicht in der Lage sie anzusehen. Doch schließlich tat er es doch, aber als er sprach, war seine Stimme nur ein Zittern: „Deine Mutter hat mir eine Stelle beim DSC angeboten. Ich habe abgelehnt.“ Nadia nickte mechanisch, presste die Lippen aufeinander, während Tränen sich in ihren Augen sammelten.
„Ist es wegen mir?“ hauchte sie. Nun schwammen auch Tränen in Erics Augen. Dies war der Agentin Antwort genug. „Eric…“ Doch er unterbrach sie mit erhobener Hand.
„Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Ich habe mir sogar einzureden versucht, dass wir es noch mal miteinander versuchen können. Aber, dann ist mir klar geworden, dass das ein Fehler wäre, denn eine Beziehung basiert auf Vertrauen.“ Weiss machte sich nicht die Mühe seine Tränen und seine Verzweiflung vor ihr zu verbergen. Nadia sollte sehen wie sehr ihn ihre Lügen verletzt hatten.

Die Argentinierin hatte insgeheim schon gewusst, dass sie mit Eric am Scheideweg angekommen war. Trotzdem hatte sie noch den Funken Hoffnung gehabt, dass sie es in Amerika noch mal miteinander versuchen könnten. „Es tut mir leid“ flüsterte die Agentin mit tränenerstickter Stimme.
„Ich weiß. Trotzdem kann ich nicht so tun als wäre nichts passiert, verstehst du?“ Sie nickte und wischte sich eine Träne ab, die über ihre Nase gelaufen war. „Damit wir uns nicht mehr jeden Tag über den Weg laufen, was für uns beide schmerzhaft wäre, habe ich mich nach Langley versetzen lassen. Denn ich liebe dich einfach noch zu sehr und ich könnte es nicht ertragen, dich jeden Tag zu sehen nach allem was passiert ist.“ Eric liefen die Tränen bei diesen Worten unkontrolliert über die Wangen.
Die Schwarzhaarige hatte sich inzwischen ein wenig gefasst, auch wenn sie kaum in der Lage war zu sprechen. „Wie soll ich mich bloß von dir verabschieden?“
„Gar nicht“ antwortete Weiss, drehte sich um, ließ sie stehen und bestieg das andere Flugzeug, das Richtung Virginia flog. Die Agenten von vorhin tauchten wieder auf und führten Nadia in Handschellen zu dem Flugzeug, das nach Los Angeles flog.

And I say
Goodbye to you,
Goodbye to everything I thought I knew
You were the one I loved
The one Thing, that I tried to hold on to

I still get lost in your eyes
And it seems, that I can’t live a day
Without you
Closing my eyes and you chase my
Thoughts away
To a place where
I am blinding by the light
But it’s not right


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