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Teil 4

Los Angeles,
am nächsten Tag


„Ich habe vorhin mit Irina Derevko telefoniert“ verkündete Jack als Erstes nachdem er das Büro von Agent Kendall betreten hatte. Vaughn war auch da und stand nervös auf als Jack Irina erwähnte.
„Ist mit Sydney alles in Ordnung?“ fragte er bestürzt.
„Es geht ihr gut, Agent Vaughn. Allerdings haben wir ein Problem. Unsere Vermutungen sind zutreffend. Es ist sogar weitaus schlimmer als wir bisher angenommen hatten. Irina hat mir erzählt, dass es einen zweiten Teil der Rambaldi-Prophezeiung gibt, der verschlüsselt ist und nur von der Auserwählten, mit anderen Worten Sydney, dechiffriert werden kann! Sie könnte dabei sterben“ erwiderte Jack. Vaughn, der vollkommen durcheinander war, fragte sich wie Jack nach außen hin so ruhig sein konnte. Immerhin war seine Tochter in noch größerer Gefahr als anfangs vermutet.
„Was machen wir denn jetzt?“ fragte der blonde CIA-Agent die Hände in die Hüften gestemmt und zu allem bereit. Was immer nötig sein würde um Sydney zu beschützen, er würde es tun.
„Irina vermutet, dass Sark den zweiten Teil der Rambaldi-Prophezeiung bereits hat, aber nicht weiß wie der Text dechiffriert werden kann.“ Fuhr Jack fort, dabei abwechselnd Kendall und Vaughn ansehend.
„Dann sollten wir Sark aufsuchen und ihm den Text abnehmen bevor er herausbekommt wie man die Prophezeiung entschlüsseln kann“ schlug Kendall vor, stand auf und knöpfte sich sein Jackett zu.
„Gut. Ich melde mich freiwillig!“ rief Vaughn sofort. Stille. Jack und Kendalls Blicke, die sie miteinander wechselten, sprachen Bände. Offensichtlich waren sie von dem Vorschlag alles andere als begeistert. „Was?!“ fragte Vaughn ungeduldig.
„Halten sie das wirklich für eine gute Idee, Agent Vaughn? Ich meine wir alle würden es lieber sehen, wenn sie sich aus dem Fall raushalten. Ihre Gefühle für Sydney….“ Kendall wurde von Vaughn wütend unterbrochen: „Ja ich will sie beschützen und jeder weiß, dass ich schon zig Male Einsätze mit ihr und Jack bestritten habe. Im Übrigen ist er ihr Vater! Wieso halten sie ihn aus den Ermittlungen nicht raus, sondern mich?“
Kendall schien über das eben Gesagte nachzudenken und fand, dass Vaughn Recht hatte. Auch wenn Sydney davon wahrscheinlich nicht begeistert wäre, würde sie diese Unterhaltung mitkriegen. Diese Mission war gefährlicher als jeder Einsatz, den Vaughn und Sydney für die CIA schon zusammen bestritten hatten. „Also schön! Wir werden versuchen über ein abfangsicheres Netz die Adresse von Sark herauszubekommen. Vielleicht könnten sie, Jack, noch mal mit Irina Derevko in Verbindung treten. Sie wird zwar nicht viel sagen um ihre Tochter zu schützen, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert! Sobald wir die Adresse von Sark haben, werden sie, Agent Vaughn, zusammen mit Jack Bristow versuchen ihm den Text abzunehmen!“ schloss Kendall die Besprechung.

Mexiko,
Vorort von Acapulco,
zur selben Zeit


Es duftete bereits nach frischem Kaffee als Sydney aus dem Bad kam, geduscht und angezogen, und sich an den Tisch setzte. Irina erwartete sie bereits und so eine sorgenvolle Miene wie sie zur Schau stellte, ahnte Sydney, dass ihr ein ernstes Gespräch bevorstand. Sofort verdarben ihr die Sorgen um Vaughn und ihren Vater den Appetit, aber um ihre Mutter nicht noch mehr als ohnehin schon vor den Kopf zu stoßen, setzte sich Sydney trotzdem an den Tisch.
Vielleicht waren Jack und Vaughn ja gar nicht in Gefahr. Alles Mögliche konnte vorgefallen sein, was zum Beispiel mit dem zweiten Teil der Prophezeiung zusammenhing, den Irina erwähnt hatte. Verdammt warum konnte ihre Mutter nicht mal mit dem Versteckspielen aufhören und mit der Wahrheit rausrücken?! Sydney war sich sicher, dass sie mehr wusste als sie ihrer Tochter erzählt hatte.
„Morgen!“ sagte Irina. Da war er wieder! Dieser unbeschreiblich bohrende Blick ihrer Mutter, der jeden Menschen zu durchschauen schien und Sydney jedes Mal einen kalten Schauer über den Rücken jagte.
„Morgen!“ murmelte die CIA-Agentin und setzte sich zu ihr an den Tisch, während Irina ihr frischen Kaffee einschenkte. Wenn die Situation nicht so ernst gewesen wäre, wäre Sydney wahrscheinlich in schallendes Gelächter ausgebrochen. Wem wollten sie hier etwas vormachen? Sie waren nicht das normale Mutter-Tochter-Gespann. Sydney war Agentin bei der CIA, während ihre Mutter vielleicht sogar immer noch für den russischen Geheimdienst arbeitete.
„Wie war die Nacht?“ fragte Irina scheinbar um das Gespräch am Laufen zu halten.
„Schlaflos“ antwortete Sydney einsilbig und nahm schnell einen Schluck von dem Kaffee. Doch viel zu bald musste sie aufhören zu trinken, die Tasse abstellen und ihre Mutter ansehen. „Du siehst besorgt aus!“ stellte die CIA-Agentin an ihre Mutter gewandt fest.
„Sydney das hatten wir….“
„Hatten wir doch schon ja! Du hältst mich nach wie vor aus allem raus! Mom wie soll ich dir vertrauen, wenn du mir nicht die ganze Wahrheit erzählst! Ich bin doch nicht blöd! Ich weiß, dass du Geheimnisse vor mir hast, die mich betreffen!“ Irina erwiderte ein paar Minuten gar nichts, beschränkte sich nur darauf ihre Tochter mit immer demselben durchdringenden Blick anzustarren, den Sydney als so unangenehm empfand.

CIA – Hauptquartier,
abends


„Schon was rausgekriegt?“ fragte Vaughn als er sich in die große Halle neben Jack an den PC-Monitor setzte. Sydneys Vater sah müde und Jahre älter aus als er es in Wirklichkeit war. Ein schlechtes Zeichen, dachte Vaughn sich. Sicher war seine Ruhe und Gelassenheit nur gespielt. Niemand, nicht mal Jack, konnte Vaughn erzählen, dass er sich nicht Sorgen um seine Tochter machte. Wenn Vaughn doch nur genauso davon überzeugt sein könnte, dass Irina tatsächlich nichts anderes im Sinn hatte als Sydney zu beschützen!
„Nein“ schüttelte Jack mit dem Kopf. Seine Miene war wie versteinert, während seine Augen nicht vom Monitor abglitten um Vaughn anzusehen. „Nichts. Irina geht nicht an ihr Telefon und von Sark gibt es auch noch nichts Neues. Uns rennt die Zeit davon! Sydney rennt die Zeit davon!“
„Verdammter Mist!“ entkam es Vaughn, der den Kollegen neben Jack von seinem Platz verscheuchte um sich neben Jack setzen zu können.
„Haben sie es Kendall schon gesagt?“ fragte der blonde, jüngere Agent. Jack beschränkte sich darauf mit dem Kopf zu schütteln.
„Ich hoffe ich habe keinen Fehler gemacht als ich sie zu ihrer Mutter geschickt habe, Agent Vaughn!“ Seine Stimme war so leise, dass Vaughn sich sehr anstrengen musste um zu verstehen was Jack sagte.
„Sydney geht es bestimmt gut. Wir sollten jetzt alles daran setzen Sark den zweiten Teil der Rambaldi-Prophezeiung wegzunehmen!“ Auch wenn der junge CIA-Agent sich so anhörte, als sei er davon überzeugt, dass es Sydney gut ging, zweifelte er. Mehr noch. Das lähmende Gefühl der Angst schien ihn beinahe aufzufressen und er musste sich schon sehr anstrengen nicht in das nächste Flugzeug zu steigen und Sydney und ihrer Mutter hinterher zu fliegen.
„Ich spreche Irina auf die Mailbox! Hoffen wir, dass sie sich meldet!“ seufzte Jack, griff nach dem Telefon und wollte die Nummer wählen als plötzlich der Strom ausfiel. Jack und Vaughn tauschten verwirrte Blicke.
„Hat die CIA etwa vergessen ihre Stromrechnung zu bezahlen?!“ rief Marshall aufgeregt auf Jack und Vaughn zulaufend.
„Holen sie Kendall und reißen sie keine Witze!“ befahl Jack gereizt, doch noch bevor Marshall losgehen konnte um das zu tun was ihm aufgetragen worden war, waren Schüsse zu hören. Ein paar Agenten fielen zu Boden. Überall war Blut und Schreie hallten durch die Gänge. Sofort gingen Jack und Vaughn in Deckung, zogen ihre Waffen und warteten auf die nächste Reihe von Schüssen, die auch Minuten später folgte.
„Sieht so aus als hätten wir Besuch!“ flüsterte Vaughn Jack zu, worauf der mit einem grimmigen Gesichtsausdruck antwortete. Beide hatten schon einen bestimmten Verdacht wer hinter dem Anschlag stecken konnte. Und richtig! Als Jack und Vaughn aufstanden um zurück zu feuern, sahen sie Sark die Halle betreten. Ein amüsiertes Lächeln zierte sein Gesicht. Vaughn wollte schießen, doch Sarks Männer waren schneller. Während einer Jack ins Bein schoss, verpasste Sark Sydneys Ex-Freund einen Schuss in die Hand, was Vaughn dazu zwang die Waffe aus der Hand fallen zu lassen. Sark kam näher und setzte mit einem kräftigen Kinnhacken nach, der Vaughn das Bewusstsein raubte.
„Aufheben. Wir nehmen ihn mit!“ wies Sark seine Männer an, bevor er sich runter zu Jack kniete, der sich wegen der Schmerzen an seinem Bein auf dem Boden krümmte. „Bestellen sie ihrer Tochter schöne Grüße von mir. Ich foltere ihren Freund solange bis sie sich mir zeigt. Sie hat doch bestimmt Informationen für mich, die wichtig sind!“
„Fahren sie zur Hölle!“ stöhnte Jack, wofür im Sark einen Tritt gegen sein verletztes Bein verpasste, lachte als er vor Schmerz aufschrie und verließ dann mit seinen Männern, die Vaughn hinter sich her schleiften, das CIA-Hauptquartier.