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Teil 39

Marseille, Frankreich,
Club „Blue Moon“


Sanfte Saxophon-Musik drang aus den Lautsprechern. Die Luft stand in der Bar und ein blauer Dunst von Zigaretten, gemischt mit dem Geruch von Alkohol lag über dem Lokal. Alle Gäste hatten sich – den Kleidungsvorschriften des „Blue Moon“ entsprechend – in Schale geworfen. Man könnte denken Sydney und Vaughn, die den Club gerade betreten hatten und nach Saviras Ausschau hielten, hätte es in einen alten Bonnie und Clyde Film verschlagen.
Die Männer trugen alle Nadelstreifenanzüge, mal mit, mal ohne Hut, während die Frauen allesamt Abendkleider trugen und Zigaretten in bester Audrey Hepburn-Manier rauchten. Passend für einen Kriminellen wie Saviras, dachte Sydney, die der Atmosphäre und schon gar nicht Jazzmusik etwas Gutes abgewinnen konnte.

Das Agentenpaar steuerte auf die Bar zu. „Dixon kannst du uns hören?“ fragte die Braunhaarige, die sich in ein marineblaues Abendkleind geworfen hatte und zusammen mit ihrer hochgesteckten Frisur einfach atemberaubend aussah. Ihr Freund hingegen erinnerte mit dem schwarzen Nadelstreifenanzug, der weißen Krawatte und dem schwarzen Hut, den eine weiße Feder zierte, eher an einen Gangsterboss.

„Laut und deutlich, Syd. Habt ihr Saviras schon entdeckt?“ meldete sich Dixon nachdem er es endlich geschafft hatte das enge Head-Set anzulegen. Wieso bekam er immer Head-Sets, die entweder nicht richtig funktionierten oder zu eng waren?
„Negativ. Aber wir sind dran!“ mischte Vaughn sich ein, dessen Augen unauffällig durch den Club streiften.
„Gut. Viel Glück!“ erwiderte Dixon und lehnte sich ein wenig zurück. Sein Einsatz würde erst kommen wenn Syd und Vaughn ihren Teil des Auftrages erfüllt hatten. Die CIA brauchte so viele Informationen wie nur irgendmöglich.

Es dauerte eine Weile bis Syd Saviras entdeckte. Er betrat den Club, hielt offenbar selbst nach jemandem Ausschau. Makoto Osiaka, wie die CIA wusste.
„Vaughn.“ Machte Syd und deutete nickend nach rechts zum Eingang. Der blonde Agent folgte ihrem Blick, nur um sich schnell an den Barkeeper zu wenden als Saviras in seine Richtung blickte.

Osiaka kam dem Griechen von der VIP-Lounge her entgegen. Die beiden Männer grüßten sich freundlich, umarmten sich und steuerten dann auf die Bar zu, ein paar Meter von Sydney und Vaughn entfernt, bestellten beim Barkeeper zwei Gin Tonic.
„Von dieser Entfernung aus hören wir gar nichts“ seufzte Vaughn frustriert.

Seine Kollegin suchte schon nach einer Möglichkeit Saviras eine Wanze unterzuschieben und entdeckte die Toiletten, die sich rechts vom Eingang befanden und vor denen Saviras und sein Partner Platz genommen hatten.

Rückblende:„Also dieses Ding…“ Marshall deutete auf einen kleinen Magneten, der vollkommen transparent war und selbst in Marshalls Hand nur schwer zu erkennen war. „ist eine Wanze.“ Der Techniker blickte lächelnd in die Gesichter von Sydney, Vaughn und Dixon, ließ diese Information sacken ehe er fortfuhr: „Sie können sie an jedem Kleidungsstück befestigen ohne, dass die betroffene Person etwas merkt. Deshalb das Aussehen der Wanze. Dieses Ding überträgt sofort nach Anbringung am Kleidungsstück, so dass wir alles mithören können w-was Saviras und Osiaka besprechen. Das Gespräch wird aufgezeichnet u-und auf ihren Computer übertragen, Mister Dixon. Durch die Funkverbindung von ihnen zu Miss Bristow und Mister Vaughn, sollte es möglich sein, dass sie a-also Sydney und Mister Vaughn, das Gespräch mithören können.“
Marshall seufzte schwer aus und besah seine Kollegen zufrieden, während Vaughn skeptisch die Stirn runzelte. „Und wie bringen wir die Viren an uns?“ fragte er.
„Nun das ist….ist eine sehr gute Frage.“
Pause.
Der CIA-Techniker merkte, dass seine Kollegen eine Antwort von ihm erwarteten und räusperte sich.

Marshall holte eine kleine silberne Box heraus und hielt sie so, dass seine Kollegen sie sehen konnten. Er öffnete sie zusätzlich, damit Sydney, Vaughn und Dixon sehen konnten wie das Innere des kleinen Kästchens aussah. Es war mit Vakuum ausgepolstert. „Diese Box ist aus bestem Stahl gefertigt worden und hat innen eine spezielle….ähm…eigentlich nicht speziell, denn ich habe diese Art der Verpackung nicht erfunden…“ Schnell begann Marshall auf das Wesentliche zurück zu kommen bevor seine Ausschweifungen immer größere Ausmaße annahmen. Zudem stellte er fest, dass die drei Agenten langsam ungeduldig wurden.
„Wo war ich? Die Box ach ja! Also das Vakuum verhindert, dass das Reagenzglas, in dem sich der Erreger befindet, bei Fallenlassen der Box beschädigt wird und sollte verhindern, dass naja….man sich anstecken kann.“
„Sollte?“ fragte Dixon mit hoch gezogener Augenbraue.
„WIRD! Wird verhindern, wollte ich sagen.“ Antwortete Marshall schnell und mit verlegenem Grinsen.


Sydney wartete auf den richtigen Moment um dann aufzustehen und Richtung Toiletten zu steuern. Just in dem Moment als Sydney an den beiden Männern vorbei ging, drehte sich Saviras ein wenig nach rechts. Die Agentin rempelte ihn an, so dass Saviras etwas von seinem Gin Tonic verschüttete.
„Verdammt! Können sie nicht aufpassen?!“ schimpfte er.
„Tut mir leid! Ich bin so ungestüm!“ beschwichtigte Sydney wobei sie ihre Hand auf den Rücken des Griechen legte und es schaffte die Wanze unauffällig anzubringen, während sie mit der anderen Hand die Serviette vom Tresen nahm und versuchte den Fleck auf dem Hemd des Griechen zu entfernen, dabei aber erfolglos blieb.
„Hören sie auf! Sie machen ja alles nur noch schlimmer!“ schnaubte Saviras entnervt und nahm Sydney die Serviette ab.

Die Agentin holte einen 50 Euro Geldschein aus ihrer Tasche und legte ihn in Saviras Hand. Der Grieche war zuerst erstaunt, erwiderte aber dann Sydneys Lächeln. „Als kleine Entschädigung!“ sagte sie, zwinkerte und setzte ihren Weg zu den Toiletten fort. Als sie sicher war, dass Saviras und Osiaka sie nicht weiter beachteten, nickte sie Vaughn kurz zu.

Dieser musste ob der Gerissenheit seiner Freundin ein klein wenig schmunzeln, achtete darauf nicht allzu auffällig in die Richtung der Männer zu sehen und bestellte beim Barkeeper zwei Gläser Sekt.

Los Angeles,
Weiss` Apartement


In schwarz gekleidete Gestalten mit vollautomatischen Gewehren umstellten Weiss´ Apartement, so dass niemand rein oder raus gelangen konnte ohne dass sie etwas davon mitbekamen. Es war spät nachts, weshalb es dem Team möglich war ungesehen zu operieren. Dennoch hatte man Wachposten aufstellen lassen, die ungebetene Zuschauer mit einem Betäubungsgewehr außer Gefecht setzen sollten.

Routine. Eine Entführung, nichts weiter. Solche und ähnliche Einsätze hatte die Elitetruppe des Covenants schon hundertmal durchgeführt. Dass es diesmal zu ihrer Aufgabe gehörte eine CIA-Agentin zu entführen, war das Einzige was neu war. Hinter vorgehaltener Hand hatten die rangniederen Agenten sich skeptisch ob der politischen Bedeutung eine amerikanische Spionin zu entführen, geäußert. Laut hätten sie diese Kritik aber niemals ausgesprochen.
Vorgesetzte machten keine Fehler, war den Agenten in ihrer Ausbildung eingetrichtert worden.
Diese Agentin musste wichtig für den Covenant sein, wenn man Zeit und Personal in eine Entführung investierte, die noch dazu auf dem Territorium eines mächtigen und feindlichen Landes stattfinden sollte.

„Und denkt daran: Derevko will Nadia Santos lebend. Den Anderen stellen wir nur ruhig. Niemand wird getötet!“ zischte der Operationsleiter über Funk seinen Leuten zu.
„Ja, Commander Valevko!“ kam es von Eljasz Orimov, dem stellvertretenden Operationsleiter, der insgeheim zu den größten Kritikern Katya Derevkos zählte. Seit ihrem Eintritt in den Covenant hatte Rambaldi noch mehr an Priorität gewonnen. Zu viel für Eljasz Geschmack. Lieber sollte die Organisation an Einsätze denken, die profitabler waren. Stattdessen wurde Geld und Personal darauf verschwendet Rätsel eines Irren aus dem 15. Jahrhundert zu lösen. Diese ganze Passagier- und Auserwählten-Sache! Das war doch lächerlich!
Eljasz wollte sein Leben aber behalten, also beließ er es bei einer stillen Kritik und tat was man ihm befahl.

Vorsichtig öffnete Valevko die Tür zum Apartement von Agent Weiss. Die Wohnung war dunkel, ein paar Agenten schalteten ihre Taschenlampen ein, hielten sie aber so, dass sie nicht Gefahr liefen einen der Agenten zu blenden.
Nach einer Weile fanden sie Nadia und Weiss schlafend auf der Couch vor. Valevko bedeutete zwei Agenten die Tür zu bewachen, während sich drei weitere Agenten um das Sofa postierten um sicher zu stellen, dass Nadia nicht fliehen konnte. Der russische Operationsleiter holte eine Spritze aus seiner Weste und wollte ansetzen Nadia das Selativ zu injizieren.
Plötzlich schlug ein Windstoß die Wohnungstür zu, wodurch Nadia und Weiss aufgeschreckt wurden und sich einer schwerbewaffneten Armee aus Covnenant-Agenten gegenüber sahen.