Teil 2
CIA-Hauptquartier,
nächster Morgen
Sydney war noch immer recht aufgewühlt. Ihr Handy klingelte. Wissend, dass es ihre Mutter war, die anrief, nahm Sydney das Gespräch an und war den Tränen nahe als sie dies tat. Wieso konnte ihre Mutter sie nicht einfach in Ruhe lassen? Gerade schien ihr Leben wieder in geregelten Bahnen zu verlaufen. Mit IHREM Auftauchen wurden die Dinge wieder so schrecklich kompliziert. Mit Sark würde Sydney schon irgendwie fertig werden.
Die Agentin stellte überrascht fest, dass ihre Stimme ein wenig zitterte als sie das Gespräch annahm und ein „Ja?“ in den Hörer murmelte.
Wie zu erwarten war, war es Irina. „Hallo, Sydney! Du musst jetzt nichts sagen. Hör einfach zu! Geh die Straße ein paar Blocks Richtung Norden entlang. Am Ende der Straße, die zu einer kleinen Seitenstraße führt, wirst du einen schwarzen Van vorfinden. In den steigst du ein!“ Es machte „Klick!“, dann war die Verbindung unterbrochen. Die CIA-Agentin schloss für einen kurzen Moment die Augen und versuchte sich zu sammeln. Dann schlug sie den Weg ein, den ihre Mutter ihr genannt hatte.
Es dauerte nicht einmal 15 Minuten bis Sydney den Van erreicht hatte. Getönte Scheiben verrieten nicht wer darin saß, aber als die braunhaarige Frau nahe genug an den Van herangetreten war, öffnete sich die Seitentür. Es war ihre Mutter mit ein paar Männern, die Sydney nicht kannte, ihr Misstrauen aber neu entfachte. „Steig ein!“ wies Irina Sydney freundlich an. Diese nickte und tat wie ihr geheißen, auch wenn ihr alles andere als wohl dabei war. Hatte ihre Mutter vor sie jetzt gleich gegen ihren Willen irgendwo hinzubringen?
„Keine Angst! Kendall hat sie engagiert. Dir wird nichts passieren! Ich möchte nur mit dir reden, Sydney.“ Erklärte Irina, die den Blick ihrer Tochter bemerkt hatte.
„Über Sark?“ fragte die CIA-Agentin mit hoch gezogener Augenbraue.
Irina schmunzelte. „Du warst bei Kendall.“ Stellte sie sachlich fest.
„Mom was ist hier los?“ Sydneys Stimme glich der eines Mädchens, die verzweifelt auf der Suche nach Antworten zu ihrer Mutter kam.
„Fahren sie los!“ wies die ehemalige KGB-Agentin den Fahrer an. Dieser nickte und setzte den schwerfälligen Van in Bewegung. Sydney fragte ihre Mutter nicht wohin sie fuhren. Sie rechnete schon damit, dass sie es ihr ohnehin nicht sagen würde. Noch nicht.
Es war sehr heiß, obwohl es noch früh am Morgen war und die Sonne daher sehr tief stand.
„Was weißt du über deinen Status als Auserwählte, Sydney?“ fragte Irina, sah dabei ihre Tochter nicht an, sondern aus dem Fenster.
„Nicht viel. Ich bin die Auserwählte, die Frau, die in der Prophezeiung erwähnt wird. Es heißt, dass sie der Welt die Verwüstung bringen wird.“
„Es gibt einen zweiten Teil der Prophezeiung. Dieser Teil wurde gut versteckt aufbewahrt. In einem Museum in Italien. Der Text ist aber codiert. Es braucht die Auserwählte um den Teil des Textes zu entschlüsseln und dafür braucht Sark dich!“ Irina wartete bis Sydney die Neuigkeiten verdaut hatte. Die sagte eine Weile gar nichts. Zu viele Fragen, die erst in ihrem Kopf sortiert werden wollten, standen im Raum. „Sydney?“ fragte Irina leise um ihre Tochter so sanft aus ihren Gedanken zu holen.
„Äh….Und was genau heißt `mit meiner Hilfe entschlüsseln`?“
„Das heißt, dass er dich an eine Maschine wird anschließen lassen, die von Rambaldi entworfen wurde und dazu dient mithilfe der Auserwählten als eine Art Katalysator seine verschlüsselten Botschaften zu dechiffrieren. Die ganze Prozedur ist so verteufelt schmerzhaft, dass du dabei sterben könntest.“ „Mit Sark werde ich schon fertig!“ entschied Sydney und wollte den Fahrer anweisen anzuhalten, damit sie aussteigen konnte.
„Sydney setz dich!“ befahl Irina in ungewöhnlich hartem Tonfall. Als ihre Tochter nicht hörte, legte sie ihre Hand auf Sydneys Arm, zwang sie so sie anzusehen. Die gelben Funken, die in den Augen ihrer Mutter tanzten, brachten die CIA-Agentin dazu nachzugeben und zu tun was sie von ihr verlangte. Ihre Mutter hätte Sydney nicht aufhalten können, wenn sie vorgehabt hätte zu flüchten. Aber aus irgendeinem Grund versuchte Sydney nicht zu fliehen.
„Du hast es nicht verstanden!“ stellte Irina fest. „Sämtliche Geheimdienste auf der ganzen Welt sind schon seit Ewigkeiten hinter der Auserwählten her! Wenn sie herausfinden, dass du es bist……Wir fahren jetzt in deine Wohnung und dort packst du!“
„Aber was ist mit Vaughn und Dad? Sark wird versuchen über sie an mich heranzukommen!“
„Noch weiß er nicht, dass du der Schlüssel bist, der den Code knacken kann! Also mach dir keine Sorgen! Das Wichtigste ist, dass du nicht mehr in Gefahr bist.“
Sydney dachte eine Weile nach. Ihre Mutter hatte Recht und es war vernünftiger auf sie zu hören. Vermutlich waren Vaughn und ihr Vater in noch größerer Gefahr, wenn sie blieb. Deshalb widersprach sie nicht weiter, lehnte sich zurück und wartete ab bis sie am Appartement angekommen waren. Ihre Eltern ließen ihr wahrscheinlich ohnehin keine Wahl, wenn sie schon ohne Sydney entschieden hatten, dass sie das Land verlassen musste.
Sydneys Appartement,
eine halbe Stunde später
„Viel kannst du aber nicht mitnehmen, Sydney!“ sagte Irina ihre Tochter beim Kofferpacken beobachtend.
Diese sah sie kurz an, hielt inne in ihrem Tun und seufzte. „Hast du eine Ahnung wie lange es dauern wird, wann ich zurück kann?“
„Ich weiß es nicht, Schatz. Niemand weiß das. Vielleicht in einem Monat, vielleicht aber auch erst in einem Jahr!“ Irina zuckte mit den Achseln um ihre Ahnungslosigkeit noch zu unterstreichen. Gerne hätte sie ihrer Tochter einen Zeitraum genannt, an den sie sich klammern konnte. Aber da war nichts und Sydney zu belügen hätte die ganze Situation nur noch schlimmer gemacht, wenn es dann doch nicht so war und sie länger in Mexiko bleiben musste. „Du solltest fertig packen, bevor noch jemand merkt, dass du verschwinden willst. Ich warte draußen auf dich!“ entschied Irina. Sydney sollte Zeit haben sich von ihrer gewohnten Umgebung auf unbestimmte Zeit zu verabschieden.
Sarks Versteck,
wenig später
„Wir hatten keinen Erfolg damit den Code zu knacken. Meine Leute arbeiten daran!“ erzählte Sark, der sein Versteck, ein altes Penthouse, auf der Unterlippe kauend betrat. Der Raum war halb verdunkelt und trotzdem konnte man die Umrisse einer jungen Frau entdecken, die am Fenster saß und die Landschaft begutachtete. Sie wandte nicht mal den Blick vom Fenster ab als sie Sark herein kommen hörte. „Es muss in Rambaldis Schriften etwas geben, dass wir übersehen haben!“ überlegte Sark, der sich nicht daran zu stören schien, dass die Frau am Fenster keine Notiz von ihm zu nehmen schien.
„Sie haben sich wirklich ein schönes Versteck ausgesucht, Mister Sark. Ein Penthouse am Stadtrand von Los Angeles“ sagte die Frau endlich und stand auf. Die Schritte einem Panther ähnlich, ging sie auf ihn zu, so dass Sark für einen Moment die Luft anhielt. Sie war ihrer Mutter wirklich sehr ähnlich, hatte gleichzeitig aber auch den messerscharfen Verstand ihrer Schwester.
Nun stand sie im Schein des Mondes und lächelte ihn boshaft an. „Nadia“ lächelte Sark und kam ein wenig näher um sie küssen zu können, doch Nadia wich ihm geschickt aus.
„Meinst du wir sollten uns an die CIA wenden? Wegen dem Rambaldi Schriftstück? Womöglich haben sie Informationen, die SD-6 nicht hatten“ sagte sie grimmig und sah ihren Partner an.
„Lass meinen Leuten Zeit! Wenn sie nichts finden, können wir uns immer noch an die CIA wenden…..“ Sark ließ seine Hände nervös in den Hosentaschen seines grauen Nadelstreifenanzuges verschwinden. Niemand außer seine Feinde, Sydney Bristow und Michael Vaughn, konnte ahnen, dass er ein skrupelloser Bösewicht war, der nur auf seinen eigenen Vorteil aus war. Wenn die Leute ihn in seinen teuren Anzügen sahen, dachten sie eher an den Sohn eines reichen Geschäftsmannes oder erfolgreichen Jungunternehmer. Aber genau diese Dinge, Reichtum und Macht, waren Sein, wenn erst das Geheimnis von Rambaldi gelöst war.