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04. Im Zeichen der Schlange

Vaughn nahm Sydney in den Arm und küsste ihre Stirn. Sie war völlig aufgelöst. Sie hatte ihre beste Freundin verloren und ihr bester Freund blieb nach wie vor verschwunden. Der Entführer hatte sich nicht wieder gemeldet und Sydney befürchtete, dass er Will auch was antun würde.
Am nächsten Morgen musste Sydney nicht zur Arbeit, Kendall hatte sie eine Woche vom Dienst befreit. Als Vaughn das CIA-Büro betrat, sprach Marshall ihn an: „Mr. Vaughn, es gibt jetzt eine wichtige Versammlung, aber lassen Sie sich ruhig Zeit. Also wir sollen zwar sofort erscheinen, aber wenn sie noch auf Toilette müssen, warte ich noch so lange. Oder wenn sie noch was besorgen müssen. Haben Sie letztens die Dokumentation über Paviane gesehen? Die halten immer zusammen und wenn einer von ihnen was besorgen muss, wartet der Andere solange. Also nicht, dass Sie ein Pavian sind, es ist nur einfach so, dass…“ – „Sonst noch was?“, sagte Vaughn genervt und ging.

„Wir haben diverse Spuren festgestellt und alles deutet auf einen Maulwurf unter uns hin!“, sagte Kendall. „Ich bitte Sie, wenn Ihnen irgendetwas Merkwürdiges auffällt, melden Sie es umgehend mir!“
„ Mr. Kendall, was sind das für Spuren?“, fragte einer aus der Technikabteilung.
„ Das darf ich Ihnen nicht sagen. Hat sonst noch einer eine Frage?“, sagte Kendall und schaute durch die Runde.
„ Ja, ich!“, sagte Marshall und begann zu sprechen.
Vaughn hörte ihm und Kendall nicht zu, sondern vernahm ein merkwürdiges Klappern und Zischen. Er vermutete, dass diese Geräusche aus dem Lüftungsschacht kamen, er war sich aber nicht ganz sicher. Vaughn schaute so tief es ging in den Lüftungsschacht und sah auf einmal eine Hand, die das Gitter wegstieß. Es fiel scheppernd hinter Kendall auf den Boden. „Was war das?“, fragte Kendall und drehte sich um.
„ Passen Sie auf…“, begann Vaughn, doch es war zu spät. Unzählige Klapperschlangen fielen aus dem Lüftungsschacht auf und neben Kendall. Eine biss sich sofort in Kendalls Gesicht, der auf den Boden stürzte. Alle schreiten und sprangen auf Tische und Stühle, andere liefen raus. Vaughn gehörte zu denen, die rausliefen. Als eine der Klapperschlangen ihn angreifen wollte, trat er sie einfach platt.
Vaughn war gerettet, doch er hörte immer noch Schreie. Er stand mit einigen anderen vor dem Gebäude und wartete. Nach und nach kamen immer mehr Leute hinzu, die sich retten konnten, doch sie krabbelten fast leblos auf dem Boden.

„WAS?“ Sydney konnte gar nicht glauben, was ihr Vaughn gerade erzählt hatte. „Gibt es Verletzte?“, fragte sie.
„ Ja, Fünf! Kendall ist auch dabei!“, antwortete er.
„ Hat es ihn schwer erwischt?“, fragte Sydney.
„ Ja!“, sagte Vaughn. „Er schwebt in Lebensgefahr! Die Anderen werden es schaffen. Wir können davon ausgehen, dass das wieder ein Terroranschlag war. Ich habe eine Hand gesehen, die das Gitter des Lüftungsschachtes weggestoßen hat.“
„ Das ist mir schon klar. Wo sollen sonst Klapperschlangen herkommen?“
„ Eben. Ich vermute, dass die Entführung von Will und der Mord an Francie irgendwie mit den Terroranschlägen zusammenhängen.“
„ Ja, das glaube ich auch.“, sagte Sydney und schaute auf den Boden.
„ Hat sich der Entführer mittlerweile bei dir gemeldet?“, fragte Vaughn.
„ Nein.“, sagte Sydney. In dem Moment klingelte ihr Telefon.

„Ja?“, fragte Sydney vorsichtig; sie glaubte es sei der Entführer.
„ Hey Sydney, hier ist Marshall“, klang es aus dem Hörer.
„ Hi Marshall, wie geht es Ihnen?“
„ Gut, aber deswegen rufe ich nicht an. Also ich will damit jetzt nicht sagen, dass mir Ihre Gesundheit nicht am Herzen liegt, aber… Egal, es geht um den Terrorangriff mit den Schlangen!“
„ Ich habe davon gehört!“, sagte Sydney.
„ Schlangen und besonders Klapperschlangen haben was mit Rambaldi zutun!“
„ Was denn?“
„ Für Rambaldi waren Klapperschlangen das Zeichen für Unsterblichkeit!“
„ Unsterblichkeit?“
„ Ja, in einem gerade gefundenen Artefakt hieß es, er hätte eine Tinktur gemixt, die zusammen mit Klapperschlangengift für Unsterblichkeit sorgt. Er hat außerdem geschrieben, dass er die Tinktur an sich selbst ausprobieren will.“
„ Und dann?“, fragte Sydney.
„ Dann ist das Artefakt zu Ende.“
„ Moment mal. Wollen Sie damit sagen, dass Rambaldi noch leben könnte?“
„ Ja. Sydney, ich muss jetzt auch auflegen. Mutti hat mich zum Essen eingeladen. Bis bald!“, sagte Marshall und legte auf.
Vaughns Handy klingelte.
„ Ja?“, fragte er in den Hörer.
Sydney setzte sich neben ihn und schaute in sein Gesicht. Es verzog sich zu einer geschockten Miene.
„ Alles klar, vielen Dank!“, sagte Vaughn und legte auf.
„ Was ist los?“, fragte Sydney.
„ Bei dem Angriff mit den Schlangen ist es Sark gelungen zu fliehen.“, antwortete Vaughn.
„ Wie denn das? Außerdem hat er sich freiwillig gestellt…“
„ Es wurde ein Loch in die Wand seiner Zelle gesprengt.“
„ Aber das passt nicht zusammen!“, sagte Sydney verblüfft.
„ Ich weiß. Es ist aber noch was!“
„ Was denn?“, fragte Sydney.
„ Kendall hat es nicht geschafft. Er ist tot!“