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Teil 9

Dixon kam wieder zu Bewusstsein, als ihn einer der Soldaten, die ihn im Zentralcomputerraum gefangen genommen hatten, mit dem Handrücken ins Gesicht schlug. "Aufwachen, Nigger!", brüllte eine raue Reibeisenstimme, die dem Anführer der Truppe gehörte. Der SD-6 Agent versuchte aufzuspringen aufgrund dieser Beleidigung, die er sich auch im Angesicht des Todes nicht gefallen lassen wollte, doch ein plötzlicher Ruck hielt ihn zurück. Seine Arme und Beine waren mit im Licht der Leuchtstoffröhren glänzenden Handschellen an den Stuhl gekettet, auf dem er saß. "Willst du frech werden, du braunes Stück Scheiße?" Wieder spuckte ihn Reibeisenstimme an. "Jetzt reden wir mal Klartext. Was wolltest du in dem Raum?"

Dixon starrte an die Wand während ihm langsam die Spucke des Anführers das Gesicht herunter rann und rührte sich keinen Millimeter. "Was hattest du da zu suchen?", schrie Reibeisenstimme außer sich und rammte seinem Gegenüber brutal die Faust ins Gesicht. Dixon hörte ein Knacken, das ihm Gänsehaut verursachte und schmeckte auch sofort Blut. "Raus mit der Sprache!" Immer noch keine Antwort. "Poulder, den Rucksack!" Wortlos reichte der Angesprochene seinem Vorgesetzen das Gewünschte und reihte sich danach wieder in den Kreis der Wachen ein, die ihre Waffen auf Dixon gerichtet hielten. "Was haben wir denn hier? Der Nigger hat sogar ein Notebook." Der Anführer öffnete das Gerät, doch plötzlich schien ihm etwas einzufallen. Auf seinem Gesicht zeichnete sich ein fieses Grinsen ab. Er deutete mit dem Kopf auf den am Stuhl Angeketteten. "Der Wichser ist sicher nicht allein hier. Schaltet die Selbstschussanlagen an, die andere Ratte soll durchlöchert werden." Dixon schloss die Augen. Sydneys Todesurteil schien gesprochen.

Gerade noch dem zur Todesfalle gewordenen Tresorraum entkommen, lehnte Sydney ratlos an der Wand. Sie wagte nicht Kontakt mit Dixon aufzunehmen. Was sollte sie aber dann tun? Ihn suchen? 'Zu gefährlich bei all den Wachen hier', schalt sie sich selbst. Das Klügste schien ihr, in den Lüftungsschacht zurückzukehren und dort auf Dixon oder weitere Hinweise über seinen Verbleib zu warten.

Vorsichtig um jede Ecke lugend bahnte sich die Topagentin ihren Weg durch die weit verzweigten Gänge des Bunkers zurück zum Ausgangspunkt ihrer Mission. Kaum war sie in den schmalen, dunklen Gang gekrochen, vernahm sie leises Gemurmel in der Ferne. Versucht, so wenig Geräusch wie möglich zu machen, krabbelte sie auf allen Vieren der Quelle des Lärms entgegen. Nach vielen Abzweigungen und scheinbar endlosen Rohrabschnitten war sie endlich am Ziel angekommen. "So du fettes Niggerschwein, für wen arbeitest du? Pack aus, sonst macht dein schwarzer Arsch Bekanntschaft mit ein paar dieser Gerätschaften. Niemand wird deine Schreie hören, der Raum ist schalldicht."

Die Stimme war Sydney vollkommen unbekannt, doch die Antwort, die auf diese Drohung folgte, ließ sie innerlich aufseufzen. "Darauf kannst du lange warten, Rassist." Kein Zweifel, das war Dixon. Sie robbte näher an die Luftschlitze, die das Metall der Wand unterbrachen und ihr einen Einblick in den kahlen, weiß getünchten Raum boten. Tatsächlich. Da saß ihr Partner an einen Holzstuhl gefesselt, mit aufgerissener Kleidung und am Oberkörper stark blutverschmiert. Er war von grimmigen Männern in Tarnuniform umringt, die ihre Waffen auf ihn gerichtet hielten. Einer stand direkt vor Dixon und sah ihn mit einem hasserfüllten Blick an. Er schien der zu sein, der die Drohung ausgesprochen hatte. Die Agentin musste irgendwie mit Dixon in Kontakt treten, um ihn befreien zu können. Langsam kroch sie ein Stück weiter in den Lüftungsschacht, damit die Wachen sie nicht hören konnten. "Dixon, ich bin's. Ich weiß, du kannst nichts sagen, aber ich hol dich da raus. Keine Sorge. Also, als nächstes werde ich den Sprengstoff anbringen und dich danach über den Lüftungsschacht in Sicherheit bringen. Halt noch 5 Minuten durch, dann bin ich wieder bei dir. Wenn du einverstanden bist, huste zweimal." Sydney krabbelte zurück und hörte Dixon husten. Aber auch wenn ihr Partner ihr seine Zustimmung nicht gegeben hätte, sie wäre trotzdem ihrem Plan gefolgt. Um keinen Preis der Welt würde sie ihn in den Fängen des K-Direktorats zurücklassen. Sie verließ das Lüftungssystem und betätigte eins von Marshalls Geräten, durch das die Überwachungskameras ausgeschaltet wurden. Dann rannte sie in den Gang zurück, in dem sich der Tresorraum befand.

Dixon hatte gehustet, um Sydney seine Zustimmung zu ihrem Befreiungsplan zu geben, doch plötzlich entwickelte sich daraus ein ganzer Hustanfall. Er spuckte Blut und fing an zu röcheln. "Parker, hilf ihm, bevor der Wichser uns hier abkratzt. Der Boss will ihn sicher noch mal selbst verhören." Parker wischte Dixon mit einem fleckigen Taschentuch den Mund ab und ging aus dem Zimmer, um ihm ein Glas Wasser und eine Schmerztablette zu holen. Doch schon nach wenigen Sekunden öffnete sich die Tür wieder. "Verdammt, alle Monitoren sind ausgefallen! Hier ist immer noch jemand im Bunker!" Er stand reglos in der Tür, den Mund noch leicht geöffnet, erstarrt vor Schreck. "Team Alpha und Beta, sofort ausschwärmen! Killt dieses Arschloch. Ich werde derweil unseren kleinen Freund hier bewachen." Mit einem teuflischen Grinsen lud er die Waffe durch.

Sydney stellte den Koffer direkt vor der Tür zum Saferaum ab. Sie wollte gerade die Drähte, die dazu nötig waren, die Bombe auf eine Fernzündung vorzubereiten, verbinden, als sie mit Schrecken feststellte, dass sie die richtige Kombination nicht mehr wusste. 'Scheiße!' Mehr fiel Sydney jetzt nicht mehr ein. Die Wachen konnten sie jeden Moment schnappen und dann war alles aus. Panik flutete durch ihren Körper. 'Denk nach, denk nach!' Immer noch ein totaler Blackout. 'Grün, gelb oder... warte! Was hat Marshall noch gesagt? Erst Blau, dann rot, dann schwarz! Wie im Alphabet. Genau.' Sie stieß einen Seufzer aus. Die Panik verschwand, hinterließ aber einen bitteren Nachgeschmack. Um ein Haar wäre Dixons Schicksal besiegelt worden. In Windeseile verband sie nun die Drähte, stand auf und hetzte zurück in ihr Versteck im Lüftungsschacht. Bis die Wachen den Koffer fanden, blieben ihr vielleicht noch 4 Minuten. Als sie wieder durch die Schlitze spähte, entdeckte sie, dass alle Gegner bis auf einen verschwunden waren. Dieser hielt Dixon allerdings mit einer Pistole in Schach und konnte sie zudem sofort entdecken, wenn sie durch die Lüftung in den Raum einstieg.

Sydney kroch abermals ein Stück außer Hörweite und flüsterte: "Dixon, ich hab den Sprengsatz angebracht und bin dabei, dich zu retten. Lenk deinen Bewacher ab, damit ich in das Zimmer kann." Sie kehrte an ihre Aussichtsposition zurück und konnte erkennen, dass Dixon jetzt mit dem Soldaten sprach, doch so leise, dass es ihr unmöglich war, ein Wort zu verstehen. Der Mann stand mit dem Rücken zu ihr. Ihre Chance. Mit aller Wucht trat sie gegen das Gitter, welches auch gleich aus seiner Halterung flog. Die Doppelagentin schwang sich herein und rammte Dixons verdutztem Wächter einen Fuß schmerzhaft in den Rücken. Er fiel vorüber und landete unsanft auf seinem Gefangenen. Dixon stöhnte vor Schmerzen auf. Sydney nutzte den Überraschungseffekt, um den Anführer hochzureißen und wollte ihn gerade mit einem kräftigen Handkantenschlag außer Gefecht setzen, als ihr Gegner ihren Arm herumdrehte und sie damit auf den Boden beförderte. Er zog seine Waffe und richtete sie auf die Frau, doch mit einer blitzschnellen Reaktion trat sie ihm seine Pistole aus der Hand, sprang auf und holte ihn mit einem Tritt gegen den Kopf von den Beinen. Doch sie war leider nicht die Einzige, die im Nahkampf geübt war. Ohne dass sie sich weiter um die gefährliche Waffe kümmern konnte, griff sie der K-Direktoratsagent schon wieder an. Sydney wollte seine Tritte und Schläge abblocken, aber durch eine unglückliche Fußbewegung rutschte sie aus, fiel auf ihre verletzte Schulter, deren Wirkung sie nahe an den Rand der Bewusstlosigkeit brachte und war ihrem Angreifer für einen Moment schutzlos ausgeliefert. Er wollte ihr gerade mit voller Wucht seinen Springerstiefel gegen den Kopf rammen, um sich dann die Schusswaffe wiederzuholen, doch soweit kam er nicht mehr. Sie hörte nur noch einen lauten Knall, dann fiel ihr Feind vornüber.
Sydney rollte sich unter dem bleischweren Körper weg und sah zu Dixon auf. Er hielt die Waffe in der Hand und grinste sie schief an. Dann verdrehte er die Augen und wurde wieder ohnmächtig. Mit den restlichen Patronen schoss seine Partnerin die Handschellen kaputt und hob den Gefangenen hoch. Einige leichte Ohrfeigen holten ihn in die Realität zurück. "Wir müssen aus dem Gebäude. Schaffst du das?" "Sicher", würgte er heraus und Sydney ließ ihn los, damit er ohne ihre Hilfe stand. "Da hoch. Ich geh voran, den Weg weis ich noch." Dixon war zu schwach zum Antworten. Sie stemmte sich in den offenen Schacht und begann die Krabbelei. Meter für Meter quälten sich die beiden Verletzten voran. Die Schulter der Doppelagentin hatte bösartig angefangen zu schmerzen, die darin steckende Kugel ließ auch sie fast in Ohnmacht fallen, doch sie zwang sich weiter. Während Dixons Rettungsaktion hatte sie weder Schmerz noch Erschöpfung gespürt, obwohl sie ständig Blut verloren hatte, doch die pulsierende Wunde brachte sie allmählich an den Rand der Bewusstlosigkeit. Bei der vorletzten Biegung überholte Dixon sie und am liebsten wäre Sydney im Lüftungsrohr sitzen geblieben, um sich auszuruhen.

Dann fiel ihr ein, dass sie ja den Sprengsatz noch zünden musste, um den Auftrag zu vollenden und endlich vor den anderen Agenten in Sicherheit zu sein. Gerade wollte sie weiterkrabbeln, als ein plötzlich aufkommender warmer Wind ihr Haar zerzauste. Mit jeder Sekunde wurde es heißer und dann sah sie die Feuerwalze kommen. Lodernd, gefährlich, heiß, unberechenbar, tödlich. Irgendjemand musste die C4-Sprengladung frühzeitig gezündet haben. Die SD-6-Agenten konnten nicht ahnen, dass Parker, der mit der Durchsuchung Dixons betragt worden war, mit dessen Handy in einem Anfall von Langeweile herumgespielt und dabei versehentlich den Sprengsatz gezündet hatte. Die Wucht der Explosionen, die auch jetzt noch erfolgten und die Metallwände langsam, aber sicher schmelzen ließen, warf Sydney nach vorne. Sie robbte um ihr Leben. Doch das Feuer wurde immer schneller, kam immer näher, leckte an ihrer Kleidung, an ihrem Körper.

Sie konnte den widerlichen Geruch verbrannten Haares riechen, der ihr übel werden ließ. Der Eingang wollte und wollte nicht näher kommen. Dann erschien Dixon in der Öffnung, seine Augen spiegelten die Feuersbrunst wider. Er streckte seine Hände nach Sydney aus, riss sie mit letzter Kraft aus dem Lüftungsschacht und warf sich schützend über sie. Die Flammen loderten nur Zentimeter über seinem Kopf über die Beiden hinweg. Dann fand das Feuer keine Nahrung mehr und Dixon konnte sich wieder aufrichten. Jetzt erst entdeckte er die Schusswunde an Sydneys Schulter. Der ganze Rücken ihres Pullover glänzte vor Blut. "Hey, alles klar?" Sie schlug die Augen nicht auf. "Ich muss die Wunde da operieren, sonst verlierst du zuviel Blut. OK?" Er wusste nicht, ob sie ihn gehört hatte, doch es gab ihm eine gewisse Beruhigung, zu ihr zu sprechen.

Dixon trug sie zum Auto, das tief im Wald parkte und sie bei Ende der Mission eigentlich sicher zum Flughafen bringen sollte, doch daran war im Moment nicht zu denken. So wie Sydney sein Leben gerettet hatte, wollte er jetzt ihres retten. Er riss den Notfallkoffer auf und legte Verbandsmull, Spritzen und Skalpell bereit, dann begann die provisorische Operation. Tränen und Schweiß vermischten sich auf seinem Gesicht. Sie durfte nicht sterben, doch der Blutverlust war schon so hoch. Nach, für ihn zu vielen, Minuten war die Kugel heraus und er konnte die tiefe Wunde verbinden. Wenn jetzt die Blutung nicht stoppte, war das Sydneys Todesurteil. Dixon tat sein Bestes, betete ununterbrochen und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Seine Partnerin lag steif da und atmete nur noch schwach. 'Sie darf nicht sterben, bitte, lass sie nicht sterben.' "Syd, du kommst durch, ganz sicher, du kommst durch." Hatte er sich getäuscht oder ging ihr Atem auf einmal eine Spur regelmäßiger? Und dann, endlich, endlich rann kein Blut mehr durch Dixons Finger und ihre Atmung stabilisierte sich. Erleichterung, warme, überwältigende Erleichterung durchströmte jeden Teil seines Körpers. Er konnte aufatmen, sie hatte überlebt.

Nach dieser Notoperation im Wald brachte der SD-6-Agent Sydney in ein Londoner Krankenhaus der Allianz. Hier sollte sie vor einer Rückkehr nach Los Angeles genesen. Will und Francie log sie vor, der Auslandsaufenthalt wäre kurzfristig verlängert worden, nur ihr Vater und später Vaughn erfuhren den wahren Grund ihrer Abwesenheit. Den Austausch mit der CIA am Flughafen hatte sie natürlich verpasste und Dixon übergab Sloane sämtliche Artefakte, die sich in ihrem Rucksack befanden hatten. Sydney machte sich deswegen Vorwürfe. Was war nur schief gegangen? Diese Frage quälte sie nachts, sodass sie nicht ruhig schlafen konnte. Immer kehrten Alpträume wieder. Dixon, der erschossen wurde, sie träumte sogar von ihrem eigenen Tod. Nach zwei Wochen voller Untersuchungen und Tests durfte Sydney dann die Klinik verlassen. Um sie herum stand nur ein kleiner, lederner Koffer, in den sie das Nötigste gepackt hatte. Ihr Freude auf Will, Francie, ihren Vater, Vaughn und Dixon gab ihr ein sanftes Kribbeln, dennoch hasste sie sich dafür, ihren Freund und ihre beste Freundin belügen zu müssen. Sie wollte gerade ihr Zimmer verlassen und sich ein Taxi für die Reise zum Flughafen rufen, als sich die Tür öffnete und der Mann eintrat, von dem sie fast erwartet hatte, dass er früher oder später eintraf.