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Teil 19

Langsam, ganz langsam kehrte wieder Leben in seinen geschundenen Körper. Jack fühlte sich wie durch einen Fleischwolf gedreht. Sein Kopf ruhte sanft auf einem weichen Kissen, doch meinte er, sein Gehirn würde genüsslich in Scheiben geschnitten. Der pochende Schmerz war kaum auszuhalten. Nach und nach kehrte das Gefühl auch in die anderen Teile seines Körpers zurück. An der einen Hand spürte er etwas wie eine kleine Nadel. Ohne die Augen zu öffnen, konnte er erahnen, wo er sich befand. Ein stechender Geruch stieg in Jacks Nase und veranlasste ihn, die komaartige Bewusstlosigkeit endgültig hinter sich zu lassen. Es roch nach Krankenhaus. Der Agent hasste Krankenhäuser. Weder an den Armen noch an den Beinen wollte er sich herumpfuschen lassen und in seinem Inneren erst recht nicht. Ärzte waren dreckige Lügner, die ihn sowieso nicht heilen konnten. Oft genug hatten diese Angeber bewiesen, dass ihnen ihre Harvardabschlüsse doch nichts nützten. Das Einzige, worauf er vertraute, war sein Heilfleisch - und die Zeit. Doch in manch dunklem Moment war Jack doch dankbar, wenn man ihn in einem SD-6 Hospital behandelte, was dieses hier unzweifelhaft war. So auch jetzt.

Die Augen hielt er immer noch geschlossen, da seine Lider bleischwer waren. Wahrscheinlich Folgen der Narkose. Der Verletzte lauschte dem ruhigen Atem, den eine Person im Zimmer ausstieß und bemerkte erst jetzt die warme Hand, die seine umschloss. 'Sydney!', dachte er hoffnungsvoll und riss nun doch erwartungsvoll mit einem Ruck die Augen auf. "Er ist aufgewacht", flüsterte eine Stimme dankbar und drückte Jacks Hand fest. 'Moment mal! Seit wann hat meine Tochter so eine tiefe Stimme?' Er konnte nur an die Decke sehen, da das Kopfende des Bettes nicht aufgerichtet war. "Jack, du bist wach", stieß die Person atemlos hervor und beugte sich über ihn. Sydneys Vater zuckte innerlich zusammen, doch vorsichtshalber ließ er sich nichts anmerken. Arvin Sloane saß da an seinem Bett und hielt mit ihm Händchen! "Würdest du mich bitte loslassen, Arvin?", bat er den Noch-Leiter der SD-6 Zelle betont höflich. Sloane schien ihn nicht gehört zu haben. "Du...du lebst! Gott, bin ich froh. Ich...ich dachte, du...du..." Jack musste unwillkürlich schlucken.

Plötzlich stürzten die Bilder wieder auf ihn ein. Vermummte Männer, die die Konferenz überfielen, auf seinen Chef zielten und ihn umbringen wollten. Er sah sich selbst, wie er sich schützend vor den Kopf von SD-6 warf, wie die Kugel tödlich in seinen Rücken eindrang. "Ich lebe", flüsterte er ungläubig und starrte Sloane an. "Ja, in der Tat", brachte dieser nur hervor. Über das ganze Gesicht strahlend drückte er den Knopf, um die Schwester zu rufen. "Du hast unglaubliches Glück, weißt du das?" "Seit wann duzt du mich?", versuchte Jack abzulenken und schloss wieder die brennenden Augen. Seine bruchstückhaften Erinnerungen reichten nur bis zu dem Zeitpunkt, als er auf dem Boden aufgeknallt war und das Bewusstsein verloren hatte. Sloane konnte nicht aufhören zu grinsen. "Was ist passiert?", fragte der Angeschossene ernst und sein Boss verstand sofort. "Die Schutztruppen, die im ersten Stock positioniert waren, sind sofort gekommen und haben die Terroristen bis auf den letzten Mann getötet." Das Lächeln um Sloanes Lippen nahm noch ein letztes Mal den bekannten grausamen und erbarmungslosen Zug an. "Briault und Ramon haben sie unverzüglich untersucht und festgestellt, dass es Agenten des K-Direktorats waren, die Rache wegen London an mir nehmen wollten. Draußen vor dem Gebäude hat man dann zwei Wagen gefunden, die haargenau so aussahen wie die, die uns verfolgt haben. Womit wir bei dem Taxifahrer wären. #

Wie zum Teufel hast du erkannt, dass er ein Feind war?" Diese Frage schien Sloane ja unheimlich unter den Nägeln gebrannt zu haben. Jack musste unbewusst lächeln. Den Stolz konnte er schlecht aus seiner Stimme verbannen, als er seinem Chef sein Handeln erklärte. "Als der Kerl angefangen hat zu rauchen, hab ich auf sein Zigarettenpäckchen geschaut. Es waren dann die russischen Buchstaben, die ich mit den Typen in Verbindung brachte, die uns im Hotel angegriffen hatten. Sie haben auch Russisch gesprochen." Der Kopf von SD-6 war ehrlich beeindruckt. "Respekt, Jack. Du hast mir nicht zum ersten Mal das Leben gerettet. Ich stehe tief in deiner Schuld und hoffe natürlich noch mehr als zuvor, dass du meine Nachfolge antreten wirst." Der Angesprochene zog es vor zu schweigen. "Du warst natürlich schwer getroffen und deshalb habe ich auf der Stelle einen Helikopter der Allianz angefordert, der uns so schnell wie möglich nach L.A. gebracht hat. Während des Flugs haben die Sanitäter, die wir in der Schnelle auftreiben konnten, ihr Bestes gegeben, um dich am Leben zu halten. Es war knapp, denn dein Blutverlust war unglaublich hoch. Sie mussten deine Wunde mit der Hand zuhalten, als die Verbände ausgingen. Hier im St Mary's haben die Ärzte, allen voran Arthur Morrison, dich dann gleich operiert und die Kugel entfernt. Die Narkose hat bis eben gewirkt.

Dein Rücken ist natürlich noch betäubt und du hast zusätzlich starke Schmerzmittel bekommen." "Wo ist Sydney?" Jack wollte keine Zeit mehr verschwenden. Sloane hatte schon zu lange geschwätzt. Natürlich fühlte er sich elend und die wieder einsetzenden Kopfschmerzen wollten ihn schier um den Verstand bringen, aber er musste sie einfach sehen. Der Agent war sich sicher, dass nichts seine Heilung besser beschleunigen könnte, als das Lachen seiner Tochter. "Du brauchst Ruhe, Jack. Sydney wird dich nur aufregen und deinen Genesungsprozess stören, außerd- " "Außerdem will ich sie sofort sehen", unterbrach er seinen besorgten Vorgesetzten. "Du verstehst das nicht. Es wird dir definitiv schaden, wenn du dich auch nur einen Zentimeter falsch bewegst!" "Ich will Sydney sprechen", forderte der Doppelagent unbeirrt und fügte bissig hinzu, "und zwar in einem unverwanzten Raum." "Jack, du darfst dein Zimmer nicht verlassen. Ich mache keine Scherze." "Ich ebenfalls nicht", knurrte der Verletzte wütend und spielte seinen letzten Trumpf aus. Ein gefährliches, vielleicht sogar zu leichtsinniges Spiel mit dem Feuer, doch die Sehnsucht nach dem einzig wichtigen Menschen in seinem Leben war das Einzige, was im Moment für ihn zählte. Außerdem musste er dafür sorgen, dass er seine Gegenmission für die CIA beendete und die Informationen, die er auf der Reise gesammelt hatte, Devlin erreichten.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er darauf spekuliert, dass Sloane ihm aus Dankbarkeit für die Lebensrettungsaktion in Tokio bedingungslos einen abhörsicheren Raum überlassen würde. Doch eine bittere Erkenntnis drängte sich immer stärker in den Vordergrund seiner rasenden Gedanken. Vielleicht würde er es später bereuen, aber der gerissene Kopf von SD-6 hatte ihn in der Hand. Sein Chef könnte ihn hier und jetzt verrecken lassen, wenn Jack nicht die entscheidenden Worte aussprechen würde. Sydney müsste dann ohne seine Hilfe und seinen Schutz weiterleben und gegen die mächtige Allianz und die anderen gefährlichen Geheimorganisationen kämpfen. Diesen Gedanken konnte der Agent nicht ertragen. Nicht nach den Geschehnissen in der japanischen Hauptstadt. "Arvin, lass Sydney zu mir. Nur für fünf Minuten. Dann werde ich..." "Wirst du was?" Endlich hatte Sloane ihn da, wo er ihn haben wollte. "Dann werde ich dein Nachfolger."