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Teil 1

"Was würde ich alles für ein Eis geben!", raunte Dixon Sydney zu. Es war mal wieder einer dieser heißen, kalifornischen Frühsommertage, an denen sich das Wetter nicht entscheiden konnte, ob es noch Frühling oder schon Sommer sein wollte. In der SD-6 Zentrale war jetzt seit einem Monat die Klimaanlage ausgefallen, und obwohl sich das Büro im Keller des "Credit Dauphine"-Gebäudes befand, herrschte die brütendste Hitze seit langem über die Agenten. Kaum einer, der nicht schon den obersten Hemdknopf geöffnet und tellergroße Schweißflecken unter den Achseln hatte. Sydney wischte sich den Schweiß von der Stirn und vernahm noch einmal Dixons leise Stimme: "Wenn Sloane nicht bald was wegen dieser Klimaanlage tut, dann kille ich ihn höchstpersönlich!" '‚Da bist du nicht der Einzige', dachte Sydney und sah sich um. Ihre Mitarbeiter hingen schlaff über ihren Computern und einige Auserwählte durften den Luxus eines Taschenventilators genießen. "Ich kenne da eine tolle Eisdiele nicht weit von hier. Wenn du willst, gehe ich uns was holen", bot Sydney ihrem Partner an. Dixon nickte nur. Doch als sie sich gerade von ihrem Platz erheben wollte, trat ein anderer SD-6 Agent zu ihrem und Dixons Tisch. "Ihr sollt sofort zu Sloane kommen, er hat einen neuen Auftrag für euch", ließ er vernehmen. Dixon seufzte laut. "Nimms nicht so tragisch, das Eis läuft uns ja nicht weg."

Sydney setzte sich an ihren Stammplatz zur Linken von Sloane und fragte sich, wo ihr gewissenloser Chef sie diesmal hinschicken würde. Ihre Gedanken wurden von einem Brummen unterbrochen, das von Marshalls Taschenventilator kam. Er hatte sich in seinem Stuhl zurückgelehnt und ließ sich eine kühle Brise um die Nase wehen. Sloane, der gerade zum Reden angesetzt hatte, warf ihm einen missbilligenden Blick zu. "Marshall!" Seine Stimme hatte einen drohenden Unterton. Verwirrt blickte der Angesprochene auf, und steckte, als er in Sloanes Augen sah, den Ventilator mit knallrotem Kopf wieder weg. "Entschuldigung, Sir", murmelte er. Sydneys Mundwinkel zuckten.

"Diesmal geht es um einen Auftrag höchster Priorität!", erzählte Sloane, "Nach monatelanger Recherche ist es einem unserer Techniker gelungen, eine sehr verzerrte Tonbandaufnahme aus dem 2. Weltkrieg zu entschlüsseln. In dem Verhör von einem Aufrührer durch einen Nazioffizier, geht es um ein Collier, dem eine bestimmte Eigenschaft zugesagt wird." Ein Bild des besagten Colliers erschien auf Sydneys Monitor. "Dieses Collier spiegelt mittägliche Sonnenstrahlen so wieder, dass sie auf der Weltkarte die Lage eines noch geheimen Rambaldiartefakts ergeben. Das Schmuckstück soll angeblich Rambaldi selbst entworfen haben, um sehr wichtige Dokumente zu schützen. Ich will dieses Collier haben. Der Besitzer ist Enrico Graviata, ein hiesiger Multimilliardär mit Wohnsitz hier in Los Angeles. Sydney, Sie agieren diesmal im Vordergrund, Dixon, Sie kümmern sich um den Rest. Marshall, dürfte ich Sie bitten...." Nachdem Marshall ihnen die Funktion der neuen Geräte (ein verbesserter Safecodeentschlüsseler und eine neue Infrarotbrille) erklärt hatte, bekam Sydney endlich Zeit mit Dixon zu reden. "Sag mal, Dixon, glaubst du eigentlich an diese Rambaldigeschichte? Ich meine, warum schickt Sloane uns jede Woche rund um die Welt, nur um eines dieser bescheuerten Artefakte in die Finger zu kriegen?" "Ich weiß es nicht, Syd, und es interessiert mich auch nicht. Ich bin froh, wenn ich heil wieder nach Hause komme und jeden Monatsanfang einen dicken Gehaltsscheck in der Hand halte. Was ist jetzt mit dem Eis?" Sydney grinste, denn sie hatte genau diese Reaktion erwartet. Der gute, alte Dixon. "Möchtest du Erdbeere oder Schokolade?"