2.22 - Chase
Als Sydney und Dixon ins CIA Hauptquartier hetzten, bot sich ihnen einen Anblick, wie sie ihn nicht erwartete hätten. Alles sah so aus wie immer. Die Tische standen da, die Computer liefen und auch sämtliche Lampen brannten. Nur von den Mitarbeitenden war keine Spur zu sehen, dafür hörten die beiden Agenten bei ihrem Kommen Stimmen auf Kendalls Büro. Rasch schritten sie zum Büro und Dixon stiess die Tür auf. Als Sydney das Innere des Raumes erblickte blieb sie wie angewurzelt stehen. Hinter Kendalls Pult stand William Vaughn mit ernster Mine, vor ihm befanden sich sein Sohn Michael, Marshall und zwei andere Kollegen der Agentin. „Gut, dass sie kommen.“, sagte Bill und deutete den beiden, dass sie eintreten sollten. „Was ist passiert?“, fragte Sydney, bevor William irgendetwas sagen konnte. „Auf die Gefängniszelle gab es einen Anschlag. Ihr Vater, Miss Bristow, ist von Unbekannten entführt worden und Kendall erlitt dabei schwere Kopfverletzungen. Er liegt nun auf der Intensivstation des St. Barbara Hospitals.“ Nun war es Dixon der sprach. „Warum war Kendall auch im Gefängnistrackt?“, wollte Marcus wissen. Als Antwort bekam er ein knappes „Befragungen“ von William. „Also gibt es ein Sicherheitsvideo.“, hackte Sydney nach, aber Michaels Vater schüttelte den Kopf. „Das System ist beim Anschlag ausgefallen.“ Dixon runzelte die Stirn. „Woher wissen wir dann, dass Jack entführt wurde.“, fragte er weiter. „Weil dies Kendall mit seinen letzten Worten bestätigen konnte, bevor er bewusstlos wurde. Wenn Sie keine weiteren Fragen mehr haben, müssen wir nun sofort beginnen zu handeln.“ Sydneys Blick verengte sich. Was hatte William vor? „Hier ist die CIA nicht mehr länger sicher. Anscheinend kennen Terroristen unseren Aufenthaltsort. Deshalb müssen wir so schnell wie möglich einen neuen Standort finden. Und bis Kendall wieder auf den Beinen ist, übernehme ich als sein Stellvertreter die Leitung über die CIA in Los Angeles.“ Sydney wollte noch mehr wissen. „Was ist mit meinem Vater? Werden wir einen Suchtrupp schicken?“ „Dafür ist jetzt noch keine Zeit. Wir haben keinerlei Anhaltspunkte, wer hinter dem Anschlag steckt.“
Noch immer wusste Anna Espinosa den Grund für Irinas Kommen nicht. Trotzdem wurde die Russin von der Afroamerikanerin zum Mittagessen eingeladen. Anscheinend wollte sie wissen, warum die berühmt berüchtigte Irina Derevko den langen Weg nach Mexico City auf sich genommen hatte. Nun sassen sich die beiden Frauen an einem langen Tisch im Bürokomplex gegenüber, sich gegenseitig musternd. Irina stellte fest, dass sich Anna äusserlich kaum verändert hatte. Nur in Sachen Kleidung hatte sie reichlich zugelegt. Es war nicht zu übersehen, dass sie es sich gut gehen liess. „So, Irina, was führt dich zu mir?“, fragte Anna gespannt, wobei sich ihre voluminösen Lippen geschmeidig bewegten. Irinas Mund, viel zierlicher als der der Afrikanerin, schürte sich zu einem hämischen Lächeln. „Dazu komme ich gleich. Vorher würde es mich interessieren, was aus dir nach dem Untergang des K-Direktorats geworden ist.“ Annas grosse Augen verengten sich. „Dass dich das interessiert wundert mich stark. Immerhin ist ja ‚The Man‘ am Niedergang des K-Direktorats mitschuldig.“ Die Russin reagierte nicht, sondern wartete nach wie vor auf eine Antwort zu ihrer Frage. Schliesslich gab Anna nach. „Aber wenn es dich trotzdem interessiert, na schön. Nachdem Sark den Boss vom K-Direktorat getötet hat, ist das Chaos ausgebrochen. Keiner wusste mehr, wer für was zuständig war und es brachen interne Revolutionen und Machtwechseln aus. Schliesslich löste eine Bombe das Hauptquartier in Moskau auf.“, berichtete die Afrikanerin. „Und wer ist für die Bombe verantwortlich?“, fragte Irina gespannt nach. Annas Mund verzerrte sich zu einem boshaften Lachen. „Was denkst du?“, fragte sie neckisch. Sydneys Mutter war erstaunt. Dass Anna selbst für das endgültige Ende des K-Direktorats verantwortlich ist, hätte sie nicht erwartet. „Nach diesem tragischen ‚Unfall‘ habe ich mich hierher verzogen und unter einem neuen Namen etwas aufgebaut, um meine Existenz zu sichern.“, beendete die Afroamerikanerin ihre Erzählung. Irina beäugte sie nach wie vor misstrauisch. „Du willst mir sagen, dass du eine brave Bürgerin geworden bist?“, fragte sie ungläubig. „Das habe ich nicht gesagt.“, konterte ihr Gegenüber genüsslich. „Jetzt möchte ich aber wissen, was du hier bei mir willst?“, fügte sie schliesslich an, um mehr über das Kommen von Irina zu erfahren. „Wollen wir nicht zuerst das Essen bestellen?“, fragte die Russin gelassen, genau wissend, dass Anna endlich mehr wissen wollte. „Natürlich.“, antwortete die ehemalige K-Direktorat Agentin mit einem angespannten Lächeln.
Mit ausdrucksloser Mine sass Sydney an ihrem Arbeitsplatz. Langsam tippte sie einige Sachen in ihren Computer, doch ihre Gedanken waren abwesend. Zu sehr studierte sie an dem Passierten herum: Kendall, der anscheinend für einige Vorfälle der letzten Wochen verantwortlich war, lag im Koma und war nicht ansprechbar. Zu all dem Übel hin war auch noch ihr Vater von Unbekannten entführt worden und die CIA wollte nichts für seine Rettung unternehmen. Sydney konnte nicht mehr. Verzweifelt stützte sie ihren Kopf in die Hände und begann zu weinen. Es war einfach zu viel für sie. „Syd, ist alles in Ordnung?“, hörte sie gedämpft die Stimme ihres Freundes Michaels. Durch ihre mit Tränen gefüllten Augen nahm sie die Umrisse von Vaughn wahr, der sich zu ihr niedergekniet hatte. „Ich kann nicht mehr, Michael. Mein Vater ist entführt und meine Mutter auf der Flucht! Jetzt bin ich ganz alleine.“, schluchzte sie ihm entgegen, woraufhin er fürsorglich seinen Arm um sie legte. „Du wirst nie alleine sein. Ich bin immer für dich da.“, sagte er bestimmt und mit einer Ehrlichkeit, die Sydney im Herzen berührte. Geschmeidig legte die Agentin ihren Kopf auf die Schulter des Mannes. „Danke.“, sagte sie leise. Hinter sich hörten die beiden plötzlich die Stimme von William Vaughn. „Michael, bitte komm rasch ins Büro.“ Der junge Agent stand wieder auf, küsste seine Freundin zärtlich und ging dann zu seinem Vater. Gemeinsam verschwanden sie in Kendalls Büro. Sydney blickte noch eine Weile auf die Tür, drehte sich schliesslich aber wieder zu ihrem Pult um. Erstaunt fand sie vor sich liegend einen weissen Umschlag, der vorher noch nicht da gewesen war. Rasch schaute sich die Agentin um. Keiner war weit und breit zu sehen. Also öffnete sie vorsichtig den Umschlag. Zum Vorschein kam ein kleiner Fresszettel, auf den etwas gekritzelt stand: Komm in den Überwachungsraum. Als ob nichts wäre steckte sie den Zettel in ihre Jacke und stand auf. Bestimmten Schrittes ging sie in den Überwachungsraum, jedoch darauf achtend, dass ihr niemand folgte.
Im Überwachungsraum war es stockfinster. Licht gab es nur durch eine ständig flackernde Glühbirne an der Decke. Anscheinend hatte der Anschlag auch den Überwachungsraum getroffen. Langsam ging Sydney weiter ins Dunkel hinein, bis sie plötzlich an der Schulter angefasst wurde. Erschrocken drehte sich die Agentin in Windeseile um und hievte ihren Widersacher zu Boden. Erst dann bemerkte sie, dass es Marshall war. „Marshall! Entschuldige, ich habe mich so erschrocken, dass ich - “, sprach Sydney, doch der Techniker winkte ab. „Ist schon gut. Aber die Geheimniskrämerei musste sein.“, entgegnete er stöhnend und nahm die Hand der Agentin dankend als Aufstehhilfe an. „Was ist los, Marshall?“, fragte sie daraufhin mit gedämpfter Stimme. Der Mann deutete ihr, dass sie ihm folgten sollte. Zusammen gingen sie in den hinteren Teil des Gebäudes. Dort angekommen begann der Techniker zu sprechen. „Syd, als du mich über diese Sache mit der Sprachdatei von Sloane befragt hast, wurde ich misstrauisch und habe nachgedacht – darin bin ich ja ziemlich gut.“, fügte er stolz an, woraufhin die Agentin ihm ein Lächeln schenkte. So fuhrt er weiter. „Als ich also kapiert habe, dass Kendall hinter dieser Bombensache stecken musste, begriff ich, dass Jack, also Mr Bristow, ich meine dein Vater, nicht dafür verantwortlich ist.“ Sydney nickte und wartete, bis Marshall seine Erzählung fortsetzte. „Natürlich habe ich niemandem davon erzählt, du kennst mich ja, Sydney. Aber als dann heute dieser Anschlag war, wollte ich das Sicherheitsvideo dazu ansehen. Doch es war keines vorhanden.“ Die Agentin war nicht erstaunt. „Ja, William Vaughn hat gesagt, dass das System ausgefallen ist.“ „Das dachte ich zuerst auch, aber ich habe in den Datensätzen nachgesehen.“ Sydney wollte mehr wissen. „Und? Hast du etwas gefunden?“ „Es war schwierig. Ich musste Passwörter knacken und Sperren umgehen. Aber ja: Ich habe das Video gefunden.“ Die konnte es nicht glauben. „Also hast du ein Video, wo man den Anschlag auf die Gefängniszelle sieht?“ Auf Marshalls Gesicht zeichnete sich ein zufriedenes Lächeln ab. „Ja!“
Anna war erstaunt über Irinas Idee, doch trauen tat sie ihr nicht. „Warum sollte ich dir glauben, Irina. Immerhin waren wir schon immer Feinde.“, fragte die Afrikanerin ungläubig. „Es ist die einzige Möglichkeit eine Katastrophe abzuwenden. Und du weisst das, Anna.“ Doch die ehemalige K-Direktorat Agentin glaubte der Russin nicht. „Woher willst du wissen, dass es stimmt? Wer sind deine Kontakte?“ „Meine Quellen sind verlässlich, glaub mir. Wenn wir jetzt nicht zusammenarbeiten, geht es für alle schlecht aus.“ Die beiden Frauen standen nun vier Stockwerke im Untergrund vor einer grossen, eisernen Tür. Daneben war eine kleine Schaltkonsole angebracht, in die Anna einen Code eingab. Nach wenigen Sekunden öffnete sich die grosse Tür langsam. Gemeinsam mit Irina ging die Afroamerikanerin hinein. Sie liefen durch einen langen, kahlen Gang. Es war extrem kühl, doch die Russin liess sich nichts anmerken. Am Ende des Ganges stand ein Tresor in der Grösse eines Aktenschranks. Abermals gab Anna einen Code ein und die Safetür öffnete sich. Als Irina den Inhalt des Tresors erblickte, weiteten sich ihre Augen und ihr Mund öffnete sie vor lauter Staunen.
Inzwischen betrachtete Sydney das Sicherheitsvideo schon zum dritten Mal. Sie konnte einfach nicht glauben, was sie zu sehen bekam: Jack lag wieder auf dem harten Bett und sah zur Decke, als plötzlich Kendall vor der Glaswand stand. Sydneys Vater erhob sich, um mit seinem ehemaligen Chef zu sprechen. Über das Video war zwar nichts zu hören, aber Kendall schien ziemlich aufgebracht zu sein. Anscheinend versuchte er Jack etwas zu erklären. Auf einmal, während der Chef immer noch sprach, explodierte die Wand hinter ihm durch einen Bombeneinschlag und Kendall wurde heftig gegen die Glaswand geschleudert. Auch Jack fiel rücklings zu Boden. Einen kurzen Moment später kamen drei bewaffnete und maskierte Männer durch die gesprengte Öffnung und brachen die Tür zur Gefängniszelle auf. Als sich der eine Mann zu Jack niederbückte schlug ihm dieser hart ins Gesicht und riss ihm die Maske vom Kopf. Zum Vorschein kam das jungenhafte Gesicht von Julian Sark. Daraufhin gab Sak dem Agenten einen Tritt gegen den Kopf, wodurch Jack bewusstlos wurde. Wenige Minuten später hatten die Männer Sydneys Vater verschleppt und Kendall liegen gelassen. Erst nach einer Weile kamen die ersten CIA-Agenten in den Gefängnisteil und alarmierten anscheinend das Krankenhaus. Immer noch sass Sydney da und betrachtete das Video. Nun machte sich Marshall wieder bemerkbar. „Das ist nicht alles was ich herausgefunden habe, Syd.“ Augenblicklich drehte sich die Agentin zu dem Techniker um, woraufhin er weitererzählte. „Ich habe mich in die Überwachungskameras von L.A. gehackt und nachgeforscht, wo der Wagen mit den Entführern hin ist. Und anscheinend ist er noch immer da.“ Sydney sah Marshall verblüfft an. Sie wusste, dass er ein Genie war, aber dass er solche Sachen herausfinden konnte hätte nicht einmal sie gedacht. „Syd? Was hat das alles zu bedeuten?“, fragte der Techniker nun vorsichtig, aber die Agentin gab ihm erst nach etwa einer Minute eine Antwort. „Marshall, ich weiss, für dich gibt es im Moment sehr viele Fragen und nur die wenigsten davon könnte ich dir beantworten. Glaub mir, ich werde dich über alles was ich weiss in Kürze informieren. Aber vorher habe ich noch etwas zu erledigen.“, entgegnete sie dem Techniker, woraufhin dieser fragte „Was?“. Sydney holte tief Luft und stellte eine Gegenfrage. „Wo ist der Wagen, in dem mein Dad entführt wurde?“
Hold on tight you know she's a little bit dangerous
Ooh just a little bit dangerous
Mit blonder Perücke und einem farbenfrohen Kleid kam Sydney die Treppe im In-Club ‚Miaco‘ mitten in Los Angeles herunter. Dies war das Gebäude, vor dem seit Stunden der Entführungswagen stand. Für Sydney war noch immer unklar, weshalb die CIA selbst keine Nachforschungen betrieben hatte. Die einzig plausible Lösung war, dass William Vaughn selbst etwas mit der ganzen Sache zu tun hatte. Von einem Tablett, das von einer Kellnerin herum getragen wurde, nahm sich Syd einen Drink und hielt Ausschau nach der Person, die sie suchte: Sark.
You pack your bag you take control
You're moving into my heart and into my soul
Get out of my way
Get out of my sight!
I won't be walking on thin ice to get through the night
Hey where's your work?
What's your game!
I know your business but I don't know your name
Es dauerte rund eine Viertelstunde, bis der Engländer auftauchte. Gekleidet in einen dunkelblauen Anzug ging er zu ein paar Damen und begrüsste sie jeweils mit einem Kuss. Rasch drehte sich die Agentin um, damit Sark sie nicht erkennen konnte. Immer wieder drehte sie sich rasch um, damit sie nachsehen konnte, ob er noch da war. Nach einer Weile bemerkte sie, dass er zu den Toiletten ging. Unauffällig folgte sie ihm und blieb schliesslich vor der Toilettentür stehen.
Hold on tight you know she's a little bit dangerous
She's got what it takes to make ends meet
The eyes of a lover that hit like heat
You know she's a little bit dangerous
Nach einer Weile öffnete sich die Tür wieder und Sark stand vor Sydney. Die Verblüffung des Engländers nutzte die Agentin aus. Mit einem Tritt in den Schritt des Mannes brachte sie ihn zum Fall. Winselnd lag er am Boden. Daraufhin schleifte sie ihn in eine der Toilettenkabinen und hievte Sark auf die WC-Schüssel. Langsam beruhigte sich der Blonde wieder von seinen Schmerzen. Doch jeder Widerstand wäre zwecklos gewesen, da Sydney inzwischen eine Pistole gezückt hatte, mit der sie den Engländer bedrohte. „Wo ist mein Vater?“, fragte sie bestimmt. Als Antwort bekam sie lediglich ein fieses Lachen. Die Agentin lehnte sich ein wenig zurück und trat erneut in Sarks Schritt, woraufhin sich dieser vor Schmerzen krümmte. „Das tut weh, nicht wahr?“, stellte Sydney trocken fest. „Ich frage nochmals: Wo ist mein Vater?“, wiederholte sie ihre Frage. Sark richtete sich wieder auf und blickte der Agentin ins Gesicht.
Hold on tight ...
She's armed and she's extremely dangerous
She's got what it takes ...
„Nur weil der richtige Wagen vor der Tür steht heisst das noch lange nicht, dass auch der Inhalt hier ist.“, entgegnete der Engländer zähneknirschend. Sydney senkte ihre Waffe ein wenig. War dies etwa nur eine falsche Spur gewesen? Doch sie liess sich nicht beirren und drückte den Pistolenlauf so fest gegen Sarks Stirn, dass dieser die Zähne zusammen beissen musste. „Ich frage ein letztes Mal oder du wirst nicht nur deine Männlichkeit verlieren: WO IST MEIN VATER?“, schrie sie den Mann an. Und tatsächlich gab er nach. „Er wird in die Schweiz verschleppt, nach Zürich. Ins Hotel Helvetia“, winselte Sark. Damit war Sydney aber noch nicht zufrieden. „Von wem?“, fragte sie, während sie die Pistole weiter an seine Stirn drückte. „Von Arvin Sloane.“ Sydney wich zurück. Ihr ehemaliger Chef, den sie abgrundtief hasste, war für die Entführung ihres Vaters verantwortlich? Die Agentin hatte genug gehört. Zum dritten Mal innert kürzester Zeit gab sie Sark einen Tritt und schlug ihm anschliessend mit ihrer Waffe auf den Kopf. Danach zückte sie ihr Handy und wählte eine Nummer. „Michael? Kannst du mir einen Wagen zum Miaco Club schicken?“
Zusammen mit Michael, der sie abgeholt hatte, brachte Sydney Sark ins CIA Hauptquartier. DeR Engländer trug eine schwarze Maske über dem Kopf, so dass er nicht sehen konnte, wo er war. Als die drei durch den Haupteingang schritten, kam ihnen ein aufgebrachter William Vaughn entgegen. „Was denken Sie wer Sie sind?“, schrie der stellvertretende Chef die Agentin an. „Mir ist das Leben meines Vaters nicht egal, auch wenn er vielleicht ein Verbrechen begangen hat.“, entgegnete Syd kühl. „Dies war eine nicht autorisierte Mission, Miss Bristow!“, schrie Michaels Vater weiter, wodurch alle im Raum stehenden zu ihm blickten. „Ich musste etwas unternehmen, wenn Sie schon nichts taten.“, sagte nun die Agentin, ebenfalls mit lauterer Stimme. „Wir können keine Agenten gebrauchen, die in solchen Zeiten gegen den Willen der Regierung verstossen.“, sagte William nun mit ruhigerer Stimme. „Was soll das heissen?“, fragte Sydney unsicher nach. „Sie sind gefeuert!“, antwortete William und sah die Agentin zornfunkelnd an. In ihren Augen sammelten sich Tränen. Doch nicht weil sie traurig war, sondern aus Wut. „Sie verfluchter Mistkerl.“, entgegnete Sydney. „Syd!“, ermahnte sie Michael, doch auch ihm schenkte sie nur einen gehässigen Blick. „Auf wessen Seite stehst du eigentlich?“, fragte sie und lief dann weg, die beiden Vaughns mit Sark alleine lassend.
Wütend schmiss die Agentin all ihre Sachen in eine Kiste. Annäherungsversuche von Michael liess sie abblitzen. Sie wusste, dass er sie liebte. Dennoch konnte sie nicht verstehen, wie sehr er zu seinem Vater hielt. Nun stand plötzlich Marshall neben Sydney. „Syd, bist du wirklich gefeuert?“, fragte er vorsichtig. Sie nickte, sagte aber nichts. „Es tut mir leid, wenn ich dir diese Sachen nicht gesagt hätte, würdest du jetzt noch einen Job haben.“, sagte Marshall weiter mit gedämpfter, trauriger Stimme. Sydney hob den Kopf sah den Techniker direkt an. „Ich danke dir für das was du getan hast. Du bist der Einzige, der das Richtige gemacht hat, glaub mir.“, entgegnete sie sanft und freundlich. „Was wirst du jetzt tun?“, fragte Marshall nach. „Ich will meinen Vater befreien, koste es was es wolle.“ Der Techniker schluckte. „Sei vorsichtig.“; bat er die Agentin, woraufhin sie ihn anlächelte. Nach dieser Unterhaltung packte Sydney ihre Kiste, klopfte Marshall zum Abschied auf die Schulter und ging dann zu Dixons Schreibtisch. Ohne Worte zu verlieren umarmten sich die beiden freundschaftlich. Danach verliess die Agentin das Gebäude durch den Eingang, während sie Michael einen letzten, traurigen Blick zu wendete.
12 Stunden später, Zürich Ohne jegliche Verkleidung trat Sydney in das Hotel ‚Helvetia‘. Ihr Gesicht zeigte keinerlei Gefühle. An der Rezeption angekommen verlangte sie nach der Zimmernummer von Arvin Sloane. „Die Suite 11, im obersten Stock“, antwortete der Rezeptionist freundlich. Mit dem Aufzug fuhr Sydney schliesslich ins oberste Stockwerk. Oben angekommen legte sie ihr Ohr an die Tür mit der Nummer „11“. Tatsächlich konnte sie im Innern die Stimme des ehemaligen Leiters von SD-6 ausmachen. Anscheinend war er am Telefonieren. Vorsichtig zog sie ihre Waffe aus dem Hosenbund heraus und stiess mit ihrem rechten Fuss die Suitetür auf. Durch den harten Aufschlag fiel die Zimmernummer „11“ zu Boden und zerbrach auf dem Plattenboden der Suite. Vor Schreck fiel Sloane das Telefon aus der Hand, wodurch auch dieses auf den Boden fiel. Da stand er also: Gut gekleidet wie immer blickte Sloane die Agentin mit offenem Mund an. Er stand inmitten des grossräumigen Raumes. Langsam ging er ein paar Tritte zurück, bis er an der Terrassentür anstand. Sogleich richtete Sydney ihre Waffe auf den Mann. „Sydney? Du hier?“, fragte er nun ein wenig gelassener. „Wo ist mein Vater?“, frage sie gehässig, näher auf den Mann zugehend. „Wir haben uns lange nicht gesehen. Wie viele Monate ist es schon her, seit es SD-6 nicht mehr gibt?“, lenkte Sloane vom Thema ab. „Wo haben Sie meinen Vater hingebracht?“, fragte Sydney weiter, nicht auf die Bemerkungen ihres ehemaligen Chefs eingehend. Die beiden standen nun noch etwa sechs Meter voneinander entfernt. „Ich töte Sie und das wissen Sie genau. Sie haben mich schliesslich dazu ausgebildet.“ „Nein, Sydney. Ich wollte nicht, dass du eine Mörderin wirst. Immer habe ich dich als meine eigene Tochter angesehen und dich geliebt.“ In den Augen der Agentin bildeten sich Tränen. Erst jetzt merkte sie, wie sehr sie Sloane hasste. Er hatte so viel in ihrem Leben zerstört, war für solch viele Unglücke verantwortlich. Und jetzt hatte Sydney die Chance dem Albtraum eine Ende zu setzten. Langsam entsicherte sie ihre Waffe. „Noch einen letzten Wunsch?“, fragte sie zynisch, ihre Waffe noch fester umklammernd. „Du machst einen grossen Fehler, Sydney.“, antworte der Mann ruhig. Aber die Agentin achtete nicht auf ihn. Ihre Finger glitt bestimmt auf den Abzug. Und dann war es soweit: Ein lauter Schuss erklang, woraufhin eine Kugel durch den Raum flog. Doch der Schuss war nicht von Sydneys Waffe. Im Gegenteil: Die Kugel traf Sydney im Rücken, was sie zum Fall brachte. Mit letzter Kraft drehte sie sich zur offenen Tür, um den Schützen erkennen zu können. Als sie sah, wer da geschossen hatte, blieb ihr Mund vor Verblüffung stehen. Vor Sydney stand ihr Vater mit ernstem Gesichtsausdruck. In der rechten Hand hielt er immer noch seine Waffe auf sie gerichtet. Wenige Sekunden konnte Sydney ihren dastehenden Vater noch verzweifelt anschauen, bis sie schliesslich mit dem Kopf auf den kalten Plattenboden sackte.
SEASON 2 END
Songs von Eva Cassidy (Time after Time), Dishwalla (Angels or Devils) und Roxette (Dangerous)