17. "Enthüllungen"
Sloane trifft letzte Vorbereitungen und Jack enthüllt dessen schrecklichen Plan.
"Sloane.. er ist auf dem Weg nach München." sagte Jack leise. Vaughn atmete ein wenig auf. "Das musste ja passieren. Das heißt, wir haben nicht mehr viel Zeit." Doch Sydney wusste- im Gegensatz zu Vaughn- dass es eine andere Nachricht sein musste, die Jack die Tränen in die Augen getrieben hatte. Sanft legte sie ihre Hand auf die ihres Vaters.
"Dad. Was ist passiert?" Dieser presste die Lippen aufeinander, wieder suchten die Tränen ihren Weg ins Freie und wieder kämpfte Jack erfolgreich dagegen an. Er schwieg eine Weile und versuchte, dem Steuern des Helikopters seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken.
Doch Sydneys bohrender Blick ließ keinen Zweifel daran, dass er früher oder später mit der Sprache herausrücken musste.
"Er hat sie getötet." sagte er kühl in seiner ihm typischen Art. Sydney schnappte nach Luft. "Er hat seine eigene Frau umgebracht! Mein Kontakt, den ich beim SD-6 Krankenhaus postiert hatte, hat mir gerade davon berichtet. Es scheint als sei er nun endgültig ausgerastet.
Damit wird unsere Mission schwieriger als geplant- wir müssen mit allem rechnen. Sogar mit."
Jack schlug sich mit der geballten Faust auf den Oberschenkel "Verdammt!!"
Syd und Vaughn blickten ihn verstört an. "Was ist?" fragte Syd vorsichtig. "Das sage ich euch, wenn wir angekommen sind. Schlaft jetzt, damit wir morgen fit sind." knurrte ihr Vater.
In diesem Moment klingelte Sydneys Handy. Nach einigem Zögern nahm sie den Anruf entgegen. "Hey! Na, wie gehts?" heuchelte Syd Sorglosigkeit. "Ich versuche, seit Tagen, dich zu erreichen- wo bist du?!" entgegnete Will aufgebracht. "Keine Ahnung, mein Netz spinnt in letzter Zeit- ich hatte nie Empfang." log Sydney. "Hat dir Francie nicht Bescheid gegeben? Ich bin im Urlaub- ich brauch mal ne Auszeit- verstehst du?"
"Hör mal, ich muss kurz mit dir reden- es ist wichtig. Hast du ne Minute Zeit?" fragte Will. "Ja klar, ich hab Zeit. Schieß los."
Will räusperte sich und sprach mit verschwörerischer Stimme. "Pass auf, ich habe etwas herausgefunden. Es hat mit Dannys Tod zu tun." Sydney unterbrach ihn "Will! Ich hatte dir gesagt, die Finger davon zu lassen!" Will klang jetzt eher kleinlaut.
"Ja ich weiß. Aber ich glaube, es wird dich interessieren, was ich herausgefunden habe."
Sydney traten Schweißperlen auf die Stirn. Was wusste er?
"Ich weiß, wer für den Tod von Danny verantwortlich ist, Syd." sagte Will mit belegter Stimme. Syds Herz begann zu rasen und sie bekam feuchte Hände. "Es ist dein Boss, Arvin Sloane." flüsterte Will.
'Oh mein Gott! Er weiß alles!' schoss es Sydney durch den Kopf. Ihr panischer Gesichtsausdruck blieb den anderen Helikopter-Insassen nicht verborgen. Sie wusste, dass sie etwas tun musste. Widerwillig begann sie, Entrüstung zu äußern. "Will, du bist verrückt! Was soll denn mein Chef damit zu tun haben? Darüber macht man keine Scherze. Er ist ein äußerst liebenswerter." Syd schluckte hart und schloss die Augen ".und integerer Mann. Soetwas könnte er nie tun. Er ist ein guter Mensch." Sie hasste sich dafür, Arvin Sloane so zu betiteln, aber vielleicht brachte es etwas.
Will räusperte sich wieder. "Syd. Er ist nicht der Mann, den du meinst zu kennen. Ich habe Informationen, die hieb- und stichfest beweisen, dass Arvin Sloane ein Terrorist ist. Er is für eine Vielzahl von ungeklärten Morden verantwortlich, unter anderem den von Danny."
Sydney schwieg. Sie musste herausfinden, was Will wusste, ohne sich zu verraten.
"Wieso sollte Arvin Sloane Danny umbringen lassen?" fragte sie laut und deutlich, damit Jack und Vaughn Bescheid wussten, die beide sehr besorgt aussahen. Aber jetzt spiegelte sich blankes Entsetzen auf ihren Gesichtern.
"Meine Quelle sagt, es habe eine geheime Operation namens SD-6 gegeben, die Arvin Sloane veranlasst hatte. Danny muss wohl zufällig davon Wind bekommen haben und daher wurde er." ein weiteres Räuspern von Will ".umgebracht. Es tut mir leid, Syd."
Syds Kopf arbeitete fieberhaft. 'Er hat teils falsche Informationen. Wer ist diese merkwürdige Quelle?'
"Wer hat dir das gesagt? Sind die Informationen glaubwürdig?" fragte Syd mit gespielter Fassungslosigkeit.
"Nun ja. ich weiß nicht, wer es ist, aber die Dokumente die ich erhalten habe, sind echt. Ich habe alles nachgeprüft." Wills Stimme klang jetzt beschwörend. "Syd, wir müssen damit an die Öffentlichkeit. Ich habe es bisher noch keiner Menschenseele gesagt, aber dieser Mistkerl muss eine gerechte Strafe erhalten!" 'Wenn du wüsstest, was ich gerade tue!' dachte Syd, spielte aber die aufgelöste Freundin. "Ich fasse es nicht, Will! Ich komme so schnell wie möglich nach Hause! Ich rufe dich nochmal vom Flughafen aus an, ja? I-Ich will erstmal allein sein- verstehst du das?"
Will zeigte Verständnis und beendete das Gespräch. "Gut, dass pass auf dich auf. Bis bald!"
Syd setzte Jack und Vaughn in Kenntnis, was Will ihr berichtet hatte. "Er wird nichts unternehmen, solange er mir nicht alles erzählt hat. Das weiß ich." Sie vermied es, Vaughn anzusehen, als sie von Will sprach.
Dieser bemühte sich, sich seinen leichten Anflug von Eifersucht nicht anmerken zu lassen.
Als er aus dem Krankenhaus trat, blies ihm ein kühler Wind entgegen. Seit er mit seinem Chauffeur telefoniert hatte, waren nur 10 Minuten vergangen, doch die Limousine stand schon startbereit vor ihm. Sloane stieg ein und ließ sich zum Credit Dauphine Gebäude fahren.
Unterwegs tätigte er einige Telefonate- er rief die gesamte Mannschaft zu einer Mission zusammen. Als er Jack nicht erreichte, wurde er nervös. Der Agent war der einzige, der noch von IWR-X wusste.
Sloane wollte sichergehen, dass Jack bei der Mission dabei war.
Kaum im Hauptquartier angekommen, blieb ihm kaum Zeit, weiter darüber nachzudenken. Sloane überprüfte die Anwesenheit aller 5 Agenten, die noch von der Laserwaffe wussten und begann mit dem Briefing.
"Guten Morgen! Sie werden sich sicher wundern, warum ich sie zu so unchristlicher Stunde alle hierherbestellt habe. Zunächst einmal möchte ich mich bedanken, dass sie alle so schnell wie möglich erschienen sind."
Ein äußerst schläfriger Marshall gähnte herzhaft, während er sich einen Jumbo-Becher Kaffee auffüllte; unter seinem Mantel blitzte seine Pyjamahose hervor. Dixon brachte gerade noch ein paar Kaffeetassen in den Konferenzraum, als Sloane nach einer kurzen Pause fortfuhr.
"Ich werde sie jetzt in etwas einweihen, was höchste Sicherheitspriorität besitzt. Wie sie wissen-", das Bild einer Laserkanone erschien auf den Bildschirmen, "- sind wir im Besitz dieser mächtigen Waffe, von der eine identische in Südamerika positioniert ist. Von höchster Stelle haben wir erfahren, dass in 20 Stunden die andere Waffe aktiviert werden soll. Daher werden wir Gegenmaßnahmen ergreifen müssen.
Wir sind zwar ebenfalls im Besitz einer Neutralisierungseinheit-", als Sloane von seiner 'Sarah' sprach, blickte Marshall mit strahlenden Augen auf, "- allerdings ist die genaue Position der anderen Waffe unbekannt, was den Einsatz von.. ähem.. 'Sarah' unmöglich macht."
Enttäuscht widmete sich Marshall wieder seinem Kaffeebecher.
"Allerdings gibt es eine weitere Möglichkeit." fuhr Sloane fort. "Um die Waffe zu gebrauchen, werden sich die Terroristen eines Satelliten bedienen, der zu dieser Zeit günstig liegt, den Strahl weiterzuleiten. Richtung Vereinigte Staaten."
Ein Raunen ging durch den Raum, nur Marshall grübelte. "Äh. Mr. Sloane? Ich glaube kaum. also. ich denke nicht, dass ein normaler Satellit in der Lage ist einen Laserstrahl dieser Größenordnung zu spiegeln, es sei denn. Ja! Natürlich! Die spezielle Beschichtung aus einer Aluminium-Plutonium-Verbindung, die Fred.. äh. ich meine.. ein alter Studienkumpel entwickelt hat! Er hat mir davon erzählt, die Valenzelektronen des Plutonium bilden eine Art."
"Ja, genau Marshall, danke!" mit einem rügenden Blick würgte Sloane den euphorischen Techniker ab. "Es gibt einen Satelliten mit der Fähigkeit, Strahlen dieser Größenordnung weiterzuleiten. Womit wir bei ihnen wären, Marshall."
Verdutzt schaute der Angesprochene zu seinem Chef. "Sie werden mit uns in das Kontrollzentrum des Satelliten gehen, um diesen zu steuern und das Vorhaben der Terroristen zu vereiteln. Herzlichen Glückwunsch zu ihrer ersten Mission!"
Marshall verschluckte sich an seinem Kaffee.
Nachdem Syd Will nocheinmal angerufen und eine Flugverzögerung vorgeheuchelt hatte, schlief sie ein.
Ihre Träume waren ein einziges Wirrwar aus Gesichtern. Sie sah Sloane wie er irre lachte und Vaughn wie er sie anlächelte und ihr sanft eine Strähne aus dem Gesicht strich. Als sie die Augen öffnete, sah sie Vaughns Gesicht immernoch. Er hatte sich über sie gebeugt, um sie zu wecken. "Wir sind da." flüsterte er. "Jack pack gerade das Equipment aus."
Alle drei teilten die Ausrüstung auf, versteckten den Helikopter in einer verlassenen Lagerhalle und machten sich auf den Weg zu Jacks Kontaktmann. "Dad? Da wir jetzt angekommen sind- was bereitet dir denn solches Kopfzerbrechen?" fragte Sydney ihren Vater. Dieser bekam wieder seinen typischen verschlossenen Gesichtsausdruck, begann aber trotzdem zu reden.
"Agent Vaughn, was wissen sie über Projekt 753?" wandte er sich geschäftsmäßig an den verwunderten CIA Agenten. "Nun ja, es ist vielmehr ein Gerücht innerhalb der CIA. Es gibt keinerlei Akten darüber. Und ehrlich gesgat glaube ich auch nicht daran. Es scheint einer dieser Mythen zu sein, die nicht totzukriegen sind. Irgendwer hat das mal in die Welt gesetzt und das Gerücht lebt eben weiter." anwortete Vaughn.
Jack schaute auf den Boden, während er weiterlief. Leise sagte er: "Leider ist das kein Gerücht. Es ist wahr." Vaughn wurde auf einmal sehr blass im Gesicht."Nein! Das kann nicht sein! Das glaube ich nicht!" entgegnete er entrüstet.
Sydneys Geduld hatte ein Ende. "Wäre einer von euch so freundlich mir zu erklären, was dieses ominöse Projekt ist?"
Vaughn sah sie an und Syd bekam es mit der Angst zu tun. Langsam begann Vaughn zu sprechen. "Nach Ende des Kalten Krieges wurde von den amerikanischen Geheimdiensten das Projekt 752 gestartet. Mit Genehmigung der Regierung sollten alle nuklearen Waffen, die sich im Besitz der Vereinigten Staaten befinden, von Spezialeinheiten der CIA und des FBI unschädlich gemacht werden. Allerdings geht das Gerücht um, dass die Regierung heimlich den noch viel geheimeren Auftrag namens Projekt 753 erteilt hat, einen Kern einer Atombombe aufzuheben und nicht zu vernichten.
Und angeblich soll dieser Kern im Keller des CIA Hauptquartiers in Langley aufbewahrt werden."
Alle schwiegen. "Die Geschichte wurde uns CIA Rekruten immer erzählt, damit wir lernen, auch mit belastenden Ausnahmesituationen umzugehen. Ich hatte das für eine ausgedachte Geschichte gehalten." Vaughn verstummte.
Jack sprach aus, was alle dachten. "Sloanes Hass auf die CIA, eine Laserkanone, ein Satellit und ein Atombombenkern im CIA Hauptquartier. Da braucht man nur noch eins und eins zusammenzuzählen."