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14. Am Abgrund

Syd erkennt ihre wahren Gefühle für Vaughn und der mysteriöse Fremde entpuppt sich als gefählicher als angenommen.

Will nahm die Akte, die Frank angelegt hatte und studierte die gesammelten Informationen, während sich sein Kollege stillschweigend verzog.
In Texas geboren und aufgewachsen- Wirtschaftsstudium in Boston- magna cum laude Abschluss- Arbeit bei verschiedenen Banken- Gründung der Credit Dauphine Bank L. A.- bis heute Geschäftsführer.
Nichts außergewöhnliches, nichts auffälliges. Keinerlei polizeiliche Angaben über ihn- noch nichteinmal einen Strafzettel. Da Frank früher eine Zeit lang beim LAPD gearbeitet hatte, bekam ein ab und zu ein paar Infos unter der Hand.

Will las die Akte wieder und wieder, doch fand keinerlei Hinweis darauf, dass dieser Typ von letzter Nacht die Wahrheit gesagt haben könnte. Die ganze Entführung kam Will eher wie ein Alptraum vor. Doch seine journalistische Neugier ließ ihn den Vorfall nicht vergessen. 'Welchen Grund sollte der Mann gehabt haben, mich zu belügen?' grübelte er.
Plötzlich zuckte er zusammen, als sein Handy klingelte. Eine unheimliche Gänsehaut fuhr seinen Rücken hinunter und seine Nackenhaare stellten sich auf, als er abnahm und wieder die verzerrte Stimme am anderen Ende zu hören war.
"Alles was sie zur Überführung von Arvin Sloane benötigen, dürfte in wenigen Sekunden eintreffen." -KLACK-.

Will war es fast schon gewohnt, bei Telefonaten dieser Art nicht antworten zu können. Auf einmal kam die nette Dame mit der Post an seinem Schreibtisch vorbei und legte einen dicken braunen Umschlag unter Wills Nase. Jedesmal gruselte er sich, wenn die Vorhersagen der verzerrten Stimme so prompt eintrafen.
Ohne den Umschlag genauer zu betrachten rief der Reporter: "He, Claire! Sag mal, woher kommt der Umschlag?". Die Angesprochene drehte sich zu ihm um und überlegte kurz.
"Der wurde vorhin für dich abgegeben. Von einem netten jungen Mann.". "Weißt du noch, wie der aussah?" hakte Will ungeduldig nach.
"Ach, weißt du! Soviele Menschen wie hier tagtäglich ein- und ausgehen! Ich kann mir schließlich nicht jedes Gesicht merken!". Mit diesen Worten stapfte Claire davon und setzte ihre morgendliche Route fort.
'Heute scheint auch gar nichts zu klappen..' seufzte Will und kehrte resigniert zu seinem Schreibtisch zurück.


Vaughn wurde beinahe schwarz vor Augen, als er mit letzter Kraft versuchte, nach Jeremy zu greifen. zu seinem Glück bekam er einen Fuß zu fassen, während sich der Helikopter langsam aber sicher vom Erdboden entfernte.
Hazard gefiel es gar nicht, dass jemand an ihm hing und versuchte krampfhaft, Vaughn abzuschütteln. Doch der CIA-Agent dachte nicht daran, loszulassen und griff in einem günstigen Moment nach dem anderen Bein.

Sydney wischte sich die Tränen weg und beobachtete ihren Vater, wie er gewissenhaft und mit unglaublicher Professionalität den Helikopter startklar machte. Irgendwie schaffte er es immer wieder, Privates vom Beruflichen strikt zu trennen- als hätte er einen Schalter im Kopf.

Eigentlich hatte Syd den Satz schon bereut, kurz nachdem sie ihn ausgesprochen hatte. Ihr Kopf sagte klar Nein zu einer außerberuflichen Beziehung zu Agent Vaughn, doch ihr Herz, auf das sie schon lange nicht mehr gehört hatte, sprach etwas ganz anderes: 'Warum lässt du es nicht darauf ankommen? Alles scheint so einfach, wenn er da ist. Er gibt dir Geborgenheit und Zuversicht wie nie ein Mensch zuvor..'.
Syd seufzte und fasste gerade den Entschluss, diese anstrengende Kopf-Herz-Diskussion ein anderes Mal fortzusetzen, als es plötzlich rumpelte. Ein Blick nach draußen sagte den zwei Doppelagenten, dass sie nur wenige Meter vom Boden abgehoben waren.
Bevor die beiden irgendetwas tun konnten, rumpelte es ein zweites Mal und der Helikopter flog in einer leichten Schräglage weiter.

Jack holte seine Waffe aus seinem Jacket und gab sie Sydney, während er den Helikopter weiter steigen ließ. "Wir haben einen blinden Passagier." sagte er kühl und konzentrierte sich auf das Fliegen. "Ich suche etwas, wo wir kurz runtergehen können, denn ich glaube kaum, dass ein Helikopter mit Anhängsel lange unbemerkt bleibt.".
Seine Tochter nahm die 9mm und beugte sich aus dem Fenster. Ihr Herz blieb fast stehen, als sie die beiden Männer erkannte.
Vaughn klammerte an Hazards Beinen und Sydney fühlte förmlich, wie schmerzhaft das für seine Schulter sein musste.
"Dad! Geh sofort runter!!" rief sie Jack zu und sah hilflos hinunter wie Vaughn langsam aber sicher die Kräfte verließen. Sie sah auch, dass sie sich bereits über einem langgestreckten Nadelwald befanden und weit und breit kein Fleckchen zum Landen in Sicht war. Sie sah noch nicht einmal ihren Startplatz- ein Zeichen dafür, dass er wenigstens gut versteckt war.

Sydney geriet in Panik, als sie den kraftlosen Ausdruck in Vaughns Augen sah.
Aber plötzlich wurde alles ganz klar.
Blitzschnell warf sie sie Waffe auf den Sitz, riss sich die Kopfhörer vom Kopf und schnallte sich ab. Jack schnappte sich ihre Hand und sah sie eindringlich an. "Was hast du vor?!?" rief er und Sydney erkannte nackte Angst in seinen Augen.
"Ich rette den Mann den ich liebe!!". Mit diesen Worten riss sie sich los und öffnete die Tür.
Sie schwang sich hinaus und klammerte sich mit den Beinen an den Kufen fest, sodass sie kopfüber am Hubschrauber hing. Ihr Fuß schmerzte barbarisch, aber Sydney nahm kaum Notiz davon.

Hazard konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Ihr seid wohl unzertrennlich, was? Wie niedlich.." rief er gefolgt von einem gehässigen Lachen. Vaughn blickte nach oben und seine Augen funkelten. "Was soll das! Mach dass du wieder reinkommst! Sofort!".
Jeremy schaute kurz nach unten und wandte sich wieder Sydney zu. "Ich hab eine bessere Idee! Ihr tauscht die Plätze, dann hängt die Kleine an meinen Beinen..". Die widerliche Geste mit der Zunge, die er daraufhin machte, brachte das Fass bei Syd zum Überlaufen.
"Du Dreckskerl!" fauchte sie und schlug ihm in die Magengrube. Hazard keuchte und lachte wieder gehässig. "Ich würde an deiner Stelle aufpassen, Süße! Wenn ich loslassen, dass war´s das mit deinem Lover!".
"Dann mach doch, du widerliches Dreckschwein!" zischte Syd kühl und schlug nocheinmal zu. Hazard war anzusehen, dass er starke Schmerzen hatte, dennoch wurde sein Grinsen breiter.
"Ich hab dich gewarnt, Zuckerpuppe!". Mit diesen Worten ließ er los.


Stiller hatte aufgelegt und trommelte nervös auf dem Telefon. Als es klingelte, nahm er sofort ab. "Ja?? ... Er hat es bekommen? Sehr gut!".
Zufrieden lehnte sich Nathan in seinem Chefsessel zurück. Es lief alles nach Plan.
Er schaute auf die Uhr und machte sich auf den Weg nach Hause. Nachdem er ordnungsgemäß seinen Recher heruntergefahren und seinen Schreibtlisch abgeschlossen hatte, nahm er seine Aktentasche und verließ sein Büro. Im Flur traf er einen Kollegen.
"Oh, Hallo Marcus! Grüßen sie ihre Frau von mir, ja?" begrüßte er ihn beschwingt. Dixon schaute verwundert auf. "Oh.. ja mach ich!".
Einige Minuten später verließ Nathan Stiller pfeifend das Credit Dauphine Gebäude.