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07. Countdown

Wills Recherchen führen ihn auf eine heiße Spur, doch er ahnt nicht, welche Gefahr damit verbunden ist.

Sydney konnte es nicht fassen.
Sie sprang auf und schrie auf. "Verdammt!!". 'Mist, ich kann doch nichtmal anständig laufen, wie soll ich Dad dann helfen? Sollte ich nicht vielleicht doch hierbleiben? .. Blödsinn!! Niemals werde ich ihn so hängenlassen. Eher hacke ich mir den Fuß ab!!!' dachte sie, als sie zum Tisch humpelte, um ihre Sachen zusammenzupacken.
'So! Was auch immer hier los ist- ich werde es herausfinden! Ich werde Dad zur Seite stehen! Und ich werde Vaughn rächen!!'. Beim Gedanken an Vaughn kam wieder dieser unerklärliche Schmerz in ihr hoch und sie hatte Mühe, stehen zubleiben.
Doch wo solte sie hingehen? Zu SD-6 ging nicht, denn Sloane vermutete sie ja noch in Krakau. Die CIA? Sie wusste nicht, ob der Agent, der Vaughn ans Messer geliefert hatte, nicht auch noch andere Dinge im Schilde führte.
Wohin also?

Will zitterte am ganzen Körper, als er der verzerrten Stimme am anderen Ende zuhörte. "Sehen sie die Bushaltestelle auf der andreren Straßenseite?". Will drehte sich herum. "Ja, ich sehe sie.."."Schauen sie in den Mülleimer." antwortete die Stimme. 'KLACK'. "Mist!" grummelte Will. 'Schon wieder aufgelegt..'.
Er hängte den Hörer wieder ein und ging über sie Straße zur Bushaltestelle. Er schaute in den Mülleimer und entdeckte eine kleine Schachtel. Vorsichtig nahm er sie heraus und hielt kurz inne. 'Was wohl da drin ist?'. Er überlegte, ob er sie sofort öffnen sollte und schaute sich um, ob ihn jemand beobachtete. Doch trotz seiner Neugier entschloss er sich, zu warten, bis er zu Hause war.
Er nahm die Schachtel und ging zu seinem Auto. Als er schon einige Kilometer gefahren war, merkte er, dass ihm schon seit drei Straßen ein schwarzer Transporter folgte. 'Ach, ich bilde mir da was ein- das ist sicher Zufall!' beruhigte sich Will selbst. Um sicherzugehen, bog er in eine Nebenstraße ein, die von seiner Wohnung wegführte. Er schaute in den Rückspiegel und bemerkte, dass der Transporter ihm nicht folgte. 'Wusste ich´s doch! Ich hab mir umsonst Sorgen gemacht.'. Will atmete auf.
Die ganze Geschichte machte ihm ganz schön zu schaffen. Er war Reporter und hatte häufig mit unfreundlichen Reaktionen bis hin zu Drohungen zu tun. Aber keine Story bereitete ihm so viel Kopfzerbrechen und Gänsehaut wie diese hier. Er wollte unbedingt wissen, was dieses SD-6 mit dem Tod von Danny zu tun hatte. Will wollte Syd helfen, einen Schuldigen zu finden, der für den Mord an ihrem Verlobten verantwortlich war.

Beim Gedanken an Sydney wurde ihm warm ums Herz und er bog gerade in seine Straße ein. Da sah er ihn wieder! Der schwarze Transporter stand vor seinem Haus!! Will traute seinen Augen nicht! 'Verdammt, was soll ich tun?' er begann feuchte Hände zu kriegen. Langsam fuhr er an seinem Haus und dem Transporter vorbei und versuchte, einen Blick ins Innere des Wagens zu werfen, aber sämtliche Fenster waren abgedunkelt, sogar die Frontscheibe.
Will fuhr nervös immer weiter, bis er den Transporter aus den Augen verloren hatte. 'Zum Glück kenne ich einen andereren Weg nach Hause!' dachte er und parkte sein Auto in einem kleinen Weg im nahegelegenen Waldstück. Als Kind war er oft hier und kannte sich daher in dieser Gegend gut aus.
Er bedeckte sein Auto mit ein paar Ästen, die er vom dunklen Waldboden sammelte. Er hatte irgendwann Mühe, sein Auto in dem stockfinsteren Wald wiederzufinden. Schließlich verwischte er noch die Reifenspuren, die er im weichen Boden hinterlassen hatte.

Er schlich durch das Unterholz und kam sich dabei reichlich dämlich vor. 'Was ist, wenn das vor meinem Haus ein ganz anderer Transporter war? Ich glaub ich werde langsam paranoid...' dachte er 'Aber sicher ist sicher. Man weiß ja nie. Eigentlich bin ich ja kein Feigling, aber irendwie habe ich bei dieser SD-6-Geschichte kein gutes Gefühl.'.
Er ging denselben Weg, den er immer als Kind nach Hause gegangen ist, wenn er heimlich nach Hause schlich, um seine Eltern nicht zu wecken, weil er mal wieder Hausarrest hatte.
Der Weg war ziemlich lang gewesen damals und er wunderte sich, warum es diesmal so schnell ging. Die ganze Zeit hatte er die kleine Schachtel in seiner Innentasche und vergewisserte sich alle hundert Meter, ob sie noch da war.
Da sah er sein Haus- aber es brannte Licht!

Sydney saß auf der Couch und betrachtete ihren dicken Fuß. Wie der wohl angebrochen wurde? Was war passiert, als sie ohnmächtig war? Vielleicht waren die Männer vom K-Direktorat nicht gerade zimperlich mit ihr umgegangen.
Sie dachte an ihrem Traum, als Vaughn Anna geküsst hatte und ihr Vater mit ihr offensichtlich unter einer Decke steckte. Ihr wurde ganz schlecht bei dem Gedanken, dass die zwei Menschen, denen sie am meisten vertrauen konnte, sie auf so hinterhältige Weise verraten könnten. Sie wischte die Gedanken aus ihrem Kopf 'Es war nur ein Traum! Dad kann mich gar nicht verraten- er hat gesagt, er liebt mich!!'.
Plötzlich hörte sie ein leises Knacken, als würde jemand das Fenster auf der Rückseite öffnen. Sofort geriet sie in Panik und machte das Licht aus. Sie stellte sich hinter den Vorhang, bereit, zuzuschlagen.
Der Eindringling stieg vorsichtig in das Zimmer und suchte die Umgebung ab. Sydney nutzte den Moment, um ihm kräftig auf den Hinterkopf zu schlagen.

Will spürte plötzlich einen dumpfen Schmerz am Hinterkopf, nachdem er in sein Haus von hinten eingestiegen war. Ihm wurde schwindelig und er taumelte durch den Raum auf der Flucht vor dem Angreifer. Er rannte auf den Lichtschalter zu und betätigte ihn.
Bevor Sydney ein zweites Mal zuschlagen konnte, drehte sich der Eindringling um und sie erkannte ihn. "Will?!? Warum kommst du nicht durch die Vordertür, wie jeder normale Mensch?" schrie sie ihn an, den Tränen nahe "Weißt du wie ich mich erschreckt habe?". Syd konnte den Gedanken nicht ertragen, ihren besten Freund geschlagen zu haben.
Will traute seinen Augen schon wieder nicht. "S-Sydney?? Was tust du hier und warum hast du mich geschlagen??". Sydney tat es furchtbar leid "Ich.. ich hatte dich für einen Einbrecher gehalten. Oh Will! Tut es sehr weh??" sorgte sie sich. Will musste lächeln "Nein, es geht schon, ich muss mich nur einen Moment hinsetzen..". Als er saß, sagte er zu ihr "Aber du hast einen ganz schönen Schlag drauf, das muss ich dir lassen..".
Sydney ging in die Küche und holte einen Beutel Eis.

Nach einer ausgiebigen Dusche, einem neuen Verband und einem reichhaltigen Abendessen erzählte Sydney Will, dass sie Ärger auf einer Geschäftsreise hatte, und dass ein paar Rowdies sie die Rolltreppe runtergeschubst hatten. Sie wollte nur nicht alleine zu Hause bleiben und mit jemandem reden. Außerdem borgte sie sich ein paar Klamotten von Jenny. "Ich bringe sie dir auf jeden Fall zurück! Ich danke dir, Will!! Für alles!!".
Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange und stand auf, um zur Tür zu gehen. Plötzlich fiel Will der Transporter ein, der sicher noch vor der Tür stand und sagte ihr, sie solle hinten rausgehen. "Ich habe gerade Ärger wegen einer Story und die Typen wollen mir was anhängen.". Sydney schenkte ihm ein mitleidiges aber auch aufmunterndes Lächeln und ging zum Fenster hinaus.

Nach einiger Zeit bemerkte Will die kleine Schachtel, die er immernoch in seiner Jacke hatte. 'Jetzt kann ich sie ja aufmachen.' dachte er und nahm den Deckel ab.
In der Schachtel befand sich eine Visitenkarte: "Arvin Sloane, Credit Dauphine Bank" stand darauf. Will erschrak 'Das ist die Bank, bei der Sydney arbeitet!!'.