03. Schicksal
Als ob es Schicksal wäre, steckt Syd in Krakau fest und befindet sich somit in höchster Gefahr!
Sydney ging einen Schritt zurück und hielt sich die Hand vor die Augen. Langsam gewöhnte sie sich an das helle Licht und erkannte, was die Ursache dafür war. "Wunderschön.." flüsterte sie. Es war ein fast faustgroßer Diamant, der von Millionen von kleinen Spiegeln umgeben war. Das wenige Tageslicht im Keller des Hauses wurde auf diese Weise unendlich oft gebrochen und am Ende zu einem gigantischen Lichtstrahl wieder gebündelt.
'Wahnsinn!' dachte Sydney, als Vaughn sie aus ihren Gedanken riss "Sydney, wir müssen los!". "Ok!" sie nahm den ziemlich warmen Diamanten und schloss das Fenster wieder. "Wir sind dann hier fertig. Vielen Dank für ihre Mühe!" sagte Vaughn zur Hausverwalterin und sie verließen das Haus.
"Er ist wirklich wunderschön." sagte Vaughn. "Ja- aber zu was ist er gut? Marshall wird das sicher herausfinden- ich informiere euch dann gleich, wenn ich etwas weiß.". Beim Gedanken an Marshall musste Syd unwillkürlich lächeln. Sie stand auf, packte den Diamanten in ihre Tasche und zog die Vorhänge in ihrem Hotelzimmer wieder auf. Plötzlich fielen ihr Sloane´s Worte wieder ein "Begib dich sofort wieder nach L. A. !".
Sie drehte sich schlagartig zu Vaughn um "Wir müssen los!!"
Als Syd das Hotel verließ, bemerkte sie sofort den riesigen Stau, der in alle Straßen weiterzuführen schien. 'Der war vorhin aber noch nicht da- zumindest nicht in dem Ausmaß..' wunderte sie sich. Sie lief zum vereinbarten Treffpunkt mit Vaughn, der sich mit einem Basecap und einer Sonnenbrille 'verkleidet' hatte. Er beendete gerade ein Gespräch und sah dabei nicht besonders glücklich aus. Mit deprimiertem Blick wandte er sich ihr zu "Schlechte Nachrichten Sydney. In Krakau herrscht heute ein unangekündigter Streik sämtlicher Verkehrsmittelbetriebe- es geht sozusagen nichts. Morgen früh soll aber wieder planmäßig ein Flug nach L. A. gehen.".
"Ok ich rufe SD-6 an!" sagte Syd und verschwand um die Ecke.
Nach 2 Minuten kam sie zurück. "SD-6 hatte einige Hubschrauber und Flugzeuge außerhalb von Krakau stationiert, aber es gab Probleme. Das K-Direktorat hat gestern den Stützpunkt gesprengt.". Syd war deprimiert. 'Schon wieder sind Menschen gestorben- hat das denn nie ein Ende?'. Ihre Verzweiflung begann, in Wut umzuschlagen. "Es ist doch wie verhext! Wir sollen wahrscheinlich ewig hier feststecken!!" schimpfte sie.
"Hey bleib ruhig Sydney". Vaughn nahm ihre Hand. Plötzlich bekam Syd Herzklopfen. Sie sah ihm in die Augen. 'Nein!!' sie musste jetzt einen kühlen Kopf bewahren. "Ähm.. es geht schon, danke!" Sie ließ seine Hand los und strich sich verlegen eine Strähne aus dem Gesicht. "Am besten, wir suchen uns eine neue Gelegenheit zum übernachten- aber vorher brauch ich ein neues Outfit." sagte Syd.
Sie gingen los auf der Suche nach dem nächsten Kaufhaus. Dort suchten sie sich einen leeren 'staff-room' und schlossen ab.
Sydney wollte gerade ihren Rock ausziehen, als sie sich zu Vaughn wandte "Würdest du dich umdrehen?" Sie lächelte verlegen und auch Vaughn wurde rot "Äh ja klar... natürlich..". Er drehte sich um und Syd zog ihre Hose und ein anderes T-Shirt an. 'Wie niedlich- gerade hat er wie Marshall ausgesehen..' dachte sie währenddessen. "Ich bin dann fertig- du kannst wieder..." sagte sie immer noch ein wenig peinlich berührt.
Sie verließen unauffällig das Kaufhaus und gingen zu einer kleinen Pension, die etwas versteckt am Stadtrand von Krakau lag. Dort nahm sich Vaughn allein als Gerd Schmidt aus Deutschland ein Zimmer. Syd stieg durch´s Fenster ein.
Langsam wurde es dunkler und die zwei bemerkten, dass sie schon lange nichts mehr gegessen hatten. Vaughn ging hinunter in die Küche und besorgte Sandwiches, etwas Obst und eine Flasche Wein.
"Oh mann ich habe wirklich einen Mordshunger! Lecker- Sandwiches!" freute sich Sydney "Eigentlich trinke ich ja nicht, aber ein Glas kann ja nicht schaden.".
Nach einem ausgiebigen Abendessen unterhielten sich Vaughn und Syd wie zwei gute Freunde.
"Als wir heute in dem Haus mit den Kindern waren, bin ich irgendwie traurig geworden." sagte Syd "Ich wünschte, ich könnte ihnen wirklich helfen, anstatt für SD-6 zu arbeiten. Glaubst du, dass dieser Alptraum je ein Ende haben wird?". Langsam kamen Syd die Tränen. "Ich hasse es, Sloane Tag für Tag gegenüberzustehen und so zu tun, als wäre nichts geschehen, obwohl ich genau weiß, dass er ein falsches Spiel treibt.. und dass er für Danny´s Tod verantwortlich...". Beim Gedanken an ihren Verlobten konnte sie die Tränen nicht mehr zurückhalten. "Wie soll ich das noch so lange durchhalten? Immer wieder müssen unschuldige Menschen sterben...".
"Hey Sydney." Vaughn nahm sie in den Arm und ließ sie weinen. "Ganz ruhig. Es wird schon werden- ich bin für dich da..". Sie schluchzte "Ich danke dir. Du bist der einzige, der mich verstehen kann und mir auch zu Seite steht..". Sie sah ihm in seine grünen Augen und fühlte sich zum ersten Mal seit Danny´s Tod geborgen und in Sicherheit. "Vaughn..." doch weiter kam sie nicht, denn er hatte sie schon geküsst. Syd´s Herz schlug wie verrückt, als sie ihn küsste. Sie spürte, wie er seine Hand an ihr Gesicht legte.
Nach ein paar Sekunden, die Syd wie eine kleine Ewigkeit erschienen, ließ er sie los und murmelte mit belegter Stimme "Tut mir leid... das .. äh.. das hätte ich nicht tun dürfen..".
Sydney war noch ganz verwirrt, als sie plötzlich einen kühlen Windhauch spürte. Sie zuckte zusammen- jemand war in ihrem Zimmer!!
"Wie reizend!" sagte eine eiskalte Stimme aus einer dunklen Ecke.
'Oh mein Gott- nein!!!' erschrak Sydney. Langsam trat die Person ins Licht und stand vor ihnen- mit einem selbstgefälligen Grinsen und ihrer Waffe auf Vaughn und Syd gerichtet.
"Anna!"