8. Jacques Moureaut
Jack war schockiert. Das kann nicht wahr sein. Nein das geht gar nicht. Er rannte zu seinem Auto und fuhr in Richtung Flughafen. Auf dem Weg dorthin sammelten sich seine Gedanken langsam wieder. Wie konnte er nur so unüberlegt handeln? Er hatte keine Ahnung was dort vorgefallen war. Jetzt Hals über Kopf dorthin zu fliegen wäre total sinnlos. Er wusste ja nicht einmal wo genau sich dieses Gebäude befinden sollte. Jack drehte um und fuhr stattdessen zur C.I.A.. Dort schilderte er die Situation und gemeinsam überlegten sie was zu tun sei.
Sydney rappelte sich wieder hoch. „Dixon? Alles okay?“ „Mir geht es gut Syd. Bist Du auch in Ordnung?“ „Ja nur nen paar Schrammen!“
Die beiden waren gerade kurz vor dem Gebäude gewesen, Dixon hatte die schwere Sicherheitstür bereits geknackt und geöffnet, als Sydney den Anruf von ihrem Vater bekommen hatte. Lediglich dadurch von ihrer Aufgabe abgehalten wartet Dixon, den Griff der offenen Tür in der Hand, um zu erfahren was der Grund für Jack Bristows Anruf war. Jack würde niemals während eines Auftrages anrufen wenn es nicht sehr wichtig war.
Sydney hatte jedoch ein Problem mit dem Empfang ihres Handys gehabt. Beide waren ein wenig vom Haus weggegangen, den Grund für die Empfangsschwierigkeiten von eventuellen Sicherheitssystemen herrührend, vermutend.
Doch als die Tür ins Schloss schlug gab es einen markerschütternden Knall und das halbe Gebäude war in die Luft geflogen. Von dem Druck der durch die Detonation entstanden war, waren Sydney und Dixon ein kleines Stück durch die Luft geflogen und unsanft auf dem Asphalt aufgeschlagen. Aber bis auf Sydneys Handy, das dran glauben musste, war nichts weiter passiert.
„Was nun?“ Sydney guckte Dixon fragend an, doch dieser hatte den gleichen fragenden Ausdruck im Gesicht. Se überlegten ob sie nach dem Grund für die Explosion suchen sollten. Doch da erinnerte Dixon seine Partnerin an den Anruf ihres Vaters. Vielleicht wäre es sinnvoll zunächst zu hören was der Grund für diesen Anruf gewesen war.
Dixon reichte Sydney sein Handy und sie wählte die Nummer ihres Vaters. „Bristow!“ meldete sich ihr Vater kurze Zeit später. „Dad ich bin’s, Sydney! Du hattest mir etwas sagen wollen?“ „Sydney..!“ Jack fühlte sich so erleichtert wie schon ewig nicht mehr. Dennoch ließ er sich nichts anmerken und sprach in dem bekannt starren Ton weiter: „… Ist alles in Ordnung mit Euch? Ich habe eine Explosion gehört!“ „Ja, wir sind okay! Der vordere Teil des Lagerhauses ist gerade explodiert. Wir wollten gerade los und nach der Ursache gucken.“ „Nein! Sydney! Das Lagerhaus ist eine Falle! Deshalb hatte ich angerufen. Seht zu, dass ihr da weg kommt. Vielleicht sind dort noch mehr Bomben platziert.“ „Dad, woher…“ Doch Jack hatte bereits aufgelegt.
Sydney traute ihren Ohren nicht. Wer war so erpicht darauf SD-6 zu schaden? Dieser Anschlag deutete direkt auf das K-Direktorat. Aber woher wusste ihr Vater, dass es tatsächlich ein beabsichtigter Anschlag war? Sydney schoss ein Gedanke durch den Kopf: Hatte es etwa erneut einen anonymen Anruf gegeben?
Dixon meldete sich zu Wort und Sydney erklärte ihm die neue Situation. Er schien genauso verwirrt wie Sydney.
Der Flug nach L.A. verlief so leise wie schon der Hinflug. Nur war dieses Mal der Grund für die Stille ein Anderer.
Beiden ging diese Explosion nicht aus dem Kopf. Hätte Jack nicht angerufen und ihnen somit einen Grund verschafft sich von der Tür zu entfernen wären sie jetzt beide tot.
Jack war so erleichtert, dass seiner Tochter nicht Schlimmes passiert war, dass er für kurze Zeit kein Wort hervorbringen konnte. Erst als Kendall ihn ansprach und fragte ob er etwas Neues wüsste realisierte Jack wieder wo er sich überhaupt befand. Doch schnell hatte er sich gesammelt und war wieder der kühle, gefühlskalte Mensch.
Er berichtete den anderen C.I.A.-Agenten von Sydneys Anruf. Es entging ihm nicht wie Agent Vaughn bei dieser Nachricht erleichtert aufatmete.
Kendall stand auf: „So geht das nicht weiter. Wir müssen endlich vorankommen und herausfinden wer für diese ganzen Manipulationen verantwortlich ist.“
Doch das würde alles andere als einfach werden. Bis jetzt hatten sie keinerlei Anhaltspunkte. Sie konnten lediglich auf Vermutungen aufbauen für die es keinerlei Beweise gab. Kendall löste die Besprechung auf, mit der Aufgabe an alle, so viel herauszufinden wie möglich.
Zurück bei SD-6 erwartete Sydney und Dixon die nächste Überraschung. Sloane war nicht in seinem Büro. Stattdessen stand dort ein fremder Mann.
Sie erfuhren, dass Sloanes Frau Emily sehr krank sei und Sloane mit ihr unterwegs zu einem Spezial-Krankenhaus sei. Der fremde Mann, ursprünglich aus der leitenden Ebene des SD-4, bestellte Sydney und Dixon zu sich.
Beide erwarteten den üblichen Vortrag über ihre nächste Mission. Umso erstaunter waren sie als nichts dergleichen folgte.
Jacques Moureaut ordnete an, dass Sydney und Dixon auf Grund der häufigen Manipulationen zunächst Büroarbeiten und Recherchen übernehmen sollten.
Als sie dies hörte klappte Sydney die Kinnlade herunter. Das konnte doch nicht sein ernst sein. Sie sollten tatsächlich die Aufgaben erledigen, die normalerweise nur neu Rekrutierte übernahmen? Sie hatte sich zwar oft genug darüber aufgeregt, dass sich Sloane offenbar gar nicht davon beeindrucken ließ, was die letzte zeit passierte. Aber deshalb gleich zwei gute Agenten in den Innendienst zu versetzen und Anfängerarbeit verrichten zu lassen…
Doch Moureaut machte keinerlei Anstalten seine Entscheidung noch einmal zu überdenken. Mit den Worten „Ich melde mich bei ihnen, jetzt können sie nach Hause gehen!“ verabschiedete er sich von ihnen und bat sie das Büro zu verlassen.
Sydney fühlte sich wie vor den Kopf gestoßen. So etwas hatte sie ja noch nie erlebt. Sie hatte sich ja schon so manches Mal über Sloane gewundert, aber dies brach alle Rekorde.
Als sie abends Vaughn von ihren Erlebnissen erzählte war dieser genauso perplex wie Sydney selbst.
Er sah jedoch gleich Vorteile darin, dass Sydney zunächst nicht mehr auf Missionen quer durch die Welt ziehen würde. Durch ihre bevorstehende Recherchen-Arbeit würde sie mehr Zeit für die CI.A. haben und vielleicht auch wichtige Fakten herausfinden.
Vaughn erklärte Sydney noch was während ihrer Abwesenheit passiert war und Sydney begann zu verstehen.
An diesem Abend schwirrten ihr so viele Gedanken durch den Kopf, dass Sydney lange brauchte um einschlafen zu können.
Hatte Vaughn nicht total erleichtert ausgesehen als sie ihm von Moureaut’s Entscheidung berichtet hatte? Im selben Moment als sie dies dachte ärgerte sie sich schon darüber. Sie musste aufhören sich diese Dinge einzubilden!
Mit diesen Gedanken schlief Sydney ein.
Am nächsten Morgen wurde sie durch ihren Pieper geweckt. Moureaut verlangte nach ihr. Bei SD-6 angekommen lief sie ihrem Ersatz-Chef geradezu in die Arme. „Kommen sie mit, sie haben einen neuen Team-Kollegen!“
Sydney verstand nicht ganz, doch sie folgte Moureaut in Sloane’s Büro. Als sie durch die sich öffnende Tür trat traf Sydney der Schlag. Wer dort stand war niemand Geringeres als Sark!