7. Tödliche Mission
Sydney war so überrascht, dass sie kurz inne hielt. Diese Chance konnte ihr Gegenspieler jedoch bestens nutzen um seinen Griff um sie zu festigen. Sie spürte die kalte Klinge an ihrer Halsschlagader und wusste für einen kurzen Moment nicht was sie tun sollte. Sie hatte nicht die geringste Ahnung wer sie da festhalten mochte. Bis jetzt konnte sie nicht einmal ausmachen ob ihr Gegner männlich oder weiblich war. Doch da meldete er sich das erste Mal zu Wort: „Tja Sydney! Vielleicht solltest Du das nächste Mal in Deinem Siegestaumel nicht nur geradeaus gucken. Ich dachte Du wüsstest, dass man immer auf der Hut vor Gefahren aus allen Richtungen sein soll?“ Die Stimme kam Sydney überhaupt nicht bekannt vor, aber jetzt wusste sie, dass ihr Gegner männlich war. „Also! Wo ist der Schlüssel?“ Sydney rollte mit den Augen, was der Unbekannte natürlich nicht sehen konnte: „Ach daher weht der Wind…“ „Ja was dachtest Du denn? Dass ich hier zum Spaß durch die Höhlen schwimmen?“ Diesen Augenblick nutzte Sydney. Sie knallte ihm den Fuß gegen das Schienbein. Darauf gar nicht gefasst lockerte sich sein Griff kurz und Sydney hatte die Chance beim Schopfe gepackt und sich umgedreht.
Zum ersten Mal sah sie wen sie vor sich hatte: „Sark!!“ Sie hatte dieses Gesicht schon früher einmal in irgendeiner Akte gesehen. Offenbar auf Grund der nicht gerade geringen Attraktivität dieses recht jungen Mannes schien sie den Namen behalten zu haben. Sie nutzte aus, dass Sark kurze Zeit verdutzt war und rammte ihm das Knie in den Magen während sie ihm noch das Messer aus der Hand schlug. Sark taumelte gekrümmt zurück, doch so leicht ließ er sich nicht abfertigen. So kam es zu einem Kampf in dem kleinen Tunnel. Sie gerieten immer weiter den Tunnel hinab und irgendwann kämpften sie im Wasser. Sydney konnte plötzlich etwas sehen was ganz wie Sauerstoffflaschen aussah, vermutlich Sarks. Ihr nächster Schlag traf Sark hart genug. Er strauchelte, verlor das Gleichgewicht und fiel rückwärts. Sydney nutze die Chance und schnappte sich die Flaschen. Schnell schnallte sie sich diese um und machte sich auf den Weg zurück durch die Höhlen. Sie ertappte sich bei dem Gedanken wie Sark wohl ohne seine Flaschen zurückkommen wollte, doch im nächsten Moment sagte sie sich, dass das ja nicht ihre Sorge war.
Als hätte es den Zwischenfall mit Sark gar nicht gegeben verlief der Rest ihres Heimweges völlig problemlos. Sie kehrte ohne weitere Zwischenfälle nach L.A. zurück.
Nach einer endlich mal wieder ruhigen Nacht machte Sydney sich frisch und gut ausgeschlafen auf den Weg zu SD-6.
Selbstverständlich hatte Sloane den Schlüssel nicht umsonst holen lassen. Passend dazu solle es eine Art Koffer geben, der etwas ganz einmaliges beinhalte. Was dies allerdings genau sein sollte wusste wohl keiner so genau. Ebenso unklar war allerdings wo sich der Koffer befand. Das Ganze wurde noch komplizierter.
Rambaldi soll ein Buch gehabt haben in das er alle Verstecke seiner Erfindungen und Schriften eingetragen haben soll. Ein Großteil dieses Buches sei mittlerweile angeblich zerstört, aber Sloane hoffte auf Informationen über das Versteck des Koffers. Auch wenn er keinen Beweis hatte, dass genau diese Seiten des Buches noch existierten. Er wollte nichts unversucht lassen.
Es war sogar bekannt wo sich diese Überraste befinden sollten. Insgeheim fragte Sydney sich warum Sloane dann erst jetzt auf die Idee kam sich das Buch anzueignen. Die Antwort darauf kam im selben Moment: „Diese Mission wird nicht gerade leicht und unproblematisch werden. Daher gehen sie zusammen, Agent Dixon und Bristow!“ Sydney wunderte sich lediglich woher die plötzliche Sorge Sloanes kam. Sonst waren ihm seine Agenten doch auch relativ egal. Doch der Auftrag entpuppte sich als echte Herausforderung. Die Reste des Buches befanden sich in den Händen des K-Direktorats! Sie hatten zwar Glück insofern, als dass das K-Direktorat als Versteck für das Buch ein abseits gelegenes Gebäude verwendeten, aber Sydneys Meinung nach musste diese Tatsache nicht unbedingt Positives versprechen. Überhaupt fragte sie sich wie um Himmels Willen sie es schaffen sollten dort irgendetwas zu stehlen. Wenn sie daran dachte, dass sie zu zweit in ein Gebäude eindringen sollten, dass so stark geschützt und überwacht war wie das SD-6-Gebäude wurde ihr flau im Magen. Es schien ihr nahezu unmöglich und das erst recht mit nur zwei Mann.
Marshall stellte ihnen seine neuen Erfindungen vor. Unter anderem ein Gerät, das nicht nur das Überwachungssystem sondern zusätzlich sämtliche Rauchmelder oder andere Alarmanlagensysteme außer Kraft setzen konnte. Das Ganze funktionierte auch nicht nur für ein paar Minuten sonder für ganze 2 Stunden.
So viel zeit würden sie zwar nicht einmal in der Nähe des Gebäudes verbringen wollen, aber so war es auf jeden Fall besser als Zeitdruck zu haben. Über die Sicherheitsüberwachung mussten sie sich also schon mal keine Gedanken machen.
Einfach würde diese Mission jedoch auf keinen Fall werden.
Als Sydney Vaughn von dieser Mission erzählte viel ihm geradezu die Kinnlade herunter. Man konnte ihm ansehen wie überrascht und geschockt er war. Er brauchte einen kurzen Augenblick um sich zu sammeln. Aber schon kurz darauf hatte er einen Gegenauftrag für Sydney parat.
Da Sloane selber nicht wusste wie viel von diesem Buch noch existierte sollte Sydney alles was ihr davon als wichtig erschien der C.I.A. übergeben und nur den Rest, also zerstörte Seiten oder verschwommene Schriftstücke, für SD-6 übrig lassen.
In dieser Nacht schlief Sydney wieder sehr unruhig. Sie hatte zwar schon viele schwere Situationen gemeistert, aber diese Mission kam ihr so unmöglich vor. Im Traum wurde sie von den schlimmsten Vorstellungen gequält bis sie irgendwann aufstand weil sie es im Bett nicht länger aushielt. Sie hätte gerne mit jemandem darüber gesprochen und kurze Zeit überlegte sie Vaughn anzurufen. Doch sofort verwarf sie den Gedanken auch wieder. Vaughn hatte seinen Schlaf verdient und sie hatte keine Rechte ihn ihm zu nehmen. Er würde mit Sicherheit insgeheim genervt sein auch wenn er es vielleicht nicht sagen würde.
Sydney hatte keine Ahnung, dass Vaughn in dieser Nacht selbst auch kein Auge zubekam. Pausenlos dachte er an Sydney und diese abstruse Mission. Es war keine Frage, dass diese Mission alle Rahmen sprengte. Seine Sorge um Sydney ließ ihn die ganze Nacht über nicht zur Ruhe kommen.
Als Sydney am nächsten Morgen ihre Sachen packte und sich auf den Weg zum Flughafen machte war sie unruhiger als vor jeder anderen Mission die sie bisher erledigt hatte.
Dixon sah nicht viel fröhlicher aus. Genau wie Sydney schien er wenig, wenn überhaupt, geschlafen zu haben.
Der Flug erschien ihnen unendlich weit obgleich sie lediglich nach San Diego mussten.
Dort angekommen machten sie sich sofort auf den Weg zu dem Gebäude. Es sollte ein etwas abgelegenes Lagerhaus sein, das in Wirklichkeit ein hochgeschütztes Lager des K-Direktorats sei.
Während Dixon und Sydney auf dem Weg zu dem Lagerhaus waren erreicht Vaughn ein Anruf der C.I.A. er solle schleunigst kommen. Er war ohnehin bereits auf dem Weg und kam so kurze Zeit später an. Agent Weiß lief ihm bereits entgegen.
Es hatte einen weiteren anonymen Anruf gegeben. Das Gebäude zu dem Sydney und Dixon unterwegs waren sei eine Falle. Mehr sei nicht gesagt worden. Keiner wusste jetzt so wirklich was zu tun war. Sie wussten nicht einmal ob der Anrufer die Wahrheit gesagt hatte. Es war jedoch ganz klar zu riskant dies zu testen. Es wurde entschieden, dass Jack bei SD-6 vorgeben wird einen Anruf mit der anonymen Warnung erhalten zu haben.
Als Jack mit dieser Botschaft zu Sloane kam wusste er nicht recht was er von dessen Reaktion halten sollte, denn das einzige was Sloane dazu zu sagen hatte war: „Dann überprüfe ob es stimmt Jack!“ Danach bat er seinen alten Freund ihn alleine zu lassen. Es war nicht seine Art Schwächen zu zeigen, aber Jack war so erstaunt von Sloanes unbeteiligter, desinteressierter Reaktion, dass er kurze zeit nicht wusste was er nun tun sollte. Aber im nächsten Moment hatte er seine Gedanken wieder beisammen. Das einzige was er jetzt tun konnte war Sydney anzurufen. Bis jetzt hatte jeder anonyme Tipp der Wahrheit entsprochen, warum sollte es ausgerechnet dieses Mal nicht der Fall sein. So griff Jack nach seinem Handy und wählte Sydneys Nummer. Es kam ihm ewig vor bis er Sydneys erstaunte und leicht kurz angebundene Stimme hörte: „Dad! Was ist?“ Jack wollte gerade fragen wo sie sich befindet doch da hörte er einen ohrenbetäubenden Knall der nur von einer großen Explosion herrühren konnte. Von dem plötzlichen, lauten Geräusch erschreckt zuckte Jack zusammen: „Sydney! Hörst Du mich?!“ Doch die Leitung war tot.