6. Mysteriös
Vaughn und Sydney trauten ihren Augen nicht. Da wo eigentlich, wie überall in diesen Gassen, ein Haus, in diesem Fall in Form eines Restaurants, sein sollte stand nichts. Rein überhaupt gar nichts. Zwischen den Häuserreihen, die in dieser Gegend die Gassen einrahmen, war eine Unterbrechung, ein Loch. Hier erinnerte nichts an ein Restaurant, denn hier war nichts als Kies und Erde. Sollte hier zur Zeit des anonymen Anrufes tatsächlich noch ein Haus gestanden haben, dann hat derjenige, der für dessen Verschwinden zuständig ist ganze Arbeit geleistet. Vaughn und Sydney gingen jeden Meter ab, doch sie fanden nichts, nicht den allerkleinsten Hinweis auf das was hier passiert war, egal was es gewesen sein mochte. Was ihnen jedoch auffiel war die Stille, die bedrückende Ruhe in dieser Straße – Keine spielenden Kinder auf den Straßen, keine tratschenden Frauen vor den Türen, niemand war zu sehen. Es schien hier geradezu ausgestorben zu sein. Sie klopften an eine Tür und nach einiger Zeit kam eine ältere Frau und öffnete die Tür einen Spalt breit. Sie schien verängstigt zu sein und Sydney und Vaughn konnten sagen und fragen was sie wollten, die Frau wiederholte immer nur verstört, dass sie nichts wüsste. Egal wie viel sie wirklich wusste, so hatte das ganze keinen Sinn. Hier schien etwas vorgefallen zu sein was die Bewohner dieser Straße ängstigte.
Niedergeschlagen und deprimiert waren die beiden Agenten während ihres Rückfluges. Nichts hatten sie herausgefunden, nur noch mehr Fragen hatten sich aufgetan. Was auch immer dort vorgefallen war, wo ursprünglich das Restaurant gestanden haben soll, es muss grausam gewesen sein.
Zurück in LA erwartete Sydney auch schon ein neuer Auftrag von SD-6. Seit zwei Tagen sei jetzt keine Mission mehr manipuliert worden. Daher hatte Sloane beschlossen so schnell wie möglich möglichst viel zu erreichen. Sydney hatte alles andere als ein gutes Gefühl dabei. Sie sollte ohne Dixon in die Nähe von Paris. Ein seltsamer Zufall, dass sie ausgerechnet nach Paris geschickt wurde, wo doch angeblich von dort die anonymen Hilfen für die C.I.A. kamen. Noch unruhiger machte Sydney die Tatsache, dass sie alleine auf die Mission sollte. Nicht weil sie es sich nicht zutraute eine Mission alleine zu erledigen, sondern weil Dixon ebenfalls eine eigene Mission bekommen hatte. Sloane schien nun wirklich auf Zeit zu setzen um so schnell wie möglich weiter zu kommen. Sydney befürchtete, dass er in seinem Rambaldi-Wahn leichtsinnig und schlecht durchdacht handeln könnte, Doch das konnte sie Sloane natürlich nicht sagen.
Stattdessen erzählte sie es Vaughn als er ihr ihre Gegenmission geben wollte. Für SD-6 sollte Sydney einen alten Schlüssel besorgen. Dieser Schlüssel soll sich in einer Höhle in einem Berg in einem Wald bei Paris befinden. In dieser Höhle sollte sich eine Art See befinden der durch unterirdische Gänge in eine Sackgasse führt. Dort soll in dem Berg ein weiterer Gang sein der wiederum in eine kleine Höhle führen soll. Dort müsse sich dann irgendwo eine Box mit dem betroffenen Schlüssel befinden.
Sydney hatte eine Karte bekommen, die die unterirdischen mit Wasser gefüllten Gänge zeigte. Es war ein wahres Labyrinth aus dem man mit Sicherheit ohne Karte nie wieder herausfinden würde. Die Gegenmission für die C.I.A. war einfacher. Sie sollte die Schlüsselbox öffnen und den echten Schlüssel mit einem Schlüssel der C.I.A. austauschen.
Vaughn war bezüglich Sloanes Eifer ebenfalls in Sorge. Er wollte, dass Sydney heil zurückkommt. Wie schon öfter hatten sich bei ihm wieder kleine Sorgenfalten auf der Stirn gebildet. Und wie schon im Flugzeug wurde Sydney ganz warm ums Herz als er ihr fest in die Augen schaute und sagte: „Bitte Sydney, pass auf dich auf und komm heil zurück!“ In diesem Moment trat er eine Schritt vor und umarmte sie. Er drückte sie fest an sich und wollte sie gar nicht recht wieder loslassen. Aber das Verlangen sich aus der Umarmung zu befreien hatte Sydney auch gar nicht. Im Gegenteil, sie hatte wieder dieses glückliche, heimische Gefühl wie schon im Flugzeug.
Eine ganze Weile standen sie so da und keiner schien diesen Moment beenden zu wollen. Dann löste Vaughn seine Umarmung wünschte Sydney viel Glück und sie ging zu ihrem Wagen und fuhr nach Hause.
Als Sydney abends in ihrem Bett lag musste sie pausenlos an Vaughn, an die Umarmung, seinen Blick denken. Mit diesen Gedanken schlief sie ein und wurde davon bis in ihre Träume verfolgt…
Sydney war an einem Strand. Das Wasser rauschte, die Wellen plätscherten und hier und dort hörte man eine Möwe schreien. Neben ihr stand Vaughn. Er guckte sie mit diesem süßen Blick an und nahm ihre Hand: „Los, lass uns baden gehen.“ Beide zogen ihre Hosen und Shirts aus bis sie nur noch Short und Bikini an hatten. Dann fassten sie sich an die Hände und liefen in die Wellen. Nichts konnte schöner sein: Sonne, kühles Wasser und Vaughn an ihrer Seite. Er kam näher zu ihr und umarmte sie. Sie guckten sich in die Augen und im nächsten Augenblick spürte Sydney Vaughns Lippen an den ihren. Sie erwiderte der Kuss und so standen sie da. Im kühlen Wasser unter blauem Himmel und der strahlenden Sonne, umarmt und küssten sich. So glücklich wie in diesem Moment, schien es Sydney, hatte sie sich ewig nicht mehr gefühlt. Doch da verdunkelte sich der Himmel. Wolken zogen auf und sie Sonne verschwand. Stattdessen konnte Sydney am Strand die Umrisse eines Mannes sehen. Sie hörte ein gehässiges Lachen und anschließend eine ihr vertraute Stimme: „Ach das ist ja interessant, Agent Bristow…“
Erschrocken schnellte Sydney hoch. Sie saß senkrecht in ihrem Bett und der Schreck steckte ihr noch in den Gliedern. Der Traum schien so wahr. Aber genauso wahr war die Tatsache, dass sie als SD-6-Agentin nicht mit einem C.I.A.-Agenten zusammen sein konnte, so angenehm ihr der Gedanke an den Anfang des Traumes auch schien.
Den Rest der Nacht schlief Sydney unruhig. Immer wieder wachte sie auf und sobald sie für kurze Zeit einschlief verfolgte sie diese gehässige Lache in ihrem Träumen. Demnach war Sydney froh als endlich der Wecker klingelte und es Zeit war sich fertig zu machen um rechtzeitig am Flughafen zu sein. Der Flug ging erstaunlich schnell rum und in dem Wald war sie auch flott angekommen. Ach der Berg und er Eingang zur Höhle fanden sich schnell. In der Höhle sah sie auch gleich den kleinen See. Er hatte kristallklares Wasser. Unwillkürlich musste Sydney an ihren Traum denken. Doch sofort zwang sie sich dazu ihre Gedanken zu sammeln, denn jetzt brauchte sie volle Konzentration um durch das Labyrinth aus Höhlen den richtigen Weg zu finden. Mit Sauerstoffflaschen und Leuchtröhren gerüstet sprang Sydney ins Wasser. Mit Hilfe der Karte stellte es sich als gar nicht so schwer heraus den richtigen Weg zu finden. So fand sie schon kurze Zeit später den kleinen Tunnel, der zu der Höhle mit dem Schlüssel führen sollte.
Anfangs war der Tunnel noch recht breit und hoch, dass sie sogar problemlos aufrecht gehen konnte. Doch nach einiger Zeit wurde er immer schmaler und niedriger. Ebenso wurde das Wasser weniger bis der Tunnel letztendlich trocken war. Viel weiter würde Sydney mitsamt den Sauerstoffflaschen nicht kommen. Aber sie brauchte sie ja eh erst wieder auf dem Rückweg. Somit schnallte sie die Flaschen ab und robbte sich weiter durch den Tunnel. Endlich sah sie die kleine Höhle vor sich liegen. Wie angenehm es war endlich wieder aufrecht stehen zu können.
Die Box lag auf einem kleinen Sockel. Sydney nahm sie, öffnete sie und tauschte den Schlüssel aus. Den echten verstaute sie sicher in einer kleinen Tasche in ihrem Taucheranzug und die Box in dem kleinen Beutel den sie sich umgebunden hatte. Schnell machte sie sich auf den Weg zurück durch den Tunnel. Zurück ging schneller und schon kurze Zeit später erreichte sie die Stelle wo sie ihre Flaschen abgelegt hatte. Doch diese waren weg. Panik stieg in Sydney auf. Ohne Sauerstoffflaschen würde sie nicht zurückkommen. Sie ging noch ein Stück weiter in der Hoffnung sie doch noch zu finden. Doch stattdessen fühlte sie wie jemand von hinten auf sie sprang und ihr ein Messer an die Kehle setzte.