2. Entführt
In Sydneys Kopf rotierten die Gedanken. Was hatte denn Vaughn hiermit zu tun? Sie blickte ihm ins Gesicht und er starrte sie mit einem total irren Ausdruck an. Wie aus weiter Ferne drangen Dixons Rufe an ihre Ohren, der immer noch damit beschäftigt war Sloane zu befreien. Sie wusste nicht was sie tun sollte. Was war denn hier nur los? Hatte die C.I.A. beschlossen Sloane gefangen zu nehmen um so SD-6 zu zerstören? Das kann doch nicht sein. Und außerdem hätte man sie doch informieren müssen.
Bevor sie einen klaren Gedanken fassen konnte stand Dixon plötzlich neben ihr und aus den Augenwinkeln sah sie wie er die Waffe erhob und schoss… Ihr wurde schwarz vor Augen.
Sydney schreckte hoch. Sie war total verschwitzt und zitterte am ganzen Körper. Was um Himmels Willen war das gewesen?
Sie brauchte einige Minuten um zu realisieren, dass sie zu Hause bei sich war und bis eben gerade noch geschlafen hatte. In Gedanken versuchte sie die zuvor im Traum erlebten Ereignisse zu rekonstruieren.
Da war Vaughn gewesen und er hatte so furchtbar irre gewirkt. Und Dixon hatte auf ihn geschossen. Sydney schüttelte den Kopf. Nein, was für ein dämlicher Traum!
Aber es kam ihr alles so realistisch vor.
Schwachsinn! schalt sie sich. Das grenzt ja an Wahnsinn wenn sie jetzt noch anfangen würde zu glaube ihre Träume wären wahr.
Nachdem sie ausgiebig geduscht hatte machte sie sich auf den Weg zur Uni. Heute war Abgabetermin einer wichtigen Hausaufgabe und sie war regelrecht stolz darauf, dass sie nach langer Zeit endlich eine Aufgabe zum angegebenen Termin abgeben konnte. Es war, seit sie als Doppelagentin arbeitete, fast zur Regel geworden, dass sie sich Ausreden für die Professoren überlegen musste weshalb sie mal wieder den Termin verpasst hatte.
Dieses Problem hatte sie heute nicht. Sie wusste nicht ob es tatsächlich der Fall war oder ihre Phantasie mit ihr durchging, aber ihr kam es so vor als hätte ihr Prof geradezu erstaunt gewirkt, über ihre pünktliche Abgabe.
Voller Vorfreude auf einen warmen Kaffee mit Francie packte sie nach Ende der Vorlesung ihre Sachen. Doch auf dem Weg nach draußen machte ein vertrautes Piepen ihre Freude zunichte. SD-6 verlangte nach ihr.
Vorbei an ihrem Schreibtisch ging sie geradewegs auf Sloanes Büro zu. Dixon, Marshall und ihr Vater waren bereits da. Zu ihrer Überraschung fehlte jedoch Sloane. Wie durch einen Reflex musste Sydney sofort wieder an ihren Traum denken. Doch im nächsten Augenblick stand Sloane auch schon vor ihnen. Er wirkte auf Syd irgendwie angeschlagen. Als hätte er… Jetzt ist aber genug, Du drehst ja völlig durch!
Sie ärgerte sich selbst über ihre Gedanken doch auch während Sloane die anstehende Mission erläuterte musste sie immer wieder an die geträumten Ereignisse denken.
Die Mission schien einfach zu sein. Sie sollten in die Zentralbank von... sie registrierte, dass sie den Ort nicht mitbekommen hatte und ärgerte sich immer mehr über ihre heutige Unaufmerksamkeit. Auf jeden Fall galt es dort einen unbekannten Brief aus einem Schließfach zu stehlen. Der Brief soll damals von Rambaldi an einen seiner Schüler gerichtet worden sein.
Nach einiger Zeit war Syd dann auf dem Weg zum Treffpunkt, wo sie ihre Gegenmission der C.I.A. erhalten sollte.
Zu ihrem Erstaunen kam nicht Vaughn sonder Weiß. Sie spürte ein leichtes Gefühl von Enttäuschung. Dies wurde jedoch sofort von einem Bild verdrängt. Schon wieder dachte sie an den irren Vaughn aus ihrem Traum.
„Was ist mit Vaughn?“ war so ihre erste Frage. Er solle krank geworden sein. – Seltsam… – Ihre Gegenmission war leicht. Sie sollte den Brief der C.I.A. übergeben und SD-6 eine Fälschung zukommen lassen.
Als sie sich abends fertig für den Abflug nach Singapur machte ertappte sie sich dabei, dass sie pausenlos an Vaughn und ihren Traum dachte.
In der Bank angekommen gaben sich Sydney und Dixon als reiche Geschäftleute aus. Dixon sollte Alarmanlage und Überwachungssystem kontrollieren während Sydney, unter dem Vorwand etwas aus „ihrem“ Schließfach zu benötigen, nach unten gebracht wurde.
Sie hatte gerade den Bankangestellten betäubt, da hörte sie Dixon eine Warnung rufen. Schon im nächsten Augenblick spürte sie einen harten Schlag und ihr wurde schwarz vor den Augen…
Als sie aufwachte saß Sydney gefesselt aus einem Stuhl in einem dunklen Raum. Sie spürte einen stechenden Schmerz am Hinterkopf. Da ging die Tür auf und herein kam ein Mann in schwarzem Tarnanzug. Ein zweiter Wächter kam hinterher. Beide trugen schwere Waffen und glotzten sie geradezu an. „Na, wer bist Du?“ „Für wen arbeitest Du?“
Sydney schwieg. Was sollte das denn sein? Ein Verhör? Sie fühlte sich ein wenig auf den Arm genommen. Bevor sie den Sinn dieser Art von Befragung erkannte schlug ihr einer der Männer sein Gewehr an den Kopf. Sie spürte wie ein kleines Rinnsal von ihrer Schläfe in ihren Mund rann. Sie konnte nur noch verschwommen sehen und wie aus weiter Ferne hörte sie das höhnische Spotten der Wachen: „Kannst Dich gleich an die Behandlung gewöhnen, die Dich erwartet wenn du deinen Mund nicht aufmachst!“
Da öffnete sich die Tür ein weiteres Mal und herein kam ein Mann in ebenfalls schwarzem Tarnanzug. Syd versuchte sein Gesicht zu erkennen und als er näher kam wurde sie von einer Schockwelle überrollt.
Dieser Mann sah aus wie Vaughn…