Teil 1
Mongolei
Er wachte unter furchtbaren Schmerzen wieder aus der Bewusstlosigkeit auf.
Er richtete sich stöhnend wieder auf. Sein Blick fiel auf den Eingang zu Rambaldis Kammer.
Ihm wurde klar, dass er noch etwas tun musste, bevor er starb.
Für diese Kammer waren Menschen bereit zu töten, egal, was sie auch enthielt. Sloane mochte tot sein, doch die Gefahr, dass noch andere Rambaldi-Anhänger diesen Ort finden wollten, war zu groß.
Er musste diesen Wahnsinn beenden. Vielleicht würde seine Tochter dann endlich in Frieden leben können.
Dieses Ziel vor Augen unterdrückte er erfolgreich die Schmerzen und stand auf. Erst schwankend, dann immer sicherer ging er hinunter in Sloanes Camp.
Er musste etwas Hochexplosives finden, was Rambaldis Kammer in Schutt und Asche legen würde.
Hong Kong
Sydney und Irina stürzten durch das Fenster. Beide fielen auf den Boden des Daches unter ihnen. Der Aufprall presste ihnen die Luft gewaltsam aus den Lungen. Sydney spürte, wie die vom Sturz gebrochenen Rippen ihr schmerzhaft in die Seite stachen. Um wieder zu Atem zu kommen, drehte sie sich auf den Rücken. Ihre Mutter neben ihr folgte ihrem Beispiel.
Beide sahen nach oben in den Himmel.
„Warum kämpfst du hier gegen mich? Die Verteidigungssatelliten sind zerstört.“, wollte Irina keuchend von ihrer Tochter wissen, als einer der Satelliten wie ein brennender Komet zur Erde fiel.
„Die Sterne werden zu Erde fallen.“, zitierte Sydney nachdenklich den alten Mann aus dem italienischen Gefängnis, der sich ihr als die „Rose“ vorgestellt hatte. Die Frage ihrer Mutter ignorierte sie.
„Selbst, wenn du es schaffst, mich hier auf diesem Dach zu schlagen, wird es zu spät sein, den Raketenstart zu verhindern.“, versuchte es Irina erneut.
Endlich wandte sich Sydney ihr zu. Sie drehte ihren Kopf zu ihrer Mutter und unterdrückte ein Lächeln. „Glaubst du wirklich, ich bin allein hierher gekommen?“
Irinas Gesichtsausdruck verhärtete sich, als ihr klar wurde, dass ihr Plan vereitelt worden war. Entschlossen, diesen Kampf zuende zu bringen, stand sie auf.
Mongolei
Jack ging immer schneller auf den Eingang zu der Kammer zu. Er hatte sich den Gürtel voller Sprengstoff um den Körper geschnallt und hielt den Zünder fest in der Hand. Seine Schmerzen waren vergessen.
Er versuchte auch nicht an Sydney zu denken oder daran, dass er seine Enkelin nie würde aufwachsen sehen.
Kurz vor dem Eingang blieb er noch einen Augenblick stehen. Er atmete tief durch und schüttelte seine Bedenken ab. Er würde hier sterben, so oder so.
Er wollte gerade den Gang hinunter zur Kammer betreten, als er hinter sich eine Stimme hörte.
„Mr. Bristow?“
Nein, nicht jetzt, ging es ihm durch den Kopf. Dann drehte er sich um.
„Wir sind hier, um Sie ins Krankenhaus zu bringen.“ Die drei uniformierten Männer der CIA sahen ihn herausfordernd an. Dann fiel ihr Blick synchron auf den Gürtel voller Sprengstoff.
„Sagen Sie einfach, ich war schon tot, als Sie hier ankamen.“, befahl er ihnen und wandte sich wieder dem Eingang zu.
„Wir haben den ausdrücklichen Befehl erhalten, nicht ohne Sie hier zu verschwinden. Sie sollen mit uns kommen, lebendig oder tot.“, erklärte ihm der Ranghöchste unter ihnen mit einem Ton in der Stimme, der keinen Widerspruch zuließ.
Jack musste fast lachen. Die CIA erwartete doch nicht wirklich, dass er Befehle von drei Sanitätern entgegennahm. Schon gar nicht, wenn er nicht riskieren konnte, der CIA jetzt zu vertrauen.
Er ignorierte sie und betrat den Gang. „Warten Sie einfach draußen in sicherer Entfernung. Vielleicht können Sie noch ein paar Reste von mir einsammeln.“, erklärte er ihnen und verschwand.
Doch die drei Männer folgten ihm.
Hong Kong
„Für was auch immer es jetzt noch wichtig ist: Ich liebe dich wirklich.“
Diese Worte verbunden mit den Schlägen, die Sydney gerade eingesteckt hatte, trieften für sie vor Hohn: Voller Zorn rammte sie ihrer Mutter ihren Fuß in den Magen und beförderte sie so auf das ein paar Meter entfernte Oberlicht.
Das Glas knackte gefährlich, als Irina darauf aufschlug. Doch Irina machte keine Anstalten, das Oberlicht wieder zu verlassen, bevor sie einbrach. Das Einzige, was ihr in diesem Moment durch den Kopf ging, war, dass der Horizon hier irgendwo auf dem gläsernen Dach liegen müsse. Sie musste ihn in die Finger bekommen, bevor er ihr auch noch genommen wurde.
Sie drehte sich auf den Bauch und sah nach vorne. Sie stutzte. Die Platten aus Glas um sie herum waren leer. Verzweifelt blickte sie sich um. Rambaldis Kugel musste doch hier irgendwo sein.
„Mom?“
Sie überhörte Sydneys besorgte Stimme. Sie versuchte sich aufzustützen, um besser sehen zu können. Das Glas unter ihr antwortete mit einem lauten Knacken.
„Das Glas wird dich nicht lange tragen. Mom, du musst zurückkommen.“ Sydneys Stimme bekam einen flehentlichen Unterton.
Irina warf einen Blick auf ihre Hände. Unter ihnen zogen sich feine Risse durchs Glas, die immer länger wurden, je länger sie darauf lag.
„Mom, du schaffst das. Gib mir deine Hand.“ Tränen liefen über Sydneys Gesicht, während sie ihre Mutter bat, zurückzukommen. Irina konnte es nicht sehen. Aber es war deutlich an Sydneys Stimme zu hören, dass sie weinte.
Sie musste sich beeilen! Sie warf noch einmal einen hektischen Blick um sich. Da sah sie sie. Die Kugel lag auf dem Dach nahe neben dem Oberlicht. So nahe, dass sie sie beinahe übersehen hätte! Und dabei war sie sich sicher gewesen, dass der Horizon auf das Oberlicht gefallen war!
Das Knacken des Glases wurde immer lauter, die Risse immer tiefer und länger. Sie musste jetzt sofort reagieren! Sie ignorierte Sydneys Angebot, ihr zu helfen und legte sich flach auf das Glas. Sie holte Schwung und rollte sich ab. Sie fiel neben dem Oberlicht auf den Boden. Neben ihr krachten die Glasplatten des Oberlichts in die Tiefe.
Erleichtert atmete sie auf. Direkt vor ihr lag der Horizon.
Sydney konnte ihre Erleichterung kaum zurückhalten. Doch dann sah sie die rote Kugel Rambaldis vor ihrer Mutter liegen.
Deswegen war sie also heruntergekommen! Ihre Mutter hatte sich ganz klar gegen sie entschieden. Sydney konnte nicht verhindern, dass ihr diese Tatsache einen Stich versetzte.
Sie sah, wie ihre Mutter aufsprang und sich den Horizon schnappte. Als Irina sich zu ihr umdrehte und sie fast triumphierend ansah, wusste Sydney, dass der Kampf noch nicht vorbei war. Schweren Herzens machte sie sich bereit.
„Sydney!“
Irinas Kopf flog in die Richtung, aus der die Stimme kam. Ihre Augen weiteten sich vor Überraschung. Aber nur kurz.
Sydney wandte sich um und sah Vaughn an der Tür zur Treppe stehen. Sie lächelte ihm zu.
„Ich habe ihn also erschossen?“ Der Sarkasmus in Irinas Stimme ließ Sydney herumfahren.
„Es ist vorbei, Mom.“, erklärte sie ihrer Mutter mit beherrschter Stimme.
Sie hoffte, dass sich Irina Derevko ergeben würde. Doch die Art, wie sie den Horizon hielt und ihr Blick verrieten Sydney, dass ihre Mutter eher sterben würde.
Sie warf einen Blick auf Vaughn. Sein entschlossener Gesichtsausdruck sagte ihr, dass er Irinas unausgesprochenem Wunsch gerne nachkommen wollte.
Irinas Blick wanderte wachsam zwischen Sydney und Vaughn hin und her und blieb dann an ihrer Tochter hängen. Sie wusste, würde sie jetzt fliehen, würde Sydney sie vielleicht gehen lassen. Wenn sie sich aber entschloss zu kämpfen, würde sie verlieren.
Und sie durfte den Horizon nicht aus der Hand geben.
Sie sah beide noch einmal nacheinander an, machte einen Schritt vorwärts, drehte sich dann aber blitzschnell um und rannte los.
Das Geräusch war nur sehr leise. Ein feines Zischen, das an ihrem Körper vorbeiflog. Sie kannte es, das Surren einer Kugel, doch sie spürte keinen Schmerz. Sie hatten sie verfehlt.
Dann spürte sie die Feuchtigkeit auf ihrer Hand, die den Horizon hielt. Von einer dunklen Ahnung getrieben, sah sie an sich herunter. Die Kugel hatte ein großes Loch in Rambaldis Werk geschlagen.
Fassungslos sah Irina zu, wie die wertvolle rote Flüssigkeit aus dem Horizon floss. Panisch blieb sie stehen und drehte die Kugel so, dass keine Flüssigkeit mehr austreten konnte. Dabei bemerkte sie fast nicht den Stich des Betäubungspfeils an ihrem Hals.
Sie wandte sich schwankend um und erkannte, dass sie umstellt war. Einer der CIA-Agenten riss ihr den Horizon aus der Hand, bevor sie reagieren konnte. Er warf ihn Vaughn zu.
Ein anderer Agent übergab Vaughn eine Phiole.
„Das hier soll ich Ihnen geben. Von Agent Dixon.“
Vaughn starrte verwundert auf die helle Flüssigkeit.
„Sie sollen sie über die Kugel schütten.“, erklärte der Agent, während Irina gewaltsam Handschellen angelegt wurden.
Obwohl das Beruhigungsmittel ihrem Blut ihr immer mehr zu schaffen machte, kämpfte sie bisher erfolgreich gegen die Bewusstlosigkeit an.
Vaughn legte den Horizon auf den Boden, öffnete die Phiole und schüttete den Inhalt über den Horizon. Dort, wo er die Außenhülle der Kugel traf, zischte es und Rauch stieg auf. Langsam fraß sich die Flüssigkeit durch den Horizon und zerstörte ihn systematisch.
Bei diesem Anblick schrie Irina zornig auf und versuchte verzweifelt, sich zu befreien. Dann wurde ihr schwarz vor Augen und ihr Körper sackte nach vorne.
Sydney schluckte.
Der Schmerz in den Augen ihrer Mutter während der Zerstörung des Horizon machte sie traurig und wütend zugleich. Sie wusste, dass Irina Derevko nun das verloren hatte, nach de sie ihr Leben lang gesucht hatte. Doch andererseits war ihre Mutter bereit gewesen, alles und jeden für diesen verfluchten Gegenstand zu opfern. Opfer, die nach Sydneys Meinung nichts auf der Welt rechtfertigen konnte.
Während sie mit gemischten Gefühlen zusah, wie ihre Mutter abtransportiert wurde, holte Vaughn sein Handy hervor. Das plötzliche Auftauchen der CIA-Agenten hatte ihn misstrauisch gemacht.
„Ja? Vaughn? Ist alles in Ordnung?“, ertönte Dixons Stimme am Telefon.
„Ja, hier ist alles geregelt. Dank der Männer, die hier aufgetaucht sind.“, antwortete Vaughn und warf den Agenten einen skeptischen Blick zu.
„Jack hat eine Liste seiner Verbindungen hier gelassen, falls wir Verstärkung schicken sollten. Und nachdem uns Ms. Peyton verraten hat, wo wir Sloanes Hauptquartier finden konnten. Dort haben wir auch die Flüssigkeit gefunden. Und da dachte ich, ich schicke sie
gleich zu euch.“, erklärte ihm Dixon.
„Apropos Jack: Hab ihr schon Informationen über seinen Gesundheitszustand?“
Er hörte Dixon seufzen. „Wir haben erst vor ein paar Minuten Nachricht von dem medizinischen Team erhalten, dass wir hingeschickt haben. Sie haben ihn nicht gefunden. Aber die geheime Kammer, die Sloane entdeckt hat, war nur noch Schutt und Asche. Außerdem haben sie sein Blut vor den Trümmern gefunden.“
Nachdem Vaughn ihm berichtet hatte, dass der Horizon zerstört und Irina Derevko festgenommen worden war, legte er auf. Er atmete tief durch. Das passte zu Jack. Rambaldis Werk zu zerstören, damit niemand es mehr für seine Zwecke missbrauchen konnte.
Vaughn war ihm dankbar dafür. Nach ihrem übereilten Aufbruch aus der Mongolei hatte er befürchtet, es noch zu bereuen, Rambaldis Kammer so unbewacht zurückzulassen.
Dennoch konnte er die aufkeimende Trauer kaum unterdrücken. Besonders, wenn er daran dachte, Sydney vom Tod ihres Vaters berichten zu müssen.
Er sah sie an.
Als hätte sie seinen Blick auf ihrem Körper gespürt, wandte sie sich zu ihm um. Tränen rannen über ihr Gesicht.
Vaughn zögerte keine Sekunde, ging auf sie zu und nahm sie in die Arme.
Während sie an seine Schulter gelehnt schluchzte, fielen über ihnen die Verteidigungssatelliten wie Sternschnuppen zur Erde und erleuchteten dabei den nächtlichen Himmel.
Sieben Jahre Spaeter, eine unbekannte Insel im Suedpazifik
„Glaubst du wir sollten noch einmal umziehen? Scheinbar sind wir immer noch zu einfach zu finden.“,
Sydney musste lächeln, während sie Dixons Flugzeug hinterher sah, das langsam in der Ferne verschwand.
„Ich glaube nicht, dass deine Tochter davon so begeistert wäre.“, antwortete sie ihrem Mann.
Als wolle sie die Aussage ihrer Mutter bestätigen, kam Isabelle angerannt.
„Daddy, kommst du mit zu den Höhlen?“, wollte sie von Vaughn wissen.
Dieser verdrehte gespielt genervt die Augen.
„Nicht schon wieder.“, äffte er die Stimme seiner Tochter nach.
„Ich räum auch danach mein Zimmer auf.“, versprach sie ihm.
Vaughn warf seiner Frau einen amüsierten Blick zu.
„Was für ein verlockendes Angebot.“, meinte er dann zu seiner Tochter.
„Geht schon. Seit bloß bis zum Abendessen wieder da.“, ermunterte ihn Sydney und sah den beiden glücklich hinterher. Sark mochte zwar immer noch da frei sein und der CIA Ärger machen, aber wenigstens würde Rambaldi das Leben ihrer Kinder nicht mehr gefährden können.
In diesem Moment hörte sie Jack weinen und machte sich auf den kurzen Weg zurück ins Haus.
„Isabelle? Sei vorsichtig, wo du hintrittst. Wir haben noch keine Ahnung, was hier für giftige Tiere leben. Außerdem ist der Boden ziemlich glitschig.“
Isabelle, die schon so weit vorausgelaufen war, dass sie ihren Dad nur noch hören konnte, seufzte. „Ich hab aber diesmal die richtigen Schuhe angezogen. Und gefährlich Tiere gibt’s hier nicht. Das hab ich nachgelesen.“, belehrte sie ihren Vater. „Beeile dich lieber mal.“, forderte sie ihn auf.
„Sie ist wie ihre Mutter.“, murmelte Vaughn, musste aber dabei lächeln. „Ich bin direkt hinter dir. Du könntest ja mal auf mich warten.“, rief er seiner Tochter zu.
Seufzend blieb Isabelle stehen. Sie sah sich in der feuchten, schwarzen Höhle interessiert um. Der Lichtstrahl ihrer Taschenlampe wanderte über die zerklüftete Decke der Höhle und die glatten feuchten Wände hinunter zu ihren Füßen. Unter ihr hatte die Ebbe große Wasserpfützen in dem unebenen Boden hinterlassen. Das Licht spiegelte sich im Wasser wieder und sie konnte schemenhaft ihr Spiegelbild in der Pfütze vor ihr erkennen. Sie ging fasziniert ein paar Schritte weiter. Der Lichtstrahl schwang hin und her, bis er plötzlich an etwas ungewöhnlichem hängen blieb.
Neugierig kam Isabelle näher und erkannte vor sich die leere Verpackung eines Schokoriegels wieder, die achtlos in eine größere Wasserlache geworfen worden war. Stirnrunzelnd bückte sie sich, um das Papier aufzuheben. Dabei fiel ihr der Schatten auf, der ganz nah hinter ihr vorbeihuschte und dessen Schemen sie im Wasser erkennen konnte.
Erschrocken drehte sie sich um.
„Wer ist da?“, rief sie in die Höhle hinein und versuchte dabei, ihre Stimme nicht vor Angst zittern zu lassen.
„Daddy? Bist du das? Hör auf, mich zu erschrecken. Ich hab doch auch gewartet.“, versuchte sie es erneut, als ihr niemand antwortete.
Sie hörte ein fernes Plätschern im Gang direkt links von ihr. Es hörte sich an, als wäre jemand oder etwas durch eine der Pfützen gerannt.
Schnell leuchtete sie mit ihrer Taschenlampe in den Seitengang hinein, doch sie sah nur einen Schatten, der vor dem Licht ihrer Lampe zu fliehen schien.
Vielleicht bilde ich mir das einfach nur ein, beruhigte sie sich.
„Isabelle? Bist du da vorne?“
Erleichtert wandte sie sich der Stimme ihres Vaters zu.
„Jaha.“, antwortete sie ihm.
„Bleib einfach, wo du bist. Ich bin gleich da.“, rief er ihr zu.
„Okay.“, erwiderte sie nur und merkte, wie ihre Angst langsam verschwand.
Sie würde ihrem Vater einfach ihren Fund zeigen und er würde schon eine Erklärung dafür finden. Wahrscheinlich hatte sie nur irgendein Tier aufgeschreckt, das hier Schutz suchte.
Während sie wartete, bemerkte sie nicht den Schatten, der leise immer näher kam. Erst als sich eine Hand auf ihren Mund legte und sie in den Seitengang gezogen wurde, schrie sie überrascht auf.
Doch ihr Vater konnte ihren erstickten Schrei nicht mehr hören. Er vernahm nur das Poltern der Taschenlampe, als diese zu Boden fiel und erlosch.
Isabelle wehrte sich heftig. Sie wartete den richtigen Augenblick ab und biss ihrem Entführer in die Hand. Er stieß einen kurzen Schmerzenschrei aus und ließ sie los.
Sie fiel zu Boden und rappelte sich wieder auf. Doch anstatt wegzulaufen, sah sie den fremden Mann herausfordernd an. Sie konnte sein Gesicht nicht erkennen, aber das machte ihr keine Angst. Sie wusste, dass ihr Vater sie schon retten würde, bevor ihr etwas zustieß.
„Wer bist du?“, wollte sie trotzig wissen.
Statt einer Antwort knipste der Fremde seine eigene Taschenlampe an und ließ ihr Licht auf sein Gesicht fallen.
Isabelle erblickte einen älteren Mann mit grauem Haar, der sie kalt musterte. Seine hagere
Gestalt deutete daraufhin, dass er schon über längere Zeit kaum Nahrung zu sich genommen hatte. Seine Kleidung war schmutzig und zerrissen, aber sein Blick war voller Stolz und verriet nichts von Schmerz über seine jetzige Situation.
Dieser Blick, dieses Gesicht, all das kam Isabelle bekannt vor. Irgendwo hatte sie diesen Mann schon einmal gesehen.
Dann erinnerte sie sich an das Foto ihrer Mutter von ihm.
Aber sie hatte doch gesagt - .
„Grandpa?“, erkundigte sie sich stirnrunzelnd.
Die Miene des Mannes blieb unbewegt, aber in seinen Augen blitzte so etwas wie erleichterte Freude auf.
„Hallo, Isabelle.“, begrüßte Jack Bristow seine Enkelin.
Fortsetzung folgt